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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 12,1+2: Opfer des Körpers und Verwandlung des Sinnes!

(1) Liebe Glaubensgeschwister! Angesichts der großen Barmherzigkeit Gottes ermahne ich euch, eure Körper Gott als ein lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, an dem er Freude hat. Das wäre euer vernünftiger Gottesdienst. (2) Und richtet euch nicht länger nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst euch durch die Erneuerung eures Verstandes umgestalten. Auf diese Weise könnt ihr dann prüfen, was der Wille Gottes ist - ob etwas richtig ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist.


Auslegung:

Römer 12,1+2 HingabeOpfer des Körpers und Verwandlung des Sinnes

Ganz besonders in den Kapiteln 5 bis 8 hat Paulus den Christen von Rom die Barmherzigkeit Gottes vor Augen gemalt. Gott handelte an den Sündern, ihn kümmerte die geistliche Not der Menschen und er erbarmte sich ihrer. Für Gott hieß dies, dass er seinen Sohn für die römischen Christen (für alle Menschen) sterben ließ, als sie noch Sünder und damit seine Feinde waren (5,8). Als sie dann im Glauben seine Erlösung annahmen, wurden sie aufgrund des Gehorsams seines Sohnes in die Stellung von Gerechten versetzt (5,19) und von der Herrschaft der Sünde befreit (6,7). Ihre Existenzweise "in Adam" gehörte damit der Vergangenheit an, weil ihr alter Mensch mitgekreuzigt wurde (6,6). Nun sollten und konnten sie ein Leben "in Christus" führen, empfingen den Geist der Sohnschaft (8,15) und die Verheißung, dass sie absolut nichts mehr von der Liebe Gottes trennen kann (8,39). Diese erfahrene Barmherzigkeit Gottes sollte Konsequenzen haben. Darauf kommt Paulus nun zu sprechen.

(1) Liebe Glaubensgeschwister! Angesichts der großen Barmherzigkeit Gottes ermahne ich euch, eure Körper Gott als ein lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, an dem er Freude hat. Das wäre euer vernünftiger Gottesdienst.

Paulus spricht mit Vers 1 die Glaubensbrüder (Glaubensgeschwister) in Rom direkt an und ermahnt sie (fordert sie auf, befiehlt ihnen, bittet sie, redet ihnen zu). Im Grunde genommen sagt er: "Wenn ich euch jetzt ermahne, dann mahnt euch eigentlich diese Barmherzigkeit Gottes, die ihr erfahren habt! Sie ermahnt euch, sie fordert euch dazu auf, ..."

Aber man kann diese Formulierung auch anders verstehen, zum Beispiel:

  • Bei der Barmherzigkeit (dem Erbarmen) Gottes ermahne ich euch, ...
  • Unter Anrufung der Barmherzigkeit (des Erbarmens) Gottes ermahne ich euch, ...
  • Mit Berufung auf die Barmherzigkeit (das Erbarmen) Gottes ermahne ich euch, ...
  • Im Namen der Barmherzigkeit (des Erbarmens) Gottes ermahne ich euch, ...

Was will Paulus oder die zu Wort kommende Barmherzigkeit Gottes den Christen von Rom so eindringlich ans Herz legen?

Zunächst einmal, dass sie ihre Körper als Opfer darbringen sollen. Natürlich soll dies kein Opfer sein, das mit dem Tod endet. Es ist ein anderes Sterben, von dem hier die Rede ist. Deshalb wird diese Aussage gerne folgendermaßen umschrieben:

  • Führt ein Leben in der Hingabe an Gott!
  • Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung!
  • Liefert Gott euer ganzes Leben aus!
  • Seid mit Leib und Leben für Gott da!

Wie aber soll diese Hingabe / dieses Opfer beschaffen sein? Paulus nennt 3 Eigenschaften. Es soll ...

  • lebendig - also nicht wie ein Tieropfer für den Tod bestimmt sein, auch nicht den natürlichen Tod suchen, sondern gemäß Römer 6,6 soll der alte Mensch tot und der neue Mensch "Gott lebend in Christus Jesus" sein (6,11).
  • heilig - frei von allem, was das Opfer als unannehmbar ausweisen würde (ein Opfer ohne Fehler) - als solche ansehen, die für die Sünde tot sind (6,11).
  • Gott wohlgefällig - ein Opfer, an dem Gott Freude hat. Gott hat an lebendigen und heiligen Opfern Freude! Es kommt nicht darauf an, dass dieses Opfer den Menschen Freude bereitet. Es muss Gott gefallen!

Paulus schließt diese Ermahnung ab, indem er schreibt, dass dies der vernünftige oder der geistliche Gottesdienst ist. Die Christen in Rom sind also durch diesen Vers Priester und Opfer zugleich. Ein Priester opferte und hielt dadurch Gottesdienst. Die Christen von Rom (alle Christen) opfern ihre Leiber als lebendiges, heiliges und (damit) Gott wohlgefälliges Opfer immer und immer wieder durchs ganze Christenleben hindurch, wodurch sie ihren vernünftigen und geistlichen Gottesdienst halten. Dieser Gottesdienst dauert täglich 24 Stunden und ist kein äußerlicher, zeremonieller und ritueller Stiftshütte- oder Tempelgottesdienst.

