Die Risiko-Management-Anlagestrategie


Money Management StrategieWas ist Risiko-Management bzw. Money-Management

Beim Money-Management geht es darum, sowohl das Kapital eines Wertpapier-Portfolios (Depots) als auch dessen Risiko zu steuern. Deshalb ist sowohl vom Money-Management als auch vom Risiko-Management die Rede.

Defintionen zum Risiko- bzw. Money-Management

Die Börsenweisheit "Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen" könnte man als Definition vom Risiko- bzw. Money-Management betrachten.

Für Aktionäre, die an der Börse schon einmal viel Geld verloren haben, sollte man Risiko-Management eventuell so definieren: Mit Money-Management streut man sein Wertpapier-Portfolio so, dass man Verlustphasen gut übersteht und niemals sehr große Verluste realisiert oder gar pleitegeht.

Wendet man auf sein Wertpapier-Portfolio Money- und Risiko-Management an, so lässt man sich nicht mehr von Emotionen leiten, sondern handelt konsequent nach mathematisch exakten Vorgaben. Dadurch werden Verluste gering gehalten und Gewinne gesichert. Money- und Risiko-Management ist eine Wertsicherungsstrategie.

Elemente von Risiko-Management:

  1. Gesamtkapital bestimmen
  2. Einzelpositionsbestimmung
  3. Gesamtrisiko festlegen
  4. Einzelpositionsrisiko festlegen
  5. Stoppkurs festlegen
  6. Aktienanzahl der Einzelposition errechnen
  7. Order ausführen und nachziehen

Ein Beispiel von Risiko-Management:

Zu 1.: Gesamt-Börsenkapital (für Otto Normalaktionär) bestimmen

Im Grunde genommen geht es hierei um mehr als nur das Festlegen von zum Beispiel 12.000 € Börsenkapital für ein Investieren in Aktien. Normalerweise sollten auch die anderen durch Diversifikation festgelegten Vermögenswerte mit einbezogen werden. Der Einfachheit halber vernachlässige ich in diesem Beispiel die durch Diversifikation festgelegten Vermögenswerte.

Warum eine Cash-Reserve?
Eine sogenannte Cash- oder Liquiditäts-Reserve dient dazu, kurzfristig handlungsfähig zu sein. Sollten sich der Verkauf einer Position etwas verzögern und ein Kauf gerade günstig erscheinen, so kann die Cash-Reserve dazu verwendet werden, um diese Chance zu nützen. Wichtig ist allerdings, dass sie wirklich nur kurzfristig genützt und nach dem Verkauf der anderen Position sofort wieder aufgebaut wird.

Zu 2.: Einzelpositionsbestimmung:

Zu 3.: Gesamtrisiko festlegen:

Wenn Sie langfristig Erfolg an der Börse haben möchten, dann sollten Sie sich an folgende Regel der Profis halten:

Riskiere niemals mehr als 1% des derzeitigen Gesamt-Börsenkapitals pro Einzelposition und gehe dabei ein Einzelpositionsrisiko von höchstens 10% ein!

Zu 4.: Einzelpositionsrisiko errechnen:

Die Werte liegen innerhalb der oben definierten Regel!

Andere Autoren berechnen das Einzelpositionsrisiko anders, nämlich in umgekehrter Richtung. Anhand unseres Beispiels, mit einem maximalen Börsenkapital-Gesamtrisiko von 10% (verteilt auf die Einzelpositionen), sieht die Berechnung folgendermaßen aus:

4b - Einzelpositionsrisiko errechnen:

Die genannte 1%-Regel ist damit überschritten!

Zu 5.: Stoppkurs festlegen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Stoppkurs festzulegen. Hier gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass der Stoppkurs 10% unterhalb des Einstiegskurses liegt.

Zu 6.: Aktienanzahl der Einzelposition (AaEp) berechnen:

                     maximales Risiko pro Position
AaEp = -----------------------------------------------
                     aktuellen Kurs - Stoppkurs

         120 €
= ----------------- = 12 Stück
      100 € - 90 €

Beachten Sie bitte, dass diese Rechnung keine Gebühren und Slippage aufweist. Gehen wir davon aus, dass sich die Kauf- und Verkaufsgebühren auf je 0,6% belaufen und die Kauf- und Verkaufsslippage auf 1,2%, so ergeben sich folgende Werte:

Kauf: 100% + 1,2% + 0,6% = 101,8%
Verkauf: 100% - 1,2% - 0,6% = 98,2%

Die obige Rechnung würde dann folgendermaßen lauten:

                     maximales Risiko pro Position
AaEp = --------------------------------------------------------------
                  aktuellen Kurs x 1,018 - Stoppkurs x 0,982

