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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 5,1-11:
Aus Glauben gerechtfertigte Menschen haben Frieden mit Gott und werden durch Christus vom Zorn Gottes gerettet.

(1) Nachdem wir nun aufgrund des Glaubens für gerecht erklärt worden sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. (2) Durch ihn haben wir aufgrund des Glaubens Zugang zu der Gnade bekommen, die jetzt unser Leben bestimmt. Darüber hinaus freuen wir uns wegen der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.

(3) Doch nicht nur darüber freuen wir uns, sondern wir freuen uns auch in Nöten. Wir wissen ja, dass diese Not Geduld bewirkt, (4) die Geduld aber Bewährung und die Bewährung Hoffnung. (5) Die Hoffnung aber wird nicht enttäuscht. Denn Gott hat uns durch den Heiligen Geist, den er uns gegeben hat, seine Liebe zu uns in unsere Herzen gegossen. (6) Denn Christus ist schon damals, als wir noch der Sünde ausgeliefert waren, für uns gottlose Menschen gestorben. (7) Für einen gerechten Menschen wird wohl kaum jemand sterben. Für einen Wohltäter vielleicht schon eher. (8) Aber Gott beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren. (9) Um wie viel gewisser werden wir, die wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, durch ihn vom Zorn Gottes gerettet werden. (10) Denn wenn wir mit Gott durch den Tod seines Sohnes versöhnt wurden, als wir noch seine Feinde waren, dann ist es noch viel gewisser, dass wir jetzt, da wir versöhnt sind, durch das Leben seines Sohnes gerettet werden.

(11) Aber nicht nur das: Wir freuen uns auch deshalb Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, weil wir durch unseren Herrn Jesus Christus schon jetzt die Versöhnung empfangen haben.


Auslegung:

Übersicht zu Kapitel 1,16 bis ... Teil 06Aus Glauben gerechtfertigte Menschen haben Frieden mit Gott und werden durch Christus vom Zorn Gottes gerettet.

Der aufmerksame Leser hat sicherlich bemerkt, dass zwischen meinem Überblick zum ganzen Römerbrief (Teil 003) und meiner Gliederung von Kapitel 1,16 bis 5,11 (Teil 024) Unterschiede bestehen:

Beim Überblick trenne ich nach Kapitel 4 und bei der Gliederung nach Kapitel 5,11. Falls Sie verschiedene Kommentare zum Römerbrief kennen, werden Sie festgestellt haben, dass je nach Verfasser der erste Lehrteil des Briefes

  • entweder nach Kapitel 4 endet,
  • oder nach Kapitel 5 Vers 11
  • oder nach Kapitel 5.

Jeder Autor hat seine Gründe hierfür. Warum ich den 2. Lehrteil ab Kapitel 5,12 beginne, möchte ich Ihnen mit 4 Hinweisen begründen:

  1. Im ersten Teil des Römerbriefes wird gesagt, dass die Menschheit durch ihre Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit den Zorn Gottes hervorgerufen hat (1,16). Damit hat sie sich zum Feind Gottes gemacht (5,10) und verfällt seinem Gericht (2,2). Die Lösung dieses "Problems" besteht in der Rechtfertigung aus Glauben. Sie setzt der Feindschaft ein Ende und errettet vor dem Zorngericht Gottes. Dieses Geschehen spricht Paulus in Kapitel 5,1-11 den Christen von Rom und allen anderen Gläubigen zu (5,1+9). Auf diese Weise wird Kapitel 1,16 bis 5,11 zu einem harmonischen Ganzen.
  2. In Kapitel 1,16 beginnt der Abschnitt mit der Aussage, dass das Evangelium Gottes Kraft zur Errettung ist. Diese Aussage wird in Kapitel 5,1-11 auf ganz besondere Art und Weise aufgegriffen, vertieft und gefestigt. Als wir noch "kraftlos" (der Sünde ausgeliefert) waren (6), ist Christus für uns gestorben (8) und durch ihn werden wir vom Zorn Gottes gerettet (9).
  3. Ab Kapitel 5,12 wechselt Paulus von den "Sünden" zur "Sünde". Bis Kapitel 5,11 ging es ihm um die Früchte unserer alten Natur. Ab Kapitel 5,12 spricht er von der alten Natur selbst.
  4. Otto Michel schreibt in seinem Kommentar (siehe Literaturverzeichnis), dass der Abschnitt von Kapitel 5,1-11 als Lobpreis gedacht ist. Dieser setzt die Rechtfertigung voraus. Meines Erachtens schließt dieser Lobpreis die Aussagen von Kapitel 3,21 bis 4,25 auch wunderbar ab.

