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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 14,1 - 15,7: Annahme der Glaubensschwachen!

(14,1) Nehmt den Schwachen im Glauben vorbehaltlos an. Streitet nicht mit ihm über seine Ansichten.

(2) Der eine glaubt, alles essen zu dürfen. Der andere, der in seinem Glauben schwach ist, isst nur pflanzliche Kost. (3) Wer alles isst, soll den, der nicht alles isst, nicht verachten. Und wer nicht alles isst, soll den, der alles isst, nicht verurteilen. Denn Gott hat ihn angenommen. (4) Wie kommst du dazu, den Diener eines anderen Herrn, zu verurteilen? Ob er mit seinem Tun vor seinem Herrn bestehen kann oder nicht, ist Sache seines Herrn und beurteilt nur dieser. Und er wird bestehen, denn sein Herr hat die Macht und wird dafür sorgen, dass er besteht.

(5) Der eine misst dem einen Tag mehr Bedeutung bei als dem anderen. Der andere macht diesen Unterschied nicht. Wichtig ist nur, dass jeder von dem, was er für richtig hält, völlig überzeugt ist. (6) Wer einem bestimmten Tag mehr Bedeutung beimisst (einen bestimmten Tag besonders beachtet), tut dies für den Herrn. Und wer alles isst, tut dies, um den Herrn zu ehren, denn er dankt ja Gott dafür. Und wer nicht alles isst, tut dies ebenfalls, um den Herrn zu ehren. Auch er dankt Gott für sein Essen. (7) Denn keiner von uns lebt für sich selbst, und keiner stirbt für sich selbst. (8) Denn wenn wir leben, leben wir für den Herrn. Und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn. Ob wir nun leben oder sterben, wir gehören dem Herrn. (9) Denn Christus ist gestorben und wieder lebendig geworden, um sowohl über Tote als auch über Lebende zu herrschen.

(10) Wie kommst du aber dazu, deinen Glaubensbruder oder deine Glaubensschwester (deinen Bruder) zu richten? Oder auch du, warum verachtest du deine Glaubensgeschwister (deinen Bruder)? Denn wir alle werden einmal vor den Richterstuhl Gottes treten müssen. (11) Denn in Jesaja 45,23 und 49,18 steht geschrieben: "So wahr ich lebe, sagt der Herr: Vor mir wird sich jedes Knie beugen, und jeder Mund wird Gott die Ehre geben." (12) Jeder von uns wird also vor Gott für sein eigenes Tun Rechenschaft ablegen müssen. (13) Lasst uns also damit aufhören, einander zu verurteilen. Anstatt über die Glaubensgeschwister (den Bruder) zu richten, achtet viel lieber darauf, alles, was ihnen ein Hindernis sein könnte oder sie zu Fall bringen könnte, zu vermeiden.

(14) Durch Jesus, meinen Herrn, weiß und bin ich davon überzeugt, dass es nichts gibt, was an und für sich unrein ist. Nur für den, der etwas für unrein hält, ist es dann auch unrein. (15) Wenn du nun deinen Glaubensbruder oder deine Glaubensschwester (deinen Bruder) wegen einer Speise in innere Nöte stürzt, wird dein Verhalten nicht mehr von der Liebe bestimmt. Stürze ihn / sie, für den / die Christus gestorben ist, nicht durch das, was du isst, ins Verderben! (16) Bringt eure christliche Freiheit (das Gute) nicht in Verruf! (17) Denn im Reich Gottes geht es nicht um Essen und Trinken, sondern um das, was der Heilige Geist bewirkt: nämlich um Gerechtigkeit, Friede und Freude. (18) Denn wer Christus auf diese Weise dient, gefällt Gott und wird auch von den Menschen anerkannt. (19) Darum lasst uns alles daransetzen, miteinander im Frieden zu leben und uns gegenseitig im Glauben zu fördern.

(20) Zerstöre nicht das Werk Gottes wegen einer Speise! Zwar ist jede Speise rein, aber es ist schlimm, wenn jemand das, was er isst, trotz innerer Bedenken isst. (21) Wenn Fleisch, Wein oder sonst etwas deinen Glaubensbruder oder deine Glaubensschwester zu Fall bringen könnte, dann ist es am besten, auf diese Dinge ganz zu verzichten. (22) Wenn du einen starken Glauben hast, dann habe ihn für dich selbst und betrachte ihn als eine Sache zwischen dir und Gott. Zu beglückwünschen ist der, der sich im Blick auf das, was er für richtig hält, nicht selbst verurteilen muss! (23) Wer bei dem, was er isst, Gewissensbisse hat (zweifelt), ist schon verurteilt, weil er nicht aus Glauben isst. Alles, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.

(15,1) Gerade wir als die Starken im Glauben sind verpflichtet, die Schwächen der Schwachen mitzutragen, anstatt selbstgefällig nur an uns zu denken. (2) Jeder von uns soll auf seinen Mitmenschen Rücksicht nehmen, zum Guten, zur Erbauung. (3) Denn auch Christus lebte nicht selbstgefällig, sondern so, wie in Psalm 69,10 geschrieben steht: "Die Beschimpfungen, mit denen man dich, Gott, beschimpft, treffen mich." (4) Denn alles, was einst im Alten Testament geschrieben worden ist, wurde zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Standhaftigkeit und durch die vom Alten Testament gewirkte Ermutigung an der Hoffnung festhalten. (5) Gott, der Standhaftigkeit und Ermutigung schenkt, gebe euch, dass ihr untereinander eines Sinnes seid, so wie es Christus Jesus gemäß ist, (6) damit ihr einmütig - wie aus einem Mund - den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus preist. (7) Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat. Dadurch ehrt ihr Gott!


Auslegung:

Römer 14,1 - 15,7 Annahme der GlaubensschwachenAnnahme der Glaubensschwachen

Paulus räumt den Ermahnungen an die Starken (und Schwachen) im Glauben viel Platz ein. Meines Erachtens behandelt er diese Thematik von Kapitel 14,1 bis 15,7. Andere Kommentatoren definieren diesen Abschnitt von 14,1 bis 15,6 oder von 14,1 bis 15,13.

Auch in den verschiedenen Bibelübersetzungen wird unterschiedlich unterteilt. Manche geben die Verse 1-14 in Kapitel 15 zusammenhängend wieder, andere teilen den Text nach Vers 6 und neuere Bibelübersetzungen nach Vers 7.

