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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 13,1-7: Gehorsam gegenüber der Staatsgewalt!

(13,1) Jeder ohne Ausnahme soll sich der übergeordneten staatlichen Regierung unterordnen. Denn jede staatliche Autorität kommt von Gott, und jede, die es gibt, ist von Gott eingesetzt. (2) Wer sich also der staatlichen Ordnung widersetzt, der widersteht der Anordnung Gottes. Und die widerstehen, werden sich selbst das Urteil zuziehen. (3) Denn die Regierenden sind kein Schrecken für den, der das Gute tut, sondern für den, der das Böse tut. Wenn du also ohne Angst vor der Regierung leben willst, dann tue das Gute und du wirst Anerkennung von ihr empfangen. (4) Denn sie ist Gottes Dienerin, damit du das Gute tust. Wenn du aber das Böse tust, hast du allen Grund, sie zu fürchten. Denn sie hat die Polizei- und Strafgewalt (das Schwert) nicht umsonst. Denn auch hierin ist sie Gottes Dienerin. Indem sie den Schuldigen zur Verantwortung zieht, vollstreckt sie an ihm das göttliche Zorngericht. (5) Darum muss man sich unterordnen, nicht nur aus Angst vor der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. (6) Denn deshalb bezahlt ihr ja auch Steuern. Denn die staatlichen Beamten sind Gottes Diener, die für eben diesen Zweck unablässig tätig sind. (7) Gebt also jedem, was ihr ihm schuldig seid. Steuer, dem ihr die Steuer schuldig seid. Zoll, dem ihr den Zoll schuldig seid. Respekt, dem ihr den Respekt schuldig seid. Und Ehre, dem ihr die Ehre schuldig seid.


Auslegung:

Römer 13,1-7 Gehorsam gegenüber der StaatsgewaltGehorsam gegenüber der Staatsgewalt

Es gibt Ausleger, welche diesen Abschnitt als einen nichtpaulinischen Zusatz zum Römerbrief betrachten. Diese Ansicht kann und möchte ich nicht teilen.

Aber die Probleme, die man bei der Auslegung (hauptsächlich bei der Anwendung) dieser Verse hat, teile ich schon. Eines davon ist sicherlich dies, dass man mit zu vielen Vorurteilen an diesen Text herangeht. Im Folgenden möchte ich - soweit möglich - mich von diesem Ballast befreien und versuchen, den Text im Sinne der Niederschrift zu erklären.

Immer wieder wird gesagt, dass dieser Abschnitt nicht in den Kontext passt. Das kann ich nicht so sehen, zumal es mehrere Stichwortverbindungen zum vorangegangenen und auch zum nachfolgenden Text gibt:

  • In Römer 12, in den Versen 9, 17 und 21 spricht Paulus vom Guten und Bösen. In unserem Abschnitt kommt er in den Versen 3 und 4 darauf zurück.
  • In Kapitel 12,19 werden die Christen von Rom ermahnt, sich nicht selbst zu rächen, sondern Gott das Recht auf Rache zu überlassen. In unserem Abschnitt setzt Gott die staatliche Gewalt als Dienerin und Werkzeug seiner Rache ein.
  • In Römer 12, in den Versen 17 und 18 geht es um alle Menschen. Niemand soll Böses mit Bösem vergelten werden. Wenn möglich, soll man mit allen im Frieden leben. In Kapitel 13,7 ist davon die Rede, dass man niemand etwas schuldig bleiben soll.
  • Was aber sind Christen schuldig? Nach Kapitel 12,9 eine ungeheuchelte Liebe, ein Verabscheuen des Bösen und ein Festhalten am Guten. In Kapitel 13 Vers 3 sagt Paulus, dass die Regierenden ein Schrecken für die sind, die das Böse tun. Wer das Gute tut, empfängt dagegen Anerkennung. Hier zeichnet sich schon ab, was dieses Gute ist (13,8 - die Liebe).
  • Mit Vers 7 betont Paulus, dass Christen weder Steuern, noch Zoll, noch Furcht (Respekt) noch Ehre schuldig bleiben dürfen, am allerwenigsten aber die Liebe (folgender Abschnitt Vers 8).

