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(14,1) Nehmt den Schwachen im Glauben vorbehaltlos an. Streitet nicht mit ihm über seine Ansichten.
(2) Der eine glaubt, alles essen zu dürfen. Der andere, der in seinem Glauben schwach ist, isst nur pflanzliche Kost. (3) Wer alles isst, soll den, der nicht alles isst, nicht verachten. Und wer nicht alles isst, soll den, der alles isst, nicht verurteilen. Denn Gott hat ihn angenommen. (4) Wie kommst du dazu, den Diener eines anderen Herrn, zu verurteilen? Ob er mit seinem Tun vor seinem Herrn bestehen kann oder nicht, ist Sache seines Herrn und beurteilt nur dieser. Und er wird bestehen, denn sein Herr hat die Macht und wird dafür sorgen, dass er besteht.
(5) Der eine misst dem einen Tag mehr Bedeutung bei als dem anderen. Der andere macht diesen Unterschied nicht. Wichtig ist nur, dass jeder von dem, was er für richtig hält, völlig überzeugt ist. (6) Wer einem bestimmten Tag mehr Bedeutung beimisst (einen bestimmten Tag besonders beachtet), tut dies für den Herrn. Und wer alles isst, tut dies, um den Herrn zu ehren, denn er dankt ja Gott dafür. Und wer nicht alles isst, tut dies ebenfalls, um den Herrn zu ehren. Auch er dankt Gott für sein Essen. (7) Denn keiner von uns lebt für sich selbst, und keiner stirbt für sich selbst. (8) Denn wenn wir leben, leben wir für den Herrn. Und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn. Ob wir nun leben oder sterben, wir gehören dem Herrn. (9) Denn Christus ist gestorben und wieder lebendig geworden, um sowohl über Tote als auch über Lebende zu herrschen.
(10) Wie kommst du aber dazu, deinen Glaubensbruder oder deine Glaubensschwester (deinen Bruder) zu richten? Oder auch du, warum verachtest du deine Glaubensgeschwister (deinen Bruder)? Denn wir alle werden einmal vor den Richterstuhl Gottes treten müssen. (11) Denn in Jesaja 45,23 und 49,18 steht geschrieben: "So wahr ich lebe, sagt der Herr: Vor mir wird sich jedes Knie beugen, und jeder Mund wird Gott die Ehre geben." (12) Jeder von uns wird also vor Gott für sein eigenes Tun Rechenschaft ablegen müssen. (13) Lasst uns also damit aufhören, einander zu verurteilen. Anstatt über die Glaubensgeschwister (den Bruder) zu richten, achtet viel lieber darauf, alles, was ihnen ein Hindernis sein könnte oder sie zu Fall bringen könnte, zu vermeiden.
(14) Durch Jesus, meinen Herrn, weiß und bin ich davon überzeugt, dass es nichts gibt, was an und für sich unrein ist. Nur für den, der etwas für unrein hält, ist es dann auch unrein. (15) Wenn du nun deinen Glaubensbruder oder deine Glaubensschwester (deinen Bruder) wegen einer Speise in innere Nöte stürzt, wird dein Verhalten nicht mehr von der Liebe bestimmt. Stürze ihn / sie, für den / die Christus gestorben ist, nicht durch das, was du isst, ins Verderben! (16) Bringt eure christliche Freiheit (das Gute) nicht in Verruf! (17) Denn im Reich Gottes geht es nicht um Essen und Trinken, sondern um das, was der Heilige Geist bewirkt: nämlich um Gerechtigkeit, Friede und Freude. (18) Denn wer Christus auf diese Weise dient, gefällt Gott und wird auch von den Menschen anerkannt. (19) Darum lasst uns alles daransetzen, miteinander im Frieden zu leben und uns gegenseitig im Glauben zu fördern.
