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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 1,2-6 + 16,25-27: Das Evangelium / Das Geheimnis

(1,2) Das Evangelium hat Gott schon lange durch seine Propheten im Alten Testament verheißen.
(3+4) Es handelt von seinem Sohn, Jesus Christus, unserem Herrn, der seine irdische Herkunft von David ableitet. Was seine himmlische Seinsweise angeht, wurde er aufgrund seiner Auferstehung von den Toten zum Sohn Gottes mit Macht eingesetzt.
(5) Durch ihn habe ich von Gott die Gnade und das Apostelamt empfangen, zur Ehre seines Namens und bei Menschen aus allen Völkern, Glaubensgehorsam zu bewirken.
(6) Zu ihnen gehört auch ihr, die ihr von Jesus Christus berufen seid.

(16,25-27) Dem aber, der die Macht hat, euch durch mein Evangelium, der Predigt von Jesus Christus, in eurem Glauben zu stärken, gehört die Ehre. Jetzt wird durch die Predigt von Jesus Christus das Geheimnis, das seit Urzeiten verborgen gehalten wurde, offenbart. Durch prophetische Schriften des Alten Testaments wurde es auf Befehl des ewigen Gottes Menschen aus allen Völkern bekannt gemacht, um Glaubensgehorsam zu bewirken. Diesem allein weisen Gott gebührt durch Jesus Christus für immer und ewig die Herrlichkeit. Amen.


Auslegung:

Das Evangelium / Das Geheimnis

Das Evangelium1,2-6 Das Evangelium: Vorher verheißen - "schon immer" offenbar
16,25-27 Das Geheimnis: Vorher verborgen - jetzt aber offenbar

Mit der Übersetzung beider Texte habe ich mich sehr schwer getan. Die Auslegung weiter unten wird die Gründe dafür verdeutlichen.

Zunächst einmal möchte ich aber ein paar Sätze zu meiner etwas eigenwilligen Vorgehensweise schreiben. Es ist ja so, dass Kommentare zu biblischen Büchern fortlaufend auslegen. Dann findet man die Erklärung von Kapitel 1,2-6 ziemlich am Anfang und die Auslegung von Kapitel 16,25-27 am Ende des Werkes.

Ich hingegen behandle die beiden Abschnitte gemeinsam. Liest man sie zusammen, so ist es nicht verwunderlich, dass ich so vorgehe. Die thematischen Parallelen und ihre Ergänzungen sind unübersehbar und verlangen geradezu danach, dass man bei der Auslegung der einen Verse auf die anderen verweist. Was liegt dann näher, sie gleich gemeinsam zu interpretieren? Zunächst möchte ich Ihnen aber diese Parallelen und Ergänzungen listen.

Parallelen zwischen Römer 1,2-6 und 16,25-27:

1,1+2: das Evangelium Gottes
16,25: mein Evangelium

1,2+3: sein Inhalt: Gottes Sohn, Jesus Christus, ...
16,25: sein Inhalt: die Predigt von Jesus Christus

1,2: durch seine Propheten im Alten Testament verheißen
16,26: durch prophetische Schriften des Alten Testaments bekannt gemacht

1,5: zum Glaubensgehorsam bei Menschen aus allen Völkern
16,26: zum Glaubensgehorsam bei Menschen aus allen Völkern

Ergänzungen von Römer 1,2-6 und 16,25-27:

1,2: das Evangelium: verheißen
16,25: das Geheimnis: seit Urzeit verschwiegen

1,2: das Evangelium: "schon immer offenbar" (implizit im Text)
16,26: das Geheimnis: jetzt aber offenbart

Paulus Dienst mittels des Römerbriefes und das Thema des Römerbriefes

Da die Verse aus Kapitel 1,2-6 den Römerbrief einleiten und die Verse aus Kapitel 16,25-27 den Römerbrief abschließen, kommen ihrem Inhalt weitere Bedeutungen zu:

  1. Zunächst einmal bringt Paulus meines Erachtens durch diese Verse zum Ausdruck, dass er mittels seines Briefes an die Römer allen Menschen das Evangelium predigen möchte. Dazu gehört dann auch die Frucht des Glaubensgehorsams.
  2. Gleichzeitig definiert er hier aber auch das Thema des Briefes. Er schreibt den Christen von Rom: Das Evangelium muss allen Menschen gepredigt werden und soll Glaubensgehorsam bewirken. Und schon in den ersten Versen des Römerbriefes verweist er auf den Inhalt des Evangeliums und dass diese gute Nachricht bereits im Alten Testament verheißen war.