(1) Nachdem wir nun aufgrund des Glaubens für gerecht erklärt worden sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.

In den vorangegangenen Kapiteln sprach Paulus davon,

  • dass Gott den Menschen durch den Glauben für gerecht erklärt / rechtfertigt (3,26+30; 4,5),
  • beziehungsweise, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird (3,24+25).
  • Nun sagt Paulus von "uns" (Christen), dass wir aus Glauben für gerecht erklärt / gerechtfertigt worden sind (5,1).

Das führte dazu, dass wir Frieden mit Gott haben, dass zwischen Gott und uns nichts mehr steht. Vorher lebten wir in Feindschaft mit Gott und sein Zorn stand über uns. Jetzt ist Frieden und diesen Frieden haben wir unserem Herrn Jesus Christus zu verdanken.

  • Das Evangelium ist das Evangelium des Friedens - Epheser 6,15.
  • Jesus ist unser Friede - Epheser 2,14.
  • Und Jesus hat durch sein Blut, das er am Kreuz vergossen hat, Frieden gestiftet - Kolosser 1,20.

(2) Durch ihn haben wir aufgrund des Glaubens Zugang zu der Gnade bekommen, die jetzt unser Leben bestimmt. Darüber hinaus freuen wir uns wegen der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.

Wenn Paulus nun in Vers 2 von der Gnade spricht, dann meint er damit diesen Frieden von Vers 1. Diesen Frieden hat uns Gott geschenkt. Unverdientermaßen haben wir Zugang zu diesem Frieden, diesem Geschenk, dieser Gnade bekommen. Durch Jesus Christus und mittels des Glaubens haben wir sie erhalten. Das Ereignis "wir haben Zugang zu der Gnade bekommen, die jetzt unser Leben bestimmt / in der wir stehen" hat stattgefunden und dauert an.

Aber Christen haben nicht nur Frieden mit Gott und ihr Leben wird auch nicht nur von der Gnade bestimmt, sondern sie "freuen / rühmen" sich auch. Dieses "Rühmen" wird oft falsch verstanden. Manche Bibelleser halten "rühmen" für falsch übersetzt, weil sie es im Sinne von "Prahlen" verstehen. Aber Paulus spricht von einem anderen "Rühmen". Es ist ein "freudiges und dankbares Bekennen". Wenn Christen sich also wegen der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes "rühmen", dann bekennen sie freudig und mit dankbarem Herzen, dass sie einmal an der Herrlichkeit Gottes teilhaben werden.

Im ganzen Abschnitt spricht Paulus drei Mal vom "Rühmen":

  • Vers 2b: Christen bekennen freudig und mit dankbarem Herzen, dass sie einmal an der Herrlichkeit Gottes teilhaben werden.
  • Vers 3: Christen bekennen freudig und mit dankbarem Herzen, dass sie in Nöte geraten (weil sie die Früchte bewältigter Nöte kennen).
  • Vers 11: Christen bekennen freudig und mit dankbarem Herzen, dass sie zu diesem versöhnenden Gott gehören dürfen und beten ihn an.

(3) Doch nicht nur darüber freuen wir uns, sondern wir freuen uns auch in Nöten. Wir wissen ja, dass diese Not Geduld bewirkt,

Wenn hier von "Nöten" die Rede ist, dann kann es dabei um ganz allgemeine Nöte und Bedrängnisse des Lebens (Kapitel 12,12), innere Leiden / Kummer (Philipper 1,17) und / oder Bedrängnisse um Christi und des Glaubens willen (2. Thessalonicher 1,4) gehen.

Und Christen freuen sich in Nöten und sind dankbar für sie. Solch eine Aussage passt eigentlich nicht zu uns Menschen. Die einen sprechen bei einem solchen Glaubensleben von einem abgehobenen und vielleicht auch überheblichen und realitätsfremden Leben. Andere erinnern an die Bitte im Vaterunser "Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns ...".

Aber Paulus' Worte sind eindeutig und klar. Und auch im Jakobusbrief (1,2-4) findet sich eine ähnliche Aussage: "Betrachtet es als Grund zur Freude, wenn euer Glaube auf die Probe gestellt wird ...".

