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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 1,16+17:
Das Evangelium, das Gottes Gerechtigkeit offenbart, ist Gottes Kraft zur Errettung jedes Glaubenden

(16) Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht. Denn es ist die Kraft Gottes zur Rettung für jeden, der glaubt. Das gilt zunächst für die Juden, dann aber auch für die Heiden. (17) Denn im Evangelium wird Gottes heilschaffende Gerechtigkeit, zu der man aufgrund des Glaubens Zugang hat und die zum Glauben führt, offenbar. Darum heißt es in Habakuk 2,4: "Der Gerechte wird aus Glauben leben."


Auslegung:


Struktur Römer 1,16 - 5,11Lassen Sie mich die Auslegung dieser Verse damit beginnen, dass ich nochmals auf die Struktur von Kapitel 1,16 bis 5,11 hinweise. Dabei hatten wir gesehen, dass die Verse 16 und 17 aus Kapitel 1 die Überschrift und die Zusammenfassung von Kapitel 3,21 bis 5,11 sind. Ebenso war Kapitel 1 Vers 18 die Überschrift und die Zusammenfassung von Kapitel 1,19 bis 3,20. Diesen Abschnitt haben wir zuerst behandelt. Sein Inhalt war der, dass Gottes Zorn über allen Menschen steht und: Es gibt nicht einen Menschen, der durch Werke Gottes Gerechtigkeit erlangen kann.

Wie aber kann dann Gottes Gerechtigkeit erlangt werden? Darauf gibt uns Kapitel 1,16+17 in einer Art Zusammenfassung Antwort. Kapitel 3,21 bis 5,11 vertieft diese dann und führt sie weiter aus.

Übersicht zu Kapitel 1,16 bis ... Teil 01(16) Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht. Denn es ist die Kraft Gottes zur Rettung für jeden, der glaubt. Das gilt zunächst für die Juden, dann aber auch für die Heiden.

In den Versen 14 und 15 von Kapitel 1 hatten wir gesehen, dass Paulus sich als Schuldner gegenüber allen Menschen verstand. Er muss ihnen das Evangelium weitersagen. Und da die Christen von Rom zu "allen Menschen" dazugehörten, wollte er auch ihnen diese "Gute Nachricht" verkünden. Auch ihnen gegenüber schämt er sich des Evangeliums nicht.

Wenn Paulus hier betont, dass er sich des Evangeliums nicht schämt, dann besagt dies, dass er sich ganz frei und offen dazu bekennt. Nun könnte man fragen: Welchen Grund könnte es geben, sich des Evangeliums zu schämen? Gerade in Bezug auf die Juden und die Heiden gibt uns Paulus in 1. Korinther 1 Vers 23 zwei Antworten. Er sagt:

  1. Wenn ich den Juden das Evangelium predige, dann weiß ich, dass es ihnen etwas Anstößiges ist. Schließlich heißt es doch schon in 5. Mose 21 Vers 23, dass jeder, der am Holz hängt, ein Verfluchter Gottes ist. Sie wollen keine Predigt über einen Gekreuzigten, sie wollen Zeichen (Wunder, die auf Gott hinweisen) sehen.
  2. Und wenn ich den Heiden das Evangelium predige, dann weiß ich, dass sie meine Botschaft als dummes Gerede abtun. Sie verlangen nach einer philosophischen Rede-Weisheit, die auch ihren Intellekt anspricht. Die Predigt vom Kreuz erfüllt diese Bedingungen nicht und ist deshalb für sie nichts weiter als Dummheit.

Dieses Wissen könnte dazu führen, dass er sein Predigen einstellt und schweigt. Aber das würde heißen, dass er sich des Evangeliums schämt. Die Formulierung "ich schäme mich" ist nämlich die negative Formulierung von "ich bekenne mich offen".

Aber warum genau schämt Paulus sich des Evangeliums nicht? Warum bekennt er es offen? Kehren wir nochmals zu 1. Korinther 1,23 zurück. Dort entgegnet er dem "Anstoß für die Juden" und der "Dummheit für die Heiden" mit: "Das Evangelium ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit!" Der "Anstoß für die Juden" ist in Wirklichkeit Gottes Kraft, die das eigentliche Zeichen, das sie fordern, beinhaltet. Die "Dummheit für die Heiden" ist in Wahrheit Gottes Weisheit.

Hier in Vers 16 sagt Paulus auch: "Das Evangelium ist Gottes Kraft!" Mit diesem Evangelium setzt sich Gott durch. Mit diesem Evangelium bricht er den Widerstand ihm gegenüber. Es ist das Evangelium, neben dem es kein anderes gibt (Galater 1,6+7).