Thematisch passt der Abschnitt ebenfalls gut in den Textzusammenhang. Die Verse 9 bis 21 aus Kapitel 12 hatte ich mit "Christliches Verhalten" überschrieben. Dieser Abschnitt teilte sich in "Christliches Verhalten gegenüber Glaubensgeschwistern" und "Christliches Verhalten zu allen anderen Menschen bis hin zu den Feinden" auf. Hier nun, in Kapitel 13,1-7 geht es um das christliche Verhalten gegenüber der Staatsgewalt.

Die geschichtliche Situation

Paulus schrieb (diktierte) den Römerbrief in der Anfangszeit unter der Regierung Neros. Damals waren der Präfekt der Prätorianergarde Afranuis Burrus und der Philosoph und Schriftsteller Lucius Annaeus Seneca seine Ratgeber. In dieser Zeit regierte Nero friedlich und erfolgreich.

Nun könnte man daraus den Schluss ziehen, dass Römer 13,1-7 nur für Regierungen gilt, die diesen Vorgaben entsprechen. Das ist aber nicht der Fall. Paulus mahnt hier zur generellen Unterordnung ohne Einschränkung und ohne Ausnahmen! Zudem reicht ein Blick in sein Leben und in die Vergangenheit Israels (der Weltgeschichte) aus, um zu wissen, dass Paulus jegliche Art und Weise des Regierens kannte.

Der Anlass für Römer 13,1-7

Über den Anlass, der zum Schreiben dieses Abschnitts geführt hat, kann man nur spekulieren. Paulus nennt ihn nicht.

  • Eventuell beugt er damit einer Protestaktion wegen drückender Steuern vor.
  • Oder einer falschen geistlichen Schau, die nur noch das Bürgerrecht in den Himmeln sieht (Philipper 3,20) und dadurch seinen Platz in dieser Welt vernachlässigt.
  • Es könnte auch sein, dass Paulus Unruhen durch die gerade aus der Verbannung zurückgekehrten Judenchristen (Claudius Edikt) verhindern möchte.

Wie gesagt, dies sind Spekulationen, die in der Auslegung unseres Textes nicht weiter helfen.

Römer 13,1-7 ist eigentlich leicht zu verstehen. Deshalb möchte ich im Folgenden diesen Abschnitt "nur" exegetisch betrachten:



(1a) Forderung (Ermahnung)
Jeder ohne Ausnahme soll sich der übergeordneten staatlichen Regierung unterordnen.
Jedermann, auch die Christen von Rom und alle anderen Christen!

(1b+c) Begründung
(1b) Denn jede staatliche Autorität kommt von Gott,
(1c) und jede, die es gibt, ist von Gott eingesetzt.

Generell jede staatliche Autorität, ohne Einschränkung und ohne Ausnahme.

(2) Konsequenzen (2a) Wer sich also der staatlichen Ordnung widersetzt, der widersteht der Anordnung Gottes.
(2b) Und die widerstehen, werden sich selbst das Urteil zuziehen.

Ungehorsam (Widersetzung, Auflehnung, Widerstand) ist Ungehorsam gegenüber Gottes Anordnung und zieht Gottes Gericht nach sich (über das Gericht der staatlichen Autorität hinaus).

(3+4) Funktion der staatlichen Regierung
(3) Denn die Regierenden sind kein Schrecken für den, der das Gute tut, sondern für den, der das Böse tut.
Wenn du also ohne Angst vor der Regierung leben willst, dann tue das Gute und du wirst Anerkennung von ihr empfangen.
(4) Denn sie ist Gottes Dienerin, damit du das Gute tust.
Wenn du aber das Böse tust, hast du allen Grund, sie zu fürchten. Denn sie hat die Polizei- und Strafgewalt (das Schwert) nicht umsonst. Denn auch hierin ist sie Gottes Dienerin. Indem sie den Schuldigen zur Verantwortung zieht, vollstreckt sie an ihm das göttliche Zorngericht.
Die staatliche Regierung soll
- denen, die das Böse tun, das Fürchten lehren.
- Denen, die Gutes tun, öffentliches Lob aussprechen.
- Weiter soll sie das Tun des Guten fördern, wozu auch die Ahndung des Bösen gehört, das sie bis hin zur Todesstrafe bestrafen kann.

Die Christen von Rom (alle Christen)
- sollen das Gute tun,
- und sich vor dem Bösen hüten.