Auch durch Vers 2 ermahnt Paulus die Christen von Rom:

Gottesdienst(2) Und richtet euch nicht länger nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst euch durch die Erneuerung eures Verstandes umgestalten. Auf diese Weise könnt ihr dann prüfen, was der Wille Gottes ist - ob etwas richtig ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist.

Der erste Teil des Verses wird meistens mit "seid nicht gleichförmig dieser Welt" übersetzt. Ich habe diese Formulierung mit "richtet euch nicht länger nach den Maßstäben dieser Welt" wiedergegeben. Noch freier könnte man folgendermaßen interpretieren:

  • Richtet euch nicht nach dem, was die meisten Menschen tun!
  • Hütet euch davor, euch den Sitten und Gebräuchen, die in dieser Welt gelten, anzupassen!
  • Macht euch nicht die Lebensführung dieser Welt zum Maßstab!

Die Christen von Rom sollen sich also nicht weiter von der Welt prägen lassen. In Zukunft soll Gott sie prägen. Gott soll die Berechtigung bekommen, ihren Verstand, ihre Denke, ihre Vernunft, ihren Sinn zu jeder Zeit umwandeln zu dürfen. Und wenn dies geschieht,

  • können sie beurteilen, ob etwas dem Willen Gottes entspricht,
  • zwischen dem Willen Gottes und dem Willen Satans unterscheiden
  • und sich für den Willen Gottes entscheiden!

Welche Eigenschaften hat dieser Wille Gottes, der dem erneuerten Denken entspringt?

  • Er ist richtig - nach der Prüfung erweist er sich als echt und gut.
  • Er bereitet Gott Freude
  • und er ist vollendet im Sinne von vollkommen.

Wenn sich die Christen von Rom (alle Christen) an den Maßstäben dieser Welt ausrichten und sich nicht durch die Erneuerung ihres Verstandes verwandeln lassen würden,

  • dann käme die Botschaft der Barmherzigkeit Gottes nicht bei ihnen an,
  • dann würde auch der vernünftige und geistliche Gottesdienst ihres Lebens nicht stattfinden
  • und dann würden sie auch den Willen Gottes weder erkennen, noch tun!


Anwendung:

Respekt! Der widmet sich der Sache mit Leib und Seele!

Wenn gesagt wird: "Der widmet sich der Sache mit Leib und Seele!" dann zollt man damit der gemeinten Person Respekt und Bewunderung. Schließlich geht dieser Mensch ja in seiner Aufgabe ganz und gar auf! Er widmet sich zum Beispiel Tag und Nacht seiner Forschungsarbeit. An Freizeit denkt er kaum. Vieles stellt er hintenan und opfert es seinem Projekt.

Dieser Respekt und diese Bewunderung wird aber nicht generell ausgesprochen. Spätestens dann, wenn ein Christ sich der Barmherzigkeit Gottes erfreut und deshalb mit Gott ganze Sache macht, ist im Bekanntenkreis Schluss mit lustig. Aus dem "Respekt! Der widmet sich der Sache mit Leib und Seele!" wird dann ein "Extrem! Dem haben sie eine Gehirnwäsche verpasst!" Dabei entscheidet sich diese Person doch nur dafür, was das Vernünftigste im Leben eines Menschen sein kann.

Wahrer Gottesdienst!

Vielleicht sind es ja die Vokabeln, die so sehr erschrecken?! Es ist ja vom Gottesdienst, dem Priesterdasein und vom Opfer die Rede. Ich glaube aber nicht. Man kann das noch so menschlich ausdrücken, wie man will, in Sachen Religion ist diese Bewunderung nur mit modernen Erscheinungsformen zu holen. Der biblische Glaubensalltag bekommt keinen Respekt. Daran ändert auch ein "Ich möchte mein Leben mit Gott leben!" nichts. Aber wer die Barmherzigkeit Gottes erfahren hat, dem muss diese Barmherzigkeit Gottes oftmals nicht einmal den wahren Gottesdienst ans Herz legen. Er hat erfahren, dass Gott es nur gut mit ihm meint, und weiß aus Erfahrung, dass ein heiliges Leben nicht nur Gott, sondern auch ihm Freude bereitet und ihn vor Vielem bewahrt.

Die Maßstäbe der Welt!

Die sind "in". Zu denken, wie Gott denkt, ist "out". Dabei müsste man doch bei näherer Betrachtung und mit der bisherigen Lebenserfahrung dahin gelangen, dieses "in" dieser Welt stark anzuzweifeln und dem "out" der Lebensführung nach dem Willen Gottes mehr Beachtung zu schenken. Stattdessen kämpft man weiter für das Schlechte und verwirft das Gute. Oder sind die Maßstäbe, die Paulus nach diesen ersten zwei Versen anspricht, vielleicht doch nicht so gut?