Ich bin der Überzeugung, dass Paulus die Thematik der Starken und Schwachen im Glauben mit Kapitel 15,7 beendet. In Kapitel 14,1 begann er sie mit den Worten: "Nehmt den Schwachen im Glauben vorbehaltlos an (auf)", und in Kapitel 15,7 beendete er sie mit: "Darum nehmt einander an (auf), wie Christus euch angenommen (aufgenommen) hat."

Mit Kapitel 14,1 hat Paulus seine Ermahnung zu einem Verhalten in gegenseitigen Liebe noch nicht verlassen. Im Gegenteil, gerade in den Spannungen zwischen den Schwachen und den Starken im Glauben muss sich diese Liebe beweisen. Sollten diese Probleme bleiben, würden die Christen von Rom entgegen dieser Liebe handeln (14,15).

Im Folgenden möchte ich den Inhalt von Kapitel 14,1 bis 15,7 durch Fragen erschließen:

1 - Welche Glaubensschwachheiten und welche Glaubensstärken werden genannt?

In Kapitel 14,1 bis 15,7 nennt Paulus sowohl Glaubensschwachheiten als auch Glaubensstärken beim Namen. Es geht dabei auch nicht nur um eine Schwachheit und / oder Stärke, sondern um mehrere.

1.1 - Die Glaubensschwachheiten

  • Kein Fleisch! - In den Versen 2, 3+21 nennt Paulus eine Schwachheit, die mit dem Essen zu tun hat. Der Schwache enthält sich von Fleisch und isst nur Gemüse. Er ist also aus religiösen Gründen Vegetarier und verzichtet deshalb auf jegliches Fleisch, weil die Tiere nicht auf jüdische Art geschlachtet (geschächtet) wurden und das Fleisch von daher unrein (21) war, weil es noch Blut enthielt (3. Mose 17,10ff).
  • Kein Wein! - Nicht nur in Bezug auf das Essen gibt es Glaubensschwachheiten. Manche Christen der römischen Gemeinde tranken Wein, die Schwachen im Glauben enthielten sich davon (17+21). Man könnte sie als Antialkoholiker aus religiösen Gründen betrachten. Eventuell tranken die Glaubensschwachen deshalb keinen Wein, weil sie sich nicht sicher waren, woher er kam, ob es Götzenopferwein (und dadurch für sie unrein) war oder nicht.
  • Keine sieben Tage Woche! - Natürlich hatte für die Schwachen im Glauben die Woche auch sieben Tage. Allerdings war es eher eine sechs plus eins Tage Woche, denn wahrscheinlich maß man dem Sabbat eine besondere Bedeutung zu (5+6) (mit ziemlicher Sicherheit ging es dabei aber nicht nur um den Sabbat, sondern um alle jüdischen Fest- und Fastentage des ganzen jüdischen Kalenders (Galater 4,10)). Die Glaubensschwachen waren Sabbatisten aus religiösen Gründen.

Es ist deutlich, dass die Glaubensschwachheiten der (Juden-) Christen von Rom durch ihre jüdischen Lebensgewohnheiten hervorgerufen wurden und von der Befolgung des mosaischen Gesetzes herrührten.

1.2 - Die Glaubensstärken

  • Essen Fleisch! - Die Glaubensstarken haben keine Mühe damit, ob nun das Fleisch, das sie essen, geschächtet wurde oder eben nicht. Für sie gab es kein unreines Fleisch (2,3+21).
  • Trinken Wein! - Auch in Bezug auf eventuell "unreinen" Wein waren sie nicht empfindlich. Auch Trinken konnte für sie nicht unrein sein (17+21).
  • Kein Sabbat! - Alle Tage waren für die Glaubensstarken gleich. Ob Sabbat, Fasten- oder Festtag - das mosaische Gesetz gehörte zum Alten Bund mit Israel, im Neuen Bund gilt das Gesetz Christi, in dem das mosaische Gesetz erfüllt ist und dessen Anforderungen eine viel tiefere Dimension haben.

Auch wenn Paulus in Vers 1 ermahnt, dass die Starken im Glauben über diese Themen mit den Schwachen im Glauben nicht streiten sollen, muss an dieser Stelle dennoch betont werden, dass aufgrund der Aussagen von Vers 14, 16 und 20 der Inhalt der Glaubensstärke nichts mit Sünde zu tun hat und dass sie wahre christliche Freiheit ist!

2 - Was genau ist Glaubensschwäche und was genau Glaubensstärke?

2.1 - Definition Glaube

GlaubensschwachheitLassen Sie uns zunächst einmal den hier angesprochenen "Glauben" definieren. Nach Vers 5 ist er ein "Völliges überzeugt sein". Auch Vers 14 spricht von einer Überzeugung. Der Träger einer gewissen Glaubensüberzeugung hält sein Tun für richtig (22). Er handelt, ohne dabei irgendwelche inneren Bedenken zu haben (20). Er zweifelt auch nicht an der Richtigkeit seines Tuns (hat keine Gewissensbisse) (23). Dies gilt sowohl für die Schwachen im Glauben als auch für die Starken.

2.2 - Gewissen, Erkenntnis & Gewohnheit

Dass das Gewissen tatsächlich etwas mit unserer Thematik zu tun hat, belegt 1. Korinther 8,7. Dort sagt Paulus, dass das "schwache Gewissen" des Glaubensschwachen durch ein Handeln, das nicht seiner Glaubensüberzeugung entspricht, belastet wird. Außerdem bringt Paulus die Glaubensschwäche auch mit der Erkenntnis in Verbindung. Die Erkenntnis der Glaubensstarken ist zwar da, aber Glaubensschwache können sie sich nicht ganz zu eigen machen und / oder haben Mühe, die Konsequenz aus ihrer Erkenntnis zu ziehen. Das Problem dabei sind alte Vorstellungen (Gewohnheiten), die bei Zuwiderhandlung ihr Gewissen, das ja geprägt ist und sich irren kann (1. Korinther 4,4), belasten. Das Gewissen der Korinther war vom Heidentum geprägt, das der Römer vom Judentum. Betonen möchte ich, dass aufgrund dieser Bibelstelle, die Erkenntnis der Starken im Glauben richtig ist und auch ihr Gewissen die richtige Prägung hat.

Bezüglich der Erkenntnis macht aber unser Abschnitt aus dem Römerbrief eher den Eindruck, dass hier zwei verschiedene Erkenntnisse aus zweierlei Heilsepochen Probleme bereiten. Die Judenchristen von Rom waren eben auch Juden, die das mosaische Gesetz erfüllen wollten. Dass es dabei zu Glaubensüberzeugungsproblemen kommen muss, liegt auf der Hand. Das mosaische Gesetz gebietet zum Beispiel den Sabbat und die Beachtung von Speisen (Fleisch). Nach dem Gesetz Christi gibt es keine unreinen Speisen mehr und das Sabbatgebot hat eine viel tiefere Dimension, nämlich die, jeden Tag in der Ruhe (aus Glauben) zu leben (Hebräer 4).