Die staatlichen Regierungen
- sind Gottes Diener. Dies besagt, dass sie sich bei der Unterscheidung von Gut und Böse nach Gottes Maßstab zu richten haben!

(5a) Vorläufige Zusammenfassung: Forderung (Ermahnung)
(5a) Darum muss man sich unterordnen,
Vers 5 zieht daraus den Schluss, dass es notwendig ist, sich der staatlichen Regierung unterzuordnen und ihr zu gehorchen.

(5b+c) Begründung
(5b) nicht nur aus Angst vor der Strafe,
(5c) sondern auch um des Gewissens willen.

Die Angst vor der Strafe ist ein berechtigtes Mittel zum Einfordern von Gehorsam.
Das christliche Gewissen (der Brief richtet sich an Christen) weiß, dass die staatliche Regierung die von Gott eingesetzte Dienerin ist und ist deshalb gehorsam!

(6) Beweis der Anerkennung der staatlichen Regierung als Dienerin
(6) Denn deshalb bezahlt ihr ja auch Steuern. Denn die staatlichen Beamten sind Gottes Diener, die für eben diesen Zweck unablässig tätig sind.
Das Zahlen von Steuern beweist, dass man die staatliche Regierung als Gottes Dienerin anerkennt.

(7) Zusammenfassende Schlussermahnung
(7) Gebt also jedem, was ihr ihm schuldig seid. Steuer, dem ihr die Steuer schuldig seid. Zoll, dem ihr den Zoll schuldig seid. Respekt, dem ihr den Respekt schuldig seid. Und Ehre, dem ihr die Ehre schuldig seid.
Die schuldige Pflicht der Christen ist, dass sie der staatlichen Regierung sowohl die direkten als auch die indirekten Steuern (Steuern und Zoll) bezahlen und die der staatlichen Regierung gegenüber richtige Haltung, nämlich Ehrfurcht (Respekt) und Ehre, erweisen sollen. Zwei weitere Deutungen sind möglich:
- Die Übeltäter schulden Respekt und die Täter des Guten schulden aufgrund des Gewissens Ehre?!
- Im Sinne von Jesus und Petrus: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist (Jesus in Markus 12,17)! Fürchtet Gott und ehrt den Kaiser (Petrus in 1. Petrus 2,17).


Anwendung:

1 - Christliches Verhalten gegenüber der staatlichen Regierung - JA, aber!


Gehorsam gegenüber der StaatsgewaltPaulus (Gott) fordert Unterordnung und Gehorsam gegenüber jeglicher staatlichen Ordnung. Egal, wo Sie als Leserin oder Leser leben, dieses Gebot des Gesetzes Christi gilt auch Ihnen. Nicht im Sinne des mosaischen Gesetzes, sondern im Geist, aus Liebe und im Glauben Gott gegenüber. Nicht als MUSS, sonder im ICH WILL! Die Voraussetzung dazu hat jeder Christ. Darüber hinaus ist es nötig, sich Gott ganz und gar hinzugeben und sich durch die Erneuerung des Verstandes umwandeln zu lassen (12,1+2).

Gilt Römer 13,1-7 nicht vielleicht doch nur den Christen von Rom?

Ich hatte ja weiter oben geschrieben, dass die Christen von Rom diesen Brief erhielten, als die Zeiten unter Nero noch "gut" waren. Hätte Paulus eventuell später, als derselbe Nero Christen als lebendige Fackeln verwendete, anders geschrieben?

Sicherlich nicht. Diese grundsätzlichen Verhaltensregeln hätte er eventuell erweitert, aber nicht aufgehoben. Was er hier schreibt, ist tatsächlich Gesetz Christi. Und es ist nicht ein Abschnitt des Neuen Testaments, dessen Inhalt schwer verständlich und an keiner anderen Stelle wiederholt würde. Mit 1. Petrus 2,13-17 und Titus 3,1 liegen Texte vor, die einige Gemeinsamkeiten aufweisen:

  • Auch hier wird Unterordnung und Gehorsam gefordert!
  • Auch von den guten und bösen Werken ist die Rede!
  • Auch im Textzusammenhang dieser Parallelen geht es um christliches Verhalten.
  • Petrus erwähnt auch dieselbe Funktion, nämlich Übeltäter bestrafen und Gutestuer belobigen!
  • Und von Furcht und Ehre ist auch die Rede!

