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(1,10) In meinen Gesprächen mit Gott flehe ich ihn jedes Mal an, dass ich nun endlich zu euch kommen darf. Er weiß um diesen Wunsch. Ich komme aber nur, wenn es seinem Willen entspricht.
(11) Denn ich sehne mich sehr danach, euch richtig kennenzulernen, damit ich mit dem, was Gottes Geist mir schenkt, euren Glauben stärken kann.
(12) Die Ermutigung wird aber auf Gegenseitigkeit beruhen. Ihr werdet mich durch euren Glauben ermutigen und ich euch durch den meinen.
(13) Ich möchte, dass Ihr wisst, dass ich mir schon oft vorgenommen hatte, euch zu besuchen, damit ich durch meinen Einsatz bei euch, wie schon bei anderen Völkern, Menschen für Christus gewinne. Bisher wurde ich immer verhindert.
(15,22) Deshalb (aus Gründen, die in den vorangegangenen Versen stehen) war ich in der Vergangenheit oft verhindert, zu euch zu kommen.
(23) Jetzt aber, da ich in diesem Gebiet mit meinem Auftrag zu einem Ende gekommen bin und mich schon seit vielen Jahren sehr danach sehne, zu euch zu kommen,
(24) werde ich, falls ich nach Spanien reise, euch besuchen. Auf dem Weg dorthin hoffe ich, euch zu sehen. Nachdem ich mich dann an der Gemeinschaft mit euch für einige Zeit erfreut habe, wünsche ich mir auch, dass ihr mich für meine Weiterreise nach Spanien mit allem Nötigen unterstützt.
(25) Doch zunächst reise ich nach Jerusalem. Ich muss den Heiligen dort noch einen Dienst erweisen.
(26) Denn die Christen in Griechenland (Mazedonien und Achaia) haben beschlossen, für die Armen der Heiligen in Jerusalem eine Spendensammlung durchzuführen.
(27) Sie tun das gerne. Allerdings stehen sie aber auch in deren Schuld. Denn wenn die Gläubigen aus Jerusalem ihre geistlichen Güter mit anderen Völkern geteilt haben, dann sind diese nun verpflichtet, ihnen mit irdischen Gütern auszuhelfen.
(28) Sobald ich diese Aufgabe erfüllt und die Spende ordnungsgemäß übergeben habe, will ich über Rom nach Spanien reisen.
(29) Eins weiß ich ganz genau: Wenn ich zu euch komme, dann werde ich in der ganzen Fülle des Segens Christi zu euch kommen.
Da dieser Text recht einfach zu verstehen ist, möchte ich ihn im Überblick behandeln und bei einzelnen Dingen in die Tiefe gehen. Warum ich diese beiden Texte zusammen erkläre, habe ich in Teil 004 ausgeführt.
In Teil 006 sprachen wir über das Dankgebet. Bevor Paulus die Umsetzung seiner Sehnsucht danach, die Christen von Rom zu besuchen, von Gott erbat, dankte er ihm für diese Christen in Rom. Erst danach teilte er Gott seinen großen Wunsch mit.
Paulus möchte diese Menschen unbedingt kennenlernen. Dazu bewegen ihn drei Gründe:
Betrachtet man die drei Gründe seines Flehens, so kann man fast nicht anders, als zu sagen: "Paulus, diese Gründe sind sehr gut und im Sinne Gottes. Es liegt auf der Hand, dass Du Dich auf den Weg machen kannst."
Doch Paulus schreibt, dass er bisher immer wieder verhindert wurde und sich nur dann auf den Weg machen möchte, wenn dies dem Willen Gottes entspricht.
Das lehrt uns, dass der Wille Gottes nicht unbedingt den wirklich frommen Wünschen von uns Menschen entspricht. Der Wille Gottes geht tiefer, sodass ein gut gemeintes christliches Verhalten und die Leidenschaft zum christlichen Dienst auch ein "noch nicht" ja vielleicht sogar ein "niemals" als Antwort erhalten können!
In Kapitel 15 Vers 22 schreibt Pauls: "Deshalb war ich in der Vergangenheit oft verhindert, zu euch zu kommen." In Vers 20 heißt es: "Ich habe den Grundsatz, das Evangelium nur da zu predigen, wo es noch keine Christen gibt."
Für mich ist dies sehr interessant:
Fast möchte man fragen: "Ja was denn nun? Spielt da Gottes Wille die Rolle, oder ist es das engstirnige Festhalten eines eigenen Grundsatzes?" Die Antwort lautet wohl: Das "engstirnige" Festhalten des eigenen Grundsatzes entsprach dem Willen Gottes.