Übersetzungsschwierigkeiten

Ich habe bereits erwähnt, dass ich mich mit der Übersetzung dieser Verse teilweise recht schwergetan habe. An den Gründen hierfür möchte ich Sie ein wenig teilhaben lassen. Beginnen wir mit den Versen 3+4 aus Kapitel 1.

Zu Kapitel 1,3+4:

In Vers 3 ist davon die Rede, dass Jesus Christus seine irdische Herkunft von David ableitet. Mit anderen Worten: Jesus war ganz Mensch und stammte von König David ab.
Vers 4 sagt uns nun, dass Jesus auch Gott ist (Gottes Sohn). Die Frage ist nur, was genau Paulus mit Vers 4 sagen möchte? Vergleicht man verschiedene Bibelübersetzungen, stellt man sehr schnell fest, dass sie bei Vers 4 sehr auseinandergehen. Etwa so:

  • ... als Sohn Gottes in Kraft eingesetzt dem Geist der Heiligkeit nach aufgrund der Totenauferstehung ... (rev. Elberfelder Bibel)
  • ... als Sohn Gottes in Kraft eingesetzt dem Geist der Heiligkeit nach seit der Totenauferstehung ... (Molzahn)
  • ... im Hinblick auf seinen heiligen Geist als Sohn Gottes in Kraft eingesetzt aufgrund der Totenauferstehung ... (Molzahn)
  • Was seine himmlische Seinsweise angeht, wurde er aufgrund seiner Auferstehung von den Toten zum Sohn Gottes mit Macht eingesetzt (Molzahn).

Lassen Sie uns die Verschiedenheiten der Reihe nach besprechen:

  • Zunächst einmal: Jesus wurde als Sohn Gottes mit Macht oder als machtvoller Sohn Gottes eingesetzt. Es ist sozusagen die Macht, die ihm als Sohn Gottes zusteht.
  • Diese Einsetzung geschah durch den Heiligen Geist. Man könnte auch übersetzen, dass das Wirken des Heiligen Geistes diese Einsetzung zeigt. Eine weitere Möglichkeit ist die, dass man "nach dem Heiligen Geist" mit "im Hinblick auf seinen heiligen Geist" wiedergibt. Deshalb habe ich mit "Was seine himmlische Seinsweise angeht, ..." übersetzt. Warum? Weil es in Vers 3 um seine irdische Herkunft geht. Die ist aus der Linie David, seine göttliche Herkunft kann man daran erkennen, dass Christus als Sohn Gottes mit Macht eingesetzt wurde.
  • Dies geschah "aufgrund seiner Totenauferstehung". Ebenso wäre möglich, mit "seit seiner Totenauferstehung" zu übersetzen.

Zu Kapitel 16,25-27:

Bei diesen Versen ist es die Verschachtelung des einen Satzes, die es schwer macht, diesen Vers in ein "gutes" Deutsch zu übersetzen. Ich habe mir dadurch geholfen, dass ich das "Gebühren der Ehre" zwei Mal verwendet habe. Die folgende Struktur des einen Satzes soll Ihnen vor Augen führen, wie sich die Aussagen zueinander verhalten:

Dem aber,
      der euch zu stärken vermag
            nach meinem Evangelium
            und der Predigt von Jesus Christus,
                  durch die das Geheimnis
                        offenbart worden ist,
                  das seit Urzeiten
                        verborgen war,
                  jetzt aber offenbart
                        und durch prophetische Schriften
                        nach Befehl des ewigen Gottes
                        zum Glaubensgehorsam
                        an alle Nationen
                        bekannt gemacht worden ist,
      dem allein weisen Gott
            durch Jesus Christus,
      ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit!
      Amen.