(20) Zerstöre nicht das Werk Gottes wegen einer Speise! Zwar ist jede Speise rein, aber es ist schlimm, wenn jemand das, was er isst, trotz innerer Bedenken isst. (21) Wenn Fleisch, Wein oder sonst etwas deinen Glaubensbruder oder deine Glaubensschwester zu Fall bringen könnte, dann ist es am besten, auf diese Dinge ganz zu verzichten. (22) Wenn du einen starken Glauben hast, dann habe ihn für dich selbst und betrachte ihn als eine Sache zwischen dir und Gott. Zu beglückwünschen ist der, der sich im Blick auf das, was er für richtig hält, nicht selbst verurteilen muss! (23) Wer bei dem, was er isst, Gewissensbisse hat (zweifelt), ist schon verurteilt, weil er nicht aus Glauben isst. Alles, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.
(15,1) Gerade wir als die Starken im Glauben sind verpflichtet, die Schwächen der Schwachen mitzutragen, anstatt selbstgefällig nur an uns zu denken. (2) Jeder von uns soll auf seinen Mitmenschen Rücksicht nehmen, zum Guten, zur Erbauung. (3) Denn auch Christus lebte nicht selbstgefällig, sondern so, wie in Psalm 69,10 geschrieben steht: "Die Beschimpfungen, mit denen man dich, Gott, beschimpft, treffen mich." (4) Denn alles, was einst im Alten Testament geschrieben worden ist, wurde zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Standhaftigkeit und durch die vom Alten Testament gewirkte Ermutigung an der Hoffnung festhalten. (5) Gott, der Standhaftigkeit und Ermutigung schenkt, gebe euch, dass ihr untereinander eines Sinnes seid, so wie es Christus Jesus gemäß ist, (6) damit ihr einmütig - wie aus einem Mund - den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus preist. (7) Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat. Dadurch ehrt ihr Gott!
Annahme der GlaubensschwachenPaulus räumt den Ermahnungen an die Starken (und Schwachen) im Glauben viel Platz ein. Meines Erachtens behandelt er diese Thematik von Kapitel 14,1 bis 15,7. Andere Kommentatoren definieren diesen Abschnitt von 14,1 bis 15,6 oder von 14,1 bis 15,13.
Auch in den verschiedenen Bibelübersetzungen wird unterschiedlich unterteilt. Manche geben die Verse 1-14 in Kapitel 15 zusammenhängend wieder, andere teilen den Text nach Vers 6 und neuere Bibelübersetzungen nach Vers 7.
Ich bin der Überzeugung, dass Paulus die Thematik der Starken und Schwachen im Glauben mit Kapitel 15,7 beendet. In Kapitel 14,1 begann er sie mit den Worten: "Nehmt den Schwachen im Glauben vorbehaltlos an (auf)", und in Kapitel 15,7 beendete er sie mit: "Darum nehmt einander an (auf), wie Christus euch angenommen (aufgenommen) hat."
Mit Kapitel 14,1 hat Paulus seine Ermahnung zu einem Verhalten in gegenseitigen Liebe noch nicht verlassen. Im Gegenteil, gerade in den Spannungen zwischen den Schwachen und den Starken im Glauben muss sich diese Liebe beweisen. Sollten diese Probleme bleiben, würden die Christen von Rom entgegen dieser Liebe handeln (14,15).
Im Folgenden möchte ich den Inhalt von Kapitel 14,1 bis 15,7 durch Fragen erschließen:
In Kapitel 14,1 bis 15,7 nennt Paulus sowohl Glaubensschwachheiten als auch Glaubensstärken beim Namen. Es geht dabei auch nicht nur um eine Schwachheit und / oder Stärke, sondern um mehrere.
Es ist deutlich, dass die Glaubensschwachheiten der (Juden-) Christen von Rom durch ihre jüdischen Lebensgewohnheiten hervorgerufen wurden und von der Befolgung des mosaischen Gesetzes herrührten.
