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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 10,14-21:
Israel versagte trotz der Verkündigung des Evangeliums

(14) Wie soll nun das jüdische Volk den anrufen, an den es nicht geglaubt hat?
Und wie soll es an den glauben, von dem es nicht gehört hat?
Und wie soll es hören ohne einen Prediger?
(15) Und wie sollen die Prediger predigen, wenn sie nicht gesandt sind?
Aber dies alles ist geschehen und die Schrift bezeugt dies in Jesaja 52,7: "Rechtzeitig sind die gesegneten Apostel gekommen und haben die gute Nachricht verkündet!"
(16) Aber nicht alle haben dem Evangelium gehorcht. Schon Jesaja sagt in Jesaja 53,1: "Herr, wer hat unserer Predigt geglaubt?"
(17) Der Glaube setzt also das Hören voraus, die Predigt aber gründet sich im Wort Christi.
(18) Hat das jüdische Volk die Botschaft etwa nicht gehört? Doch, denn in Psalm 19,5 heißt es von den Predigern: "Überall auf der ganzen Erde ist ihre Stimme zu hören und ihre Predigt ist bis in die entlegensten Gebiete der Welt vorgedrungen."
(19) Hat dann das jüdische Volk nicht erkannt, worum es in der Botschaft geht? Doch, denn schon Moses beantwortet mit 2. Mose 32,21 diese Frage: "Ich werde euch auf ein Volk eifersüchtig machen, das gar nicht mein Volk ist; ich werde euch zum Zorn über ein Volk reizen, das keine richtige Gotteserkenntnis hat."
(20) Jesaja wagt sogar in Jesaja 65,1 zu sagen: "Ich habe mich von denen finden lassen, die mich nicht gesucht haben; ich habe mich denen offenbart, die nicht nach mir fragten."
(21) Im Hinblick auf Israel sagte Jesaja aber in Jesaja 65,2: "Den ganzen Tag habe ich meine Hände nach einem Volk ausgestreckt, das mir gegenüber ungehorsam ist und mir ständig widerspricht."


Auslegung:

Israel versagte trotz der Verkündigung des Evangeliums

Struktur von Römer 9 bis 11Diesen Textabschnitt möchte ich als Ganzes behandeln. Deshalb werde ich ausnahmsweise einmal hier im Auslegungsteil die Verse nicht einfügen.

Im Abschnitt 9,30-33 hatten wir gesehen, dass Israel trotz des Prophetenwortes versagte. Das warnende Stolpersteinprophetenwort wurde übergangen, was zum Fall des jüdischen Volkes führte.

Im nächsten Abschnitt (10,1-13) legte Paulus dar, dass Israel trotz der Gesetzesforderung versagte. Die nämlich spricht klar und deutlich davon, dass man nur dann durch eigene Werke vor Gott gerecht wird, wenn man das Gesetz vollkommen erfüllt. Das jüdische Volk schenkte dieser Forderung nicht die richtige Beachtung, setzte alles daran, durch eigene Leistungen die Gerechtigkeit Gottes zu erlangen, was wiederum zum Fall des jüdischen Volkes führte.

Im heutigen Abschnitt erklärt Paulus, dass Israel trotz der Verkündigung des Evangeliums versagte. Beim Lesen des Textes werden Sie feststellen, dass immer wieder auch Bezüge zum bisher Gesagten bestehen. Trotzdem geht es hier um einen neuen Gedanken - oder: um die Beantwortung von drei Fragen, die mit diesem Evangelium zu tun haben.

Die erste Frage steht nicht explizit da. Man muss sie aus der Antwort (15b) heraus formulieren. Alle drei Fragen lauten:

  1. Wurde denn niemand zum jüdischen Volk geschickt, der ihm die Botschaft verkündete?
  2. Hat das jüdische Volk die Botschaft etwa nicht gehört?
  3. Hat denn das jüdische Volk nicht erkannt, worum es in der Botschaft geht?

Zur 1. Frage: Wurde denn niemand zum jüdischen Volk geschickt, der ihm die Botschaft verkündete?