Ich denke, dass hier eine demütige Freude angesprochen ist. Christen wäre es am allerliebsten, wenn jegliche Versuchung an ihnen vorüberginge (gemäß dem Vaterunser), aber in dem Moment, wo ihnen gesagt wird, welch herrliche Früchte das Überwinden von Nöten bringt, beten und bekennen sie in demütiger Freude: "Eigentlich möchte ich nicht durch Nöte gehen, aber wenn ich sehe, was dabei herauskommen kann, dann freue ich mich auch über Nöte!"

Warum kann man sich in Nöten freuen? Das erklärt Paulus anhand eines rabbinischen Kettenschlusses. Er sagt:

(3b) Wir wissen ja, dass diese Not Geduld bewirkt, (4) die Geduld aber Bewährung und die Bewährung Hoffnung. (5) Die Hoffnung aber wird nicht enttäuscht. Denn Gott hat uns durch den Heiligen Geist, den er uns gegeben hat, seine Liebe zu uns in unsere Herzen gegossen.

Von unserem Glauben und unserer Hoffnung her wissen wir,

  • dass Not Geduld (Ausharren, Standhaftigkeit, Ausdauer bewirkt (= zwingend hervorruft),
  • dass Geduld Bewährung (Glaubensvertiefung, Glaubensfestigung, erprobt sein) zwingend hervorruft
  • und dass Bewährung Hoffnung zwingend hervorruft.

Etwas anders ausgedrückt:

  • Freudige Hoffnung (Not) ruft
  • geduldige Hoffnung (Geduld) zwingend hervor.
  • Geduldige Hoffnung ruft
  • festigende Hoffnung (Bewährung) zwingend hervor.
  • Festigende Hoffnung ruft
  • neue und stärkere Hoffnung hervor.

Vers 5 wird oft mit "Hoffnung lässt nicht zuschanden werden" wiedergegeben. Nach Kapitel 9,33 und 10,11 hat das "Zuschanden werden" mit Gottes Gericht zu tun. Paulus sagt also, dass die Hoffnung, die letztlich unsere Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes ist (Vers 2), uns die Gewissheit gibt, dass Gott uns nicht enttäuscht / uns nicht fallen lässt!

Warum nicht? Was ist der Grund dafür? Paulus sagt: "Weil Gott seine Liebe zu uns in unser Herz gegossen hat."

Er sagt weiter: "Dies geschah durch den Heiligen Geist, den er uns gegeben hat." Für Paulus ist dies nicht die Hauptaussage dieses Verses. Dennoch erfahren wir durch diese Information, dass Christen den Heiligen Geist als Gabe / als Geschenk erhalten haben!

Zurück zur Liebe, die ins Zentrum unseres Lebens (Herz) gegossen wurde, und zwar wirklich vollendet und mit fortdauernder Wirkung gegossen wurde! Welche Liebe ist damit gemeint? In den Versen 6 bis 10 beantwortet Paulus diese Frage:

(6) Denn Christus ist schon damals, als wir noch der Sünde ausgeliefert waren, für uns gottlose Menschen gestorben. (7) Für einen gerechten Menschen wird wohl kaum jemand sterben. Für einen Wohltäter vielleicht schon eher. (8) Aber Gott beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.

Die Liebe Gottes zu uns hat mit dem Tod Jesu zu tun. In Vers 5 haben wir gesehen, dass unsere Hoffnung nicht enttäuscht wird. Gott lässt uns nicht fallen. Es ist der Gott, der, als wir noch kraftlos = der Sünde ausgeliefert waren, für uns Gottlose (6), Sünder (8) und Feinde (10) in seiner Liebe zu uns tätig wurde. Und diese Liebe Gottes wurde in unsere Herzen gegossen. Sie garantiert uns die Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.

Lassen Sie mich den Text noch einmal mit etwas anderen Worten wiedergeben:

"Schon damals, als wir noch in der Gewalt der Sünde waren, ist Christus für uns, die wir uns in unserem scheinfrommen Wesen gegen Gott aufgelehnt haben, gestorben. Für einen gerechten Menschen stirbt wohl niemand. Für einen besonders guten und wohltätigen Menschen schon eher. Das Außergewöhnliche an Christi Tod war aber, dass er für uns starb, als wir noch Sünder waren. Darin beweist Gott seine einzigartige Liebe zu uns!"