2.3 - Gesinnung

In Vers 6 beschreibt Paulus die Gesinnung der Glaubensschwachen und auch der Glaubensstarken. Was sie tun, tun sie Gott zuliebe und um ihn zu ehren.

2.4 - Abgrenzungen gegenüber Gesetzlichkeit, christlicher Freiheit & Sünde

Ganz anders handelten die galatischen Christen. Sie beachteten Tage, Monate, bestimmte Zeiten und Jahre sehr streng (Galater 4,8-10). Und wer dies nicht tat, dessen Heilsgewissheit war dahin. Mit anderen Worten: In Galatien wurde gelehrt, dass nicht Jesus allein rettet, sondern Jesus und das Halten des mosaischen Gesetzes das Heil bewirkt. Deshalb befürchtete Paulus, dass seine Arbeit an diesen Menschen umsonst war. Hier war nämlich nicht Glaubensschwäche am Werk, sondern Gesetzlichkeit (nicht Jesus allein rettet, sondern Jesus und ... rettet), die das Evangelium zunichtemacht (Galater 1,6-8).

Viele Christen bezeichnen Glaubensschwäche als Gesetzlichkeit. Aber das ist sie nicht. Aus Glaubensschwäche kann zwar sehr schnell Gesetzlichkeit werden, aber echte Glaubensschwäche handelt in der Gesinnung "Gott zuliebe" und "um ihn zu ehren".

Genauso wie Gesetzlichkeit falsch definiert wird, geschieht dies auch mit der sogenannten christlichen Freiheit. Ja, Glaubensstärke ist wahre christliche Freiheit (1. Korinther 10,29). Aber in christlichen Kreisen bezeichnet man gerne die Freiheit, das Gesetz Christi außer Acht zu lassen, als christliche Freiheit. Petrus würde diese Freiheit eine "Freiheit unter dem Deckmantel der Bosheit" nennen (1. Petrus 2,16). Paulus lehrt in Galater 5,13, dass Christen ihre Freiheit nicht als Anlass für das Fleisch missbrauchen sollen. In unserem Abschnitt schreibt Paulus in Vers 22: "Zu beglückwünschen ist der, der sich im Blick auf das, was er für richtig hält, nicht selbst verurteilen muss (also eine falsche Freiheit beziehungsweise Glaubensstärke lebt)!" Wahre christliche Freiheit ist die Freiheit, nicht zu sündigen. Sie lebt in der Gebundenheit an Gott.

In unserem Abschnitt schreibt Paulus, dass sowohl Glaubensschwäche als auch Glaubensstärke ein Handeln oder Unterlassen aufgrund einer Glaubensüberzeugung ist. Alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde (23). Mit anderen Worten: Der Glaubensschwache und auch der Glaubensstarke sündigen nicht und Glaubensschwäche und Glaubensstärke ist auch keine Sünde (höchsten in der Art und Weise der Ausübung gegenüber dem Glaubensschwachen)!

2.5 - Glaubensschwäche, die keine Glaubensschwäche ist und Glaubensstärke, die keine Glaubensstärke ist

Unter 1.4 haben wir gesehen, dass Glaubensschwäche keine Gesetzlichkeit ist und Glaubensstärke nicht für eine falsche christliche Freiheit herhalten darf. Und sowohl der Inhalt von Glaubensschwäche als auch der von Glaubensstärke ist keine Sünde.

Es gibt aber auch Glaubensschwäche, die bei genauer Betrachtung noch aus anderen Gründen keine Glaubensschwäche ist. Dasselbe gilt auch für Glaubensstärke. In Kolosser 2,8-23 berichtet Paulus zum Beispiel von Irrlehrern, die "Glaubensschwächen" (Essen, Trinken, Feste, Neumonde, Sabbate - 16) in die Gemeinde hineintragen und dies und jenes verbieten (21). Und hier ermahnt Paulus nicht zur gegenseitigen Annahme, sondern er schreibt: "Nehmt euch vor diesen Scheinheiligen (23) und betrügerischen Philosophen (8) in acht!"

Auch in 1. Timotheus 4,1-11 wird von Irrlehrern gesprochen. Und Paulus ermahnt auch hier nicht zur Annahme der "Glaubensschwachen"! Im Gegenteil, Timotheus soll diese gottlosen und kindischen Spekulationen ablehnen.

Im 1. Korintherbrief behandelt Paulus ebenfalls die Thematik der Glaubensschwäche und der Glaubensstärke. Dort war es für die Glaubensstarken kein Problem, Götzenopferfleisch zu essen. Und tatsächlich entspricht das Essen von Götzenopferfleisch wahrer christlicher Freiheit. Wahrscheinlich dieselben Glaubensstarken hatten auch keine Probleme damit, am Götzendienst teilzunehmen. Das aber ist in den Augen Gottes keine Glaubensstärke, sondern "ein den Herrn zur Eifersucht reizen" (1. Korinther 10,22).

Diese Beispiele machen deutlich, dass es sowohl Glaubensschwäche als auch Glaubensstärke gibt, die den Anschein von Glaubensschwäche oder Glaubensstärke haben. Aber sie sind weder Glaubensschwäche noch Glaubensstärke. Und wenn Christen solche vermeintlichen Glaubensschwächen und / oder Glaubensstärken leben, geht es nicht darum, sie anzunehmen, sondern sich vor deren Lehrern in acht zu nehmen, ihre Botschaft abzulehnen, die Glaubensgeschwister mit der Wahrheit zu belehren und sie auf den Weg des Evangeliums zurückzuführen!

Diese Informationen dürften nun genügen, sowohl die Glaubensschwäche als auch die Glaubensstärke zu definieren:

Definition Glaubensschwäche:

Glaubensschwach sind diejenigen Christen, welche aufgrund einer oder mehrerer Glaubensüberzeugungen und aus Liebe zu Gott und um ihn zu ehren "übergehorsam" sind. Ihr Übergehorsam in diesen Glaubensüberzeugungen kann verschiedene Ursachen haben, wie zum Beispiel: Prägung durch eine andere biblische Heilsepoche (10 Gebote zu Gesetz Christi), Prägung durch das Heidentum (Götzenopferfleisch), Erkenntnis, die man sich nicht ohne Gewissensbisse zu eigen machen kann (Zweifel, Bedenken, schwaches Gewissen), ... Ihre Glaubensschwäche ist weder Gesetzlichkeit noch Sünde und darf auch nicht mit scheinbarer Glaubensschwäche (zum Beispiel Irrlehre) verwechselt werden.