Paulus hat Gemeinden gegründet. Er hat dort Menschen zu Christus geführt, wo vor ihm noch niemand war. In Rom gab es schon eine lebendige Gemeinde. Folglich war ein Besuch in Rom aufgrund seiner apostolischen Berufung zum Missionar bisher nicht dran. Und so sah dies auch Gott. Es scheint hier so, dass der Wille Gottes und des Paulus Verstand eine geistliche Symbiose bildeten. Diese Ansicht wird auch durch den weiteren Text bestärkt.
Etwas modern ausgedrückt hatte Paulus das Gebiet, in dem er seinen Grundsatz ausübte, voll erschlossen. Und falls sich nun sein neuer Auftrag bestätigen sollte (Missionierung Spaniens), würde er in Rom Zwischenstation einlegen wollen.
Paulus stand also vor einem neuen Lebensabschnitt. Die dritte Missionsreise ging ihrem Ende entgegen. Die weitere Planung war irgendwie abgeschlossen, doch sicher war sie noch nicht. (Wie es tatsächlich weiterging, erfahren Sie in der Apostelgeschichte ab Kapitel 21!)
Noch einmal kommt Paulus auf seinen Besuch zu sprechen und bringt dabei nicht nur seine Erwartungen zum Ausdruck. Er schreibt:
Aber, wie bereits erwähnt, verhinderte Paulus Reise nach Rom zweierlei:
Eine weitere Angelegenheit verschob den Besuch der Christen zu Rom. Die Christen von Griechenland hatten aus freien Stücken eine Spendensammlung geplant. Das Geld war für die verarmten Mitglieder der Gemeinde zu Jerusalem gedacht. Und diese Spende nach Jerusalem zu bringen, sah Paulus als seinen Dienst für die dortigen Christen an. Sobald er also die Spende ordnungsgemäß übergeben hatte, wollte er über Rom nach Spanien reisen.
Bei meiner Übersetzung des Textes war mir wichtig, dieses "Heiligen" in Jerusalem nicht zu übertragen. Sicher, man könnte auch sagen, dass es Christen von Jerusalem oder Jerusalemer Gemeindemitglieder waren. Aber Paulus nennt sie "Heilige", weil Gott Menschen, die sich von ihm begnadigen lassen, als Heilige betrachtet. Nicht nur die Christen von Rom sind Heilige (1,7) auch die Christen von Jerusalem sind Heilige - alle Christen sind Heilige!
Die Heiligen von Jerusalem haben aber einen ganz besonderen Stand. Das Heil - die Rettung für alle Menschen - kommt aus den Juden. Es nahm seinen Ursprung in Jerusalem. Von dort breitete es sich auch zu den anderen Völkern aus. Die Judenchristen haben also dieses geistliche Gut mit dem Rest der Welt geteilt. Und nun gab es in Jerusalem Christen, die verarmt waren. Ihnen musste von anderen Christen geholfen werden. Und obwohl die Spendensammlung auf völlig freiwilliger Basis durchgeführt wurde, bestand auch eine Pflicht, nämlich: das Teilen der geistlichen Güter der Christen zu Jerusalem durch ein Teilen irdischer Güter in dieser Notsituation zu erwidern.
Paulus befand sich am Ende seiner dritten Missionsreise, die von etwa 53 bis 57 nach Christus andauerte. In Korinth diktierte er Tertius den Römerbrief - vermutlich im Frühjahr 57 nach Christus. Erst Jahre später, um 59 oder 60 nach Christus kam er nach Rom.
Bei diesem Text möchte ich mich bei der Anwendung auf das Erkennen des Willens Gottes beschränken.
Paulus hatte eine große Sehnsucht nach den Christen zu Rom. Die wollte er unbedingt persönlich kennenlernen
Das sind alles gute und fromme Vorhaben und Wünsche, die doch eigentlich im Willen Gottes zu sein scheinen. Dennoch hatte er bisher kein grünes Licht für seinen Besuch in Rom erhalten. Wie lange er schon nach Rom wollte, weiß ich nicht. Die dritte Missionsreise dauerte etwa vier Jahre. Möglicherweise sehnte er sich schon die ganze Zeit über (oder noch viel länger) danach, nach Rom zu gehen.