         120 €
= --------------------------- = ca. 9 Stück
      101,8 € - 88,38 €

Was ist eine Slippage:
Slippage könnte man mit "schlechte Orderausführung" übersetzen. Wenn Sie per Stop-Buy-Order die 100 € Aktien kaufen, dann wird die Position gekauft, sobald der angegebene Kurs erreicht oder überschritten ist. Die Stop-Buy-Order wird bei Erreichen des Stoppkurses zu "bestens kaufen" zum nächsten Kurs bestens gekauft. Das kann bedeuten, dass Sie die Aktie etwas teurer kaufen als geplant.
Umgekehrt wird bei einer Stop-Loss-Order zu 90 €, die Position verkauft, sobald der angegebene Kurs erreicht oder unterschritten ist. Die Stop-Loss-Order wird bei Erreichen des Stoppkurses zu "bestens verkaufen" zum nächsten Kurs bestens verkauft. Das kann bedeuten, dass Sie die Aktie etwas billiger verkaufen als geplant.

Zu 7.: Aktienkauf und Stop-Loss:

Aktienkauf:
12 Stück zu je 100 € = 1.200 €
9 Stück mit Gebühren und Slippage zu je 101,80 € = ca. 916 €

Sofortiger Stop-Loss:
für 12 Stück zu 90 € = 1.080 €
für 9 Stück mit Gebühren und Slippage zu je 88,38 € = ca. 795 €

Vorteile vom Money-Management:

  1. Ihr Verlust ist genau definiert - die Nerven bleiben geschont - die Gefühle treffen keine falsche Entscheidungen

  2. Sie lassen Ihre Gewinne laufen
    Davon war schon in der Definition die Rede. Es ist erwiesen, dass viele Aktionäre ihre "Verluste laufen lassen und Gewinne begrenzen". Im Börsenalltag heißt dies, dass bei Verlusten viel zu spät verkauft wird (wenigstens der Einstiegskurs soll mit der Position erreicht werden) und bei Gewinnen viel zu früh verkauft wird. Mit Money-Management passiert Ihnen dies nicht.

  3. Ihre Verluste werden durch den Stoppkurs tatsächlich begrenzt
    Wie aber maximieren Sie Ihre Gewinne? Ganz einfach indem Sie den Stoppkurs immer wieder nachziehen. Lassen Sie uns das Beispiel nochmals kurz aufgreifen:

    - Sie kaufen Aktien, deren Stückpreis bei 100 € liegt und Sie setzen den Stoppkurs bei 90 € (-10%).
    - Die Aktie steigt auf 110 € und Sie ziehen den Stoppkurs auf 99 € nach.
    - Die Aktie steigt weiter auf 120 € und Sie ziehen den Stoppkurs auf 108 € nach (Sie sind schon in der Gewinnzone!).
    - Die Aktie steigt weiter bis auf 150 € und Sie ziehen den Stoppkurs 135 € nach.
    Leider kommt es dann zu einem Abwärtstrend dieser Aktie. Bei 135 € wird Ihr Stopp ausgelöst und Ihre Aktie wird in etwa zu diesem Kurs - also mit 35 € Gewinn verkauft.

    Sie selbst hätten eventuell schon bei 120 € verkauft!
    Und: Es könnte auch sein, dass Sie bei 135 € nicht verkauft hätten, weil Sie auf einen erneuten Anstieg der Aktie gehofft hätten.

Bewertung von Money-Management:

Money- und Risiko-Management kann man sowohl einfach als auch etwas schwieriger und damit genauer anwenden (mit Gebühren und Slippage). Beide Versionen habe ich in diesem Artikel skizziert.

Leider ist es in der Praxis aber so, dass oft nur Profis Money-Management anwenden, während Aktien-Anfänger das Risiko-Management eher vernachlässigen. Das hängt zum Teil auch damit zusammen, dass Ihnen Money-Management zu kompliziert erscheint und ihnen Börsengurus suggerieren, dass sie sich damit um Mega-Gewinne beschneiden. Das Gegenteil ist der Fall. Es ist bekannt, dass zwischen 80 und 90% der Aktien-Anfänger an der Börse scheitern. Das fehlende Money-Management hat ihrem Portfolio geschadet. Verlustphasen wurden nicht überstanden. Anstatt Gewinne zu machen, haben Sie Verluste realisiert. Auch Totalverluste sind bei einer solchen Strategie nicht ausgeschlossen.

Fazit: Wenn selbst oder gerade Profis Money- und Risikomanagement betreiben, dann müssen Aktien-Anfänger erst recht diese Wertsicherungsstrategie ihrem Depot angedeihen lassen. Ich hoffe sehr, dass dieser Artikel dazu dient, dass Sie auf diese Weise "Ihre Gewinne laufen lassen und Ihre Verluste begrenzen".



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