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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 12,3-8: Das individuelle Maß des Glaubens!

(3) Kraft der Gnade, die Gott mir gegeben hat, weise ich jeden Einzelnen von euch an, nicht höher von sich zu denken, als angemessen ist. Seid vielmehr darauf bedacht, besonnen zu sein, ein jeder so, wie Gott ihm das Maß des Glaubens zugeteilt hat. (4) Denn wie wir an unserem Körper viele Glieder haben, die Glieder aber nicht alle dieselbe Funktion haben, (5) genauso sind wir in unserer Vielfalt ein Körper in Christus, einzeln aber Glieder füreinander. (6) Die Gnadengaben, die Gott uns in seiner Gnade zum rechten Gebrauch geschenkt hat, sind verschieden:

  • Wer weissagt, soll dies in Übereinstimmung mit dem Glauben tun.
  • (7) Wer diakonische Dienste verrichtet, soll dies in dienender Haltung tun.
  • Wer unterweist, soll lehren.
  • (8) Wer seelsorgerlich tätig ist, soll dies ermutigend, tröstend und ermahnend tun.
  • Wer materielle Unterstützung leistet, soll dies ohne Hintergedanken tun.
  • Wer vorsteht, soll dies mit Fleiß tun.
  • Und wer sich um die kümmert, die in Not sind, soll dies mit Freundlichkeit tun.


Auslegung:

Römer 12,3-8 GnadengabenDas individuelle Maß des Glaubens

In den vorangegangenen zwei Versen wurden die Christen von Rom (alle Christen) durch die Barmherzigkeit Gottes ermahnt. Dabei legte ihnen diese Barmherzigkeit zwei grundlegende Dinge ans Herz:

  • Seid in eurem Glaubensalltag mit Leib und Seele (und Leben) für Gott da
  • und lasst eure Denkweise von ihm umwandeln.

Wer dazu nicht bereit ist, der wird sich weiterhin von der Denkweise dieser Welt mit ihren Maßstäben prägen lassen. In den nun folgenden Versen ab Kapitel 12,3 bis 15,7 zeigt Paulus anhand vieler Beispiele die Notwendigkeit dieser Umwandlung und Erneuerung des Verstandes.

(3) Kraft der Gnade, die Gott mir gegeben hat, weise ich jeden Einzelnen von euch an, nicht höher von sich zu denken, als angemessen ist. Seid vielmehr darauf bedacht, besonnen zu sein, ein jeder so, wie Gott ihm das Maß des Glaubens zugeteilt hat.

Mit Vers 3 führt Paulus das, was er in den Versen 1 und 2 sagte, weiter aus, begründet es und ermahnt gleichzeitig kraft der Gnade, die Gott ihm gegeben hat. Damit verweist er auf seinen apostolischen Dienst. Kraft dieses "Amtes" und von Gott mit dieser Vollmacht beschenkt (vergleiche Vers 6), befiehlt er den Christen von Rom, nicht höher von sich zu denken, als angemessen ist. Dieses Ermahnen mit dem Hinweis auf seinen apostolischen Dienst lässt vermuten, dass Paulus hier ein ernstes Problem anspricht und damit rechnet, dass man seine Anweisungen nicht ohne Widerspruch hinnimmt. Es scheint, als hätten nicht nur die Christen von Korinth (1. Korinther 12-14) Probleme mit und in der Ausübung der nun folgenden Gnadengaben gehabt.

Paulus befiehlt mit Vers 3 jedem Gemeindeglied von Rom, dass es nicht höher von sich denken soll, als angemessen ist. Dies bedeutet, dass jeder darauf bedacht sein soll, besonnen zu sein. Dies wirft in Bezug auf die Christen von Rom zwei Fragen auf:

  1. Wo denken sie zu hoch von sich? Wo überschätzen sie sich? Wo sind sie hochmütig?
  2. Und: Was ist die gebotene Besonnenheit? Wie sieht diese besonnene Selbsteinschätzung aus?

Darauf geben diese Verse folgende Antworten:

  • Die eigene Gnadengabe wird nicht gewissenhaft eingebracht (3 - nicht nach dem zugeteilten Maß des Glaubens; 5 - man lebt die Gnadengaben nicht füreinander (rechter Gebrauch)).
  • Die eigene Gnadengabe wird nicht der Gabe gemäß eingebracht. So verstehe ich die Beifügungen bei den gelisteten Gaben. Es liegt doch auf der Hand, dass ein Lehrer lehrt, ein Seelsorger ermahnt, ein Prophet nicht über das Ziel hinausschießt und sich zu "mehr" hinreißen lässt, Almosen ohne Hintergedanken gegeben werden, usw.
  • Die eigene Gnadengabe wird wohl als minderwertig betrachtet und nach der "auffallenderen" Gabe des anderen Gemeindegliedes geschielt.

Auf diese Weise überschätzen sich die Christen von Rom. Das ist Hochmut und macht die Gemeinde krank, weil die Glieder der Gemeinde nicht die Vielfalt der Funktionen für das Füreinander leben, sondern irgendwie alle nach derselben Funktion streben, was den Körper lahmlegt. Was also sollen die Christen von Rom stattdessen tun?

  • Jeder soll seine eigene Gnadengabe ausüben.
  • Und jeder soll seine Gnadengabe gemäß ihrer "Definition" ausüben.

So wird das funktionelle Mit- und Füreinander gewährleistet. Auch wird auf diese Weise die Einheit der Gemeinde gefördert.

Die "Hoffnung für alle" übersetzt den letzten Teil von Vers 3 folgendermaßen: "... maßt euch nicht etwas an, was über die Gaben hinausgeht, die Gott euch geschenkt hat."

Wenn die Christen von Rom ihr Denken von Gott erneuern und umwandeln lassen, dann akzeptiert jeder Einzelne die Gnadengabe, die Gott ihm zugeteilt hat, und freut sich über die Funktion, die er im Körper Christi (in der Gemeinde) ausüben darf. Das ist sein von Gott zugeteiltes Maß des Glaubens. Auch in Epheser 4,7 kommt Paulus, im Zusammenhang mit den Gnadengaben, auf dieses Maß zu sprechen. Er schreibt dort: "Jedem Einzelnen hat Christus einen Anteil an den Gaben gegeben. In seiner Gnade hat er sie in einem bestimmten Maß zugeteilt."

(4) Denn wie wir an unserem Körper viele Glieder haben, die Glieder aber nicht alle dieselbe Funktion haben,

In Vers 4 vergleicht Paulus die christliche Gemeinde mit dem menschlichen Körper. Dieser Körper hat viele Gliedmaßen mit ganz verschiedenen Funktionen.

(5) genauso sind wir in unserer Vielfalt ein Körper in Christus, einzeln aber Glieder füreinander.

In Vers 5 überträgt Paulus diesen Vergleich. Durch die Verbindung mit Christus ist die christliche Gemeinde ein solcher Körper. Ihre Gemeindeglieder sind die Gliedmaßen dieses Körpers.