Definition Glaubensstärke:

Glaubensstark sind diejenigen Christen, welche aufgrund einer oder mehrerer Glaubensüberzeugungen und aus Liebe zu Gott und um ihn zu ehren gehorsam sind. Ihr Gehorsam ist in diesen Glaubensüberzeugungen allein dem Gesetz Christi gemäß. Ihre Glaubensstärke ist weder eine falsche christliche Freiheit noch Sünde und darf auch nicht mit scheinbarer Glaubensstärke (zum Beispiel Irrlehre) verwechselt werden.

WICHTIG! Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass Glaubensschwache nicht generell glaubensschwach sind. Bei etwas anders gelagerten Glaubensüberzeugungen können diese sogar bis in die scheinbar glaubensstarke Glaubensstärke hineinreichen. Anders herum habe ich auch schon Glaubensstarke erlebt, welche bei anderen Glaubensüberzeugungen sogar zur Gesetzlichkeit neigten!

3 - Forderungen an / Regeln für die Glaubensstarken

In Römer 14,1 bis 15,7 stellt Paulus 9 Forderungen bezüglich der Glaubensschwachen an die Glaubensstarken der Christen von Rom. Aus ihnen ergeben sich 9 Regeln eines Verhaltens der Liebe gegenüber den Glaubensschwachen.

  • 3.1 - Regel Nr. 1: Nehmt den Schwachen im Glauben vorbehaltlos an und streitet nicht mit ihm über seine Ansichten (14,1+15,7)!

    Manche Bibelübersetzungen haben sich bei der Wiedergabe des Textes für die zweite Möglichkeit entschieden und übersetzen mit: "Nehmt den Schwachen im Glauben auf!" Demnach ermahnt Paulus dazu, die Schwachen im Glauben in die Gemeinschaft aufzunehmen. Aber sie gehören ja schon zur christlichen Gemeinde von Rom, auch wenn da gewisse Vorbehalte herrschen (dieselbe Ermahnung ergeht in 15,1 an beide Gruppen). Ich bin der Überzeugung, dass Paulus dieses "Aufnehmen" im allgemeineren Sinne von anerkennen und annehmen meint. Die Starken im Glauben sollen die Schwachen nicht ablehnen und sich von ihnen distanzieren, sondern sie sollen auf sie zugehen. Dieses Zugehen darf aber nicht so sein, dass man sich dann mit dem Schwachen über dessen Ansichten streitet. Der Glaubensstarke soll im Annehmen des Schwachen dessen Glaubensüberzeugung respektieren.
  • 3.2 - Regel Nr. 2: Verachtet den Schwachen im Glauben nicht (14,3a+10b)!

    Der Schwache im Glauben ist für die Starken gerne ein Mensch, dem man aus dem Weg geht und den man gerne links liegen lässt. Sein Übergehorsam oder seine Glaubensenge bereiten Probleme im Umgang miteinander. Deshalb meidet man den Kontakt und schaut in gewisser Weise auf die Schwachen herab. Diese Verachtung ist lieblos, weshalb Paulus zur Achtung der Schwachen ermahnt.
  • 3.3 - Regel Nr. 3: Verurteilt den Schwachen im Glauben nicht (14,13a)!

    Die Verse 10c-12 machen unmissverständlich klar, dass Christen vor den Richterstuhl Gottes (siehe unter Anwendung) treten müssen. Dort legen sie für ihr Tun Rechenschaft ab. Und dort wird dieses Tun beurteilt. Allein Gottes Urteil ist maßgebend. Deshalb muss das christlich-menschliche Urteilen aufhören.
  • 3.4 - Regel Nr. 4: Vermeidet alles, was den Schwachen im Glauben behindern oder gar zu Fall bringen könnte (14,13b+21)!

    Nach Vers 21 heißt dies ganz praktisch, im Angesicht des Schwachen auf alles zu verzichten, was ihn zu Fall bringen könnte.
  • 3.5 - Regel Nr. 5: Betrübt den Schwachen im Glauben nicht (14,15a)!

    Der Starke darf den Schwachen im Glauben nicht in innere Nöte bringen. Dies schließt ein Bedrücken (Kränken) und Traurig machen mit ein. Wenn der Starke so handelt, dann führt er sein christliches Leben nicht nach dem Grundsatz der Liebe und ist von daher lieblos.
  • 3.6 - Regel Nr. 6: Stürzt den Schwachen im Glauben nicht ins Verderben (14,15b)!

    Wie kann der Starke den Schwachen ins Verderben stürzen? Indem er seinen Glauben ins Wanken bringt, dadurch sein geistliches Leben abtötet und ihn zur Sünde verführt. Aber dafür ist Christus gestorben und Christus ist auch für den Schwachen gestorben und hat ihm dieses geistliche Leben gegeben. In den Versen 16-20 führt Paulus weiter aus, dass das neue Leben sichtbar gemacht werden soll. Dies geschieht nicht mit Essen und Trinken, sondern dadurch, dass man dem, was der Heilige Geist bewirken möchte, Raum gibt. Das Reich Gottes auf Erden offenbart sich in Gerechtigkeit, Friede und Freude.

    In Bezug auf den Schwachen heißt dies,

    - dass der Starke sich um das rechte Verhältnis (Gerechtigkeit) zum Schwachen bemüht und damit ein Leben in der Liebe praktiziert (14,15),
    - dass er den Unfrieden, der zwischen ihm und dem Schachen herrscht, beseitigt (Friede) (14,1)
    - und dass er alles vermeidet, was den Schwachen in innere Nöte (betrübt, nicht freut) stürzen könnte (Freude) (14,15a).

    Wer Christus auf diese Weise dient, gefällt Gott und wird auch von Menschen anerkannt (18).

    In Vers 16 habe ich "das Gute" als "christliche Freiheit" interpretiert. Andere verstehen unter "dem Guten" "das Heil". Im Textzusammenhang ergeben sich daraus zwei Bedeutungen:

    - Die an und für sich biblische christliche Freiheit wird durch die unsensible Art und Weise des Auslebens in Verruf gebracht.
    - Oder das Heil (und damit auch das Reich Gottes) wird durch die unsensible Art und Weise des Auslebens der Glaubensstärke in Verruf gebracht.

    Letztlich trifft meines Erachtens beides zu.
  • 3.7 - Regel Nr. 7: Lebt mit dem Schwachen im Glauben in Frieden (14,19a)!