Auch wenn Paulus in Vers 1 ermahnt, dass die Starken im Glauben über diese Themen mit den Schwachen im Glauben nicht streiten sollen, muss an dieser Stelle dennoch betont werden, dass aufgrund der Aussagen von Vers 14, 16 und 20 der Inhalt der Glaubensstärke nichts mit Sünde zu tun hat und dass sie wahre christliche Freiheit ist!
Lassen Sie uns zunächst einmal den hier angesprochenen "Glauben" definieren. Nach Vers 5 ist er ein "Völliges überzeugt sein". Auch Vers 14 spricht von einer Überzeugung. Der Träger einer gewissen Glaubensüberzeugung hält sein Tun für richtig (22). Er handelt, ohne dabei irgendwelche inneren Bedenken zu haben (20). Er zweifelt auch nicht an der Richtigkeit seines Tuns (hat keine Gewissensbisse) (23). Dies gilt sowohl für die Schwachen im Glauben als auch für die Starken.
Dass das Gewissen tatsächlich etwas mit unserer Thematik zu tun hat, belegt 1. Korinther 8,7. Dort sagt Paulus, dass das "schwache Gewissen" des Glaubensschwachen durch ein Handeln, das nicht seiner Glaubensüberzeugung entspricht, belastet wird. Außerdem bringt Paulus die Glaubensschwäche auch mit der Erkenntnis in Verbindung. Die Erkenntnis der Glaubensstarken ist zwar da, aber Glaubensschwache können sie sich nicht ganz zu eigen machen und / oder haben Mühe, die Konsequenz aus ihrer Erkenntnis zu ziehen. Das Problem dabei sind alte Vorstellungen (Gewohnheiten), die bei Zuwiderhandlung ihr Gewissen, das ja geprägt ist und sich irren kann (1. Korinther 4,4), belasten. Das Gewissen der Korinther war vom Heidentum geprägt, das der Römer vom Judentum. Betonen möchte ich, dass aufgrund dieser Bibelstelle, die Erkenntnis der Starken im Glauben richtig ist und auch ihr Gewissen die richtige Prägung hat.
Bezüglich der Erkenntnis macht aber unser Abschnitt aus dem Römerbrief eher den Eindruck, dass hier zwei verschiedene Erkenntnisse aus zweierlei Heilsepochen Probleme bereiten. Die Judenchristen von Rom waren eben auch Juden, die das mosaische Gesetz erfüllen wollten. Dass es dabei zu Glaubensüberzeugungsproblemen kommen muss, liegt auf der Hand. Das mosaische Gesetz gebietet zum Beispiel den Sabbat und die Beachtung von Speisen (Fleisch). Nach dem Gesetz Christi gibt es keine unreinen Speisen mehr und das Sabbatgebot hat eine viel tiefere Dimension, nämlich die, jeden Tag in der Ruhe (aus Glauben) zu leben (Hebräer 4).
In Vers 6 beschreibt Paulus die Gesinnung der Glaubensschwachen und auch der Glaubensstarken. Was sie tun, tun sie Gott zuliebe und um ihn zu ehren.
Ganz anders handelten die galatischen Christen. Sie beachteten Tage, Monate, bestimmte Zeiten und Jahre sehr streng (Galater 4,8-10). Und wer dies nicht tat, dessen Heilsgewissheit war dahin. Mit anderen Worten: In Galatien wurde gelehrt, dass nicht Jesus allein rettet, sondern Jesus und das Halten des mosaischen Gesetzes das Heil bewirkt. Deshalb befürchtete Paulus, dass seine Arbeit an diesen Menschen umsonst war. Hier war nämlich nicht Glaubensschwäche am Werk, sondern Gesetzlichkeit (nicht Jesus allein rettet, sondern Jesus und ... rettet), die das Evangelium zunichtemacht (Galater 1,6-8).