Dies beinhaltet:

  • Die christliche Gemeinde ist eine Einheit. Sie ist der Körper Christi.
  • Die christliche Gemeinde ist aber eine Einheit in der Vielfalt. Der Körper Christi hat Gliedmaßen. Jedes Glied hat seine Funktion an diesem Körper. Diese Funktion ist die Gnadengabe des Einzelnen.
  • Die christliche Gemeinde ist eine Einheit in der Vielfalt und aufeinander angewiesen. Da der Körper nur in der gliedgerechten Funktion der Gliedmaßen funktioniert, müssen die einzelnen Gliedmaßen der christlichen Gemeinde ihre gliedgerechte Funktion (die Gnadengabe mit der sie beschenkt wurden) ausüben. Sie sind aufeinander angewiesen. So ergänzen sie sich gegenseitig.

Die folgenden Verse führen dies weiter aus. Zunächst sagt aber Paulus mit Vers 6a:

(6a) Die Gnadengaben, die Gott uns in seiner Gnade zum rechten Gebrauch geschenkt hat, sind verschieden:

Paulus wiederholt, dass die Gnadengaben verschieden sind. Und in dieser (Funktions-) Verschiedenheit müssen sie ausgeübt werden. Sie wurden zum Gebrauch geschenkt - und zwar zum rechten Gebrauch! In der Ausübung der einzelnen Gaben sollen sie sich nicht in einer falschen Weise einander annähern, sondern ihrer Gabe "treu" bleiben. Wenn dies geschieht, dann wird dieses "höher von sich denken" vermieden und die geforderte "Besonnenheit" gelebt.

In den Versen 6b bis 8 zählt Paulus nun einige dieser Gnadengaben auf. Es ist keine vollständige Liste der Gnadengaben. Wahrscheinlich gab es in der römischen Gemeinde genau mit diesen Gaben die genannten Probleme:

  1. Weissagung, prophetisches Reden
  2. Dienen, diakonisches Dienen
  3. Unterweisung, Lehren
  4. Ermahnung, Seelsorge
  5. Geben, Almosen geben, Unterstützung
  6. Vorstehen, Ältestendienst, Leiter
  7. Barmherzigkeit üben, sich um die kümmern, die in Not sind

Bezüglich der ersten vier Gnadengaben ermahnt Paulus dazu, diese Gaben in ihren Grenzen auszuüben. Bei den letzten drei Gaben mahnt er zur rechten Gesinnung, in der diese Gaben ausgeübt werden sollen. Im Folgenden werde ich versuchen, die hier genannten sieben Geistesgaben jeweils kurz zu definieren und danach den ermahnenden Zusatz erklären.

(6b) Wer weissagt, soll dies in Übereinstimmung mit dem Glauben tun.

Definition: Die Gnadengabe der Weissagung ist eine geistgegebene Fähigkeit, die ermöglicht, eine Offenbarung Gottes für eine konkrete Situation der Gemeinde spontan zu empfangen und verständlich weiterzugeben.

Mir ist bewusst, dass diese Definition für Unmut sorgen wird. Aber so verstehe ich das Wort Gottes. Ich bin sogar von der Formulierung "unverzichtbare Aktualisierung des Wortes Gottes in eine bestimmte Situation hinein (Lohrmann: Frucht und Gaben des Heiligen Geistes)" begeistert. Es geht bei der Gnadengabe der Weissagung nicht darum, etwas zum Kanon der Bibel hinzuzufügen oder gar weit in die Zukunft gehende Vorhersagen weiterzugeben. Es geht vielmehr darum, die Gemeinde mittels einer Offenbarung im Augenblick der prophetischen Rede in eine gegenwärtige (Not-) Situation hinein aufzuerbauen, zu ermahnen, zu trösten und zu belehren - 1. Korinther 14,1 + 29-31. Und weil dieses Weissagen Stückwerk ist (1. Korinther 13,9), muss es beurteilt werden (1. Korinther 14,29).

Hier, in Römer 12 Vers 6 fügt Paulus an, dass Weissagung in Übereinstimmung mit dem Glauben geschehen muss. In der korinthischen Gemeinde hörte sich wohl jeder Prophet selbst am liebsten reden und betonte das Muss seiner Botschaft. Diese Christen übten ihre Gnadengabe schwärmerisch und ohne irgendeine Ordnung aus (1. Korinther 14,30+32f). Wahrscheinlich war dies in Rom nicht viel anders. Ein Prophet, der in Übereinstimmung mit dem Glauben (dem geschriebenen Wort Gottes) weissagt, der geht nicht über die Offenbarung des Wortes Gottes hinaus. Er überschätzt sich nicht in seiner Gnadengabe (sein Geist ist ihm untertan, er kann auch schweigen und eine göttliche Ordnung in der Ausübung einhalten).

(7a) Wer diakonische Dienste verrichtet, soll dies in dienender Haltung tun.

Definition: Die Gnadengabe des Dienens ist eine geistgegebene Fähigkeit, die ermöglicht, sich so zu engagieren, dass zum Beispiel Vorstehern Arbeit abgenommen wird, damit sie mehr Kraft und Zeit für ihren Dienst haben.

Diese Definition ist sicherlich nicht ausgereift. Ich habe hier darauf fokussiert, dass ein Diakon, eine Diakonisse (nicht als Amt, sondern als Gnadengabe) "höhere" Gnadengaben entlastet, sodass Hirten und Leiter usw. sich mehr in ihren Dienst investieren können. Diakone und Diakonissen setzen sich darüber hinaus sicherlich auch für andere Gemeindeglieder so ein, dass diese gestärkt und ermutigt werden.

Die Ausübung dieses Dienstes soll dienend sein. Eventuell haben Gemeindeglieder von Rom, die diese Gabe hatten, diese Grenze überschritten. Der Diakon / die Diakonisse dient, indem sie jemanden anderen durch diesen Dienst entlastet. Solche Dienste werden dann gerne übersehen und die "Ehre" bekommt jener, der davon profitiert hat. Aber das Maß des Glaubens dieser Gabe ist das Dienen!

(7b) Wer unterweist, soll lehren.

Definition: Die Gnadengabe der Unterweisung ist eine geistgegebene Fähigkeit, die ermöglicht, sich die Wahrheit des Wortes Gottes exegetisch und hermeneutisch zu eigen zu machen, verständlich zu erklären und für den Alltag umsetzbar zu vermitteln.

Auch bei dieser Gnadengabe haben Christen von Rom, welche diese Gabe hatten, die Grenze dieser Gabe überschritten und sich damit selbst überschätzt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie nicht lehrten, sondern ihre Lehre eher weissagend vorgetragen haben. Doch der christliche Lehrer soll unterweisen.

(8a) Wer seelsorgerlich tätig ist, soll dies ermutigend, tröstend und ermahnend tun.

Definition: Die Gnadengabe der Seelsorge ist eine geistgegebene Fähigkeit, die ermöglicht, anderen Gliedern am Körper Christi durch Ermutigung, Trost und Ermahnung hilfreich zur Seite zu stehen und sie zum Handeln zu bewegen.

Das ist das Maß des Glaubens für einen Seelsorger. Sicherlich schwingen in seiner Gnadengabe, wie in vielen anderen Gnadengaben auch, Elemente anderer Gaben mit ein. Aber er muss sich darauf besinnen, dass Seelsorge zwar ein prophetisches Wort, einen diakonischen Dienst und zum Beispiel Unterweisung enthalten kann, der Schwerpunkt seiner Tätigkeit aber der ist, dass er ermutigt, tröstet und ermahnt.

(8b) Wer materielle Unterstützung leistet, soll dies ohne Hintergedanken tun.

