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Der Brief des Paulus an die Christen von Rom ist nicht nur der längste Brief des Neuen Testaments, sondern auch der bedeutendste Lehrbrief des Apostels. In ihm beschreibt er systematisch die Grundlagen des christlichen Glaubens. Sowohl die Reformation als auch viele Erweckungsbewegungen (eventuell sogar alle) wurden durch den Römerbrief ausgelöst.
In Kapitel 1,1 berichtet Paulus, dass er der Verfasser des Briefes ist. Er diktierte ihn seinem Schreiber Tertius (16,22) und ließ ihn wahrscheinlich durch die Dienerin Phöbe, die nach Rom reisen wollte, überbringen (16,1+2).
In Apostelgeschichte 19,21 berichtet Lukas über Paulus' Vorhaben. Dieser hatte den Entschluss gefasst, über Mazedonien nach Achaia und danach über Jerusalem nach Rom zu reisen. Diese Einzelheiten stimmen mit dem, was Paulus im Römerbrief schreibt, überein. Zur Zeit der Abfassung lag die (Kollekten) Reise durch Mazedonien und Achaia bereits hinter ihm (15,26). Nun wollte er die Kollekte nach Jerusalem bringen und dann über Rom nach Spanien reisen (15,23-25).
Auch in Apostelgeschichte 20,2+3 ist von diesen Reisen die Rede. Dem Bericht zufolge zog Paulus durch Mazedonien und Griechenland (Achaia) und überwinterte dort (3 Monate).
Aber wo? Darauf antwortet uns Römer 16,23 und 1. Korinther 1,14. In Römer 16 lässt Paulus von seinem Wirt Gajus Grüße ausrichten. Diesen Gajus hatte er nach 1. Korinther 1 getauft und dieser Gajus war einer von denen, an die der 1. Korintherbrief gerichtet ist. Mit anderen Worten: Paulus diktierte seinen Römerbrief in Korinth. In diesem Brief empfiehlt er zudem den Christen von Rom seine Glaubensschwester Phöbe (16,1), die eine Dienerin der Gemeinde in Kenchreä (dem Hafen von Korinth) ist. Am Ende des 1. Korintherbriefes schreibt er den Korinthern, dass er, nachdem er Mazedonien durchzogen hat, nach Korinth kommen wird, und vielleicht auch dort überwintern wird (16,6).
Und wann entstand der Römerbrief? Dies lässt sich gut aus der Chronologie der öffentlichen Wirksamkeit des Paulus ableiten. Im Frühjahr 54 nach Christus schrieb er aus Ephesus den 1. Korintherbrief, danach machte er einen Zwischenbesuch in Korinth, kehrte nach Ephesus zurück und setzte von dort seine 3. Missionsreise im Frühjahr 55 nach Christus über Asien, Mazedonien, Achaia bis hin nach Korinth fort. Dort überwinterte er und schrieb den Römerbrief. In Römer 15,25 berichtet Paulus zudem, dass er nun im Begriff steht, nach Jerusalem zu reisen. Dies war wohl im Frühjahr 57 nach Christus.
Paulus schrieb seinen Brief an "alle Geliebten Gottes, berufenen Heiligen in Rom" (1,7). Nirgends grüßt er, wie in anderen Briefen üblich, die "Gemeinde in Rom" als Gesamtgemeinde. Dies kann mehrere Gründe haben:
Aufgrund von Kapitel 13,1-7 (Unterordnung und die staatlichen Regierungen) nehme ich an, dass Ersteres der Fall war. Sicherlich hätte Paulus sonst etwas über die derzeitige Verfolgung gesagt. Die Gesamtgemeinde in Rom war wohl sehr groß und teilte sich deshalb in kleinere Hausgemeinden auf. Eine solche Hausgemeinde gab es zum Beispiel bei Priska und Aquila (16,3+5).
Paulus kannte die Gemeinde von Rom nicht persönlich. Aber Priska und Aquila, die aus Rom vertrieben wurden und die Paulus in Korinth kennenlernen durfte, haben ihm sicherlich viel von ihrer geistlichen Heimat erzählt (Apostelgeschichte 18,1). Darüber hinaus hatte Paulus viele Bekannte und Mitarbeiter, die inzwischen (wieder) in Rom wohnten (Römer 16,3-15):
Bei diesen Gegebenheiten nimmt es nicht Wunder, dass Paulus diese Gemeinde unbedingt kennenlernen wollte (15,23). Es verging auch kein Tag, an dem er nicht im Gebet an sie dachte (1,9+10).