Viele Christen bezeichnen Glaubensschwäche als Gesetzlichkeit. Aber das ist sie nicht. Aus Glaubensschwäche kann zwar sehr schnell Gesetzlichkeit werden, aber echte Glaubensschwäche handelt in der Gesinnung "Gott zuliebe" und "um ihn zu ehren".
Genauso wie Gesetzlichkeit falsch definiert wird, geschieht dies auch mit der sogenannten christlichen Freiheit. Ja, Glaubensstärke ist wahre christliche Freiheit (1. Korinther 10,29). Aber in christlichen Kreisen bezeichnet man gerne die Freiheit, das Gesetz Christi außer Acht zu lassen, als christliche Freiheit. Petrus würde diese Freiheit eine "Freiheit unter dem Deckmantel der Bosheit" nennen (1. Petrus 2,16). Paulus lehrt in Galater 5,13, dass Christen ihre Freiheit nicht als Anlass für das Fleisch missbrauchen sollen. In unserem Abschnitt schreibt Paulus in Vers 22: "Zu beglückwünschen ist der, der sich im Blick auf das, was er für richtig hält, nicht selbst verurteilen muss (also eine falsche Freiheit beziehungsweise Glaubensstärke lebt)!" Wahre christliche Freiheit ist die Freiheit, nicht zu sündigen. Sie lebt in der Gebundenheit an Gott.
In unserem Abschnitt schreibt Paulus, dass sowohl Glaubensschwäche als auch Glaubensstärke ein Handeln oder Unterlassen aufgrund einer Glaubensüberzeugung ist. Alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde (23). Mit anderen Worten: Der Glaubensschwache und auch der Glaubensstarke sündigen nicht und Glaubensschwäche und Glaubensstärke ist auch keine Sünde (höchsten in der Art und Weise der Ausübung gegenüber dem Glaubensschwachen)!
Unter 1.4 haben wir gesehen, dass Glaubensschwäche keine Gesetzlichkeit ist und Glaubensstärke nicht für eine falsche christliche Freiheit herhalten darf. Und sowohl der Inhalt von Glaubensschwäche als auch der von Glaubensstärke ist keine Sünde.
Es gibt aber auch Glaubensschwäche, die bei genauer Betrachtung noch aus anderen Gründen keine Glaubensschwäche ist. Dasselbe gilt auch für Glaubensstärke. In Kolosser 2,8-23 berichtet Paulus zum Beispiel von Irrlehrern, die "Glaubensschwächen" (Essen, Trinken, Feste, Neumonde, Sabbate - 16) in die Gemeinde hineintragen und dies und jenes verbieten (21). Und hier ermahnt Paulus nicht zur gegenseitigen Annahme, sondern er schreibt: "Nehmt euch vor diesen Scheinheiligen (23) und betrügerischen Philosophen (8) in acht!"
Auch in 1. Timotheus 4,1-11 wird von Irrlehrern gesprochen. Und Paulus ermahnt auch hier nicht zur Annahme der "Glaubensschwachen"! Im Gegenteil, Timotheus soll diese gottlosen und kindischen Spekulationen ablehnen.
Im 1. Korintherbrief behandelt Paulus ebenfalls die Thematik der Glaubensschwäche und der Glaubensstärke. Dort war es für die Glaubensstarken kein Problem, Götzenopferfleisch zu essen. Und tatsächlich entspricht das Essen von Götzenopferfleisch wahrer christlicher Freiheit. Wahrscheinlich dieselben Glaubensstarken hatten auch keine Probleme damit, am Götzendienst teilzunehmen. Das aber ist in den Augen Gottes keine Glaubensstärke, sondern "ein den Herrn zur Eifersucht reizen" (1. Korinther 10,22).