Definition: Die Gnadengabe des Gebens ist eine geistgegebene Fähigkeit, die ermöglicht, der Sache Gottes materielle Dinge fröhlich und großzügig zur Verfügung zu stellen.

Wie ich schon geschrieben habe, legt Paulus bei den letzten drei Gnadengaben, die er aufzählt, seinen Finger auf die Gesinnung, in der diese ausgeübt werden sollen. Und wenn es ums Geben von Almosen, ums Verteilen von Eigentum und Hingeben von materiellen Dingen geht, kann es dabei von der Gesinnung her so manchen negativen Auswuchs geben. Paulus ermahnt, dass diese Gnadengabe fröhlich und großzügig (in Einfalt) ausgelebt werden soll. Ein berechnendes Geben, ein eigennütziges Geben, ein unfreiwilliges Geben, ein Geben in Trauerstimmung usw. ist fehl am Platz. Freudig und großzügig soll / muss diese Gnadengabe gelebt werden!

(8c) Wer vorsteht, soll dies mit Fleiß tun.

Definition: Die Gnadengabe der Leitung ist eine geistgegebene Fähigkeit, die ermöglicht, in Übereinstimmung mit Gottes Absichten für die Zukunft seiner Gemeinde Ziele zu setzen und diese Ziele anderen so zu vermitteln, dass sie freiwillig und in Harmonie zusammenarbeiten, um zur Ehre Gottes diese Ziele zu erreichen.

Die Gnadengabe der Leitung / des Vorstehens ist eine Gabe, die viel Weisheit, Gerechtigkeit, Taktgefühl, Demut, Vorbildlichkeit usw. erfordert. Darüber hinaus muss ein Vorsteher planen, organisieren, verwalten und geistlich regieren können. Aber diese Voraussetzungen spricht Paulus hier nicht an. Er fordert zum Fleiß und zum Eifer auf. Ein Vorsteher muss mit Ernst und Hingabe bei der Sache sein.

(8d) Und wer sich um die kümmert, die in Not sind, soll dies mit Freundlichkeit tun.

Definition: Die Gnadengabe der Barmherzigkeit ist eine geistgegebene Fähigkeit, die ermöglicht, gegenüber anderen Menschen, die in körperlichen, seelischen oder geistlichen Problemen stecken, echtes Mitgefühl zu zeigen, und dieses Mitgefühl in praktische Taten umzusetzen, die Christi Liebe zu den Leidenden wiederspiegeln.

Wenn es um die Gabe der Barmherzigkeit geht, dann muss ihr "Besitzer" auch entscheiden können, ob die Person, an der er mit seiner Gabe wirkt, direkte oder indirekte Hilfe benötigt. Aber das Wichtigste ist, dass er seine Gabe in Freudigkeit / in Freundlichkeit ausübt. Eine mürrische, unwillige und übellaunige Haltung ist keine akzeptable Gesinnung.


Anwendung:

1 - Gemeinde Jesu ist krank, sterbenskrank!

Gnadengabe ProphetieGott hat uns Menschen mit einem Körper geschaffen. Um leben und überleben zu können, hat dieser Körper Gliedmaßen. Es würde uns nicht groß weiterhelfen, wenn zum Beispiel an unseren Armen keine Hände und / oder an unseren Händen keine Finger wären. Auch die Anordnung unserer Finger, dass der Daumen den anderen Fingern gegenüberliegt, ist wichtig. Mit anderen Worten: Mit wenigen Ausnahmen hat jeder Mensch einen Körper mit vielen Gliedmaßen, die unterschiedliche Funktionen haben und in ihrer Vielzahl zusammenarbeiten und füreinander da sind.

Die weltweite Gemeinde Jesu ist der Körper Christi. Er ist das Haupt / der Kopf dieser Gemeinde (Epheser 5,23) und alle Christen sind die Gliedmaßen dieses Körpers.

Ich schätze, dass einigen Lesern diese Formulierung zu weit weg ist. Wenn im Neuen Testament die Rede vom Körper Christi / der Gemeinde ist, dann wird da mehr von der örtlichen Gemeinde, zum Beispiel der Gemeinde von Rom oder der zu Korinth gesprochen. Jede dieser Gemeinden ist ein Körper Christi, er ist ihr Haupt und die Gemeindeglieder (Christen) sind die Gliedmaßen.

Warum liegen Ortsgemeinden im Sterben?

Weil etwa Christus seiner Kopf-Funktion nicht gerecht wird? Ganz sicher nicht. Vielmehr sind die Gliedmaßen das Problem. Sie sind eigentlich alle am Gemeinde-Körper dran. Es ist nur so, dass sie ihre Funktion nicht ausüben und nicht füreinander da sind. Die Finger sind steif, die Bänder gerissen, die Muskeln verkümmert usw. Lassen Sie uns einige solcher Probleme beim Namen nennen.

Die Vielzahl der Gaben wird auf wenige reduziert!

Es gibt Gemeinden, in denen es nur noch eine Gabe zu geben scheint. Und jeder muss sie haben. Ich spreche von der Zungenrede. Ich bin nun keiner, der diese Gnadengabe in die vorkanonische Abstellkammer schiebt. Die Gabe der Zungenrede gibt es bis heute, aber was es zusätzlich gibt, sind die klaren Anweisungen bezüglich ihres Gebrauchs und der Hinweis auf weitere Gaben. Die klaren Anweisungen besagen, dass nicht jeder Christ diese Gabe haben und dass sie in der Gemeinde ausgelegt werden muss usw. Sie ist auch nicht die "wichtigste" Gabe und vor allen Dingen ist sie "nur" eine von vielen Gaben. Doch in vielen Gemeinden scheint am Körper Christi nur der Daumen zu funktionieren und deshalb sind diese Gemeinden sterbenskrank.

Von der Vielzahl der Gaben werden einige amputiert!

Ich spreche hier von den Gaben, die in 1. Korinther 13 Vers 8 und 9 genannt werden. Dort heißt es, dass die Gabe der Zungenrede aufhören wird, die Gabe der Weissagung und die Gabe der Erkenntnis weggetan werden und dass die Gabe der Weissagung und die der Erkenntnis Stückwerk sind. Und da es an vielen Orten Probleme in der Ausübung und Handhabung und auch Missbrauch dieser Gaben gibt, werden alle Drei oder zwei davon wegamputiert. 1. Korinther 13 besagt zwar, dass das Stückwerk dann weggetan wird, wenn das Vollkommene kommt / wir von Angesicht zu Angesicht sehen. Diese Aussagen werden dahingehend verdreht, dass das Vollkommene die Fertigstellung des biblischen Kanons bedeutet. Dabei fällt diesen Auslegern scheinbar gar nicht auf, dass Paulus zwar die drei Problemgaben herausgreift und bespricht, aber im Grunde genommen alle Gaben Stückwerk sind. Wenn ich lehre, dann ist mein Lehren Stückwerk. Wenn ich diene, dann ist mein Dienen Stückwerk. Wäre ich Vorsteher, dann wäre mein Vorsteherdienst Stückwerk. Daran hat die Fertigstellung der Bibel nichts geändert und keiner dieser "Gabenamputierer" würde die restlichen Gaben auch amputieren wollen, oder?! In 1. Korinther 12,28 stuft Paulus die Gnadengabe der Weissagung als zweitwichtigste Gabe ein. Wenn sie und die anderen beiden Gaben fehlen, dann leidet der Körper Christi.