Paulus schließt seinen Brief an die Römer mit einem Lobpreis ab. Die Hauptaussage dieses Lobpreises ist:

Dem allein weisen Gott, der euch zu stärken vermag,
sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.

Wenden wir uns nun der Auslegung beider Texte zu:

(1,2) Das Evangelium hat Gott schon lange durch seine Propheten im Alten Testament verheißen. (3+4) Es handelt von seinem Sohn, Jesus Christus, unserem Herrn, der seine irdische Herkunft von David ableitet. Was seine himmlische Seinsweise angeht, wurde er aufgrund seiner Auferstehung von den Toten zum Sohn Gottes mit Macht eingesetzt.

Paulus schreibt, dass das Evangelium Gottes schon im Alten Testament (in heiligen Schriften) durch seine Propheten verheißen wurde. Es handelt von

  • seinem Sohn,
  • Jesus Christus,
  • unserem Herrn,
  • aus der Nachkommenschaft Davids (wahrer Mensch)
  • und aus der "Nachkommenschaft" Gottes (wahrer Gott).

Zunächst wird Jesus hier als Sohn Gottes bezeichnet. An anderen neutestamentlichen Stellen ist zudem vom Erstgeborenen (Kolosser 1,15), von Gottes Gezeugtem (Hebräer 1,5) und von Gottes eingeborenem Sohn (Johannes 3,16) die Rede. All diese Begriffe beinhalten nach unserem Sprachverständnis, dass Jesus Christus ein von Gott geschaffenes Wesen ist? Damit wäre dann widerlegt, dass Jesus Christus Gott ist. Lassen Sie uns die Bedeutung dieser Begriffe von der Bibel her erschließen.

Gottes Sohn:

In Johannes 5,17+18 und 10,30-38 nannte Jesus Gott seinen Vater und sagte zudem, dass er und der Vater eins sind.

Für uns ist nun wichtig, wie seine Zuhörer diese Behauptung, durch die er sich zum Sohn Gottes machte und auch bekannte, verstanden. Beide Texte berichten davon, dass die Juden ihn töten/steinigen wollten. Und zwar wollten sie ihn wegen Gotteslästerung steinigen. Sie warfen ihm vor: "Du nennst Gott deinen eigenen Vater und machst dich auf diese Weise Gott gleich und: Du bist ein Mensch und machst dich zu Gott!

Nach Johannes 19,7 führte dieses Selbstbekenntnis Jesu zu seiner Kreuzigung: "Die Juden antworteten Pilatus: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss er sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat."

Erstgeborener:

In Kolosser 1,15-18 erklärt uns Paulus, was es mit dem Begriff "Erstgeborener" auf sich hat. Jesus wird dort als der Erstgeborene aller Schöpfung bezeichnet. In ihm, heißt es weiter, ist alles geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare. Alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen. Und er ist vor allem und alles besteht durch ihn. ... Vers 18 schließt mit einer Begründung ab. Sie lautet: Damit er in allem den Vorrang hat. Mit anderen Worten: Der Begriff "Erstgeborener" bezeichnet seine Vorrangstellung vor allem anderen. Die Aussage "er ist vor allem und alles besteht durch ihn" belegt zudem sehr deutlich, dass Erstgeborener rein gar nichts mit unserer Vorstellung bezüglich dieses Begriffes zu tun hat.

Gezeugter:

Nach Apostelgeschichte 13,32+33 sagt Gott-Vater zu Gott-Sohn: "Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt!" Dies ist ein Zitat aus Psalm 2. Die Auslegung dazu ist die, dass Gott-Vater Gott-Sohn bei dessen Auferweckung gezeugt hat!

Eingeborener Sohn:

Dieser Begriff wird von Übersetzung zu Übersetzung verschieden wiedergegeben. Das zusammengesetzte Wort wird mit "einzig geborener", "einzig gezeugter" und "eingeborener" übersetzt. Im Urtext besteht das Wort aus "monos" (einzeln, allein, einzig, einsam) und "genes" (Nachkomme, Kind, Rasse, Art, Sorte, Spezies). "Monogenes" würde ich mit "einzigartig" übersetzen. In Hebräer 11 Vers 17 wird "monogenes" verwendet. Dort heißt es: "Durch Glauben hat Abraham, als er geprüft wurde, Isaak dargebracht, und er, der die Verheißungen empfangen hatte, brachte den einzig geborenen Sohn dar." Hier wird sehr deutlich, wie falsch die Wiedergabe von "monogenes" an dieser Stelle ist. Abraham hatte bereits vor Isaak einen Sohn. Aber Isaak war einzigartig, weil auf ihm die Verheißung Gottes lag!