    Der Starke muss alles daran setzen, mit dem Schwachen in Frieden zu leben.
  • 3.8 - Regel Nr. 8: Auferbaut den Schwachen im Glauben (14,19b)!

    Wer seine Glaubensstärke vor dem Schwachen zur Schau stellt, zerstört ihn (20). Aber der Starke soll ihn nicht zerstören, sondern auferbauen. Er soll ihn im Glauben weiterbringen und fördern, doch nicht auf die Weise, dass er mit ihm über dessen Ansichten streitet (14,1)!
  • 3.9 - Regel Nr. 9: Tragt die Schwachheiten des Schwachen im Glauben mit (15,1)!

    Wenn der Starke diese Regel nicht beachtet, dann trägt er seine Stärke vor dem Schwachen selbstgefällig zur Schau. Aber der Starke ist ja glaubensstark und kann von daher die Schwachheiten mittragen und den Schwachen dadurch entlasten. Ein solches Verhalten geht weit über das Tolerieren des Schwachen hinaus. Wenn der Starke mitträgt,

    - dann lebt er nicht sich selbst (14,8), sondern will Gott gefallen (14,18),
    - dann vermeidet er alles, was den Schwachen zu Fall bringen könnte (14,13) und verzichtet lieber ganz darauf (14,21),
    - und dann ist er nicht so sehr darauf bedacht, die Schwäche durch Fürbitte zu überwinden, sondern mit dem Schwachen gemeinsam und einmütig Gott zu preisen (15,6)!

4 - Forderungen an / Regeln für die Glaubensschwachen

In Römer 14,1 bis 15,7 stellt Paulus nicht nur Forderungen für die glaubensstarken Christen von Rom auf. Er wendet sich auch mit 4 Forderungen an die Glaubensschwachen, aus denen sich 4 Regeln eines Verhaltens der Liebe gegenüber den Glaubensstarken ergeben.

  • 4.1 - Regel Nr. 1: Verurteilt den Starken im Glauben nicht (14,3b)!

    Während der Glaubensstarke dazu neigt, auf den Glaubensschwachen herabzuschauen, verurteilt der Glaubensschwache gerne den Glaubensstarken. Insbesondere dann, wenn der Glaubensschwache versucht, das mosaische Gesetz christlich zu deuten, wird er, wenn der Starke zum Beispiel den Sonntag nicht hält (wobei meines Erachtens der Tausch des Sabbatgebotes in ein Sonntagsgebot von Gott her unzulässig ist), den Starken in der Weise verurteilen, dass dieser mutwillig sündigt. Das soll nicht so sein, denn Christus hat den Starken angenommen und ist des Starken Herr. Entweder der Starke bewährt sich, oder er versagt. Aber so weit kommt es erst gar nicht, denn Christus hat die Macht und wird dafür sorgen, dass der Starke besteht. Insofern kann und darf der Schwache den Starken nicht verurteilen (14,3+4).

    Aber auch die Starken verurteilen / richten die Schwachen. Doch beide müssen sich vor dem Richterstuhl Gottes verantworten. Und deshalb sagt Paulus zu beiden: "Hört damit auf! (14,10-13)!"
  • 4.2 - Regel Nr. 2: Lebt mit dem Starken im Glauben in Frieden (14,19a)!

    Dieselbe Forderung stellte Paulus auch an die Starken (14,19a). Das muss das gegenseitige Streben der Schwachen und Starken sein. Alles, was zwischen ihnen Frieden schafft, muss in Angriff genommen werden. Das Reich Gottes ist Friede, der Heilige Geist wirkt Friede und wer Christus auf diese Weise dient, gefällt Gott und findet auch bei den Menschen Anerkennung (14,17+18).
  • 4.3 - Regel Nr. 3: Auferbaut den Starken im Glauben (14,19b)!

    Viele Starke im Glauben sind der Überzeugung, dass Schwache im Glauben nicht dazu in der Lage sind, sie im Glauben weiter zu bringen und zu fördern. Doch das ist ein Trugschluss. Paulus ermahnt die Schwachen genau hierzu. Es muss auch ein Anliegen der Schwachen sein, die Starken im Glauben aufzuerbauen, nicht indem sie ihnen ihre Schwachheit überstülpen wollen, sondern indem "Reich-Gottes-Angelegenheiten" vorangetrieben werden (Gerechtigkeit, Friede, Freude) und auf das Wirken des Heiligen Geistes eingegangen wird (14,17).
  • 4.4 - Regel Nr. 4: Nehmt den Starken im Glauben ohne Vorbehalte an (15,7)!

    Auch von Seiten der Schwachen geschieht Ablehnung und Distanzierung. Deshalb ermahnt Paulus auch sie, auf die Starken zuzugehen und deren Glaubensüberzeugung zu respektieren.

In Kapitel 15,5+6 formuliert Paulus einen Gebetswunsch für die Starken und Schachen. Er schreibt: "Gott, der Standhaftigkeit und Ermutigung schenkt, gebe euch, dass ihr untereinander eines Sinnes seid, so wie es Christus Jesus gemäß ist, damit ihr einmütig - wie aus einem Mund - den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus preist."

5 - Grundsatzerklärungen

In unserem Abschnitt formuliert Paulus auch einige sehr hilfreiche Grundsätze:

  • 14,14: An sich ist nichts unrein! Dieser Grundsatz steht so felsenfest, dass Paulus darauf verweist, dass nicht nur er davon überzeugt ist, sondern dass ihm Jesus das gesagt hat! Wichtig ist dabei aber die Ausnahme. Wenn nämlich der Schwache etwas für unrein hält, ist es ihm auch unrein (14,20b).
  • 14,17: Wenn es um das Aufrichten des Reiches Gottes geht, dann geht es nicht um Essen und Trinken (Schwachheiten und Stärken)! Diesen Grundsatz bekräftigt und begründet Paulus in Vers 18 und zeigt auch die Auswirkungen auf: "Denn wer Christus auf diese Weise dient, gefällt Gott und wird auch von den Menschen anerkannt."
  • 14,23: Wenn ein Schwacher im Glauben das für ihn unreine isst, sündigt er! Der Schwache sündigt nur dann nicht, wenn er seine Glaubensschwachheit überwunden hat. Er muss zu dem, was er tut, Glaubensgewissheit haben!