Eine Vielzahl der Gaben kommt bei der Gemeinde nicht an!

Die biblische Lehre ist eindeutig. Jeder Christ hat mindestens eine Gnadengabe Gottes, mit der er seiner Gemeinde dienen kann. Da gibt es von Gottes Seite keine "Auslieferungsschwierigkeiten". Die Gaben sind da. Dennoch lassen sich viele Christen in ihren Gemeinden nur bedienen. Mehr oder weniger genießen sie es, wenn andere sie in irgendeiner Weise auferbauen und weiterbringen. Gottes Gnadengaben aber schlummern in ihnen und werden nicht ausgeübt. Dies kann verschiedene Ursachen haben. So mancher Christ weiß vielleicht nicht einmal um diese Gaben. Andere kennen sie wohl, wissen aber nicht, mit welcher Gabe sie beschenkt wurden. Und es gibt auch Gemeinden, die glücklich sind, wenn bestimmte Ämter besetzt sind und von vollamtlichen Mitarbeitern ausgeübt werden. All jenen Christen, die ihre Funktion im Körper Christi gerne kennenlernen möchten, empfehle ich, zunächst einmal 1. Korinther 12 bis 14 und eventuell noch ein gutes Buch über die Geistesgaben zu lesen.

Eine Vielzahl von Gaben wird ignoriert und durch natürliche Begabungen ersetzt!

Wahrscheinlich kennen Sie das schon. Da ist ein Gemeindeglied im Vorstand eines Unternehmens und schon scheint er die geeignete Person dafür zu sein, die Geschicke einer Gemeinde zu lenken. Ein anderes Gemeindeglied hält von Berufs wegen viele Vorträge und ist deshalb für den Predigtdienst prädestiniert. Und die Putzfrau wird selbstverständlich zur Diakonisse, welche die Gemeinde reinigungstechnisch in Schuss hält. Die Mutter von fünf Kindern ist die geborene Kinderstundenleiterin usw. Ich sage nicht, dass die natürliche Begabung eines Menschen nicht auch seine Gnadengabe für die Gemeinde sein kann. Es ist nur schade, wenn man generell davon ausgeht und dadurch die Träger der echten Gnadengaben außer Kraft setzt. Jede Gemeinde sollte sich ernsthaft damit auseinandersetzen, welche geistgewirkten Gnadengaben Gottes jedes seiner Glieder hat und diese dann gemäß ihrer Gaben einsetzen. Dann funktioniert die Gemeinde, dann arbeiten ihre Glieder mit- und füreinander. Und dann lebt die Gemeinde auch und erfreut sich wahrscheinlich bester Gesundheit.

Einige der Gaben sind bei Gemeindegliedern unerwünscht!

Für gewöhnlich werden folgende Gnadengaben unterschieden (alphabetisch geordnet):

  1. Almosen / Opfer
  2. Apostel / Missionar
  3. Barmherzigkeit
  4. Diakon / Dienstleistung / Helfer
  5. Erkenntnis
  6. Evangelist
  7. Gastfreundschaft
  8. Geisterunterscheidung
  9. Glaube / Berge versetzender Glaube
  10. Hirte / Pastor
  11. Krankenheilung
  12. Lehrer
  13. Prophet
  14. Seelsorger
  15. Vorsteher /Ältester /Leitung / Regent
  16. Weisheit
  17. Wundertaten / Krafttaten
  18. Zungenrede
  19. Zungenrede Auslegung

Machen Sie doch bitte einmal einen Selbsttest, indem Sie 3 Gaben markieren, um die Sie sich auf gar keinen Fall "reißen" würden. Welche sind diese? Und danach markieren Sie 3 Gaben, die Sie gerne hätten. Welche?

Natürlich würden die Ergebnisse von Gemeinde zu Gemeinde ganz verschieden aussehen. Das hat mit Sicherheit auch mit der Prägung der jeweiligen Gemeinde zu tun. Aber Hand aufs Herz. Wie stehen Sie zu 1 bis 4 und 7? Begeistert Sie der Gedanke, ihr Hab und Gut für die Gemeinde zu opfern? Wollen Sie wirklich ihre gesicherte Existenz aufgeben, um irgendwo als Missionar zu arbeiten? Oder ist es ihr Herzenswunsch in Randgruppen mit Freundlichkeit Barmherzigkeit zu üben? Und wie ist es mit der Gastfreundschaft, wenn vor lauter Gastfreundschaft die eigene Familie laufend zu kurz kommt? Natürlich sagen wir als Christen, dass dann, wenn dies unsere Gnadengabe sein sollte, dass wir diese dann gerne ausüben. Aber denken wir nicht gleichzeitig, dass diese Gnadengaben unmöglich unsere Gaben sind?

Aber es gibt sicherlich Geistesgaben, von denen Sie träumen. Auf der einen Seite fürchten Sie sich vielleicht vor dem Predigtdienst, aber auf der anderen Seite wäre es nicht schlecht, vor der Gemeinde zu stehen und den Gliedern das Wort Gottes zu predigen. In Korinth standen die ganz besonderen Geistesgaben hoch im Kurs. Da wollten viele in Zungen reden. Das war so deutlich übernatürlich, dass jeder diese Gabe haben wollte.

Nun, da gibt es eine gute Nachricht. In unseren Versen aus Römer 12 wird gemahnt, nicht zu hoch hinaus zu wollen und im eigenen Maß des Glaubens zu bleiben. Mit anderen Worten: Hier wird vor einem ungesunden Streben nach "höheren" Gaben gewarnt. Aber wer es ernst und ehrlich meint, dem sagt derselbe Paulus in 1. Korinther 12,31: "Strebt nach den größeren Gnadengaben!"

Aber auch das andere gilt, nämlich besonnen zu sein und das zugeteilte Maß des Glaubens anzunehmen und auszuüben. Und selbst wenn Ihre Geistesgabe Ihnen unerwünscht ist und unliebsam scheint, werden Sie darin geistlich aufgehen, weil Sie feststellen werden, dass Gott Sie in Ihrer Gabe zur Auferbauung der Gemeinde einsetzt. Sie sind ein Gliedmaß Ihrer Gemeinde. Wenn Sie Ihre Funktion in dieser Gemeinde nicht ausüben, wird sie darunter leiden.

Ich gebe zu, dass ich meine Überschrift sehr drastisch formuliert habe. Aber wenn wir das Bild von den Gliedmaßen des Körpers ernst nehmen, dann ist sie eigentlich noch untertrieben. Paulus schreibt in 1. Korinther 12,13-27 (frei wiedergegeben):

Im Heiligen Geist sind wir alle zum Körper Christi getauft worden. Und wie jeder Körper hat auch dieser viele Gliedmaßen.

Wenn nun der Fuß behaupten würde, dass er, weil er keine Hand ist, nicht zum Körper gehört, würde er nicht trotzdem ein Teil des Körpers sein? Und wenn das Ohr behaupten würde, dass es, weil es kein Auge ist, nicht zum Körper gehört, würde es nicht trotzdem ein Teil des Körpers sein?

Wenn nun der ganze Körper nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Wenn er nur Ohren wäre, wo bliebe dann der Geruchssinn? Gott hat aber jedes Gliedmaß am Körper so bestimmt, wie er wollte.