Diese Beispiele machen deutlich, dass es sowohl Glaubensschwäche als auch Glaubensstärke gibt, die den Anschein von Glaubensschwäche oder Glaubensstärke haben. Aber sie sind weder Glaubensschwäche noch Glaubensstärke. Und wenn Christen solche vermeintlichen Glaubensschwächen und / oder Glaubensstärken leben, geht es nicht darum, sie anzunehmen, sondern sich vor deren Lehrern in acht zu nehmen, ihre Botschaft abzulehnen, die Glaubensgeschwister mit der Wahrheit zu belehren und sie auf den Weg des Evangeliums zurückzuführen!
Diese Informationen dürften nun genügen, sowohl die Glaubensschwäche als auch die Glaubensstärke zu definieren:
Glaubensschwach sind diejenigen Christen, welche aufgrund einer oder mehrerer Glaubensüberzeugungen und aus Liebe zu Gott und um ihn zu ehren "übergehorsam" sind. Ihr Übergehorsam in diesen Glaubensüberzeugungen kann verschiedene Ursachen haben, wie zum Beispiel: Prägung durch eine andere biblische Heilsepoche (10 Gebote zu Gesetz Christi), Prägung durch das Heidentum (Götzenopferfleisch), Erkenntnis, die man sich nicht ohne Gewissensbisse zu eigen machen kann (Zweifel, Bedenken, schwaches Gewissen), ... Ihre Glaubensschwäche ist weder Gesetzlichkeit noch Sünde und darf auch nicht mit scheinbarer Glaubensschwäche (zum Beispiel Irrlehre) verwechselt werden.
Glaubensstark sind diejenigen Christen, welche aufgrund einer oder mehrerer Glaubensüberzeugungen und aus Liebe zu Gott und um ihn zu ehren gehorsam sind. Ihr Gehorsam ist in diesen Glaubensüberzeugungen allein dem Gesetz Christi gemäß. Ihre Glaubensstärke ist weder eine falsche christliche Freiheit noch Sünde und darf auch nicht mit scheinbarer Glaubensstärke (zum Beispiel Irrlehre) verwechselt werden.
WICHTIG! Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass Glaubensschwache nicht generell glaubensschwach sind. Bei etwas anders gelagerten Glaubensüberzeugungen können diese sogar bis in die scheinbar glaubensstarke Glaubensstärke hineinreichen. Anders herum habe ich auch schon Glaubensstarke erlebt, welche bei anderen Glaubensüberzeugungen sogar zur Gesetzlichkeit neigten!
In Römer 14,1 bis 15,7 stellt Paulus 9 Forderungen bezüglich der Glaubensschwachen an die Glaubensstarken der Christen von Rom. Aus ihnen ergeben sich 9 Regeln eines Verhaltens der Liebe gegenüber den Glaubensschwachen.
In Römer 14,1 bis 15,7 stellt Paulus nicht nur Forderungen für die glaubensstarken Christen von Rom auf. Er wendet sich auch mit 4 Forderungen an die Glaubensschwachen, aus denen sich 4 Regeln eines Verhaltens der Liebe gegenüber den Glaubensstarken ergeben.
In Kapitel 15,5+6 formuliert Paulus einen Gebetswunsch für die Starken und Schachen. Er schreibt: "Gott, der Standhaftigkeit und Ermutigung schenkt, gebe euch, dass ihr untereinander eines Sinnes seid, so wie es Christus Jesus gemäß ist, damit ihr einmütig - wie aus einem Mund - den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus preist."
In unserem Abschnitt formuliert Paulus auch einige sehr hilfreiche Grundsätze:
Nicht nur in der römischen Gemeinde gab es liebloses Verhalten zwischen den Starken und den Schwachen im Glauben. Auch in Korinth führte diese Problematik zu Auseinandersetzungen. Allerdings war dort nicht der jüdische Hintergrund der Auslöser für die Schwachheiten, sondern der Heidnische. Die Heidenchristen wussten darum, was mit dem Fleisch, bevor es auf dem Markt verkauft wurde, geschah. Man schlug damals zwei Fliegen mit einer Klappe. Zunächst opferte man das Fleisch den Götzen und hinterher verkaufte man es auf dem Markt.