Die Antwort auf die erste Frage in Vers 15b ist sehr interessant. Gewöhnlich heißt es in unseren Bibeln so ähnlich wie: "Wie geschrieben steht: »Wie lieblich sind die Füße derer, die Gutes verkündigen!«" Mein Text lautet: "Aber dies alles ist geschehen und die Schrift bezeugt dies in Jesaja 52,7: »Rechtzeitig sind die gesegneten Apostel gekommen und haben die gute Nachricht verkündet!«"

Ich gebe zu, dass da große Unterschiede bestehen. Meines Erachtens stecken aber all diese Aussagen in dem, was wir in anderen Bibelübersetzungen lesen. Jesaja 52,7 beantwortet die Frage, indem dieses Zitat folgende Aussagen macht:

  • Was in Vers 14 + 15a aufgeführt wird, ist geschehen!
  • Rechtzeitig (lieblich) sind die gesegneten (lieblichen) Füße (die Apostel) gekommen. (Diese Bedeutungen hat das "lieblich" des Urtextes.)
  • Und sie haben diese gute Nachricht verkündet.

Zur 2. Frage: Hat das jüdische Volk die Botschaft etwa nicht gehört?

Das jüdische Volk bekam die gute Nachricht rechtzeitig gepredigt. Daran gibt es nichts zu rütteln. Gottes Boten wurden rechtzeitig ausgesandt und diese gesegneten Boten verkündeten das Evangelium. Dann stellt sich die Frage, ob das jüdische Volk die Botschaft eventuell nicht gehört hat.

Paulus sagt mit Vers 18: "Doch, es hat das Evangelium ganz gewiss gehört. Dies geht sogar schon aus Psalm 19,5 hervor, denn das Evangelium wurde und wird bis an die Grenzen der bewohnten Welt verkündet. Es ist unmöglich, dass das jüdische Volk das Evangelium nicht gehört hat!"

Zur 3. Frage: Hat denn das jüdische Volk nicht erkannt, worum es in der Botschaft geht?

Dann bleibt nur noch, dass das jüdische Volk nicht erkannt (verstanden) hat, worum es in der Botschaft geht (19). Doch Paulus antwortet, dass das jüdische Volk das Evangelium ganz genau verstanden hat. Dazu führt er sogar 3 Zitate aus der Schrift an, die das indirekt bestätigen:

  • 2. Mose 32,21: Wie belegt dieses Zitat das Verstehen? Das jüdische Volk hat gesehen, dass das Nicht-Gottes-Volk (9,25) ohne Gotteserkenntnis das Evangelium angenommen hatte. Das machte es eifersüchtig und zornig. Hätte es das Evangelium nicht verstanden, wäre kein Grund zur Eifersucht und zum Zorn vorhanden gewesen!
  • Jesaja 65,1: Und wie belegt dieses Zitat, dass das jüdische Volk die Botschaft verstanden hatte? Aufgrund dessen, dass Jesaja es wagt, zu sagen, dass Gott sich von nicht Suchenden hat suchen und finden lassen. Mit anderen Worten: Gott hatte sich ein Stück weit vor Israel verborgen, weil es dabei war, sich gegenüber der Botschaft zu verhärten.
  • Jesaja 65,2: Dieses Verhärten belegt nicht nur das Zitat aus 2. Mose, sondern auch das dritte Zitat. Gott hat das jüdische Volk umworben. Er hat die Hände nach ihm ausgestreckt und wollte es umfangen und an sich ziehen. Aber das jüdische Volk nahm die Gerechtigkeit Gottes nicht an. Es war Gott gegenüber ungehorsam und widersprach/widersetzte sich ihm und seiner Gerechtigkeit.

Zu den Versen 14 bis 17:

In den Versen 14 bis 17 führt Paulus den Werdegang vom Wort Christi bis zum Erlangen der Gerechtigkeit Gottes aus. Dies möchte ich mit der folgenden Liste nochmals verdeutlichen:

  • Vers 17: Die Quelle der Verkündigung des Glaubens ist das Wort Christi!
  • Vers 15a: Zur Verbreitung des Wortes Christi (des Evangeliums) hat Gott Prediger gesandt!
  • Vers 14c + 15a: Diese Prediger predigen das Evangelium!
  • Vers 14b+c: Die Predigt des Evangeliums wird gehört!
  • Vers 14a+b + 17: Dem Hören muss das Glauben folgen!
  • Vers 14a: Wer glaubt, der ruft an!
  • Vers 13 (aus dem letzten Abschnitt): Er ruft den Namen des Herrn - Jesus Christus - an und wird gerettet werden!