Wenn der Körper nur ein Gliedmaß wäre, was wäre dann der Körper? Der Körper ist einer und setzt sich aus vielen Gliedmaßen zusammen. Das Auge kann nicht einfach zur Hand sagen: "Ich brauche dich nicht!" oder der Kopf zu den Füßen: "Ich brauche euch nicht!" Es ist sogar so, dass besonders die Gliedmaßen, die schwächer zu sein scheinen, ganz besonders wichtig sind. Und insbesondere den Gliedmaßen, die weniger ehrbar scheinen, schenken wir besondere Aufmerksamkeit. Auch die unanständigen Gliedmaßen versehen wir mit besonderem Anstand. Die anderen benötigen das nicht. Aber Gott hat die Gliedmaßen des Körpers zusammengefügt und den schwächeren, weniger ehrbaren und unanständigen Gliedmaßen größere Würde verliehen. Warum? Damit es bei den Gliedmaßen des Körpers zu keiner Spaltung kommt, sondern sie vielmehr füreinander Sorge tragen.

Wenn nun ein Gliedmaß leidet, leiden alle anderen mit. Und wenn ein Gliedmaß geehrt wird, so freuen sich alle mit. Die Gemeinde ist der Körper Christi und jeder Einzelne von Euch ein Gliedmaß.

2 - Die Gnadengabe der Weissagung

WICHTIG! In unseren Bibelübersetzungen wird mit Weissagung und Prophetie übersetzt. Zwischen diesen Begriffen gibt es keinen Unterschied! Der Begriff "Weissagung" ist ein Versuch, den Begriff "Prophetie" einzudeutschen!

Die Gnadengabe der Weissagung ist ein heißes Eisen. Und weil ich in meiner Jugend auch zum Schmied ausgebildet wurde, fasse ich es an. Dabei möchte ich zunächst einmal Bibelstellen thematisch geordnet listen, die von den Gnadengaben handeln und die Gabe der Weissagung direkt nennen. Es sind Verse aus Römer 12, Epheser 4 und 1. Korinther 12 bis 14.

Was sagen Bibelabschnitte, welche von den Gnadengaben handeln, ganz direkt über die Gabe der Weissagung?

  • Christus hat der Gemeinde Propheten gegeben (Epheser 4,11). Aber nicht alle Gemeindeglieder sind Propheten (1. Korinther 12,29), obwohl das Paulus sehr lieb wäre (1. Korinther 14,5). Es ist aber völlig in Ordnung, wenn Gläubige ganz besonders nach dieser Gabe eifern, sie sollen es sogar tun (1. Korinther 14,1+39).
  • Weissagung ist die zweitwichtigste Gabe für die Gemeinde (1. Korinther 12,28). Sie ist eine größere Gabe als Zungenrede, die nicht ausgelegt wird (1. Korinther 14,5). Allerdings ist ein Prophet ohne Liebe nichts (1. Korinther 13,2).
  • Ein Prophet kann durch den Geist prophetische Aussagen machen (1. Korinther 12,10). Diese müssen aber in Übereinstimmung mit dem Glauben geschehen (Römer 12,6). Denn Weissagung ist "nur" Stückwerk (1. Korinther 13,9) und muss beurteilt werden (1. Korinther 14,29). Darüber hinaus steht der Prophet nicht unter einem Redezwang (1. Korinther 14,32).
  • Weissagung nützt der Gemeinde (1. Korinther 14,6) und geschieht in der Gemeinde zur Erbauung, Ermahnung, Belehrung und Tröstung (1. Korinther 14,3+4; 26+31).
  • Die Gabe der Weissagung soll in der Gemeinde folgendermaßen praktiziert werden: zwei oder drei, nacheinander, eine plötzliche Offenbarung hat Vorrang (1. Korinther 14,29-31).
  • Sollte ein Ungläubiger oder Unkundiger "zufällig" in einer Gemeindeversammlung erscheinen, wird die Gnadengabe der Weissagung dadurch zum Zeichen der Gegenwart Gottes für die Glaubenden, weil der Ungläubige durch das Weissagen beurteilt und überführt wird. Das Verborgene seines Herzens wird offenbar. Er fällt auf sein Angesicht, betet Gott an und verkündet, dass Gott wirklich unter den Gläubigen ist (1. Korinther 14, 22-25).
  • Die Gnadengabe der Weissagung wird weggetan werden (1. Korinther 13,8).
  • Ein wahrer Prophet erkennt, dass die Anweisungen des Paulus ein Gebot des Herrn sind (1. Korinther 14,37).

Diese Aussagen sind nicht schwer zu verstehen. Im Gegenteil, sie sind klar und würden dann, wenn man sie beachten würde, viel Missbrauch und unbiblische Handhabung verhindern. Ich denke dabei insbesondere an folgende Aussagen und Anweisungen:

  • Nicht jedes Gemeindeglied hat die Gnadengabe der Weissagung!
  • Weissagung ohne Liebe ist nichts!
  • Weissagung muss in Übereinstimmung mit dem (biblischen) Glauben praktiziert werden!
  • Weissagung ist Stückwerk!
  • Weissagung muss beurteilt werden!
  • Ein Prophet muss nicht weissagen, er steht nicht unter Redezwang!
  • In der Gemeindeversammlung sollen nur zwei oder drei und nacheinander weissagen!

Paulus sagt, dass dies Gebote des Herrn sind. Wahre Propheten der Gemeinde erkennen dies und halten sich daran!

Wann wird die Gnadengabe der Weissagung weggetan?

Eine Aussage bereitet allerdings Schwierigkeiten. Nicht weil der biblische Text unklar wäre, vielmehr deshalb, weil Gemeinden den Missbrauch und die unbiblische Ausübung der Gnadengabe der Weissagung und der Zungenrede durch eine leider unbiblische Auslegung ausschalten möchten. Es handelt sich dabei um die Aussage des Paulus in 1. Korinther 13,8-12. Dort sagt Paulus unter anderem, dass "Weissagungen weggetan werden und dass Weissagung Stückwerk (stückweise) ist". Natürlich stellt sich hier die Frage, wann Weissagungen weggetan werden. Der Text selbst sagt, dass Weissagung dann weggetan wird, wenn das Vollkommene kommt und das Vollkommene kommt dann, wenn wir von Angesicht zu Angesicht sehen. Die natürlichste Auslegung ist nun die, dass dies bei der Wiederkunft Jesu geschieht.

Diese Auslegung wird lächerlich gemacht! Man sagt, dass es völlig unnötig und überflüssig ist, darauf hinzuweisen. Es ist offensichtlich, dass dann die genannten Gaben aufhören. Deshalb ist das Vollkommene, das von Angesicht zu Angesicht sehen, nicht die Wiederkunft Jesu, sondern die Fertigstellung des Kanons der Bibel (als alle Bücher, die zur ganzen Bibel gehören, feststanden). Für mich ist dies eine gewollte Irrlehre. Ist es nicht zum Beispiel genauso überflüssig, darauf hinzuweisen, dass es bei Gott kein Leid usw. mehr geben wird?