Durch diese Stellen wird klar, dass nicht einer dieser Begriffe dafür herhalten kann, die Gottheit Jesu zu widerlegen. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Wenn Jesus sich als Gottes Sohn bezeichnet, dann sagt er damit im Verständnis seiner damaligen Zuhörer, dass er Gott gleich ist. Diese seine Behauptung brachte ihn ans Kreuz. Wäre er missverstanden worden, hätte er dies korrigieren müssen, weil ansonsten sein Tod aufgrund eines Missverständnisses geschehen wäre!

Unser Text spricht vom verheißenen Evangelium, das damit auch schon offenbar war. Die Propheten wiesen aufgrund unseres Textes auf zwei Inhalte dieses Evangeliums hin:

  1. Seine irdische Herkunft von David!
    Als der Engel zu Maria kam, sagte er, dass Gott ihrem Sohn den Thron seines Vaters David geben wird." (Lukas 1,32) Als Jesus diente, sagten einige aus der Volksmenge: "Heißt es nicht in der Schrift: Aus der Nachkommenschaft Davids und aus Bethlehem, dem Dorf, wo David lebte, kommt der Christus?" (Johannes 7,42) Beide Stellen greifen Psalm 132,11 auf und die zweite zudem Micha 5,1. Durch 1. Samuel 17,12 erfahren wir, dass David aus Bethlehem kam.

    Zudem belegen die Stammbäume von Maria (Lukas 3,23-38) und Josef (Matthäus 1,2-16), dass Jesus ein Nachkomme von König David ist.

    Irdische Herkunft (dem Fleische nach)!
    Mit dieser Bezeichnung bringt Paulus zum Ausdruck, dass Jesus ein Mensch war. Und als ein solcher (wahrer) Mensch war er der menschlichen Schwäche unterworfen und wurde dadurch wie wir angefochten und versucht (Hebräer 5,7-10 + Matthäus 4,1-11).

  2. Als Sohn Gottes mit Macht eingesetzt aufgrund der Totenauferstehung!
    Weiter oben haben wir schon gesehen, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist und dass er dies schon immer und ewig war. Auch Johannes 8,54-59 bezeugt dies.

    Hier ist vom Sohn Gottes mit Macht die Rede. Nach Hebräer 5,7 kann man sagen, dass Jesus Christus während seines Erdenlebens der Sohn Gottes "in Schwachheit" war. Gott hat ihn aber als Sohn Gottes mit Macht/in Kraft bestimmt. Aufgrund oder seit seiner Auferstehung ist er als dieser eingesetzt. Ihm ist alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben (Matthäus 28,18).

    Wo aber sagt das Alte Testament etwas über die Einsetzung des Sohnes Gottes mit Macht/in Kraft?
    Psalm 22,30 + Jesaja 45,22-45: jedes Knie wird sich vor mir beugen - vgl. Philipper 2,9-11
    Psalm 110,1: er sitzt zur Rechten Gottes und lässt seine Feinde zum Schemel seiner Füße werden - vgl. Epheser 1,20-23

    Und wo sagt das Alte Testament etwas über Jesu Auferstehung?
    Psalm 2,7: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. - vgl. Apostelgeschichte 13,32+33
    Psalm 16,10: Meine Seele wirst du nicht dem Totenreich überlassen (nicht der Verwesung preisgeben) - vgl. Apostelgeschichte 2,25-32 + 13,35+36

Seine irdische Herkunft - seine himmlische Seinsweise - dem Geist der Heiligkeit nach!

Über die Schwierigkeit dieser Aussage habe ich schon gesprochen. Ich möchte an dieser Stelle nochmals betonen, dass - ganz egal welcher Übersetzung wir auch den Vorzug geben - hier vom wahren Mensch sein und vom wahren Gott sein Jesu Christi die Rede ist.