Es ist das Evangelium der Kraft Gottes zur Rettung. Aufgrund dessen, dass wir die Kapitel 1,18 bis 3,20 schon behandelt haben, wissen wir, um was es bei dieser Rettung geht. Es geht um Rettung vor dem Zorn Gottes. Es geht um Rettung vor dem "unter der Herrschaft der Sünde stehen". Es geht um Rettung davor, dass nicht ein einziger Mensch von sich aus Gottes Gerechtigkeit erlangt.

Alle Anstrengungen der Menschen können keine Rettung schaffen. Aber das Evangelium ist Gottes Kraft zur Rettung für jeden, der glaubt. Kein einziger Mensch kann dem Zorn Gottes entfliehen. Dennoch kann jeder Mensch vor dem Zorn Gottes gerettet werden. Jeder, der glaubt. Auch darüber haben wir schon gesprochen:

  • 10,14+17: Der Mensch HÖRT die Predigt des Evangeliums.
  • 10,14+16: Der Mensch RUFT AN, GLAUBT, GEHORCHT (von Herzen) dem Evangelium.

Nach unserem Vers 16 ist der Glaube aber weniger eine Bedingung. Vielmehr ist er die Wirkung (Frucht, Antwort) auf die im Evangelium wirksame Kraft Gottes.

Der Schluss von Vers 16 macht gewissermaßen noch eine Anmerkung zu "jeden". Was Paulus hier über das Evangelium sagt, gilt für jeden: zunächst für den Juden, dann aber auch für den Heiden. Paulus sagt damit etwa Folgendes:

"Lieber Jude, ich weiß darum, dass du bei dieser Aussage denkst, dass ihr Inhalt nur dir gilt. Du gehörst zum auserwählten Volk. Du hast die Vorzüge. Die Heiden sind außen vor. Aber mit »jeden« meine ich wirklich jeden. Natürlich ist das Evangelium zunächst an dich ergangen. Und es waren auch Juden, die als Erste das Evangelium angenommen haben. Schließlich kommt es doch auch von den Juden! Aber das Evangelium, die Kraft Gottes zur Rettung für jeden, der glaubt, gilt auch den Heiden!"

(17) Denn im Evangelium wird Gottes heilschaffende Gerechtigkeit, zu der man aufgrund des Glaubens Zugang hat und die zum Glauben führt, offenbar. Darum heißt es in Habakuk 2,4: "Der Gerechte wird aus Glauben leben."

Vers 17 sagt uns nun, was im Evangelium offenbar wird. Es ist Gottes Gerechtigkeit. Mit dieser Gerechtigkeit ist nicht Gottes Eigenschaft der Gerechtigkeit gemeint, sondern sein Heilshandeln. Deshalb habe ich mit "Gottes heilschaffende Gerechtigkeit" übersetzt. Das Evangelium ist Gottes Kraft und überall da, wo es verkündet wird, bringt es Gottes Gerechtigkeit ans Licht und lässt sie damit auch wirksam werden. Aber auch wenn ich mit Gottes heilschaffender Gerechtigkeit übersetzt habe, birgt dieser Begriff doch dreierlei in sich, nämlich:

  1. Gott ist gerecht. Gottes Gerechtigkeit ist also ein Charakter- und Wesenszug Gottes.
  2. Gott handelt gerecht und urteilt gerecht. Wenn Gott also Gericht ausübt, sind die Verhandlung und das Urteil absolut gerecht.
  3. Gott schenkt Gerechtigkeit. Anders kann die Gerechtigkeit Gottes nicht zum Menschen kommen. Sein Charakterzug der Gerechtigkeit und sein völlig gerechtes Urteil über uns Menschen fordern eine gerechte Bestrafung. Diese nahm Jesus stellvertretend auf sich, wodurch der Mensch begnadigt (geschenkte Gerechtigkeit) werden kann. Das Geschenk / die Begnadigung wird aus Glauben empfangen.

Paulus sagt, dass die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zu Glauben offenbart wird. Mit anderen Worten und gemäß meiner Übersetzung heißt dies: Zur heilschaffenden Gerechtigkeit Gottes hat man durch Glauben Zugang und sie führt auch zu Glauben. Da, wo das Evangelium mit seiner Kraft beim Menschen ankommt und als Frucht dieses bedingungslose Vertrauen in das, was Gott getan hat, hervorruft, wird die heilschaffende Gerechtigkeit Gottes empfangen.

Und das ist nicht einfach nur die Meinung von Paulus. Nein, er sagt, dass die Heilige Schrift dieser Überzeugung ist. Der Prophet Habakuk sagte:

  1. "Der Gerechte", also der, der die Gerechtigkeit Gottes im Glauben empfangen hat und dadurch vor Gott bestehen kann,
  2. "wird aus Glauben", das heißt: aus dem sich darauf Verlassen und Vertrauen auf das göttliche Rettungshandeln,
  3. "leben" - gegenwärtig und zukünftig, also ewig leben!