Wie gesagt, der Text selbst erklärt das "Wann" des "Weggetan Werdens". Interessant ist zudem, dass die Formulierung die ist, dass dann das, was stückweise ist, weggetan wird. Im Textzusammenhang werden nur Erkenntnis und Weissagung genannt, aber alle Gnadengaben sind Stückwerk. Wenn ich lehre, dann ist mein Lehren Stückwerk. Wenn ich diene, dann ist mein Dienen Stückwerk. Wäre ich Vorsteher, dann wäre mein Vorsteherdienst Stückwerk. Daran hat die Fertigstellung der Bibel nichts geändert. Mit der unbiblischen Auslegung werden nicht nur 2 oder 3 (auch hier wird je nach Problem noch differenziert) Gnadengaben für überflüssig erklärt (weggetan), sondern im Grunde genommen alle! Im Klartext heißt dies: Die Lehre der Gemeinde als Körper Christi gibt es nicht mehr, weil die Gliederfunktionen durch die Fertigstellung des biblischen Kanons überflüssig geworden sind! Das wollen die Vertreter der "Kanon-Auslegung" aber sicherlich auch nicht!

Was sagen Bibelabschnitte, welche von den Gnadengaben handeln, ganz allgemein über die Gnadengaben und damit auch über die Gabe der Weissagung?

Gehen wir also erneut die Abschnitte über die Gnadengaben durch und filtern heraus, was es letztlich in Bezug auf die Gnadengabe der Weissagung ergänzend zu lehren gilt. Die Abschnitte sind diesmal Römer 12,3-8, 1. Korinther 12 bis 14, Epheser 4,7-16 und 1. Petrus 4,10+11:

  • Römer 12

    - 3: Christen werden zu nüchterner Selbsteinschätzung aufgerufen.
    - Keiner soll höher von sich denken, als angemessen ist.
    - Jeder soll besonnen sein.
    - Der Maßstab für die Selbsteinschätzung ist das von Gott zugeteilte Maß des Glaubens.
    - 4: Die Gnadengaben sind verschiedene Aufgaben der Gliedmaßen / der Christen am Körper Christi / der Gemeinde.
    - 5: Zusammengenommen sind sie eine Einheit, der Körper Christi.
    - 5: Einzel sind sie Gliedmaßen, die aufeinander angewiesen und füreinander da sind.
    - 6: Die Gnadengaben sollen in ihrer Verschiedenheit ausgeübt werden.
  • 1. Korinther 12

    - 3: Niemand, der unter der Leitung des Geistes Gottes redet, wird jemals sagen: "Fluch über Jesus!"
    - Und niemand kann sagen: "Jesus ist der Herr!" außer unter der Leitung des Heiligen Geistes.
    - 4-6: Es gibt viele verschiedene Gnadengaben (Dienste, Wirkungen), aber es ist derselbe Geist, derselbe Herr und derselbe Gott, der alles in allen wirkt.
    - 7: Die Offenbarung des Geistes wird jedem zum Nutzen (der Gemeinde) gegeben.
    - 11: Alle Gnadengaben wirkt ein und derselbe Geist.
    - Er teilt die Gnadengaben (an die Christen) aus, wie er will.
    - 12: Der Körper ist eine Einheit und hat viele Gliedmaßen. Dennoch bilden alle Gliedmaßen, obwohl es viele sind, einen Körper. Genauso ist es bei Christus.
    - 13: Alle Christen sind mit einem Geist zu einem Körper getauft worden. Alle sind mit einem Geist getränkt worden.
    - 14: Der Körper besteht nicht aus einem Gliedmaß, sondern aus vielen (15-17 Ausführungen hierzu).
    - 18: Gott hat jedes einzelne Gliedmaß am Körper so bestimmt, wie er wollte.
    - 19: Wenn der Körper nur ein Gliedmaß wäre, womit wäre er dann ein Körper?
    - 20: Ein Körper ist eine Einheit, hat aber viele Gliedmaßen (21-24 Ausführungen hierzu).
    - 24: Gott hat den Körper zusammengefügt und dabei den mangelhafteren Gliedmaßen größere Ehre gegeben.
    - 25: Dies dient dazu, dass es im Körper unter den Gliedmaßen zu keiner Spaltung kommt.
    - Die Gliedmaßen sollen füreinander Sorge tragen.
    - 26: Wenn ein Gliedmaß leidet, leiden alle Gliedmaßen mit.
    - Und wenn einem Gliedmaß besondere Ehre zuteil wird, freuen sich alle mit.
    - 27: Gemeinde ist der Körper Christi.
    - Die einzelnen Gliedmaßen der Gemeinde sind die Christen.
    - 28: Gott hat in der Gemeinde die Glieder mit Gnadengaben versehen und eingesetzt.
    - Es gibt eine Rangfolge der Gnadengaben.
    - 29+30: Es gibt keine Gnadengabe, die in der Gemeinde alle Gemeindeglieder haben.
    - 31: Christen sollen die in der Hierarchie ganz oben stehenden Gnadengaben erstreben.
  • 1. Korinther 13:

    - 1-3: Gnadengaben ohne Liebe sind nichts.
  • 1. Korinther 14:

    - 1: Christen sollen nach den geistlichen Gaben streben.
    - 6: Die Ausübung der Gnadengaben soll der Gemeinde nützen.
    - 12: Christen sollen nach Gnadengaben streben, die ganz besonders zur Erbauung der Gemeinde dienen.
    - 26: Wenn Gemeinde Jesu sich versammelt, soll jeder einen Beitrag zur Erbauung leisten.
    - 33: Die Gnadengaben sollen in der Gemeinde ordentlich und friedlich ausgeübt werden.
    - 40: Alles soll anständig und in Ordnung geschehen.
  • Epheser 4

    - 7: Jedem Einzelnen hat Christus eine Gnadengabe(n) nach dem Maß der Gabe Christi gegeben.
    - 12: Die Gnadengaben dienen zur Ausrüstung der Christen für den Dienst.
    - Die Gnadengaben dienen zur Auferbauung des Körpers Christi / der Gemeinde.
    - 13: Die Ausübung der Gnadengaben soll dahin führen, dass Christen zur Einheit des Glaubens, zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen (Mannes-) Reife und zum Maß der vollen Reife Christi gelangen.
    - 14: Die Ausübung der Gnadengaben verhindert, dass Christen keine unmündigen Kinder mehr sind, sich von jeder x-beliebigen Lehre durcheinanderbringen lassen, die sich betrügerische und irrlehrende Menschen in ihrer Verschlagenheit und Listigkeit ausdenken.
    - 16: Aus dem Kopf des Körpers (Christus) ist der ganze Körper (die Gemeinde) zusammengefügt und durch jedes zur Unterstützung dienende Gelenk (entsprechend der Wirksamkeit der Gnadengaben) verbunden.
    - So wirkt er das Wachstum des Körpers / der Gemeinde.
    - So erbaut sich der Körper / die Gemeinde selbst in Liebe.
  • 1. Petrus 4:

    - 10: Jeder soll mit seiner Gnadengabe dienen.
    - So zeigt sich eine gute Verwalterschaft der verschiedenartigen Gnade Gottes.
    - 11: Jeder soll sich des Inhalts seiner Gnadengabe bewusst sein und sie dementsprechend ausüben.
    - Durch den rechten Gebrauch der Gnadengaben soll Gott durch Jesus Christus verherrlicht werden.