Aber sein frommer Wunsch wurde verhindert. Er lag "noch" nicht im Willen Gottes und passte auch nicht zu seinem Vorsatz, den er sicherlich vor Gott getroffen hatte. Warten war angesagt. Er wartete, flehte weiter, trieb seinen Auftrag voran und machte Pläne. Dieser Pläne war er sich auch noch nicht sicher. Was sicher war, war die Reise nach Jerusalem, die er antreten musste. Danach konnte / musste man weiter sehen.
So einfach das Erkennen des Willens Gottes ist, so kompliziert kann es auch sein. Und wenn wir nun aus diesem Bericht eine Anwendung formulieren, so gilt diese sicherlich nicht für jedes Fragen nach und Handeln im Willen Gottes.
In meinem Leben habe ich schon oft erlebt, dass Christen - bildlich gesprochen - eine Sehnsucht nach solchen Reisen nach Rom haben. Wenn sie davon erzählen, dann gibt es viele gute und fromme Vorhaben, die diesem Wunsch das Prädikat "Wille Gottes" verleihen möchten. Man wollte auch nur dann "nach Rom", wenn dies im Einklang mit dem Willen Gottes wäre. Und so flehte man. Doch ihr Fragen blieben unbeantwortet und / oder erzielte nicht die erwünschte Antwort. Ein eigentlich deutliches Nein wurde nicht akzeptiert. Man hatte Gott falsch verstanden und bat um weitere Antworten. Dies ging so lange, bis Gott scheinbar Ja sagte.
So handelte Paulus nicht. Er flehte auch weiter, aber er akzeptierte das (vorläufige) Nein!
Weil er ehrlich gegenüber Gott war, erkannte er auch die Gründe für das Nein. Sie hingen mit seinem derzeitigen Auftrag und seinem Grundsatz zusammen. Die 3. Missionsreise musste zu Ende gebracht werden und eigentlich gründete er Gemeinden - in Rom gab es sie aber schon.
Nicht immer weiß man, warum das Nein Gottes ein Nein ist. Aber oft liegen bei einem ehrlichen Flehen die Antworten für das Nein auf der Hand. Das können die verschiedensten Dinge sein. Ein Dienst in der Gemeinde ist noch nicht zu Ende gebracht. Oder die Zeit ist noch nicht reif, um jenes "Rom" zu besuchen. Selbst eigene Vorsätze, die man ja mit Jesus abgesprochen hatte, können dieses Nein bewirken. Und dann sollte man dieses Nein auch akzeptieren.
Akzeptieren heißt aber nicht, den "Traum" aufzugeben. Paulus fleht weiter und plant weiter und arbeitet weiter an seinem Auftrag und hält seinen Grundsatz weiter ein. Er stöhnte auch nicht auf, als eine weitere geistliche Angelegenheit den Besuch in Rom hinauszögerte. Er musste den Gläubigen in Jerusalem noch einen Dienst erweisen.
Trotz allem flehen, wünschen und sehnen spüre ich dem Text keine Ungeduld vonseiten des Paulus ab. Er ruht gewissermaßen in diesem Willen Gottes und sucht ihn für die Zukunft. Schlussendlich kam er Jahre später nach Jerusalem. Er hätte weitaus leichter dorthin gelangen können. Viele haben ihn vor der Reise nach Jerusalem gewarnt. Sie sahen voraus, was geschehen würde. Aber Paulus wusste sich im Willen Gottes gut aufgehoben.
Das legt noch eine andere Anwendung nahe. So mancher Christ sieht für einen anderen Gläubigen den steinigen Weg voraus und rät ihm ab, ihn zu gehen. Auch hierbei muss zunächst geklärt werden, ob dies wirklich der Wille Gottes ist. Nicht immer ist der leichte Weg der ungöttliche Weg und nicht immer ist der schwere Weg der göttliche Weg. Der Wille Gottes ist auch kein Ratespiel. Er muss vom Einzelnen erwünscht sein, was so viel heißt wie: Es wird akzeptiert, was Gott will. Sein Nein ist ein Nein. Sein Ja ist ein Ja. Und sein noch nicht ist ein noch nicht!
Paulus hat den Willen Gottes nicht nur erfleht. Er hat auch mit seinem Verstand und seiner Kraft daran gearbeitet und seinen Blick darauf gerichtet, ob und wann diese Dinge in Übereinstimmung gelangen. Selbst da war er sich noch nicht ganz sicher. Er schrieb den Römern, dass die 3. Missionsreise zu Ende geht und dass möglicherweise dies die offene Tür nach Rom sein könnte. Wie gesagt, bis dahin vergingen aber noch Jahre!

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