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Wir sind nun in dieser Auslegung zum Römerbrief beim letzten großen Abschnitt angelangt. Sicherlich ist Ihnen noch bewusst, dass ich die Kapitel 9-11 ziemlich zu Beginn dieses Kommentares besprochen habe. Ich habe mir diese Freiheit deshalb genommen, weil ich die 3 Hauptabschnitte (Kapitel 1,16 bis 5,11, Kapitel 5,12 bis 8,39 und Kapitel 12,1 bis 15,7) des Briefes als eine Einheit lehren wollte.
Den ersten Teil beginnt Paulus damit, dass er bekennt, dass das Evangelium Gottes Gerechtigkeit offenbart und Gottes Kraft zur Errettung jedes Glaubenden ist (1,16+17).
Wieso aber benötigt der Mensch / die Menschheit dieses Evangelium? Die Antwort(en) hierauf gibt Paulus in den folgenden Kapiteln. Mit Vers 18 aus Kapitel 1 antwortet Paulus zunächst einmal damit, dass sich "Gottes Zorn über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen offenbart". Im Folgenden macht Paulus deutlich, dass Gott zu Recht auf die nichtjüdischen Völker zornig ist (1,19-32). Dies gilt auch für das jüdische Volk (2,1-3,8). Damit steht fest, dass alle Menschen vor Gott schuldig sind. Sie stehen alle unter der Herrschaft der Sünde (3,9-20).
Doch wie ist dies nun mit der Gerechtigkeit Gottes? Wie offenbart das Evangelium diese Gerechtigkeit? Die Gerechtigkeit Gottes offenbart sich im Tod Jesu Christi und wird durch den Glauben empfangen (3,21-31). Dieser Auffassung wird insbesondere von jüdischer Seite vehement widersprochen. Man ist der Ansicht, dass man Vorzüge hat (Beschneidung, das mosaische Gesetz, ...), und aufgrund von Verdienstwerken Gottes Gerechtigkeit erlangt. Doch Paulus beweist anhand des mosaischen Gesetzes und der Propheten und am Beispiel Abrahams, dem Vater der Glaubensgerechtigkeit, dass auf diesem Wege kein Mensch Gottes Gerechtigkeit erlangt (4,1-25).
Frieden mit Gott hat nur der, der aus Glauben gerechtfertigt ist. Solch ein Mensch wurde durch Christus vom Zorn Gottes errettet (5,1-11).
Im zweiten Teil beschreibt Paulus die zwei Seinsweisen und deren Auswirkungen. Von Geburt an ist jeder Mensch "in Adam". Mit dem Sündenfall brachte Adam das Verdammungsurteil über die Menschen. Die Existenzweise "in Adam" bringt mit sich, dass jeder Mensch der Herrschaft der Sünde recht- und machtlos ausgeliefert ist. Das hat zur Folge, dass das mosaische Gesetz, das eigentlich zum Leben gegeben wurde, sich zum Tod erweist (7,7-25).
Mit der Wiedergeburt ((Geistes-) Taufe / der Rechtfertigung aus Glauben) wird der Mensch begnadigt und gelangt auf diese Weise in die Seinsweise "in Christus". Christi Erlösungstat hat zum Freispruch geführt (5,12-21). Geht es um die Existenzweise "in Christus", so zählt Paulus in Kapitel 6,1-7,6 und Kapitel 8 viele Auswirkungen auf, so zum Beispiel: Wer "in Christus" ist, der steht nicht mehr unter der Herrschaft der Sünde (6,1-14), ist Gott von Herzen gehorsam (6,15-23), wird vom Heiligen Geist bewohnt (8,1-30) und darf gewiss sein, dass ihn absolut gar nichts von der Liebe Gottes trennen kann (8,31-39).
In den Kapiteln 9-11 beschreibt Paulus dann den Heilsplan Gottes mit Israel. Obwohl dieser Abschnitt einen selbstständigen Teil des Briefes bildet, gibt es doch einen Zusammenhang zu den vorangegangenen Kapiteln. Dennoch habe ich diesen Abschnitt schon vor der Betrachtung von 1,16-5,11 behandelt. Meine Gründe dafür habe ich bei der Auslegung von Kapitel 9-11 genannt. Eine Wertung ist mit dieser Vorgehensweise nicht beabsichtigt.
Im Folgenden werde ich nun den dritten Teil auslegen. Oft wird davon gesprochen, dass dieser Abschnitt die Praxis oder die Konsequenz der vorher dargelegten Lehre seelsorgerlich anmahnt. Das ist sicherlich richtig, darf aber nicht heißen, dass der Lehrteil des Briefes keine Praxis für den Glaubensalltag enthält. Im Gegenteil. Paulus lehrt und wendet das Gelehrte immer wieder sofort an. In Römer 6 Vers 6 lehrt er zum Beispiel, dass in der Geistestaufe das mitgekreuzigt sein des alten Menschen für die betreffende Person Realität wird. Und noch im selben Vers sagt er, was dies für die Praxis bedeutet: "Wenn der alte Mensch tot ist, müssen wir der Sünde nicht mehr dienen und - Vers 11 - sollen uns als solche ansehen, die für die Sünde tot sind, Gott aber lebend in Christus Jesus."
12,1+2 Opfer des Körpers und Verwandlung des Sinnes
Gliederungen von Textabschnitten können sehr unterschiedlich sein. Die oben genannte Gliederung legt den Schwerpunkt auf die Hauptaussage des jeweiligen Textabschnitts. Hier, in der Anwendung, möchte ich Ihnen eine erweiterte Gliederung anbieten. Sie ist praxisorientiert formuliert und mit herausfordernden Fragen versehen:
12,1+2: Gottes Barmherzigkeit fordert Christen zu einem hingegebenen Leben und zur Bereitschaft, ihre Denkweise umwandeln zu lassen, auf!
12,3-8: Erneuertes Denken zeigt sich innerhalb der Gemeinde darin, dass man seine Gnadengabe(n) ernst nimmt und sie in Bescheidenheit ausübt!
12,9-21: Erneuertes Denken zeigt sich gegenüber Glaubensgeschwistern und allen anderen Menschen bis hin zu unseren Feinden darin, dass man selbstaufopfernde Liebe praktiziert!
13,1-7: Erneuertes Denken zeigt sich gegenüber den Trägern der politischen Macht darin, dass man als Christ Gehorsam leistet!
13,8-10: Erneuertes Denken zeigt sich gegenüber den Mitmenschen darin, dass man Ihnen die Liebe, die man ihnen schuldet, erweist!
13,11-14: Erneuertes Denken zeigt sich darin, dass man seine Lebensführung von der baldigen und ewigen Errettung her gestaltet.
14,1-15,7: Erneuertes Denken zeigt sich unter Glaubensgeschwistern darin, dass die Starken im Glauben nach dem Vorbild Christi die Schwachen im Glauben annehmen und ihre Glaubensüberzeugungen nicht verachten. Die Schwachen im Glauben sollen die Starken im Glauben auch annehmen und deren Glaubensüberzeugungen nicht verurteilen.

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