Wie gesagt, bei dieser Auflistung ging es mir darum, die ganz allgemeinen Aussagen zu den Gnadengaben, die wohl für alle Gnadengaben und damit auch für die Gnadengabe der Weissagung gelten, herauszufiltern. Auch diese Aussagen und Anweisungen sind nicht schwer zu verstehen. Deshalb möchte ich auch hier nur einige herausgreifen und als kritische Fragen an die mit der Gnadengabe der Weissagung beschenkten Christen richten:

  • Hat Ihnen Gott die Gnadengabe der Weissagung zugeteilt oder maßen Sie sich diese an?
  • Bleiben Sie bei Ihrer Gnadengabe der Weissagung besonnen und überheben Sie sich nicht?
  • Achten Sie darauf, dass Sie mit Ihrer Gnadengabe der Weissagung keine Spaltung verursachen?
  • Üben Sie Ihre Gnadengabe der Weissagung in Liebe aus?
  • Nützen Sie mit Ihrer Gnadengabe der Weissagung der Gemeinde und erbauen Sie diese?
  • Sind Ihnen bei der Ausübung Ihrer Gnadengabe der Weissagung die Begriffe "ordentlich, friedlich und anständig" wichtig?
  • Dienen Sie mit Ihrer Gnadengabe der Weissagung der (zur) Einheit des Glaubens und der (zur) vollen Reife Christi?
  • Verherrlichen Sie beim Gebrauch Ihrer Gnadengabe der Weissagung Gott durch Jesus Christus?

Welche neutestamentlichen Stellen belegen die Ausübung der Gnadengabe der Weissagung innerhalb der Gemeinde?

Hier liste ich Ihnen zunächst einmal einige Schriftstellen mit inhaltlichen Anmerkungen:

  • Apostelgeschichte:

    - 11,26-28: Es kamen Propheten in die Gemeinde von Antiochia. Einer von ihnen, Agabus, sagte ihnen eine Hungersnot voraus.
    - 13,1: In der Gemeinde von Antiochien gab es einige Propheten und Lehrer. Zu ihnen sprach der Heilige Geist, dass sie ihm Barnabas und Saulus zu dem Werk, zu dem er sie berufen hatte, aussondern sollten.
    - 15,32: Judas und Silas waren Propheten, die sich viel Zeit nahmen, den Glaubensgeschwistern Mut zu machen und sie im Glauben zu stärken.
    - 21,8-11: Philippus (Evangelist und Diakon) hatte vier Töchter. Diese waren Prophetinnen (in der Gemeinde von Cäsarea). Aus Judäa kam der Prophet Agabus. Er nahm den Gürtel des Paulus, fesselte sich damit die Füße und Hände und erklärte, dass es dem Mann, dem dieser Gürtel gehört, in Jerusalem genauso ergehen wird und dass er an die Menschen fremder Völker ausgeliefert wird.
  • 1. Thessalonicher:

    - 5,19-21: Den Geist löscht nicht aus. Weissagungen verachtet nicht, prüft aber alles und nehmt an, was gut ist.
  • 2. Petrus:

    - 1,19: Das prophetische Wort ist eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet.
  • 1. Johannes:

    - 4,1: Es gibt viele falsche Propheten.
  • Offenbarung:

    - 22,18: Zur Offenbarung (zur ganzen Bibel) darf nichts hinzugefügt werden.

Zusammenfassung:

  • Agabus sagt für die Zukunft eine Hungersnot voraus. Andere Propheten sonderten Christen für einen Dienst aus. Judas und Silas machten durch Weissagung anderen Glaubensgeschwistern Mut und stärkten ihren Glauben. Und Agabus sagte Paulus seine Zukunft in Jerusalem voraus.
  • Weissagungen sollen nicht verachtet, sondern geprüft und das Gute angenommen werden. Prophetie ist wie eine Lampe, die einen dunklen Ort erleuchtet.
  • Keine Prophetie darf zur Bibel hinzugefügt werden.
  • Und: Es gibt auch viele falsche Propheten.

Was lässt sich aus allen Bibelstellen über die Gnadengabe der Weissagung aussagen (eine Liste mir für die heutige Zeit wichtig erscheinende Aussagen)?

  1. Zunächst einmal: Die Träger der Gnadengabe der Weissagung sind nicht in der Weise inspiriert, als dass sie das Wort Gottes (die Bibel) ergänzen dürften / könnten (Offenbarung 22,18). Sie sind fehlbar. Anders ausgedrückt: Ihre Prophetie ist Stückwerk (1. Korinther 13,9).
  2. Weissagungen dürfen nicht verachtet werden. Stattdessen soll man sie vorurteilsfrei prüfen. Da der Prophet (seine Prophetie) nicht verachtet werden soll, muss man ihm mit Wertschätzung begegnen und seine Weissagung nicht in Form einer Geisterunterscheidung prüfen, sondern eher im Sinne guter Weissagung und menschlichem Beiwerk abfragen und das Gute behalten (1. Thessalonicher 5,19-21).
  3. Weissagung muss auch beurteilt werden (1. Korinther 14,29). Diese Beurteilung muss sowohl der Prophet als auch seine Zuhörer vornehmen und beinhaltet die Beurteilung, ob die Weissagung im Einklang mit dem Wort Gottes steht (Römer 12,6).
  4. Nicht jedes Gemeindeglied hat die Gnadengabe der Weissagung (1. Korinther 12,29+30)! Aber jeder Christ darf sich im positiven Sinne nach dieser für die Gemeinde so wichtigen Gabe ausstrecken (1. Korinther 14,1+39).
  5. Die Gnadengabe der Weissagung können sowohl Männer als auch Frauen geschenkt bekommen haben und in der Gemeinde ausüben (Apostelgeschichte 21,8-11, 1. Korinther 11,5).
  6. Weissagung ist die zweitwichtigste Gnadengabe für die Gemeinde (1. Korinther 12,28). Dennoch ist sie ohne Liebe nichts (1. Korinther 13,2)!
  7. Nicht der Heilige Geist ist dem Propheten untertan ist, sondern der Geist des Propheten ist dem Propheten untertan (1. Korinther 14,32)! Gottes Geist gibt unserem Geist Zeugnis (Römer 8,16). Wenn der neutestamentliche Prophet spricht, dann spricht er, getrieben vom Heiligen Geist!
  8. Dennoch steht ein Prophet nicht unter Redezwang (1. Korinther 14,32). Die plötzliche Offenbarung eines anderen Propheten hat zum Beispiel Vorrang (1. Korinther 14,29-31). Ansonsten legt Paulus in Bezug auf die Gottesdienstordnung folgende Regeln fest: zwei oder drei Weissagungen, nacheinander, ordentlich, friedlich und anständig (1. Korinther 14,29-31+33+40).
  9. Die Gnadengabe der Weissagung darf nur dann ausgeübt werden, wenn der Ausübende sie von Gott geschenkt bekommen hat (Zuteilung nach dem Maß des Glaubens). Darüber hinaus sind Besonnenheit und eine gesunde Selbsteinschätzung (kein Hochmut) wichtige Grundvoraussetzungen in Bezug auf den Gebrauch der Gabe (Römer 12,3).
  10. Die Gnadengabe der Weissagung ist nicht dafür gegeben, Spaltungen hervorzurufen (1. Korinther 12,25). Sie muss dazu beitragen, zur Einheit des Glaubens, zur vollen Reife Christi (Epheser 4,13) und zur Verherrlichung Gottes durch Jesus Christus (1. Petrus 4,11) zu gelangen.
  11. Es ist möglich, dass die Gnadengabe der Weissagung falsch ausgeübt wird. Das heißt aber noch lange nicht, dass hier ein falscher Geist am Wirken wäre. Paulus deutet durch 1. Korinther 12,1 an, dass Unkenntnis zu solch falschem Gebrauch führen kann. Sicherlich kann man hier auch noch andere Dinge aufführen, wie zum Beispiel Hochmut, Selbstüberschätzung und andere ungeistliche Charakterzüge.