Den Text zur Schwachheit bezüglich des Götzenopferfleisches finden Sie in 1. Korinther 8,1-9+13 und 10,23-11,1. Ich gehe hier nur am Text entlang und mache ein paar Anmerkungen.
8,1.4.8.9+13: Die Gemeindeglieder mit starkem Gewissen (Freiheit, Erkenntnis) essen Götzenopferfleisch.
Eventuell haben Sie bemerkt, dass Kapitel 8,7 sehr verschieden übersetzt wird. Bei einigen Übersetzungen hat man den Eindruck, dass die Gewissensschwachen eben die Erkenntnis der Starken nicht teilen können. Andere - auch ich - übersetzen in die Richtung, dass die Gewissensschwachen zwar die Erkenntnis haben, aber sie sich diese nicht zu eigen machen können, weil sie noch in alten Vorstellungen und Gewohnheiten verhaftet sind. Die Hilfen, die Paulus den Gewissensschwachen gibt, bestätigen die Richtigkeit der Übersetzungen, die davon ausgehen, dass die Gewissensschwachen keine Erkenntnisprobleme hatten. Im Grunde genommen wussten sie, dass wohl das meiste Fleisch Götzenopferfleisch war. Aber das Unterlassen der Fragerei nach der Herkunft konnte / könnte ihnen helfen, diese Gewissensschwäche zu überwinden.
Wenn Sie den weiter oben angegebenen Text ganz gelesen haben, dann haben Sie sicherlich bemerkt, dass nicht nur vom Götzenopferfleisch die Rede war, sondern auch von der Teilnahme an der Tischgemeinschaft im Götzentempel. War diese wirklich gelebte christliche Freiheit? Oder waren hier die Gewissensschwachen im Recht?
8,10: Die Gemeindeglieder mit großer Freiheit nahmen am Götzenopfermahl (der Tischgemeinschaft im Götzentempel) teil.
Wir haben bereits gesehen, dass Glaubens- oder Gewissensschwachheit auch alles andere als Schwachheit sein kann. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nochmals einige Dinge nennen, die auf gar keinen Fall unter dem Begriff Glaubens- oder Gewissensschwachheit abgeheftet werden dürfen:
Nahezu 2.000 Jahre sind seit dem Schreiben des Neuen Testamentes vergangen. Trotzdem sind auch heute noch einige der Glaubensschwächen jener Zeit vorhanden. Aber es sind natürlich auch Neue hinzugekommen. Einige möchte ich hier nennen:
All diese Schwachheiten können auch einen ganz anderen Hintergrund haben. Es können Irrlehren, Gesetzlichkeiten, usw. sein. Falls es tatsächliche Glaubensschwachheiten sind, rühren sie aus mangelnder Erkenntnis oder aus Erkenntnis, die man sich nicht zu eigen machen kann, oder aus einer mangelnden Unterscheidung von biblischen Heilsepochen, oder durch eine Gewohnheit oder eine Prägung durch das Elternhaus, die Umwelt, Erziehung, Schule, Judentum, ..., oder durch ein schwaches Gewissen, oder durch ...
Insbesondere wenn die Schwachheit Erkenntnisse, die man sich nicht zu eigen machen kann und deren Auswirkungen in Richtung Schwachheiten man sich erfragt, ist die unter 6.1.4 genannte Selbsthilfe sehr hilfreich. Auf das Weihnachtsfest angewandt würde dies zum Beispiel bedeuten, dass man eben nicht in der Vergangenheit nach der Herkunft usw. herumforscht, sondern das Fest eben christlich feiert. Am Anfang meines Glaubenslebens hatte ich eine Glaubensschwäche wegen Blutwurst. Bei mir verschwand sie mit dem Lesen einer einzigen Bibelstelle.
Grundsätzlich gilt aber in Bezug auf Starke und Schwache im Glauben das, was Paulus uns im Römer- und 1. Korintherbrief lehrt!