6 - Das Essen von Götzenopferfleisch

Nicht nur in der römischen Gemeinde gab es liebloses Verhalten zwischen den Starken und den Schwachen im Glauben. Auch in Korinth führte diese Problematik zu Auseinandersetzungen. Allerdings war dort nicht der jüdische Hintergrund der Auslöser für die Schwachheiten, sondern der Heidnische. Die Heidenchristen wussten darum, was mit dem Fleisch, bevor es auf dem Markt verkauft wurde, geschah. Man schlug damals zwei Fliegen mit einer Klappe. Zunächst opferte man das Fleisch den Götzen und hinterher verkaufte man es auf dem Markt.

Den Text zur Schwachheit bezüglich des Götzenopferfleisches finden Sie in 1. Korinther 8,1-9+13 und 10,23-11,1. Ich gehe hier nur am Text entlang und mache ein paar Anmerkungen.

6.1 - Das Problem "Götzenopferfleisch"

8,1.4.8.9+13: Die Gemeindeglieder mit starkem Gewissen (Freiheit, Erkenntnis) essen Götzenopferfleisch.

  • 6.1.1 - Woher nehmen diese ihre Freiheit?

    - 8,4: Sie haben die Erkenntnis, dass es keine Götzen gibt, sondern nur einen einzigen Gott.
  • 6.1.2 - Und die Anderen?

    - 8,7: Die haben diese Erkenntnis im Grunde genommen auch, können aber nicht die Konsequenz daraus ziehen und sich diese Erkenntnis zu eigen machen. Ihre ehemalige Vorstellung und Gewohnheit hindert sie daran, ihre Erkenntnis ins Leben umzusetzen. Das würde ihr empfindliches Gewissen belasten.
  • 6.1.3 - Wie soll sich der Starke (der mit der Freiheit) gegenüber dem Schwachen verhalten?

    - 8,9+10,32: Seine Freiheit darf für den Gewissensschwachen weder zum Hindernis werden, noch ihn zu Fall bringen.
    - 8,13: Er soll lieber auf das Götzenopferfleisch verzichten, als den Gewissensschwachen zur Sünde zu verführen.
    - 10,23: Er soll dem Gewissensschwachen zur Erbauung / Förderung dienen.
    - 10,24: Er soll nicht sich, sondern den Gewissensschwachen im Vordergrund sehen.
    - 10,28-30: Er soll das Gewissen des Schwachen nicht verletzen und deshalb auf das Essen des Götzenopferfleisches verzichten.
  • 6.1.4 - Wie kann sich der Gewissensschwache selbst helfen?

    - 10,25+26: Er soll, wenn er Fleisch kauft, nicht nachfragen, woher es kommt. Er soll keine Gewissenssache daraus machen. Einfach kaufen und essen.
    - 10,27: Er soll auch nicht, wenn er bei Ungläubigen zum Essen eingeladen ist, keine Nachforschungen über die Herkunft des Fleisches anstellen.

Eventuell haben Sie bemerkt, dass Kapitel 8,7 sehr verschieden übersetzt wird. Bei einigen Übersetzungen hat man den Eindruck, dass die Gewissensschwachen eben die Erkenntnis der Starken nicht teilen können. Andere - auch ich - übersetzen in die Richtung, dass die Gewissensschwachen zwar die Erkenntnis haben, aber sie sich diese nicht zu eigen machen können, weil sie noch in alten Vorstellungen und Gewohnheiten verhaftet sind. Die Hilfen, die Paulus den Gewissensschwachen gibt, bestätigen die Richtigkeit der Übersetzungen, die davon ausgehen, dass die Gewissensschwachen keine Erkenntnisprobleme hatten. Im Grunde genommen wussten sie, dass wohl das meiste Fleisch Götzenopferfleisch war. Aber das Unterlassen der Fragerei nach der Herkunft konnte / könnte ihnen helfen, diese Gewissensschwäche zu überwinden.

Wenn Sie den weiter oben angegebenen Text ganz gelesen haben, dann haben Sie sicherlich bemerkt, dass nicht nur vom Götzenopferfleisch die Rede war, sondern auch von der Teilnahme an der Tischgemeinschaft im Götzentempel. War diese wirklich gelebte christliche Freiheit? Oder waren hier die Gewissensschwachen im Recht?

6.2 - Das Problem "Götzenopfermahl"

8,10: Die Gemeindeglieder mit großer Freiheit nahmen am Götzenopfermahl (der Tischgemeinschaft im Götzentempel) teil.

  • 6.2.1 - Woher nahmen sie die Freiheit?

    - 8,4+10: Aus der Erkenntnis, dass es keine Götzen gibt! Es gibt nur einen einzigen Gott!
    - 10,19: Weder das Götzenbild ist das, was sich der heidnische Anbeter darunter vorstellt, noch ist das Götzenopferfleisch wirkliches Götzenopferfleisch. Das Fleisch ist auch nach dem Opfer nur Fleisch und der Götze ist nur ein Gegenstand.
  • 6.2.2 - Wieso ist die Teilnahme an der Tischgemeinschaft im Götzentempel keine christliche Freiheit?

    - 10,20: Weil Dämonen geopfert wird! Wer also durch das Götzenopfermahl am Götzendienst teilnimmt, hat dadurch Gemeinschaft mit Dämonen.
    - 10,21: Weil ein Christ nicht sowohl den "Kelch des Herrn" und der "Dämonen Kelch" trinken kann. Diese scheinbare christliche Freiheit ist keine christliche Freiheit. Es muss zum Bruch kommen.
  • 6.2.3 - Wie wirkt sich diese Scheinfreiheit auf den Gewissensschwachen aus?

    - 8,10: Er wird dazu verleitet, gegen seine Glaubensüberzeugung zu handeln und dasselbe zu tun.
    - 8,11: Er kommt dadurch zu Fall.
    - 8,12: Sein schwaches Gewissen wird misshandelt.
    - 8,13: Er wird zur Sünde verführt.
  • 6.2.4 - Was ist diese Schein-Freiheit?

    - 8,12: Ein Versündigen am Gewissensschwachen und an Christus!

7 - Was Glaubensschwachheit auf gar keinen Fall ist!

Wir haben bereits gesehen, dass Glaubens- oder Gewissensschwachheit auch alles andere als Schwachheit sein kann. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nochmals einige Dinge nennen, die auf gar keinen Fall unter dem Begriff Glaubens- oder Gewissensschwachheit abgeheftet werden dürfen:

  • Gesetzlichkeit,
  • Werkgerechtigkeit,
  • ein Eingehen auf Irrlehre,
  • liberale Theologie,
  • Erkenntnisverweigerung,
  • Gehorsamsverweigerung,
  • falsche Gesinnung,
  • "Schwachheit" aus anderen Gründen (zum Beispiel: Vegetarier aus gesundheitlichen Gründen),
  • Sünde, ...

