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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 1,8+9: Dankgebet

(8) Zu allererst danke ich euretwegen meinem Gott durch Jesus Christus, weil man im ganzen Römischen Reich von eurem Glauben spricht.

(9) Ich bete immer und immer wieder für euch. Dafür ist Gott mein Zeuge, für dessen Verbreitung des Evangeliums von seinem Sohn ich mich voll und ganz einsetze.

Auslegung:

Paulus Dank für die Römer(8) Zu allererst danke ich euretwegen meinem Gott durch Jesus Christus, weil man im ganzen Römischen Reich von eurem Glauben spricht.

Zu allererst dankt Paulus Gott für diese lebendige Gemeinde in Rom. Es geht bei diesem Dank weniger darum, dass diese Mitglieder Christen geworden sind, sondern vielmehr darum, dass sie ihr Christsein leben, dass sie sozusagen lebendige Christen sind.

Das ist gleichzeitig so überzeugend, dass man im ganzen Römischen Reich verkündet: "In Rom gibt es eine christliche Gemeinde, deren Mitglieder ihren Glauben leben!" Es wird nicht abschätzig über die Christen von Rom gesprochen, auch nicht belächelnd, sondern positiv, bewundernd wird von ihnen geredet, was auch dazu führt, dass Menschen ins Nachdenken kommen und Fragen stellen.

Paulus dankt Gott durch Jesus Christus. Der hat es möglich gemacht, dass dieses Danke überhaupt entstehen konnte. Das Evangelium - die Gute Nachricht von Jesus - ist die Grundlage des Glaubens der Christen von Rom.

Paulus dankt seinem Gott. Dies bringt zum Ausdruck, dass er eine persönliche Beziehung zu diesem Gott hat.

Paulus hat aber auch eine Bitte. Doch bevor er seinen Gott um den Inhalt von Vers 10 bat, wollte er vor allen Dingen Gott seinen Dank aussprechen.

(9) Ich bete immer und immer wieder für euch.

Eine andere Bibelübersetzung gibt mein "immer und immer wieder" mit "es vergeht kein Tag" wieder. Weil Paulus sehr oft betet, dankt er auch andauernd für die Christen zu Rom.

(9) Dafür ist Gott mein Zeuge ...

Mit einer alttestamentlichen Bekräftigung (1. Samuel 12,5) garantiert Paulus feierlich die Wahrheit seiner Behauptung. Gott ist sein Zeuge, dass er immer und immer wieder für sie dankt!

(9) ... für dessen Verbreitung des Evangeliums von seinem Sohn ich mich voll und ganz einsetze.

Und dieser Gott ist der Gott, für den er sich voll und ganz einsetzt. Im Urtext ist von "in meinem Geist" die Rede. Dies meint nicht einfach nur einen gedanklichen Einsatz für das Evangelium, sondern den Einsatz als ganzer Mensch. Mit allem, was Paulus ist und hat!


Anwendungen:

  1. Paulus spricht von seinem Gott und bringt damit sein persönliches Verhältnis zu Gott zum Ausdruck. Können Sie auch von "meinem Gott" sprechen?
  2. Uns fällt es relativ leicht, von "meinem Gott" zu reden. Es ist oftmals nur so eine Floskel. Deshalb wäre es keine schlechte Übung, zumindest für sich selbst ein "durch Jesus Christus" anzuhängen. Schließlich bringt man dadurch zum Ausdruck, dass dieser Jesus Christus den Weg zu "meinem Gott" geebnet hat!
  3. Paulus betet. Ehrlich gesagt mag ich diese Vokabel nicht. Meines Erachtens hat dieses Wort seinen Inhalt verloren. Was ist ein Gebet? Das Herunterleiern des Vaterunser? Es hat einmal jemand gesagt, dass Gebet reden mit Gott ist und hören. Dieses Zitat verdeutlicht, dass man um den Inhalt und die Bedeutung von "Gebet" ringt. Denn wenn man vom "Reden mit Gott" spricht, dann beinhaltetet dies doch, dass man miteinander spricht und infolgedessen auch hört! Beten ist also ein Zwiegespräch zwischen Gott und Mensch. Hand aufs Herz. Was tun Sie, wenn Sie beten?
  4. Paulus beginnt sein Gebet mit Dank (die Bitte kommt in Vers 10). Er ist begeistert davon, dass die Christen von Rom nicht einfach bloß Christen wurden, sondern dass sie ihren Glauben auch lebten und das in so überzeugender Art und Weise, dass dies im ganzen Römischen Reich herumerzählt wurde. Nicht wie bei uns, wenn von Christen die Rede ist (Ach, die sind doch auch nicht besser als ...), sondern in einer Art und Weise, die andere ans Christentum heranführte. Was bewirkt meine christliche Ausstrahlung? Ärger, Meidung, Verachtung oder Neugier, Nachdenklichkeit und Fragen? (Wichtige Anmerkung: Das soll nicht heißen, dass ein vorbildliches Christenleben immer positive Auswirkungen haben muss, dass dies in gewisser Weise ein Maßstab fürs rechte Christenleben ist! Christen werden auch verfolgt, gerade weil sie ihren Glauben leben!)
  5. Paulus betet nie. Für ihn gibt es dieses Reden bis zur Zimmerdecke und nur zu bestimmten Zeiten usw. nicht. Paulus ist andauernd mit Gott im Zwiegespräch. Dabei sind die Christen von Rom nur eines von vielen Gesprächsthemen. Welche Art von Gebetsleben führen Sie? Den frommen Spruch zu Tisch? Oder eine Leier an verschiedenen Plätzen? Oder reden Sie mit Gott und hören?
  6. Paulus geht im Gespräch mit Gott durchs Leben. Das mag nun sehr abgehoben klingen, aber es ist ja nicht so, dass man dabei laut reden muss. Haben Sie nicht auch schon in der Arbeit ein Gespräch mit irgendjemandem zu Hause geführt? Nicht am Telefon. Nein, leise in sich hinein. Das geht neben der Arbeit - das geht selbst im Gespräch mit dem Chef - und mit Gott geht dies erst recht. Manchmal sagen wir ziemlich leichtfertig "ich denke an Dich!" und meinen damit, dass wir für die Person beten. Und dann geschieht nichts. Aus den Augen aus dem Sinn. Vielleicht würde es uns da helfen, wenn wir dies durch ein "Gott ist mein Zeuge" garantieren würden?!
  7. Und natürlich ist es sehr wichtig, um welchen Gott es dabei überhaupt geht. Heutzutage scheint dies nicht mehr so bedeutend zu sein. Ist doch egal, zu welchem Gott ich rede. Gott ist Gott. Aber der Christengott lässt sich nicht mit anderen Göttern in einen Topf schmeißen. Und Paulus sagt: "Meine Gebete gehen zu dem Gott, für dessen Verbreitung des Evangeliums von seinem Sohn ich mich voll und ganz einsetze." Ich frage mal andersrum: Für was setzen Sie sich voll und ganz ein? Könnte es sein, dass dies Ihr wahrer Gott ist?



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