Was ist die Gnadengabe der Weissagung, welchen Inhalt hat sie und welche Aufgabe kommt ihr zu?

Ich habe diesen Exkurs nicht mit einer Definition begonnen. Mir ging es darum, dass die Bibeltexte unser Denken über diese Gnadengabe prägen. Ganz bestimmt haben wir so schon definitionstechnische "Vor"urteile gegenüber dieser Gabe. Eventuell sehen wir einen Aaron vor uns, der mit erhobenen Händen und sonstigen auffälligen Begleitumständen vor dem Pharao steht und diesem die Zukunft vorhersagt. Oder Jesus, der der Samariterin auf den Kopf zusagte, dass sie fünf Männer hatte und auch der jetzige nicht ihr Mann ist (Prophetie in die Vergangenheit). Oder Paulus, der Tertius zum Beispiel das prophetische Wort des Römerbriefs diktierte, in dem er die Vergangenheit prophetisch deutet, sich hierbei auch auf Bibeltexte beruft und auch die Zukunft erhellt.

Diese Vorstellungen sind gewissermaßen "Vor"urteile bei der Definition dessen, was die Gnadengabe der Weissagung für die Gemeinde beinhaltet. Auch der Gedanke, dass ein Prophet, dessen Vorhersage nicht eintrifft, gesteinigt werden muss, passt nicht in das Bild der Gnadengabe der Prophetie.

Unsere Texte haben die Aufgabe / die Funktion / den Beitrag dieser Gabe für die Gemeinde folgendermaßen beschrieben:

Die Schlüsselstelle finden wir in 1. Korinther 14,3+4. Dort heißt es:

"Wer weissagt, erbaut, ermahnt und tröstet die Gemeinde!"

  • Vers 26 ergänzt damit, dass Weissagung etwas zum Lernen ist.
  • Wer weissagt weiß um Geheimnisse und hat Erkenntnisse (1. Korinther 13,2). Teilt er diese mit, so sind sie wie eine Lampe, die eine dunkle Stelle erleuchtet (2. Petrus 1,19).
  • Weissagung macht Mut und stärkt den Glauben (Apostelgeschichte 15,32).

Liest man diese Früchte der Weissagung, dann nimmt es nicht Wunder, dass zum Beispiel Calvin unter der Gabe der Weissagung "die Wissenschaft der Schriftauslegung" verstand. Im 16. Jahrhundert kamen in Zürich Pastoren und Theologiestudenten wöchentlich fünf Mal zum Weissagen (zur Schriftauslegung) zusammen. Andere sprechen von der Weissagung als dem Seelsorgedienst. Das alles hat seine Berechtigung, denn Weissagung "muss" erbauen, ermahnen, trösten, belehren, ermutigen und stärken. Und dazu bekommt der Träger dieser Gabe durch den Heiligen Geist Erkenntnisse und Einsichten.

Durch die Apostelgeschichte haben wir gesehen, dass durch diese Gabe Vorhersagen für die nahe Zukunft weitergegeben wurden. Auch wurden Berufungen ausgesprochen und Mut gemacht und der Glaube von Geschwistern gestärkt.

Christen haben gewöhnlich keine Mühe damit, in Situationen, für welche die Bibel keinen eindeutigen "Rat" gibt, dennoch ganz konkret zu erbauen, ermahnen, trösten, belehren, ermutigen und zu stärken. Sie aktualisieren das Wort Gottes in eine Situation hinein. Wenn man ihnen nun sagen würde, dass dies Prophetie ist, dann würden sie erschrecken. Aber genau dies ist die Gnadengabe der Prophetie. Seelsorgeseminare sind gut, aber die Gnadengabe der Weissagung ist in der Seelsorge unverzichtbar.

Damit möchte ich diese Gnadengabe nicht vom gottesdienstlichen Gebrauch trennen. Es war nur ein Beispiel. Dass dieses Wirken Gottes auch in der Gemeinde unverzichtbar ist, liegt auf der Hand!

Aber es gibt auch noch einen anderen Bereich, in dem diese Gnadengabe unverzichtbar ist. In 1. Korinther 14,22-25 "verirrt" sich ein Ungläubiger in die Gemeindeversammlung. Er setzt sich damit Weissagungen aus, wird dadurch beurteilt und überführt. Das Verborgene seines Herzens wird offenbar. Er fällt auf sein Angesicht, betet Gott an und verkündet, dass Gott wirklich unter den Gläubigen ist.

Durch wie viele Zeugnisse haben Sie schon gehört, dass genau dies beim Besuch einer Evangelisationsveranstaltung eines Ungläubigen passiert ist? Da bezeugen Menschen: "Ich dachte, der spricht ganz alleine zu mir!" - "Ich kam mir so ausgezogen, nackt und bloß vor!" Hört sich das nicht danach an, dass in dieser Veranstaltung die Gnadengabe der Weissagung "im Einsatz" war, auch ohne dass nun von einer Prophetie die Rede war? Ganz sicher war dies so! Und diese Dienstausrüstung sollte ein Evangelist unbedingt haben!

Zum Abschluss dieses Punktes möchte ich doch noch kurz erklären, was weissagen bedeutet. Im Grunde genommen kann man prophezeien / weissagen als ein "Weitersagen im Auftrag eines anderen" bezeichnen. Das ist die Hauptsache. Der Inhalt kann dabei ganz verschieden sein. Die "Früchte" allerdings werden in unseren Texten sehr genau benannt: Ermutigung, Tröstung, ...

Falsche Propheten!

Natürlich hat Satan, der Nachäffer alles Göttlichen, auch Propheten in seinem Angebot. Und hierbei muss die Prüfung tatsächlich so aussehen, dass unterschieden werden muss. Johannes sagt in 1. Johannes 4,1: "Glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft sie, ob sie von Gott kommen. Denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen."

Schon Jesus warnte vor falschen Propheten. Sie kommen lammfromm daher und verführen. An ihren Früchten wird man sie erkennen (Matthäus 7,15 und 24,11).

Paulus begegnete auf Zypern einem falschen Propheten namens Barjesus (Apostelgeschichte 13,6-12).

Petrus beschreibt das Wirken solcher falschen Propheten dadurch, dass diese die Gemeinde heimlich spalten (Parteiungen einführen) und Jesus verleugnen (2. Petrus 2,1).

Jesus machte der Gemeinde von Thyatira zum Vorwurf, dass sie eine falsche Prophetin gewähren lässt, obwohl sie die Männer zur Unzucht verführt und ... (Offenbarung 2,20).

Diese Beispiele lassen erkennen, dass falsche Propheten genau das Gegenteil von dem erreichen wollen, was echte Propheten als ihre Aufgabe betrachten. Dies gilt sowohl für den Prophetendienst innerhalb der Gemeinde und auch außerhalb im Missionsdienst oder der Evangelisation (Apostelgeschichte 13,6-12).



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