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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 1,1+7: Absender, Empfänger & Gruß (Segen)

Absender:

(1) Paulus, der Jesus Christus dient. Gott hat mich zum Apostel berufen. Er hat mich dazu auserwählt, seine Gute Nachricht (sein Evangelium) bekannt zu machen.

Empfänger:

(7a) An die Gemeinde in Rom. Ihr seid von Gott geliebt und berufene Heilige.

Gruß:

(7b) Ich wünsche euch allen Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater und von Jesus Christus, unserem Herrn.


Auslegung:


Paulus Gruß an die Römer(1) Paulus, ...

Gleich in Vers 1 erfahren wir, dass der Römerbrief von Paulus stammt. Er hat ihn Tertius diktiert (Kap. 16,22) und wahrscheinlich hat ihn Phöbe (Kap. 16,1) nach Rom gebracht.

(1) ... der Jesus Christus dient.

In anderen Bibelübersetzungen ist vom Knecht oder Sklave die Rede. Was beinhaltet es, wenn Paulus sich Diener - Knecht - Sklave Jesu Christi nennt?

Nun, er bringt zum Ausdruck, dass er von diesem Jesus Christus völlig abhängig ist. Dass er dessen Leibeigener / Eigentum ist und dieser Jesus Christus ihm sagt, was er zu tun hat.

Der moderne Mensch empfindet dies sehr abschreckend. Hat er zudem noch eine Predigt darüber gehört, dass die Bibel Christen als "wirklich Freie" bezeichnet, empfindet er dieses Diener sein als großen Widerspruch.

Aber Diener ist nicht gleich Diener. Liest man 2. Mose 21,2-6, so wird deutlich, dass Gott nur solche Diener möchte, die sich in Liebe für ihr ganzes Leben an ihn binden!

Das ist aber nur die eine Seite des Dienerdaseins. Wenn Paulus sich Diener Jesu Christi nennt, dann verleiht ihm das auch Würde, weil er Diener des höchsten Herrn der Welt ist.

Paulus sagt damit: "Ich schreibe euch nicht in eigener Sache, sondern auf höheren Befehl hin!"

(1) Gott hat mich zum Apostel berufen.

Davon haben wir schon in Teil 002 gesprochen (von der Berufung - die eine Berufung zum Apostel war). Ein Apostel ist ein Gesandter - ein Botschafter. In 2. Korinther 5,20 schreibt derselbe Paulus: "Wir sind Gesandte / Botschafter an Christi statt." Damit sind alle Christen Stellvertreter Jesu auf Erden!

(1) Er hat mich dazu auserwählt, seine Gute Nachricht (sein Evangelium) bekannt zu machen.

Wenn Gott Paulus auserwählt hat, dann hat er ihn aus der "Masse" der anderen Diener bestimmt und mit dem Auftrag versehen, Gottes Gute Nachricht weiter zu sagen. Gott hat quasi mit dem Zeigefinger auf ihn gedeutet und gesagt: "Du bist mein Botschafter in Sachen Evangelium."

(7) An die Gemeinde in Rom.

Die Empfänger des Briefes sind die Mitglieder der christlichen Gemeinde von Rom, die er zweifach bezeichnet:

(7) Ihr seid von Gott geliebt ...

Wenn Gott diese Christen liebt, dann hat Gott eine ganz enge Beziehung zu jedem von ihnen.

(7) ... und berufene Heilige.

Jeder von ihnen ist auch ein berufener Heiliger. Kein Christ muss darauf warten, von irgendjemand heiliggesprochen zu werden. Gott hat ihn zum Heiligen berufen.

Die ganz natürliche andere Seite dieser Berufung ist allerdings, dass jeder Christ dann auch "heilig lebt" (1. Petrus 1,15+16).

(7) Ich wünsche euch allen Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater und von Jesus Christus, unserem Herrn.

In den Briefen des Paulus ist der Gruß ein Segen. Paulus wünscht jedem einzelnen Christen von Rom Gnade und Frieden.

  • Gnade ist Gottes tätiges Mitleid, das den Empfänger beschenkt.

  • Friede bezeichnet eine innere Ruhe - ein Freisein von Unruhe und Belästigung jeder Art (Apostelgeschichte 9,31). Es geht hier nicht um den Frieden mit Gott, sondern den Frieden, den die Christen (sie sind schon Christen) im Alltag erfahren sollen.