Wort Christi - gesandte Prediger - predigen das Evangelium - Zuhörer hören - Zuhörer antworten mit Glaube (oder Unglaube) - Glaubende rufen den Herrn an - und werden gerettet!

So werden Menschen für Christus gewonnen. So wird man Christ.


Anwendungen:

  1. Hin und wieder führe ich Gespräche über die Art und Weise der Verbreitung des Evangeliums. Ich betone dann immer, dass man auf die Zuhörer zu- und eingehen sollte. Dass man sie mit Beispielen aus ihrem Alltag zu gewinnen suchen sollte. Nicht nur das, man sollte sich in seine Zuhörer hineinversetzen und überlegen, welche Einwände sie machen könnten und wie man ihnen ihre Situation und Handeln gegenüber Gott verdeutlichen könnte.

    Und da beiße ich oft auf Granit. Viele Christen sind der Ansicht, dass dies so nicht nötig ist. Das fließt einem dann automatisch zu. Man möchte auch nicht dem Heiligen Geist ins Handwerk pfuschen und bereitet sich deshalb auf solche Aktionen und Situationen nicht vor.

    An der geistlichen Evangeliumsfront wird dann das Wort Christi aus dem Ärmel geschüttelt. Und was da dann als Evangelium verkündet wird, ist oft ärmlich. Ich finde dieses Verhalten teilweise auch sehr lieblos gegenüber den Menschen, die man gewinnen möchte. Nach der Devise "Friss oder stirb!" werden Evangeliumsbrocken hingeschmissen, die dann auch noch zum Ziel - zur Anrufung des Herrn - führen sollen.

    Paulus zeigt uns hier ein ganz anderes Verhalten und hat dabei anscheinend keine Mühe, dass er eventuell zu viel mit dem Verstand erarbeitet. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er, wenn man ihn darauf ansprechen könnte, ähnlich wie beim Gewissen antworten würde. Dort sagte er: "Mein Gewissen im Heiligen Geist bezeugt mir!", und hier liegt nahe, dass es auch beim verständlichen (verstandesmäßigen) Argumentieren diese Komponente gibt, nämlich: "Mein Verstand im Heiligen Geist bezeugt mir!"

    Wenn wir ein wenig rekapitulieren, dann begann unser großer Abschnitt damit, dass Paulus in Bezug auf das jüdische Volk große Traurigkeit und tiefes Herzeleid empfand. Darin liegt wohl der Eifer begründet, seinem Volk Einsicht in das Geschehen zu vermitteln und aufzudecken, warum alles so ist, wie es gerade ist.

    In unserem Abschnitt beantwortet er drei Fragen. Man könnte auch sagen, dass er in einem evangelistischen Gespräch zu seinem Gegenüber Folgendes sagt:

    "Schau mal. Gott hat schon unzählige Male um Dich geworben. Das ist heute nicht das erste Gespräch, das wir zwei darüber führen, wie man Christ wird. Gott hat dir auch schon einige andere Menschen in den Weg gestellt, die dir das Evangelium klar und deutlich erklärt haben.

    Und du hast dir dabei noch nie die Ohren zugehalten. Was ich sagen will, ist, dass du immer bei der Sache warst und zugehört hast. Mensch, dann antworte doch auch mal darauf.

    Ich zweifle auch kein Stück daran, dass du den Inhalt des Evangeliums nicht verstanden haben könntest. Du weißt mittlerweile ganz genau, worum es geht. Weißt du, als ich dir letztes Mal erzählt habe, dass Horst sich bekehrt hat, da empfand ich deine Reaktion so, als wärst du eifersüchtig. Das sagt mir, dass du selbst wirklich weißt, wo's langgehen sollte. Dass Horst Christ geworden ist, sollte dich nicht zornig machen, sondern dich dazu bringen, dass du dir einen Ruck gibst und selbst mit Gott ins Reine kommst.