Ich muss zugeben, dass mir Glaubensschwache oft große Mühe bereiten. Ich kann nur sehr schwer damit umgehen. Insbesondere dann,
Letztere ermahnt Paulus, dies nicht zu tun, was sie oft recht wenig stört. Aber was ist, wenn die Gemeindeleitung von Glaubensschwachheiten dermaßen überzeugt ist, dass diese dauernd gepredigt werden und die Gemeinde von oben herab zu einer Gemeinschaft der Glaubensschwachen umgelehrt wird? Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies im Sinne Gottes ist, und bin davon überzeugt, dass man dann auch darüber reden muss.
Manchmal ist es auch notwendig, abzuklären, ob die betroffene Person wirklich glaubensschwach oder eben etwas anderes ist. Da ist es wichtig, zu erfragen,
Eventuell kann man dann bei echter Glaubensschwäche mit dem biblischen Rat aus 6.1.4 weiter helfen. Auf der anderen Seite kann auf diese Weise falsche (unechte) "Glaubensschwäche" aufgedeckt und entgegengewirkt werden.
Schon mehrere Male habe ich Sie mit dem Hinweis auf die Auslegung zu Römer 14,10 vertröstet. Nun ist es endlich soweit. Beginnen wir mit den beiden Bibelstellen aus dem Römerbrief:
In Kapitel 8,17 schreibt Paulus, dass Christen auf jeden Fall Erben Gottes sind. Miterben Christi sind sie allerdings nur dann, wir sie mit Christus leiden. Dann werden sie auch mit ihm mitverherrlicht werden.
Aufgrund dieser Aussagen müssen wir noch auf folgende Aussagen näher eingehen:
In Kapitel 14,10-12 lehrt Paulus, dass Christen für Ihr Tun (als Christen) vor dem Richterstuhl Gottes Rechenschaft ablegen müssen. Daraus ergibt sich die Frage:
Beginnen wir mit der an eine Bedingung geknüpften Miterbschaft mit Christus.
Viele Christen glauben an die Lehre der Heilsgewissheit. Auch wenn es dieses Wort im Neuen Testament so nicht gibt, lehrt es dennoch den Inhalt dieses Begriffs (darüber habe ich in diesem Kommentar schon oft geschrieben). Dennoch kommen ehrliche Christen immer wieder ins Straucheln. "Heilsgewissheit ja", sagen sie, "aber ...". Und dann zählen sie Bibelstellen auf, welche die Heilsgewissheit ins Wanken bringen, zum Beispiel: Hebräer 6,6-8; 10,25-29 und 12,25. Einige helfen sich dann dadurch, dass sie davon ausgehen, dass in jenen Stellen nicht von Christen gesprochen wird, oder von Scheinchristen, die keine wirklichen Christen sind. Aber beide Auslegungen sind meines Erachtens nicht haltbar. Können Christen dann doch verloren gehen?
Nun, die Frage muss leicht verändert gestellt werden. Wenn schon verloren, dann ginge es um "abgefallene" Christen. Es ginge um Christen, die den Weg der Heiligung verlassen haben, in Sünde leben und / oder von Ihrem Leben als Christ / von Christus nichts mehr wissen wollen. Haben diese ihre Heilsgewissheit "verspielt"?
Zunächst einmal möchte ich dazu sagen, dass solche Christen, um es mit Römer 8,17 zu sagen, den Weg des Mitleidens mit Christus verlassen haben. Und wenn man dies so sagen kann, dann würde dies bedeuten, dass diese Christen zwar noch Erben Gottes sind, aber das Miterben mit Christus (wenn es vor dem Tod nicht mehr zu einer Zeit in der Umkehr kam) tatsächlich "verspielt" wurde.