(9) Um wie viel gewisser werden wir, die wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, durch ihn vom Zorn Gottes gerettet werden.

Und weil das, was in den Versen 6-8 steht, so ist, werden nun solche, welche durch die Kraft des Blutes gerechtfertigt sind, erst recht / umso gewisser durch Christus vom Zorn Gottes gerettet werden.

(10) Denn wenn wir mit Gott durch den Tod seines Sohnes versöhnt wurden, als wir noch seine Feinde waren, dann ist es noch viel gewisser, dass wir jetzt, da wir versöhnt sind, durch das Leben seines Sohnes gerettet werden.

Vers 10 erläutert Vers 9. Dabei erklärt Paulus durch parallele Begriffe. In Vers 9 spricht er von:

  • gerechtfertigt - durch das Blut Christi - durch Christus - vom Zorn Gottes gerettet werden

In Vers 10:

  • versöhnt - durch den Tod seines Sohnes - durch sein Leben - gerettet werden

Indem Paulus von Versöhnung spricht, wird die Rettung noch viel persönlicher. Denn Versöhnung geschieht nur da, wo man sich einmal nahegestanden hat. Adam und Eva standen Gott nahe. Vor dem Sündenfall hatten sie Frieden mit Gott. Und nun stiftet Gott Frieden und versöhnt uns mit ihm, als wir noch seine Feinde waren. Damit beendet er nicht einfach nur diese Feindschaft. Seine Versöhnung geht viel tiefer, indem er nämlich die einstige Gemeinschaft wiederherstellt. Und auch diese wiederhergestellte Gemeinschaft ist nicht nur zu bestimmten Zeiten real, sondern für immer. Die Errettung ist sicher, ohne Wenn und Aber und ohne vielleicht und möglicherweise! Sie ging nicht vom Menschen aus, sondern von Gott!

(11) Aber nicht nur das: Wir freuen uns auch deshalb Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, weil wir durch unseren Herrn Jesus Christus schon jetzt die Versöhnung empfangen haben.

Mit Vers 11 kommt Paulus auf das dritte Rühmen / Freuen zu sprechen. Christen bekennen nicht nur freudig und mit dankbarem Herzen, dass sie einmal an der Herrlichkeit Gottes teilhaben werden (2b). Sie bekennen auch freudig und mit dankbarem Herzen, dass sie in Nöte geraten (3) und sie bekennen auch freudig und mit dankbarem Herzen, dass sie zu diesem versöhnenden Gott gehören dürfen. Dies geschieht in der Anbetung, in der Danksagung, aber auch im Bekenntnis. Unser Herr Jesus Christus hat dies möglich gemacht, durch ihn haben wir auch schon jetzt die Versöhnung empfangen.


Anwendung:

Gott wird nicht müde, mit seinem Friedensangebot zu uns Menschen durchzudringen

Friede mit GottSicherlich haben Sie schon an verschiedenen evangelistischen Veranstaltungen und / oder Gesprächen teilgenommen. Dabei wurde / wird die gute Nachricht Gottes auf die verschiedenste Art und Weise und mit unterschiedlichen Beispielen weitergegeben. Natürlich gibt es dabei auch wechselnde Wege zu dem einen Ziel, nämlich Menschen für Christus / Gott zu gewinnen.

Im Römerbrief haben wir nun auch schon einige unterschiedliche Versionen desselben Evangeliums gehört:

  • In Kapitel 1,18 ist vom Zorn Gottes die Rede. Alle Menschen stehen darunter. Das Evangelium zeigt auf, wie man von diesem Zorn Gottes errettet werden kann (1,16). Hier gehören die Begriffe Zorn Gottes und Errettung zusammen.
  • In Kapitel 3,9 sagt Paulus, dass sowohl die Juden als auch die Heiden unter der Herrschaft der Sünde stehen. Das Evangelium zeigt auf, wie der Mensch von dieser Herrschaft erlöst / befreit werden kann (3,24). Hier gehören die Begriffe Herrschaft der Sünde und Erlösung (bez. Befreiung) zusammen.
  • In Kapitel 2 und 3 ist vom Gericht Gottes die Rede. Dort wird es eine Urteilsverkündung geben. Entweder wird der Angeklagte verurteilt oder er wird aufgrund der Begnadigung für gerecht erklärt (4,3-5). Das Evangelium beinhaltet hier also die Rechtfertigung durch die Begnadigung. Die Begriffe Gericht / Gerichtsverhandlung / Urteilsverkündung und Rechtfertigung / Begnadigung gehören zusammen.
  • In Kapitel 5 kommt Paulus auf die Feindschaft zwischen Gott und den Menschen zu sprechen (10). Das Evangelium zeigt hierbei auf, wie es durch die Versöhnung zum Frieden mit Gott kommen kann (1,10+11). Die Begriffe Feindschaft und Frieden / Versöhnung gehören zusammen.