Paulus wusste auch aus der Geschichte, dass Gott zum Beispiel Saul (1. Samuel 9,15+16), Hasael (1. Könige 19,5) und Nebukadnezar (Daniel 2,36+37) die Königsherrschaft gegeben hatte und dass Saul sich dem Willen Gottes widersetzte (1. Samuel 15,10.11+22), Hasael seine Macht missbrauchte (Amos 1,3+4) und Nebukadnezar und Herodes Agrippa I. Gott die Ehre verwehrten (Daniel 4,25-29, Apostelgeschichte 12,22+23).

Aus all dem können wir schließen, dass das, was in Römer 13 über die Unterordnung unter die staatlichen Gewalten geschrieben steht, auch heute - generell, ohne Einschränkung und ohne Ausnahme gilt!

Die besondere Ermahnung über Römer 13,1-7 hinaus!

In Römer 12 Vers 12 ermahnt Paulus: "Im Gebet haltet an!" Das gilt auch für das Gebet für die Regierung. Dieses anhaltende Gebet soll auch nicht erst dann stattfinden, wenn der Staat in Bezug auf Gut und Böse krumme Wege geht, nein, auch in guten Zeiten sollen Christen anhaltend für die staatliche Gewalt in der sie leben, beten. Das sagt uns Paulus in 1. Timotheus 2,1+2:

"Ich fordere euch vor allen Dingen dazu auf,
dass ihr für ... alle Regierenden bittend, flehend und danksagend betet,
damit ihr ein ruhiges und stilles Leben
in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit führen könnt!"

Wir reden viel darüber, wie unmöglich es ist, sich der Regierung unterzuordnen. Beten wir genauso viel für diese Regierung?

Paulus im Strudel der Unterordnung unter verschiedene Staatsgewalten!

Derselbe Paulus, der Römer 13,1-7 verfasste, besaß zwei Bürgerrechte. Durch Geburt war er ein römischer Bürger (Apostelgeschichte 22,25-28). Aber er war auch Jude (Apostelgeschichte 21,39).

Apostelgeschichte 21-26 ist unserem Zusammenhang sehr interessant.

  • Zunächst lesen wir in Apostelgeschichte 21, ab Vers 27, dass das jüdische Volk Paulus wegen verschiedener Dinge töten wollte.
  • Davor retteten ihn die Römer (31) und legten ihn in Ketten (33). Paulus bittet darum, zum Volk reden zu dürfen (39), was ihm gewährt wurde (40).

  • In Kapitel 22 Vers 3 erzählt er von seinem jüdischen Bürgerrecht und seiner Vergangenheit. Was er erzählt, zeigt, dass er das jüdische Recht anerkannte und sich sehr dafür einsetzte (3-5). Als er daraufhin von seiner Bekehrung und seinem neuen Auftrag sprach, forderten die Juden seinen Tod (4-22). Der römische Hauptmann wollte Paulus daraufhin geißeln und verhören lassen (24).
  • Paulus (nun als römischer Bürger) fragte daraufhin den Hauptmann, ob es erlaubt sei, einen römischen Bürger ohne Verurteilung geißeln zu lassen (25). Damit unterstellte er sich dem römischen Recht.
  • Der Hauptmann entschied allerdings, dass Paulus (nun als jüdischer Bürger) am folgenden Tag dem jüdischen Recht unterstellt werden sollte (30).

  • In Kapitel 23 verteidigte sich Paulus vor dem Hohen Rat (ab Vers 1). Der Hohepriester ließ ihm auf den Mund schlagen (3), woraufhin Paulus diesen heftig kritisierte und beschuldigte, gegen das Gesetz zu handeln (3). Man informierte ihn daraufhin, dass dies der Hohepriester sei. Daraufhin unterstellte sich Paulus wiederum unter das jüdische Gesetz und entschuldigte sich (5).
  • Aufgrund weiterer Aussagen von Paulus vor dem Hohen Rat befürchtete der Hauptmann, dass Paulus von ihnen zerrissen würde, und ließ ihn wieder ins römische Lager bringen (10).
  • Mehr als 40 Juden verschworen sich daraufhin, Paulus durch eine List zu töten (12+13). Dies wurde offenbar, sodass der Hauptmann Paulus mit 200 Soldaten, 70 Berittenen und weiteren 200 Leichtbewaffneten nach Cäsarea zum Statthalter Felix überführte (23+24). Felix informierte Paulus, dass er ihn dann, wenn seine Ankläger angekommen sind, verhören würde (35).