Anwendung:

Sich des Evangeliums schämen oder es bekennen!

Paulus schämt sich nicht, das Evangelium zu predigen. Im Gegenteil, er bekennt sich offen dazu. Würde er das Evangelium nicht offen bekennen, dann wäre dies ein Beweis dafür, dass er sich des Evangeliums schämt.

Würde mich jemand fragen, ob ich mich des Evangeliums schäme, dann würde ich sagen: "Nein, ich schäme mich des Evangeliums nicht!" Und würde mich jemand fragen, ob ich mich offen zum Evangelium bekenne, würde ich antworten: "Wenn ich gefragt werde auf jeden Fall. Ansonsten hin und wieder." Und würde dann jemand zu mir sagen: "Also schämst du dich doch des Evangeliums!", würde ich das zwar ungern aber doch wohl oder übel so stehen lassen. Denn wer sich nicht "immer" offen dazu bekennt, der schämt sich des Evangeliums.

Aber warum eigentlich schämen wir uns des Evangeliums? Nun, an den möglichen Gründen dafür hat sich wohl nicht viel geändert. Das Evangelium halten die einen für eine dumme Theorie und die anderen für eine anstößige Botschaft. Die einen sagen: "Wie kann man nur einen solchen Schwachsinn glauben!", und die anderen fühlen sich in ihrer Ideologie angegriffen und nehmen Anstoß daran, dass man ihren Weg zu Gott als nicht tragfähig bezeichnet. Das Evangelium ist die Botschaft vom Sieg Jesu und nur über Jesus kann man die Gerechtigkeit Gottes erlangen. Damit stößt man an.

Aber dies sind gar keine wirklichen Gründe, um sich des Evangeliums zu schämen. Denn das Evangelium ist Weisheit von oberster Stelle und das Anstößige muss sein, damit die Wahrheit deutlich wird. Nimmt man den Anstoß weg, ist fraglich, ob die betreffenden Personen dieses "Jesus ist der einzige Weg zu Gott" klar erkennen.

Es gibt keinen Grund, sich des Evangeliums zu schämen!

Warum? Weil es Gottes Kraft zur Rettung für jeden ist! Aber warum denn jeder und von was soll denn jeder gerettet werden?

Christen haben es mit ihrer Guten Nachricht für die Menschen sehr einfach. Paulus sagt im Römerbrief klipp und klar (1,18 - 3,20), dass jeder Mensch unter dem Zorn Gottes steht. Da gibt es nicht eine Ausnahme. Jeder! Insofern brauchen Christen sich überhaupt nicht zu fragen, ob sie nun dem oder jenem das Evangelium weitersagen können. Jeder braucht das Evangelium. Und wenn man tatsächlich jemandem das Evangelium predigt, der es schon angenommen hat, der also schon gerettet ist, dann ist diejenige Person mit Sicherheit nicht böse darüber. Wichtig allein ist, dass das Evangelium alle Menschen erreicht.

Und dieses Evangelium soll jeden vom absolut berechtigten Zorn Gottes über ihn retten. In demselben Abschnitt (1,18 - 3,20) zeigt Paulus auch auf, warum Gott gar nicht anders kann, als zornig zu sein. Er ist absolut gerecht und jeder Mensch steht unter der Herrschaft der Sünde. Und das kann sich nicht vertragen. Deshalb hat Gott - weil wir Menschen das gar nicht können (auch nicht durch vermeintlich gute Werke) - einen Rettungsplan aufgestellt, umgesetzt und im Evangelium "freigeschaltet".

Jeder ist also unter dem Zorn Gottes. Jeder benötigt Rettung vor dem Zorn Gottes. Und das Evangelium ist Gottes Kraft zu dieser Rettung. Welchen Grund also hätten wir, uns des Evangeliums zu schämen? Wir schämen uns schon ab und an oder vielleicht sogar immer, das Evangelium weiterzusagen. Aber einen triftigen Grund dafür haben wir nicht. Im Gegenteil! Wir haben das Super-Power-Rettungs-Paket gegen schwarze Seelen und für wirklich weiße Westen. Wenn dies ein super Reiniger für Flecken aller Art wäre, würden wir mit Begeisterung jedem davon erzählen. Warum also behalten wir das Evangelium so oft für uns. Sind wir eventuell nicht ganz überzeugt davon?

Das Evangelium bringt Gottes Gerechtigkeit ans Licht!