An der Formulierung von Römer 14,10 ist sehr interessant, dass nicht einfach nur vom Gericht Gottes die Rede ist. Paulus schreibt hier vom Richterstuhl Gottes, vor dem Christen erscheinen und sich bezüglich ihres Tuns verantworten müssen. Das führt uns zu 2. Korinther 5,10, wo dieser Begriff ebenfalls verwendet wird. Paulus nennt dort diesen Richterstuhl Gottes Richterstuhl Christi und führt aus, dass vor dem Richterstuhl Christi all das offengelegt wird, was ein Christ während seines Glaubenslebens getan hat. Und aufgrund dieser Offenlegung findet ein "Empfangen" statt.
Was genau da geschieht, beschreibt Paulus in 1. Korinther 3,11-17 ausführlicher. Einfach ausgedrückt lehrt er dort, dass die Glaubenswerke des Christen im Feuer geprüft werden. Sollten sie die Prüfung bestehen (nicht verbrennen) wird der betreffende Christ belohnt werden. Falls sie die Prüfung nicht bestehen (verbrennen) wird der betreffende Christ seinen Lohn verlieren (Schaden leiden). Und dann kommt am Ende von Vers 15 noch eine ganz wichtige Aussage: "Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer." Irgendjemand hat einmal gesagt, dass ein solcher Christ mit angesengten Ohren in den Himmel kommt!
Mit anderen Worten: Die Heilsgewissheit bleibt, aber wer nicht mit Christus mitleidet, wird Schaden leiden (seinen Lohn verlieren, seine Miterbschaft und sein Mitverherrlicht werden verlieren).
Bleibt uns die Frage, wann Christus auf eine Art und Weise verherrlicht wird, bei der treue Christen, die beim Richterstuhl Christi belohnt wurden, mitverherrlicht werden? Darauf gibt zunächst einmal 1. Korinther 15,24-28 eine Antwort. Dort heißt es:
Und wann wird Christus herrschen? Darauf antwortet Offenbarung 20,1-6. Dort berichtet Johannes, dass Christus 1000 Jahre herrschen wird.
Aber kann man diese Herrschaft Christi tatsächlich als eine Verherrlichung Christi bezeichnen? Ich denke schon, zumal in diesem Text auch die genannt werden, die auf ganz besonders dramatische Art und Weise mit Christus mitgelitten haben. Diese werden lebendig und herrschen mit Christus!
Schon in Offenbarung 2,26f und 3,21 ist von Christen die Rede, die als Lohn mitherrschen:
Lassen Sie mich diesen Exkurs mit 2. Timotheus 2,11-13 abschließen:
"Folgendes steht unwiderruflich fest:
Auch hier wird wieder deutlich, dass es an der Heilsgewissheit nichts zu rütteln gibt. Gott kann sich selbst nicht untreu werden. Er steht zu seinem Wort. Gläubige sind Kinder Gottes und werden damit auf jeden Fall auch Erben Gottes sein.
Miterben Christi und damit auch mit Christus mitverherrlicht werden Christen aber nur dann, wenn sie auch mit Christus mitleiden. Wenn sie in ihrem Christenleben den Willen Christi tun, wenn ihre Werke gut sind, wenn sie durchhalten, wenn sie sich nicht abwenden, wenn sie überwinden, dann, und nur dann, werden sie vor dem Richterstuhl Christi belohnt und im Tausendjährigen Reich mit Christus mitverherrlicht werden und mitherrschen.
Die anderen Christen werden Schaden leiden. Nicht verloren gehen, aber Schaden leiden, nicht belohnt werden. Dem ein oder anderen mag dies nicht wirklich schlimm vorkommen, aber wenn die Bibel von "Schaden leiden" spricht, dann wird dies auch ein wirkliches Schaden leiden sein. Und mit dem Hinweis auf dieses Gericht können Christen tatsächlich zur Heiligung ermahnen. Mit dem Verlorensein nicht! Niemals! Das wäre Gesetzlichkeit und würde das Evangelium zunichtemachen.

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