  • Seiner irdischen Herkunft nach ist Jesus ganz und gar Mensch!
  • Seiner himmlischen Seinsweise nach ist er ganz und gar Gott!
  • Oder anders ausgedrückt: Dem Geist der Heiligkeit nach (seinem oder dem Heiligen Geist nach) ist er ganz und gar Gott!

Jesus

Der Name "Jesus" bedeutet "Gott (Jahwe) ist Rettung".

Christus

"Christus" kommt vom griechischen "christos" und bedeutet "Gesalbter". Es ist die Übersetzung des hebräischen "maschiach (Messias)". Jesus vereint als der verheißene Messias / der kommende Gesalbte das Amt des Königs und Priesters.

unser Herr

Im Alten Testament wird die Bezeichnung "Herr" nur für Gott gebraucht. Auch dadurch wird bezeugt, dass dieser Jesus unser Gott ist. Indem er aber "unser Herr" ist, sind wir seine Sklaven!

(5) Durch ihn habe ich von Gott die Gnade und das Apostelamt empfangen, zur Ehre seines Namens und bei Menschen aus allen Völkern, Glaubensgehorsam zu bewirken.

Vers 5 beginnt eigentlich mit "durch ihn haben wir". Paulus verwendet hier die Stilform des schriftstellerischen Plural und meint damit, dass er die Gnade des Apostelamts empfangen hat. Er wurde, wie wir bereits an anderer Stelle gesehen haben, zum "Völker-Apostel" berufen. Auch hier erwähnt er seinen Dienst "bei Menschen aus allen Völkern".

Paulus hat "Gnade und Apostelamt empfangen". Gemäß Kapitel 12,3 und 15,15 wird hier oft mit "die Gnade zum Apostelamt" übersetzt. "Zur Ehre seines Namens" will er "Glaubensgehorsam bewirken". Dieser Name (Verse 2-4) ist das Zentrum des Evangeliums (Römer 15,20). In diesem und zugunsten dieses Namens predigt er und dieser Name muss weltweit bekannt werden. Die Forderung, die daraus entsteht, ist der "Glaubensgehorsam". Was hier und in Kapitel 16 mit "Glaubensgehorsam" wiedergegeben wird, hat eventuell eine zweifache Bedeutung, nämlich

  • Gehorsam, der im Glauben besteht
  • und Gehorsam, den der Glaube bewirkt.

Diese Art Glaubensgehorsam wird in Kapitel 6,17 und 10,10 näher beschrieben. Die Christen von Rom sind "von Herzen gehorsam geworden (6,17)". Und in Bezug auf den Glauben sagt Paulus, dass mit dem Herzen geglaubt wird (10,10). Glaubensgehorsam ist also eine Herzensangelegenheit!

(6) Zu ihnen gehört auch ihr, die ihr von Jesus Christus berufen seid.

Die Christen von Rom gehören zu den Menschen aus allen Völkern, bei denen das Evangelium zur Ehre seines Namens (Jesus Christus) Glaubensgehorsam bewirkt hat. Er hat sie berufen. Als Berufene sind sie die Sklaven des Rufenden und dessen Eigentum!

(16,25-27) Dem aber, der die Macht hat, euch durch mein Evangelium, der Predigt von Jesus Christus, in eurem Glauben zu stärken, gehört die Ehre. Jetzt wird durch die Predigt von Jesus Christus das Geheimnis, das seit Urzeiten verborgen gehalten wurde, offenbart. Durch prophetische Schriften des Alten Testaments wurde es auf Befehl des ewigen Gottes Menschen aus allen Völkern bekannt gemacht, um Glaubensgehorsam zu bewirken. Diesem allein weisen Gott gebührt durch Jesus Christus für immer und ewig die Herrlichkeit. Amen.

Paulus schließt seinen Brief an die Römer mit einem Lobpreis ab. Wie wir bereits gesehen haben, enthält er in der Hauptaussage folgende Satzteile:

Dem allein weisen Gott, der die Macht hat,
euch in eurem Glauben zu stärken,
gebührt für immer und ewig die Ehre.