8 - Glaubensschwachheiten heute!

Nahezu 2.000 Jahre sind seit dem Schreiben des Neuen Testamentes vergangen. Trotzdem sind auch heute noch einige der Glaubensschwächen jener Zeit vorhanden. Aber es sind natürlich auch Neue hinzugekommen. Einige möchte ich hier nennen:

  • am Freitag kein Fleisch / keine Wurst essen,
  • keine Blutwurst essen,
  • keinen Alkohol trinken,
  • kein Kartenspielen mit bestimmten Spielkarten,
  • kein Weihnachten feiern,
  • kein Ostern feiern,
  • Kopftuch tragen im Gottesdienst,
  • Kleidung, Haare und Schmuck bei Frauen,
  • verschiedene medizinische Vorgehensweisen,
  • der Sonntag ist ein besonderer Tag,
  • kein Schweinefleisch essen,
  • Geschlechtsverkehr nur zur Zeugung von Kindern, ...

All diese Schwachheiten können auch einen ganz anderen Hintergrund haben. Es können Irrlehren, Gesetzlichkeiten, usw. sein. Falls es tatsächliche Glaubensschwachheiten sind, rühren sie aus mangelnder Erkenntnis oder aus Erkenntnis, die man sich nicht zu eigen machen kann, oder aus einer mangelnden Unterscheidung von biblischen Heilsepochen, oder durch eine Gewohnheit oder eine Prägung durch das Elternhaus, die Umwelt, Erziehung, Schule, Judentum, ..., oder durch ein schwaches Gewissen, oder durch ...

Insbesondere wenn die Schwachheit Erkenntnisse, die man sich nicht zu eigen machen kann und deren Auswirkungen in Richtung Schwachheiten man sich erfragt, ist die unter 6.1.4 genannte Selbsthilfe sehr hilfreich. Auf das Weihnachtsfest angewandt würde dies zum Beispiel bedeuten, dass man eben nicht in der Vergangenheit nach der Herkunft usw. herumforscht, sondern das Fest eben christlich feiert. Am Anfang meines Glaubenslebens hatte ich eine Glaubensschwäche wegen Blutwurst. Bei mir verschwand sie mit dem Lesen einer einzigen Bibelstelle.

Grundsätzlich gilt aber in Bezug auf Starke und Schwache im Glauben das, was Paulus uns im Römer- und 1. Korintherbrief lehrt!

9 - Fragen an Glaubensschwache und zu Glaubensschwachheiten, die geklärt werden sollten!

Ich muss zugeben, dass mir Glaubensschwache oft große Mühe bereiten. Ich kann nur sehr schwer damit umgehen. Insbesondere dann,

  • wenn die Gemeindeleitung einige Glaubensschwachheiten aufweist,
  • wenn Glaubensschwachheiten (von der Kanzel) gelehrt werden
  • und wenn Glaubensschwache mit ihren Schwachheiten missionieren!

Letztere ermahnt Paulus, dies nicht zu tun, was sie oft recht wenig stört. Aber was ist, wenn die Gemeindeleitung von Glaubensschwachheiten dermaßen überzeugt ist, dass diese dauernd gepredigt werden und die Gemeinde von oben herab zu einer Gemeinschaft der Glaubensschwachen umgelehrt wird? Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies im Sinne Gottes ist, und bin davon überzeugt, dass man dann auch darüber reden muss.

Manchmal ist es auch notwendig, abzuklären, ob die betroffene Person wirklich glaubensschwach oder eben etwas anderes ist. Da ist es wichtig, zu erfragen,

  • weshalb dieser "Übergehorsam" praktiziert
  • und in welcher Gesinnung er ausgeübt wird.

Eventuell kann man dann bei echter Glaubensschwäche mit dem biblischen Rat aus 6.1.4 weiter helfen. Auf der anderen Seite kann auf diese Weise falsche (unechte) "Glaubensschwäche" aufgedeckt und entgegengewirkt werden.


Anwendung (Exkurs):

Der Richterstuhl Gottes / Miterben mit Christus

Schon mehrere Male habe ich Sie mit dem Hinweis auf die Auslegung zu Römer 14,10 vertröstet. Nun ist es endlich soweit. Beginnen wir mit den beiden Bibelstellen aus dem Römerbrief:

  • (8,17) Wenn wir aber Kinder sind, sind wir auch Erben - Erben Gottes und Miterben mit Christus. Miterben mit Christus werden wir allerdings nur, wenn wir jetzt mit ihm leiden. Dann werden wir auch mit ihm mitverherrlicht werden.
  • (14,10-12) Wie kommst du aber dazu, deinen Glaubensbruder oder deine Glaubensschwester (deinen Bruder) zu richten? Oder auch du, warum verachtest du deinen Glaubensbruder oder deine Glaubensschwester (deinen Bruder)? Denn wir alle werden einmal vor den Richterstuhl Gottes treten müssen. (11) Denn in Jesaja 45,23 und 49,18 steht geschrieben: "So wahr ich lebe, sagt der Herr: Vor mir wird sich jedes Knie beugen, und jeder Mund wird Gott die Ehre geben." (12) Jeder von uns wird also vor Gott für sein eigenes Tun Rechenschaft ablegen müssen.

Miterben Christi

In Kapitel 8,17 schreibt Paulus, dass Christen auf jeden Fall Erben Gottes sind. Miterben Christi sind sie allerdings nur dann, wir sie mit Christus leiden. Dann werden sie auch mit ihm mitverherrlicht werden.

Aufgrund dieser Aussagen müssen wir noch auf folgende Aussagen näher eingehen:

  • (Nur) Das Miterben der Christen mit Christus ist an eine Bedingung geknüpft.
  • Das Miterben mit Christus hängt mit dem Mitverherrlicht werden mit Christus zusammen.

Richterstuhl Gottes

In Kapitel 14,10-12 lehrt Paulus, dass Christen für Ihr Tun (als Christen) vor dem Richterstuhl Gottes Rechenschaft ablegen müssen. Daraus ergibt sich die Frage:

  • Laut Johannes 5,24 kommen Christen nicht ins Gericht. Widerspricht sich die Bibel, oder heißt dies, dass Christen nicht in das von Johannes genannte Gericht kommen, stattdessen aber vor den Richterstuhl Gottes, der für ein anderes Gericht steht?

Beginnen wir mit der an eine Bedingung geknüpften Miterbschaft mit Christus.

Mitleiden mit Christus?!