Vielleicht ist es Ihnen beim Lesen meiner Auslegung so ergangen, dass die eine oder andere Version des Evangeliums Sie mehr angesprochen hat. Möglicherweise hing dies damit zusammen, dass Sie zum Beispiel schon einmal einer Gerichtsverhandlung beigewohnt haben. Dann wäre es verständlich, dass Ihnen das Evangelium am "Beispiel" der Rechtfertigung besonders nahe ging. Lassen Sie mich einmal solch eine Verhandlung als evangelistisches Gespräch ausführen:

  • Ich: Nehmen sie einmal an, dass sie einer Gerichtsverhandlung beiwohnen. Der Angeklagte ist ein überführter Mörder. Nicht nur Indizien, sonder eindeutige Beweise, an denen es nichts zu rütteln gibt, haben ihn überführt. Doch der Angeklagte leugnet die Tat. Der Richter möchte ihn dennoch begnadigen. Er sagt bei der Urteilsverkündung: "Sie sind des Mordes überführt. Wenn sie sich zu ihrer Tat bekennen, begnadige ich sie!" Doch der Mörder leugnet weiterhin.
    Kann es sein, dass man sich so dumm verhält?
  • Mein Gesprächspartner: Ehrlich gesagt fehlt mir dabei das Verständnis für den Richter. Aber egal, was ihn zu diesem Urteilsspruch bewegt hat, der Angeklagte ist auf jeden Fall nicht ganz frisch im Kopf. So eine Gelegenheit lässt man sich doch nicht entgehen! Das gibt's doch nicht. Das wäre ja bescheuert.
  • Ich: So empfinde ich auch. Aber genau deshalb verstehe ich die Menschen um mich herum nicht. Sie haben recht. Das Verhalten des Angeklagten ist total bescheuert. Aber im Grunde genommen legen alle Menschen ein solches Verhalten an den Tag!
  • Mein Gesprächspartner: Was meinen sie damit? Ich kann ihnen gerade nicht ganz folgen!
  • Ich: Sehen sie, jeder Mensch weiß im Grunde genommen ganz genau, dass er vor Gott schuldig ist. Jeder ist überführt. Und jeden erwartet der Schuldspruch. Und wissen sie, was wir tun sollten?
  • Mein Gesprächspartner: Keine Ahnung. Wir können doch bestimmt gar nichts tun. Als Verurteilter muss ich mich dem Urteil beugen. Bei Gott gibt es sicherlich keinen Einspruch, der daran etwas ändern könnte.
  • Ich: Da haben sie recht. Den Einspruch kann man sich sparen. Aber Gott begnadigt.
  • Mein Gesprächspartner: Wie das? Einfach so?
  • Ich: Nein, nicht einfach so. Im Grunde genommen so, wie in unserem Beispiel von vorhin. Um bei Gott eine Begnadigung zu erlangen, muss man seine Schuld eingestehen und das stellvertretend vollzogene Urteil in Anspruch nehmen.
  • Mein Gesprächspartner: Hm, was meinen sie mit stellvertretend ...

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Die genannten Begriffe weiter oben sind keine Beispiele. Sie beschreiben die Realität im Leben von uns Menschen:

  • Der Mensch steht unter dem Zorn Gottes und häuft weiteren Zorn Gottes an. Um diesem Zorn Gottes zu entkommen, muss er errettet werden!
  • Der Mensch lebt unter und erlebt die Herrschaft der Sünde. Um davon frei zu werden, muss er erlöst werden!
  • Der Mensch wird von Gott gerichtet. Bei diesem Gericht kann der Mensch nur verurteilt werden. Einzig, wenn Gott ihn begnadigt, kann er ihn auch für gerecht erklären!
  • Der Mensch lebt auch in Feindschaft zu Gott. Frieden mit Gott bekommt er nur über den Weg der Versöhnung!