Vom "allein weisen Gott" ist deshalb die Rede, weil Paulus im Textzusammenhang von einem Geheimnis spricht, das menschliches Verstehen übersteigt. Dieser weise Gott ist aber auch mächtig. Und diese Macht nutzt er, um die Christen von Rom in ihrem Glauben zu stärken/festigen. Nach 1. Thessalonicher 3,2+3 wird in Bedrängnissen dieser gestärkte Glaube benötigt. Glaubensstärke wird aber auch "in Wort und Werk" gebraucht (2. Thessalonicher 2,17). Diesem weisen und mächtigen Gott gebührt für immer und ewig die Ehre. Diese kommt ihm durch die Vermittlung Jesus Christi zu.

In Kapitel 1 spricht Paulus vom Evangelium Gottes. Hier nennt er es "mein Evangelium" und erklärt, dass es dabei um die Predigt von Jesus Christus geht. Sein Evangelium ist seine Verkündigung von Jesus Christus und diese Verkündigung offenbart das Geheimnis, das seit Urzeiten verborgen gehalten / verschwiegen wurde. Was ist dieses Geheimnis?

  • Nach Epheser 1,9+10 beinhaltet dieses Geheimnis, dass unter Christus alles vereint werden soll, sowohl das, was im Himmel, als auch das, was auf der Erde ist.
  • In Epheser 3,3-6 sagt Paulus, dass das Geheimnis darin besteht, dass die Nichtjuden zusammen mit den Juden erben sollen. Gemeinsam bilden sie einen Leib und die Nichtjuden sind Mitteilhaber an den Verheißungen.
  • Kolosser 1,26+27 bringt das Geheimnis auf den Punkt, nämlich: "Christus in euch - die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit!"
  • Nach Kolosser 2,2f ist das Geheimnis Christus, in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind!

Dieses Geheimnis wurde seit Urzeiten verborgen gehalten / verschwiegen und durch die Predigt von Jesus Christus offenbart.

  • Bekannt gemacht wurde es auf Befehl des ewigen Gottes!
  • Durch prophetische Schriften des Alten Testaments!
  • Und zwar weltweit (Menschen aus allen Völkern)!
  • Um Glaubensgehorsam zu bewirken / zu fordern (Gehorsam, der im Glauben besteht und Gehorsam, den der Glaube bewirkt)!

Amen

Es ist wahr. So soll es sein.


Anwendungen:

  1. Zu Beginn der Auslegung habe ich bekannt, dass ich beim zugrunde liegenden Text Übersetzungsschwierigkeiten hatte. Vielleicht denken Sie nun: "Das kann doch nicht so schwer sein, einen Text aus dem Griechischen ins Deutsche zu übersetzen. Vom Englischen ins Deutsche zu übertragen ist doch auch nicht alle Welt." Nun, der Schein trügt. Bibelübersetzung ist etwas ganz anderes. Bei der Bibel haben wir es mit einem Buch zu tun, das inspiriert ist. Gott nutzte die einzelnen Buchautoren, um seine Worte an uns zu richten. Die Bibel ist also kein Buch wie jedes andere. Es ist das Wort Gottes. Dadurch entsteht eine große Verantwortung, wenn man den Urtext in eine andere Sprache übersetzt.

    Hinzu kommen noch viele andere Schwierigkeiten. Kein Übersetzer kann bei Mose oder Paulus oder irgendeinem anderen Autor eines biblischen Buches nachfragen, ob seine Übersetzung genau das zum Ausdruck bringt, was er sagen wollte. Ein Wörterbuch allein reicht auch nicht. Es ist wichtig, wie der betreffende Autor dies oder jenes Wort verwendet. Vieles lässt sich auch nicht einfach mit ungefähr der gleichen Wortanzahl wiedergeben. Manchmal möchte man das eine Wort mit zwei Sätzen erklären. Und dann gibt es da noch die Texte, wo in unserer Bibel der ursprüngliche Satz durch drei Verse wiedergegeben wird (16,25-27). Epheser 1,3-14 ist zum Beispiel im Urtext auch nur ein Satz!