Sowohl die Gnade als auch der Friede haben ihren Ursprung in Gott, dem Vater der Christen und in Jesus Christus, welcher der Christen Herr ist (sie also seine Diener).


Anwendungen:

  1. Paulus schreibt nicht in eigener Sache, sondern auf höheren Befehl. Und er schreibt auch nicht nur den Christen von Rom. Sein Brief hat allen Christen das zu sagen, was Paulus zum Ausdruck bringen möchte.
  2. Paulus nennt sich Diener Jesu Christi. Damit hebt er sich seiner Stellung Gott gegenüber nicht vor anderen Christen heraus. Jeder Christ ist von seiner Stellung her ein Diener Christi. Doch viele Christen pfeifen auf diese Stellung. Andere kommen ihr nur widerwillig nach. Doch nur die Diener Jesu Christi sind wirkliche Diener, die sich aus Liebe unterordnen und dienen. Sind Sie ein Christ? Wenn "Ja", welche Art von Diener sind Sie? Und: Ist Ihnen bewusst, welche Würde "Ehre" Ihnen dieses Diener sein verleiht. Komischerweise sind wir Menschen oft stolz, wenn wir zum Beispiel einem VIP dienen können. Warum ist das in Bezug auf Jesus ganz anders?
  3. Paulus ist auf ganz besondere Art und Weise ein Apostel / Botschafter Gottes. Im Neuen Testament wird uns gesagt, dass der Heilige Geist den Gemeindegliedern Geistesgaben verleiht. Eine davon ist das Apostelamt (1. Korinther 12,29). Nun liegt auf der Hand, dass nicht jedes Gemeindeglied ein Apostel ist, aber ein Mini-Apostel schon. Ich will damit sagen, dass Gott im Grunde genommen jeden dazu beruft, ein Gesandter an Christi statt zu sein! Warum können dann Christen oft über alles Mögliche reden - nur nicht über Gott?
  4. Paulus wurde dazu auserwählt, Menschen zu sagen, wie man Christ wird (Evangelist). Auch Evangelist zu sein ist eine Geistesgabe. Wir kennen solche Evangelisten von großen Veranstaltungen her. Aber auch im kleineren Rahmen gibt es Christen, die Evangelisten sind. Und die Bibel macht auch unmissverständlich klar, dass jeder Christ ein Mini-Evangelist ist. Warum sollte ein Christ auch nicht begeistert davon erzählen, wie er Christ geworden ist? Oder tun das wirklich nur Sektierer?
  5. Christen sind Gottes Heilige. Nicht weil Sie als Christ so heilig sind, sondern weil Gott Christen in die Stellung von Heiligen setzt und sie damit die beste Grundlage zu einer heiligen Lebensführung haben. Ist Ihnen das wichtig? Oder wäre Ihnen eine Heiligsprechung nach dem Tod lieber?
  6. Dass Gott alle Menschen liebt, hat er dadurch bewiesen, dass der seinen Sohn für uns Menschen geopfert hat. Christen sind insbesondere Geliebte Gottes, weil sie diese Liebe Gottes nicht von sich gestoßen haben. Aber genau diese aufopfernde Liebe Gottes Christen gegenüber müsste sie doch dazu bewegen, ihm von ganzem Herzen (aus Liebe) zu dienen!
  7. Gott fühlt mit uns Christen. Deshalb möchte er uns auch im Alltag beschenken (Gnade). Erkennen wir das in unserem Alltag oder geht Gottes Beschenken völlig unter?
  8. Christen haben Frieden mit Gott. Dennoch gibt es auch für sie Unruhe im Alltag. Und Gott möchte auch in diese Unruhe hineinwirken und eine innere Ruhe schenken. Auch hierbei stehen Christen in der Gefahr, diesen Frieden Gottes in der Unruhe der Zeit zu übergehen - nicht an sich ran zu lassen - zu ignorieren - zu überhören!
  9. Christen haben nicht nur einen leiblichen Vater, sondern auch einen himmlischen Vater, zu dem sie ganz vertrauensvoll kommen können. Sie haben aber auch einen Herrn, dessen Diener sie sind. Das ist wohl das Geheimnis, wie man die Gnade und den Frieden im Alltag erleben kann. Wenn wir im Bewusstsein der Kindschaft und der liebevollen Unterordnung jeden Augenblick leben, dann wird Gnade und Friede im Alltag zur Realität.



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