Die Bibel beschreibt noch weitere Versionen des einen Evangeliums. Das ist von der Wiedergeburt die Rede, von Umkehr, usw. Gott wird nicht müde uns Menschen mit seinem Evangelium auf irgendeine Weise zu erreichen! Haben Sie sich schon erretten lassen? Haben Sie die Begnadigung angenommen? Sind Sie erlöst? Haben Sie Frieden mit Gott? Sind Sie wiedergeboren? ...

Wenn sich Christen rühmen!

Wenn Christen sich rühmen, werden andere Christen nervös. "Prahlerei und Angeberei", sagen sie, "ist nicht im Sinne Gottes. Christen sollen demütig sein!" Das ist wohl wahr. Dennoch spricht die Bibel an verschiedenen Stellen vom "Rühmen" der Christen. Hier, in unserem Text, bekennt Paulus sogar ein dreifaches Rühmen. Ist da wirklich von einem Prahlen und Angeben die Rede?

Ganz bestimmt nicht. Bei der Auslegung haben wir bereits gesehen, dass mit Rühmen etwas ganz anderes gemeint ist. Es ist ein freudiges Bekennen - mit dankbarem Herzen - auf eine anbetende Art und Weise.

Und so rühmen "wir" uns! Paulus schreibt nicht, dass wir uns so rühmen sollen oder müssen. Er berichtet einfach, dass wir es tun! Dieses Rühmen ist die natürlichste Begeisterung, die Christen haben.

Christen bekennen freudig und mit dankbarem Herzen, dass sie einmal an der Herrlichkeit Gottes teilhaben werden (2b). Wenn man den ganzen Abschnitt liest, dann stellt man fest, dass es Gott ganz besonders wichtig ist, dass Christen diese Gewissheit haben. Wer Hoffnung als etwas vages und unsicheres betrachtet, der darf durch diesen Abschnitt erkennen, dass bei Gott Hoffnung etwas ganz anderes ist. Die Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes ist eine feste Zusage. Christen dürfen wissen, dass sie die Ewigkeit bei Gott verbringen dürfen. Das steht fest.

Es gibt allerdings Christen, die sich dessen nicht sicher sind. Sie leben in Sorge darüber, ob sie einmal bei Jesus sein werden. Und immer dann, wenn sie in Sünde fallen, wird die Sorge zur überwältigenden Angst. Solche Christen rühmen sich der Hoffnung nicht und oft wollen sie sogar die, die sich dieser Hoffnung rühmen, davon abhalten. Aber die Bibel, insbesondere in unserem Text, lehrt, dass Christen Heilsgewissheit haben dürfen. Egal was passiert, Gott holt uns zu sich. Er lässt uns nicht zuschanden werden (5). Er enttäuscht uns nicht!

Und wenn das kein Grund zum freudigen Bekennen ist - was dann? Wenn das kein dankbares Herz hervorruft - was dann? Und wenn das keine Anbetung bewirkt - was dann?

Christen bekennen freudig und mit dankbarem Herzen, dass sie in Nöte geraten (3). Sie rühmen sich in den Nöten. Es gibt Glaubensgemeinschaften, die Nöte, Leid usw. ablehnen. Für sie ist das Himmelreich mit seinen "Extras" schon hier auf Erden Wirklichkeit. Und wer Nöte und Leid und Krankheit erfährt, mit dem stimmt etwas nicht. Entweder er glaubt nicht so, wie man glauben soll oder er lebt in Sünde.

Nun, Paulus sagt, dass wir uns in Nöten rühmen. Wir sind also in unseren Nöten in guter Gesellschaft. Nur das Rühmen macht uns Kummer. Ich bin mir sicher, dass dieses Rühmen auch Paulus Probleme bereitet hat. Er sagt ja auch nicht, dass wir darum beten sollen, in Nöte zu geraten. Auch das wird manchmal in christlichen Kreisen praktiziert.

Paulus rühmt sich in Nöten. Christen rühmen sich in Nöten. Normalerweise beten sie: "Herr, führe uns bitte nicht in Nöte." Aber wenn sie in Nöten sind, dann bekennen sie freudig und mit dankbarem Herzen, dass sie gerade von Gott geehrt werden. Denn diese Nöte müssen zuerst an ihm vorbei. Sie müssen zunächst den "nicht über die Glaubenskräfte" - Test Gottes" bestehen (1. Korinther 10,13). Erst nach der Freigabe kommen die Nöte zu Ihnen. Mit anderen Worten: Gott ist der Meinung, dass die Nöte, die Sie durchmachen, nicht über Ihre Kräfte gehen!