    Könnte es nicht sein, dass gerade der Umstand, dass Horst gläubig geworden ist, dir deutlich machen sollte, dass du dich auf einem etwas gefährlichen Weg befindest? Horst kam vorher kaum mit Christen in Kontakt. Und dann hat ihm Rainer das Evangelium erklärt und Horst war getroffen und hat sich sofort bekehrt. Aber bei dir ist es so, als würde dich jedes weitere Gespräch über Jesus verhärten. Du verschließt dich immer mehr. Und da liegt eine Gefahr drin. Gott belästigt nicht, irgendwann wird er dein Verhalten respektieren und klein beigeben.

    Aber Gott streckt derzeit noch seine Arme nach Dir aus. Er möchte Dich regelrecht in seine Arme schließen und an sich ziehen. Aber du zappelst wie ein Pubertierender, der von seinen Eltern nicht mehr in den Arm genommen werden möchte. Es ist sogar noch schlimmer. Du widersetzt dich Gott und bist ungehorsam.

    Aber das Evangelium ändert sich trotzdem nicht. Du kannst dich widersetzen so viel du willst. Frieden mit Gott bekommst du nur, indem du auf die Predigt des Evangeliums mit Glauben in das stellvertretende Opfer Jesu antwortest und darüber mit Jesus sprichst. Wenn du den Weg Gottes zum Christ werden bejahst und für dich in Anspruch nimmst, dann wirst du gerettet werden."

    Haben Sie gemerkt, wie ich den ganzen Abschnitt in ein Gespräch hineinverarbeitet habe. Natürlich müssen der Hintergrund und Werdegang dieser Person genau so sein. Ich wollte nur deutlich machen, wie man sich innerlich auf ein Gespräch vorbereiten kann. Das macht Mühe, kostet Zeit und kann auch völlig umsonst sein, weil es nicht zu diesem Gespräch kommt, oder weil ich mich im Gespräch anders geführt sehe!
  2. Israel versagte. Und wenn Sie bisher "versagt" haben, dann werden die Gründe hierfür nicht viel anders sein. Schon allein deshalb nicht, weil das deutsche Volk auch sehr religiös geprägt ist.

    Ein religiöser Mensch stößt sich an Jesus. Er will nicht zugeben, dass dieser Jesus stellvertretend für ihn sterben musste. Und die Bibel sagt, dass dieses an Jesus Anstoß nehmen, zum Stolpern führt und dieses unnachgiebige Stolpern schlussendlich zu Fall bringt.

    Ein religiöser Mensch möchte aufgrund seiner Leistungen in den Himmel kommen. Wie jener junge Mann, der auf Jesus zuging (Matthäus 19,16ff) und fragte, was er tun muss, um in den Himmel zu kommen. Jesus sagte: "Halte die Gebote!" "Die habe ich alle gehalten. Was fehlt mir noch?", fragte der junge Mann. Ist das nicht interessant, dass er sich nicht zufriedengab und einfach sagte: "Dann ist ja gut, denn die habe ich alle gehalten. Dann komm ich auch in den Himmel!" Die Antwort lässt aber darauf schließen, dass er ganz genau wusste, dass da etwas nicht stimmt. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, durch eigene Bemühungen in den Himmel zu kommen!

    Ein religiöser Mensch widersetzt sich dem Evangelium. Das liegt nicht daran, weil er es nicht richtig versteht, sondern vielmehr daran, dass er es sehr genau versteht. Und dann ärgert er sich, wenn andere zum Glauben kommen. Er regt sich über den Schächer am Kreuz auf, der zurecht gekreuzigt wurde und sozusagen in allerletzter Sekunde sein Seelenheil bekam. Das ganze Leben lang war er ein Verbrecher. Und ich tue niemandem etwas zuleide und soll verloren gehen? Ja, genau das wird geschehen, wenn dieser Ungehorsam gegenüber dem Evangelium bestehen bleibt und man sich weiterhin Gottes ausgestreckten Armen widersetzt.

    Sind Sie auch so ein religiöser Mensch? Dann wissen Sie ja, was Sie tun sollten - tun müssen - um vor Gott gerecht dazustehen!



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