  • Fünf Tage später kamen der Hohepriester Hananias, einige Älteste und der Anwalt Tertullus und machten beim Statthalter Anzeige gegen Paulus (Kapitel 24,1). Paulus verteidigte sich daraufhin (2ff) und Felix vertagte die Sache (22).
  • Zwei Jahre später wurde Porzius Festus Nachfolger von Felix, der Paulus immer noch gefangen hielt, weil er sich bei den Juden lieb Kind machen wollte (27).

  • In Kapitel 25 eröffnet Festus, der römische Statthalter von Palästina, in Cäsarea die Gerichtsversammlung gegen Paulus (6). Von Jerusalem gekommene Juden brachten viele und schwere Beschuldigungen vor, die sie nicht beweisen konnten (7). Paulus verteidigte sich (8). Festus offerierte ihm die Möglichkeit die Verhandlung in Jerusalem weiter zu führen (9). Paulus beteuerte seine Unschuld und bekannte, dass er dann, wenn er etwas Todeswürdiges begangen hatte, bereit wäre, auch dafür zu sterben (10+11). Sich den Juden preisgeben, wollte er aber nicht und berief sich auf den Kaiser, was Festus akzeptierte (11+12).
  • Einige Tage später kam König Agrippa nach Cäsarea (13). Festus legte ihm den Fall Paulus vor (14) und König Agrippa wollte daraufhin Paulus hören (22), was am nächsten Tag im Verhörsaal geschah (23).

  • In Kapitel 26 wird uns dann berichtet, dass Paulus sich selbst verteidigen durfte (1), und wenn Paulus sich nicht auf den Kaiser berufen hätte, hätte ihn König Agrippa freigelassen (32).
  • In Kapitel 27 beginnt dann die Reise nach Rom.

Durch diese sechs Kapitel wird sehr deutlich, dass Paulus das in Römer 13,1-7 gesagte auch lebte. Zeitlich sind diese Kapitel danach anzusetzen. Und Paulus unterstellte sich in diesen Kapiteln den Gewalten, sowohl der Jüdischen als auch der Römischen und auch der Religiösen. Er war auch bereit, die Todesstrafe anzunehmen, wenn er etwas Todeswürdiges getan hatte (nur dann!). Allerdings pochte er auch auf seine Rechte und ließ verleumderische Anklagen nicht einfach auf sich beruhen!

Erwähnen möchte ich noch, dass Paulus vor diesem Geschehen drei Mal die römische Prügelstrafe über sich ergehen lassen musste (2. Korinther 11,25).

Weitere neutestamentliche Zeugnisse bezüglich der Unterordnung unter die staatliche Gewalt!

Jesus wurde in seinem Dienst immer wieder von den Pharisäern angegriffen und auf die Probe gestellt. Unter anderem fragten sie ihn, ob es erlaubt sei, dem Kaiser Steuern zu geben. Und Jesus antwortete ihnen, dass sie dem Kaiser geben sollten, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist (Markus 12,13).

Jesus bestätigte auch, dass die staatliche Gewalt von Gott gegeben ist. Zu Pilatus sagte er, dass er keine Macht über ihn hätte, wenn sie ihm nicht von oben gegeben wäre und der, der ihn ihm übergeben hat, größere Schuld auf sich lud (Johannes 19,11).

In Apostelgeschichte 4,1-22 müssen sich Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat (jüdische staatliche Gewalt?!) verantworten. Dieser legt ihnen auf, sich nicht mehr im Namen Jesu zu äußern und zu lehren (18). Daraufhin antworten Petrus und Johannes: "Urteilt ihr, ob es vor Gott recht ist, auf euch mehr zu hören als auf Gott!"

Ein Kapitel später (Apostelgeschichte 5) stehen Petrus und die Apostel wieder vor dem Hohen Rat. Man erinnert sie, dass ihnen doch streng verboten wurde, im Namen Jesu zu lehren (28). Darauf antworten Petrus und die Apostel klipp und klar: "Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen."