Viele Christen glauben an die Lehre der Heilsgewissheit. Auch wenn es dieses Wort im Neuen Testament so nicht gibt, lehrt es dennoch den Inhalt dieses Begriffs (darüber habe ich in diesem Kommentar schon oft geschrieben). Dennoch kommen ehrliche Christen immer wieder ins Straucheln. "Heilsgewissheit ja", sagen sie, "aber ...". Und dann zählen sie Bibelstellen auf, welche die Heilsgewissheit ins Wanken bringen, zum Beispiel: Hebräer 6,6-8; 10,25-29 und 12,25. Einige helfen sich dann dadurch, dass sie davon ausgehen, dass in jenen Stellen nicht von Christen gesprochen wird, oder von Scheinchristen, die keine wirklichen Christen sind. Aber beide Auslegungen sind meines Erachtens nicht haltbar. Können Christen dann doch verloren gehen?

Nun, die Frage muss leicht verändert gestellt werden. Wenn schon verloren, dann ginge es um "abgefallene" Christen. Es ginge um Christen, die den Weg der Heiligung verlassen haben, in Sünde leben und / oder von Ihrem Leben als Christ / von Christus nichts mehr wissen wollen. Haben diese ihre Heilsgewissheit "verspielt"?

Zunächst einmal möchte ich dazu sagen, dass solche Christen, um es mit Römer 8,17 zu sagen, den Weg des Mitleidens mit Christus verlassen haben. Und wenn man dies so sagen kann, dann würde dies bedeuten, dass diese Christen zwar noch Erben Gottes sind, aber das Miterben mit Christus (wenn es vor dem Tod nicht mehr zu einer Zeit in der Umkehr kam) tatsächlich "verspielt" wurde.

Der Richterstuhl Christi!

An der Formulierung von Römer 14,10 ist sehr interessant, dass nicht einfach nur vom Gericht Gottes die Rede ist. Paulus schreibt hier vom Richterstuhl Gottes, vor dem Christen erscheinen und sich bezüglich ihres Tuns verantworten müssen. Das führt uns zu 2. Korinther 5,10, wo dieser Begriff ebenfalls verwendet wird. Paulus nennt dort diesen Richterstuhl Gottes Richterstuhl Christi und führt aus, dass vor dem Richterstuhl Christi all das offengelegt wird, was ein Christ während seines Glaubenslebens getan hat. Und aufgrund dieser Offenlegung findet ein "Empfangen" statt.

Was genau da geschieht, beschreibt Paulus in 1. Korinther 3,11-17 ausführlicher. Einfach ausgedrückt lehrt er dort, dass die Glaubenswerke des Christen im Feuer geprüft werden. Sollten sie die Prüfung bestehen (nicht verbrennen) wird der betreffende Christ belohnt werden. Falls sie die Prüfung nicht bestehen (verbrennen) wird der betreffende Christ seinen Lohn verlieren (Schaden leiden). Und dann kommt am Ende von Vers 15 noch eine ganz wichtige Aussage: "Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer." Irgendjemand hat einmal gesagt, dass ein solcher Christ mit angesengten Ohren in den Himmel kommt!

Mit anderen Worten: Die Heilsgewissheit bleibt, aber wer nicht mit Christus mitleidet, wird Schaden leiden (seinen Lohn verlieren, seine Miterbschaft und sein Mitverherrlicht werden verlieren).

Miterben und mitverherrlicht werden mit Christus!

Bleibt uns die Frage, wann Christus auf eine Art und Weise verherrlicht wird, bei der treue Christen, die beim Richterstuhl Christi belohnt wurden, mitverherrlicht werden? Darauf gibt zunächst einmal 1. Korinther 15,24-28 eine Antwort. Dort heißt es:

  • 25: Christus muss herrschen, bis Gott ihm alle seine Feinde unter die Füße gelegt hat.
  • 28: Danach wird sich Christus, der Sohn, Gott unterwerfen.

Und wann wird Christus herrschen? Darauf antwortet Offenbarung 20,1-6. Dort berichtet Johannes, dass Christus 1000 Jahre herrschen wird.

Aber kann man diese Herrschaft Christi tatsächlich als eine Verherrlichung Christi bezeichnen? Ich denke schon, zumal in diesem Text auch die genannt werden, die auf ganz besonders dramatische Art und Weise mit Christus mitgelitten haben. Diese werden lebendig und herrschen mit Christus!

Schon in Offenbarung 2,26f und 3,21 ist von Christen die Rede, die als Lohn mitherrschen:

  • 2,26+27: Der, der überwindet und in seinem Leben so handelt, wie Christus das will, wird über Völker herrschen.
  • 3,21: Der, der überwindet, wird das Recht bekommen, mit Christus auf dem Thron zu sitzen.

Lassen Sie mich diesen Exkurs mit 2. Timotheus 2,11-13 abschließen:

"Folgendes steht unwiderruflich fest:

  • Wenn wir mit ihm mitgestorben sind, werden wir auch mit ihm leben.
  • Wenn wir durchhalten, werden wir auch mit ihm mitherrschen.
  • Wenn wir uns aber von ihm abwenden, wird auch er sich von uns abwenden.
  • Und wenn wir untreu sind, bleibt er dennoch treu, denn er kann sich selbst nicht untreu werden!"

Auch hier wird wieder deutlich, dass es an der Heilsgewissheit nichts zu rütteln gibt. Gott kann sich selbst nicht untreu werden. Er steht zu seinem Wort. Gläubige sind Kinder Gottes und werden damit auf jeden Fall auch Erben Gottes sein.

Miterben Christi und damit auch mit Christus mitverherrlicht werden Christen aber nur dann, wenn sie auch mit Christus mitleiden. Wenn sie in ihrem Christenleben den Willen Christi tun, wenn ihre Werke gut sind, wenn sie durchhalten, wenn sie sich nicht abwenden, wenn sie überwinden, dann, und nur dann, werden sie vor dem Richterstuhl Christi belohnt und im Tausendjährigen Reich mit Christus mitverherrlicht werden und mitherrschen.

Die anderen Christen werden Schaden leiden. Nicht verloren gehen, aber Schaden leiden, nicht belohnt werden. Dem ein oder anderen mag dies nicht wirklich schlimm vorkommen, aber wenn die Bibel von "Schaden leiden" spricht, dann wird dies auch ein wirkliches Schaden leiden sein. Und mit dem Hinweis auf dieses Gericht können Christen tatsächlich zur Heiligung ermahnen. Mit dem Verlorensein nicht! Niemals! Das wäre Gesetzlichkeit und würde das Evangelium zunichtemachen.



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