Das ist die eine Seite der Medaille. Und mit diesem Wissen können Sie sich in Nöten rühmen, weil auf der anderen Seite der Medaille Begriffe wie Ausharren, Bewährung und Hoffnung stehen. Wer im Glauben durch Nöte geht, der wird geduldiger. Wer geduldiger wird, der wird glaubensfester und wer glaubensfester wird, dessen Hoffnung ist unerschütterlich. Dies sind die Früchte der Not. Und diese Früchte wird die überwundene Not tragen. 100%ig, weil Not Ausharren zwingend hervorruft und weil Ausharren Bewährung zwingend hervorruft und weil Bewährung Hoffnung zwingend hervorruft. Das ist kein: Möglicherweise trägt der Nöte-Baum diese Früchte. Nein - diese Früchte wird die Not tragen, wenn sie mit Gott überwunden wird. Und wenn dieses Wissen keine Freude bewirkt, keine Dankbarkeit und keine Anbetung, dann läuft etwas schief!

Noch einmal zu unseren zwei Gemeinde-Sonderfällen. Wer Nöte aus verdrehten Glaubensinhalten heraus ablehnt, der wird mit der Bildung der Nöte-Frucht "Ausharren" hinterherhinken. Mit Glaubensbewährung wird er sich schwertun. Und seine feste Hoffnung ist wahrscheinlich nur Luft. Auch wird er sich um dieses Rühmen betrügen.

Und wer um Nöte betet, der steht meines Erachtens in der Gefahr, dass er sich überschätzt. Für mich geht ein solches Handeln in die Richtung des falschen Rühmens, nämlich hin zur Prahlerei.

Christen bekennen freudig und mit dankbarem Herzen, dass sie zum versöhnenden Gott gehören dürfen, und beten ihn an (11). Sich Gottes rühmen ist eine heikle Sache. Eigentlich tun das nur Sektierer. Die fangen immer wieder damit an, von ihrer Gottesbeziehung zu schwärmen.

Das ist sehr traurig. Aber es ist tatsächlich so, dass viele der Meinung sind, dass Glauben ganz und gar Privatsache ist. Und das sagen sie auch und ich glaube bei vielen dann, dass sie gar keinen Glauben haben. Da bin ich mir sogar oftmals ziemlich sicher. Man flieht in diese Privatsphäre, um nicht darüber reden zu müssen, weil es nichts zu reden gibt und man auch nicht darüber reden möchte.

Wenn allerdings wirkliche Christen nichts von diesem Rühmen halten, dann ... Ich staune immer wieder, wie Menschen sich vieler Dinge rühmen, aber die Gottesbeziehung ist davon ausgenommen. Man rühmt sich, Mitglied im Bayern München Fanklub zu sein. Man rühmt sich, ein Fan der Beatles zu sein. Man rühmt sich, zu den Wanderfreunden zu gehören. Man rühmt sich, BMW-Anhänger zu sein. Man rühmt sich seines facebook-Profiles usw.

Aber man rühmt sich des Gottes, der alles unternommen hat, um mich mit ihm zu versöhnen, nicht. Wo ist die Freude über die Versöhnung? Wo ist die Dankbarkeit über den Frieden mit Gott? Wo ist die Anbetung dieses rettenden Gottes, der uns durch den Tod seines Sohnes, als wir noch seine Feinde waren, versöhnt hat?

Die ausgegossene Liebe Gottes in unsere Herzen!

Römer 5 Vers 5 ist ein oft zitierter Bibelvers. Da steht, dass die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen wurde. In der Anwendung ist es oft die Liebe, die uns andere lieben lässt.

Aber so ganz richtig ist das nicht. Gottes Liebe zu uns wurde in unsere Herzen gegossen. Diese Liebe wird in den Versen danach deutlich beschrieben. Es ist die Liebe Gottes, die tätig wurde, als wir noch Sünder waren. Das ist das ganz Besondere an dieser Liebe und dieses ganz besondere der Liebe sichert uns umso mehr und 100%ig durch das Leben Jesu die Rettung.

Es ist die Liebe Gottes zu uns, die in unsere Herzen gegossen ist und aus dieser Liebe heraus können auch wir lieben, bevor unser Gegenüber liebenswert ist!



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