Sehr interessant ist darüber hinaus das, was Paulus in 1. Korinther 6,1-11 schreibt. Dort sagt er nämlich, dass Christen ihre Rechtsstreitigkeiten nicht vor weltlichen Gerichten austragen sollen. Das muss innerhalb der Gemeinde geregelt werden. Besser ist es sogar, gar keinen Rechtsstreit zu haben und sich stattdessen lieber übervorteilen zu lassen (7)!

Im Neuen Testament wird auch (harte) Kritik (von Christen) an der jüdischen staatlichen Gewalt bezeugt:

  • Apostelgeschichte 2,23: Ihr habt durch die Hand von Gesetzlosen Jesus ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
  • Apostelgeschichte 4,8-11: Ihr habt Jesus Christus, den Nazoräer, gekreuzigt. Das ist der Stein, der von euch verachtet wurde.
  • Apostelgeschichte 5,27-30: Ihr habt Jesus durch die Kreuzigung ermordet.
  • Apostelgeschichte 7,51-53:Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren! Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist. Ihr seid die Verräter und Mörder des Gerechten geworden. Ihr habt das Gesetz durch Anordnung von Engeln empfangen und nicht befolgt.

Und auch römische Hauptleute werden kritisiert:

  • Apostelgeschichte 16,36-40: Paulus kritisiert die römischen Hauptleute, weil sie ihn und Silas als römische Staatsbürger unverurteilt geschlagen hatten.

Diese Stellen bezeugen,

  • dass der staatlichen Gewalt das zusteht, was ihr zusteht (zum Beispiel Steuern),
  • dass die staatliche Gewalt ihre Macht von Gott hat,
  • dass die staatliche Gewalt Schuld auf sich laden kann,
  • dass die staatliche Gewalt Gottes Maßstab untersteht (Schuld vor Gott kann nur durch den Maßstab Gottes definiert werden),
  • dass die staatliche Gewalt ihre Macht missbrauchen kann,
  • dass man Gott mehr gehorchen muss als der staatlichen Gewalt,
  • dass es einen legitimen Widerstand gegen die staatliche Gewalt gibt,
  • dass Christen bei Streitfällen untereinander, die staatliche Gewalt nicht in Anspruch nehmen sollen
  • und dass Kritik, auch harte Kritik, in Bezug auf das Böse durchaus geübt werden kann!

Aus dem Erleben des Paulus möchte ich noch hinzufügen,

  • dass Christen auch auf ihr Recht bezüglich des Guten pochen dürfen. Paulus hat sich nicht einfach dem Tod ausgeliefert, sondern ging in Bezug auf seine Unschuld (für das Gute) bis vor den Kaiser!

Wie man sich dann, wenn man aufgrund des Glaubens vor Gericht geschleppt wird, verhalten soll, bespricht Jesus in Matthäus 10,16-28.

Die Aufgaben der staatlichen Gewalt!

Nach Römer 13,1-7 ist der Staat ein Rechtsstaat. Seine Aufgaben sind nicht, den Eltern die Erziehung ihrer Kinder aus der Hand zu nehmen oder die Wirtschaft zu kontrollieren oder zu manipulieren und schon gar nicht, christlichen Gemeinden vorzuschreiben, was sie zu glauben haben. Nach unserem Abschnitt ist seine Funktion die, dass er das Böse bestraft und das Gute belobigt.

Nun könnte man annehmen, dass der Staat bestimmt, was gut und was böse ist. Aber der Staat ist Gottes Dienerin und wer Gott dient, ist nicht für die Kriterien der Unterscheidung von Gut und Böse zuständig. Mit anderen Worten: Jeder Staat ist verpflichtet, nach dem Maßstab Gottes Gut und Böse zu definieren! Dies bringt Jesaja in Kapitel 51,4+5 zum Ausdruck. Er sagt: "Das Gesetz geht vom Herrn aus und sein Licht wird zum Licht der Völker." Johannes der Täufer ermahnte König Herodes mit den Worten aus 3. Mose 20,21: "Es ist eine Schande, wenn ein Mann die Frau seines Bruders heiratet. Er entehrt damit seinen Bruder. Und darum werden er und die Frau kinderlos bleiben (Lukas 3,19-20)."