  • Niemand soll zu hoch von sich denken (12,3)!
  • Jeder soll besonnen sein (12,3)!
  • Heuchle keine Liebe (12,9)!
  • Verabscheue das Böse (12,9)!
  • Haltet am Guten fest (12,9)!
  • Freut euch mit den sich Freuenden (12,15)!
  • Weint mit den Weinenden (12,15)!
  • Versucht mit jedem Menschen in Frieden zu leben (12,18)! ...

Ich glaube kaum. Die Maßstäbe Gottes sind gut. Aber mit den Maßstäben dieser Welt gehen sie nicht konform. Und wenn doch, werden sie durch eine Selbstgerechtigkeit entstellt.

  • Da erhebt man sich lieber über den Nächsten.
  • Bescheidenheit wird da nicht großgeschrieben.
  • Heucheln ist an der Tagesordnung.
  • Und die zwei Sätze über gut und böse werden verdreht.
  • Das Mitfreuen geschieht gerne mit Neid.
  • Echte Anteilnahme ist rar gesät.
  • Und Frieden mit dem Nächsten muss nun wirklich nicht sein.

Die Alternative heißt, dieses kranke Denken, diesen kaputten Verstand von Gott prägen und erneuern zu lassen. Dann werden die Maßstäbe Gottes gelebt, und zwar ohne diesen bitteren Beigeschmack der Selbstgerechtigkeit!

Der Wille Gottes!

Als Wille Gottes wird heutzutage viel verkauft, leider auch in christlichen Kreisen. Während die Welt den Willen Gottes gerne weltgemäß interpretiert, kommt es bei Christen gerne zu einem Mischwillen. Man hat sich nicht so ganz auf den hier genannten Gottesdienst eingelassen und mit der Erneuerung des Verstandes steht man ein wenig auf Kriegsfuß. Und so manches Mal weiß man auch gar nicht, was der Wille Gottes ist.

Unser Text sagt uns, wie man den Willen Gottes erkennen kann. Grundvoraussetzung hierfür ist die Bereitschaft zur Erneuerung des Verstandes. Da muss Gott zunächst einmal auf Dauer herangehen dürfen! Und dann erst ist die Möglichkeit und Voraussetzung geschaffen, nicht nur den Willen Gottes zu erahnen, sondern in der scheinbaren Willensvielfalt zu prüfen, welches der richtige, gute und echte Wille Gottes ist. Hat man diesen erkannt und führt man diesen aus, dann lebt man den vollkommenen Willen Gottes und bereitet ihm damit Freude.

Das Wort Gottes!

Zugegeben, das liest sich sehr nach einer technischen Vorgehensweise und es fehlt auch die Komponente, durch welche die Erneuerung des Verstandes stattfinden kann. Aber die ist so selbstverständlich, die liegt so auf der Hand, dass sie gar nicht explizit genannt werden muss. Schließlich ist man ja durch diese Komponente auf diese Ermahnung durch die Barmherzigkeit Gottes gestoßen. Ohne eine intensive Beschäftigung und Auseinandersetzung mit der Bibel wird Gott wohl kaum die Gelegenheit bekommen, den Verstand zu erneuern und die dazugehörende Person umzugestalten.

Fangen wir noch einmal am Anfang dieser Anwendung an. Vers 2 sagt uns eigentlich ganz klar, warum die "Welt" zu einem konsequenten Christenleben kein bewunderndes "Respekt! Der lebt seinen Glauben mit Leib und Seele!" aussprechen kann. Das darf eigentlich nur über weltliche und scheinchristliche Hingabe an eine Sache gesagt werden. Wenn es um den "vernünftigen Gottesdienst", die "Erneuerung des Verstandes" und das Leben nach dem "Willen Gottes" geht, dann kann der Maßstab dieser Welt eigentlich nur den Stempel "Extrem! Dem haben sie eine Gehirnwäsche verpasst!" aufdrücken. Ein Christ, der gemäß Römer 12,1+2 ernst macht, tickt in den Augen der Welt einfach nicht richtig und ist fanatisch. In gewisser Weise ist dieser Stempel aber eine Auszeichnung. Er besagt:

  • Da ist einer, der die Barmherzigkeit Gottes für sein Leben begriffen hat.
  • Der sich in seinem Alltag Gott ganz zur Verfügung stellt.
  • Der seinen Verstand durch Gottes Wort vollständig umkrempeln lässt.
  • Und der den vollkommenen Willen Gottes lebt.

Kann es eine schönere, bessere, respektvollere und bewunderndere Auszeichnung geben? Ja, nämlich die, dass solch ein Leben Gott zweifache Freude bereitet:

  • Das Opfer (die Hingabe des Lebens) bereitet Gott Freude (1)!
  • Und das Leben im Willen Gottes bereitet Gott Freude (2)!

Und wer weiß, dass sein christlicher Lebensvollzug Gott Freude bereitet, der braucht die Bewunderung und den Respekt der Welt nicht, oder?!



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