  • Viele Menschen fragen, warum Gott sie nicht einfach annimmt, wie sie sind.
  • Andere vergleichen sich gerne mit anderen und meinen: Ich bin doch viel besser als jener, ich hab doch noch niemanden umgebracht - dann muss mich doch Gott annehmen!"
  • Die Nächsten pochen auf ihre Religiosität und auf eventuelle Vorzüge. Sie gehören einer großen Kirche an, besuchen jeden Sonntag den Gottesdienst, sind getauft und lesen an Heiligabend unterm Tannenbaum die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vor. Was um Himmels willen will Gott denn sonst noch?
  • Und wieder andere weisen darauf hin, dass sie sozial engagiert sind, viele gute Werke tun und / oder nach den 10 Geboten leben. Das muss Gott doch gefallen. So jemanden kann er doch nicht verurteilen! Usw.

Und Gott kann sie nicht annehmen.

  • Seine Gerechtigkeit steht ihm dabei im Wege. Diese Gerechtigkeit ist sein Wesenszug. Den kann er weder ausblenden noch überspringen. Er ist Gerechtigkeit. Und bei dieser reinsten Form der Gerechtigkeit, die jegliche Ungerechtigkeit abstößt und keine Verbindung mit ihr eingehen kann, muss der Mensch irgendwie Beachtung finden.
  • Damit sprechen wir schon von dem Augenblick, wenn diese Gerechtigkeit auf unsere Ungerechtigkeit stößt. In Römer 2 hatten wir gesehen, dass Gottes Gericht gerecht und ohne Ansehen der Person ist. Aber eigentlich hilft dies uns Menschen kein Stück weiter, weil wir unter der Herrschaft der Sünde stehen und von daher schon in der Ungerechtigkeit leben. Schon eine einzige unserem Empfinden nach klitzekleine Sünde reicht aus, um in diesem gerechten Gericht Gottes nicht bestehen zu können. Gottes gerechtes Gericht muss uns verurteilen und hat uns bereits verurteilt.
  • Und das Urteil wurde auch schon vollstreckt. Das Urteil für Sünde ist der Tod. Jeder Mensch, der als Sünder stirbt, wird ewig tot sein. Nicht einfach nur tot, sondern ewig durchlebt tot. Die Bibel nennt dies die ewige Verdammnis. Es gibt keine Fegefeuer. Es gibt nur ewiges Leben oder den ewigen Tod!
  • Das gerechte Urteil hat Gott an Jesus vollstreckt. Er starb stellvertretend für die ganze Menschheit. Damit ist Gottes Gerechtigkeit Genüge getan. Und der Weg zu Gottes Gerechtigkeit ist geebnet. Es ist der einzig gangbare Weg Gottes Gerechtigkeit zu erlangen. Wenn Sie im vorgezogenen Gericht Gottes nach der Urteilverkündung sich darauf berufen können, dass Sie gerade jetzt die Gabe der Gerechtigkeit Gottes angenommen haben, werden Sie sofort begnadigt. Der Tod Jesu am Kreuz ist das Mittel zur Begnadigung. Diese Gerechtigkeit erkennt Gott an und Sie werden nach Ihrem Tod bei Gott ewig weiter leben.

Wie gelangt man zur heilschaffenden Gerechtigkeit Gottes?

Das EvangeliumPaulus sagt: Aus Glauben zu Glauben!

Der Zugang zur Gerechtigkeit Gottes geschieht aus Glauben. Sie haben in dieser Römerbrief-Auslegung schon mehrfach das Evangelium gehört. Damit haben Sie auch die Kraft Gottes zu spüren bekommen. Und diese Kraft erwartet Frucht. Ihr Mit-Wisser (Sie erinnern sich an den Exkurs über das Gewissen?) kämpft auf der Seite Gottes und möchte, dass Sie seinem Evangelium vertrauen. Das ist für den Menschen recht einfach und unsagbar schwer zugleich. Einfach, indem Sie nur vertrauensvoll "Ja" sagen müssen, unsagbar schwer deshalb, weil Sie sich eingestehen müssen, dass Jesus für und wegen Ihnen sterben musste. Wenn Sie diesen Kampf gewonnen haben, dann sind Sie zu(m) Glauben durchgedrungen und haben die heilschaffende Gerechtigkeit empfangen.

Dann lautet ab diesem Zeitpunkt Ihre Stellung vor Gott "GERECHTER". Dann wurde Ihre Stellung "SÜNDER" ausgelöscht. Vor Gott sind Sie dann ein "GERECHTER" und als ein "GERECHTER" werden Sie "AUS GLAUBEN LEBEN". Für den Rest Ihres Lebens "AUS GLAUBEN LEBEN" und "EWIG LEBEN"!



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