Die staatliche Gewalt soll bei ihren Bürgern zum Tun des Guten hinwirken (4). Er schützt das Gute und hilft so dem, der das Gute tut. Das ist die Aufgabe der staatlichen Gewalt und ihrer Beamten. Für diese Funktion / Aufgabe des Staates zahlen die Bürger letztlich auch Steuern (6).

Die Bösen müssen diese staatliche Gewalt fürchten, weil sie auch das Schwert trägt. Damit hat jede staatliche Gewalt das göttliche Recht, Böses, bis hin zur Todesstrafe, zu bestrafen.

Göttliche Ein- beziehungsweise Aufteilungen der Gewalten und dadurch entstehende Konflikte!

Ich habe schon geschrieben, dass der Staat nach Römer 13,1-7 ein Rechtsstaat sein sollte. Die Bibel kennt aber nicht nur den Staat als Rechtsstaat, sondern auch andere Gewalten, welche ebenfalls von Gott eingesetzt (Gottes Dienerinnen) sind, seinem Maßstab unterworfen sind und über Gut und Böse richten. Ich spreche hier von der christlichen Gemeinde und der Familie.

  • Die Regierung eines Landes soll das gute Werk ihrer Bürger belobigen und das böse Werk angemessen bestrafen. Diese Strafe kann bis hin zur Todesstrafe gehen.

  • Die christliche Gemeinde vor Ort möchte gemeinsam das Gute (das Gesetz Christi) leben. Wenn einzelne Glieder in Sünde leben, müssen sie ermahnt werden. Dieses Strafen kann bis hin zur Gemeindezucht führen. Haben sie untereinander Streitigkeiten, sollen Christen diese nicht vor weltlichen Gerichten austragen.

  • Auch die Familien mit ihren Obrigkeiten (Vater und Mutter) sollen gemäß den Maßstäben Gottes das Gute leben, das Böse bestrafen und die Kinder nicht zum Bösen verleiten (reizt die Kinder nicht zum Zorn). Dafür hat Gott die Erziehung eingesetzt, die bis dahin geht, dass Kinder gezüchtigt (nicht misshandelt / aber es darf wehtun) werden sollen. Kommen die Eltern nicht mehr weiter, ist staatliche Hilfe gefragt (5. Mose 21,18-21).

Glieder russlanddeutscher Gemeinden haben erlebt, wie der Staat damals, als sie noch in Russland lebten, versuchte, ihnen staatlich gefügige Gemeindeleiter vor die Nase zu setzen. Das war Machtmissbrauch und eine Einmischung in einen anderen Bereich göttlichen Regierens.
Hier, in Deutschland, entzieht die staatliche Gewalt Eltern mehr und mehr ihre Kinder. Der Staat möchte die Kinder selbst erziehen und beeinflussen, wozu er aber kein göttliches Recht hat. Deshalb wollen christliche Eltern ihre Kinder teilweise nicht mehr in die Schule schicken. Sie möchten sie in biblisch unterrichtende Privatschulen geben oder selbst mit einem Fernschulenkonzept unterrichten.
Vor einigen Jahren haben die Zeitungen darüber berichtet, was alles von staatlicher Seite unternommen wurde, um dies zu unterbinden (Machtmissbrauch). Es gab Kinder, die ihren Eltern entzogen wurden!

Die Bibel lehrt die Trennung von Kirche und Staat. Jesus sagte: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist (Matthäus 22,21)." Im Alten Testament lesen wir, wie Gott Mose als staatliche Gewalt einsetzte (Gesetzgeber), sein Bruder Aaron aber war die "kirchliche" Gewalt (Hohepriester). Zur Zeit der Könige war der König die staatliche Gewalt und der Hohepriester (die Priester) die "kirchliche" Gewalt. Nach der Babylonischen Gefangenschaft waren Statthalter die staatliche Gewalt und Priester die "kirchliche" Gewalt. ...

Zum Schluss möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass die staatliche Gewalt Gottes Dienerin ist. Als seine Dienerin ist sie in der Beurteilung von Gut und Böse Gottes Maßstab unterworfen. Dieser Maßstab ist nicht in irgendwelchen religiösen Schriften zu finden, sondern nur in der Bibel. Sie ist das Wort des Gottes, dessen Dienerin jede staatliche Gewalt sein sollte!



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