    Warum schreibe ich Ihnen das? Nun, ich habe schon erlebt, wie Christen die jahrelange Arbeit von Übersetzern mit ein paar Worten zunichtemachten. Und dabei geht es nicht um ideologisch gefärbte Bibeltexte, sondern um Übersetzungen, die im Gebet und mit großem Zeitaufwand errungen wurden. Ich zum Beispiel brütete einen ganzen Tag über diesen Versen. Und ich bin nicht zufrieden und ich habe niemanden, mit dem ich darüber austauschen könnte. Auch fehlt mir ehrlich gesagt die Zeit dazu. Sie läuft so schon davon,

    - wenn man entscheiden muss, ob die Einsetzung Jesu Christi als Sohn Gottes in Kraft durch den Heiligen Geist geschah, oder ob das Wirken des Heiligen Geistes diese Einsetzung zeigt oder ob es um Jesu heiligen Geist geht? Dann ginge es nämlich um seine himmlische Seinsweise im Gegensatz zu seiner irdischen Herkunft!

    - Und: Geschah diese Einsetzung "aufgrund" seiner Auferstehung oder "seit" seiner Auferstehung?

    - Beim "Glaubensgehorsam" entschied ich mich dafür, diesen Begriff in der Auslegung zu behandeln. Ich hätte auch mit "Gehorsam, der im Glauben besteht und den der Glaube bewirkt" übersetzen können.

    - Den schriftstellerischen Plural in Vers 5 habe ich aufgelöst und mit "Durch ihn habe ich ..." übersetzt.

    Sie sehen: Eine Bibelübersetzung kann man nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln. Das ist "harte" Arbeit und ich finde, dass dies Christen hin und wieder gesagt werden muss. Verschiedene Übersetzungen sollten uns dazu anreizen, der Sache auf den Grund zu gehen und nicht einfach den Text, der uns gerade nicht in den Kram passt, schlecht zu machen!
  2. Zu den Versen 25-27 von Kapitel 16 habe ich Ihnen die Struktur des zugrunde liegenden Satzes aufgezeigt. Durch sie wurde schnell klar, was die Hauptaussage dieser Verse ist. Probieren Sie sich auch darin. Das hilft so oft, den Text klarer zu sehen und auch zu verstehen. Allerdings bin ich der Überzeugung, dass dies eigentlich nur mit der revidierten Elberfelder Bibel "zuverlässig" möglich ist.
  3. Immer wieder bekennen mir Christen, dass sie nicht an die Dreieinigkeit glauben. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass sie stolz darauf sind, diese Lehre über Bord geworfen zu haben. Schließlich gibt es ja den Begriff "Dreieinigkeit" in der Bibel nicht. Der wurde erst Jahrhunderte danach kreiert.

    Wo dieser Anti-Dreieinigkeitsglaube herkommt, das wissen Sie und ich. Dieses Gift wird von Tür zu Tür getragen. Ein Teil davon ist wahr, nämlich dass es diesen Begriff in der Bibel so nicht gibt und dass die Lehre erst viel später formuliert wurde. Aber warum wurde sie formuliert? Das Dogma der Dreieinigkeit (Dreifaltigkeit) entstand aus der Auseinandersetzung mit Irrlehrern. Auf diese Weise brachte man treffend zum Ausdruck, was die Bibel lehrt.

    Warum reite ich so auf der Dreieinigkeit herum? Unser Text macht es klar. Die Lehre der Gottheit Jesu gehört zum Evangelium, durch das man gerettet wird. Es ist keine Kleinigkeit, die Dreieinigkeit zu leugnen. In unseren Versen sagt Paulus, dass das Evangelium von Gottes Sohn, Jesus Christus, unserem Herrn (Gott) handelt, der als Mensch von David abstammte, aufgrund seines Gottseins aber als Sohn Gottes in Kraft eingesetzt wurde!
  4. Bei früheren Anwendungen habe ich schon darauf hingewiesen, dass Paulus nicht nur "Gott, ich preise dich" sagt. Ist Ihnen aufgefallen, dass er auch hier wieder seinen Lobpreis mit "theologischen Fakten" füllt?



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