Wie die Gemeinde entstanden ist und wer sie gegründet hat, ist unbekannt. Drei Vermutungen sind mir bekannt:
Die dritte Version der Gründung und / oder Prägung durch Petrus lehne ich aus folgendem Grund ab:
Version 1 und 2 scheinen mir hingegen einleuchtend. An Pfingsten waren sowohl Juden als auch Proselyten (in die Gemeinde Israels aufgenommene Heiden) aus Rom in Jerusalem (Apostelgeschichte 2,10). Aufgrund der Pfingstpredigt von Petrus bekehrten sich 3.000 Menschen, wovon sicherlich auch einige aus Rom zählten (Apostelgeschichte 2,41). Sie gründeten nach ihrer Rückkehr nach Rom die Gemeinde.
Ebenso denkbar ist, dass Kaufleute das Evangelium in die Welthauptstadt Rom brachten und so die Gemeinde von Rom entstanden ist. Vielleicht entstand sie auch durch beide Möglichkeiten.
49 nach Christus ließ Kaiser Claudius alle Juden aus Rom vertreiben (Apostelgeschichte 18,2). Der römische Schriftsteller Sueton schreibt, dass die Judenchristen der Anlass für dieses Edikt waren. Später wurde es wieder aufgehoben, sodass auch Priska und Aquila wieder nach Rom zurückkehren konnten und dort eine Hausgemeinde gründeten beziehungsweise leiteten.
Als Paulus den Römerbrief schrieb, bestand die Gemeinde in Rom aus Juden- und Heidenchristen. Welche Gruppe größer war, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Paulus spricht im Brief beide an und lehrt zum Beispiel detailliert, dass die Heiden (ab 1,18ff), aber auch die Juden (ab 2,1ff) unter dem Zorn Gottes stehen. Die Schwachheiten der Schwachen im Glauben rühren wohl aus jüdischem Hintergrund (ab 14,1ff). Die Judenchristen sind solche, die das Gesetz kennen (7,1), den Heidenchristen muss er einige Dinge in Bezug auf die Juden deutlich machen (ab 11,13ff). ...
Nachdem Paulus den Römerbrief geschrieben hatte, besuchte er Jerusalem und geriet dort in Gefangenschaft. Seine Lage spitzte sich dermaßen zu, dass er sich auf seine römische Staatsbürgerschaft und den Kaiser berief. Deshalb wurde er nach Rom überführt (Apostelgeschichte 21-28). Zunächst konnte er sich frei bewegen und ungehindert predigen (Apostelgeschichte 28,30+31). Als in Rom sein Prozess wieder aufgenommen wurde, hat man Paulus wieder in Gewahrsam genommen. Kaiser Nero sprach ihn 63 nach Christus frei (2. Tim. 4,17).
Daraufhin nahm Paulus von 63 bis 66 nach Christus seine Missionstätigkeit wieder auf und besuchte die Gemeinden in Griechenland, Kreta und Kleinasien (2. Timotheus 4,10-22; Titus 3,12). Eventuell war er tatsächlich auch in Spanien. 67 nach Christus wurde er wieder gefangen genommen und erlitt unter Kaiser Nero den Märtyrertod durch Enthauptung. In 2. Timotheus 4,6-8 spricht er von der Naherwartung seines Todes, den er auch schon in Apostelgeschichte 20,23-25 und 36-38 prophetisch angedeutet hatte.
Warum schrieb Paulus diesen langen Brief?
Für Paulus gab es also viele Gründe, den Christen von Rom seinen Römerbrief zu schreiben. Dennoch durchzieht diesen Brief ein einziges Thema, nämlich: "Das Evangelium, das Gottes Gerechtigkeit offenbart, ist Gottes Kraft zur Rettung für jeden Glaubenden."
Viele Christen empfehlen Menschen, die sich für den Glauben interessieren, ein Evangelium zu lesen. Das ist gut, diesen Rat möchte ich nicht schlecht machen.
Ich persönlich lege solchen Menschen den Römerbrief nahe. Mir ist bewusst, dass nun viele gestandene Christen tief Luft holen und sagen: "Der ist aber für den Anfang doch viel zu schwer!" Das scheint richtig.
Auf der anderen Seite enthält der Römerbrief die grundlegende Heilsbotschaft. Das war es ja auch, was in der Kirchengeschichte die Reformation und auch Erweckungen ausgelöst hat. Mit anderen Worten: Wer den christlichen Glauben kennenlernen möchte, hat mit dem Römerbrief die beste Lektüre gefunden.
Was aber ist mit dem Argument, dass dieser Brief so schwer zu verstehen ist? Nun, dieses Problem habe ich versucht, mit meiner Übersetzung (Übertragung) des Römerbriefes und dem Kommentar zu lösen. Es wäre schön, wenn mir dies gelungen ist.
Wenn Sie also den christlichen Glauben in seinen Fundamenten kennenlernen wollen, dann lesen Sie doch dieses Werk von vorne bis hinten durch. Viele Ihrer Fragen werden Ihnen darin beantwortet und der Weg zum Frieden mit Gott und zu einem Leben mit Gott eröffnet.

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