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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 5,12 - 8,39:
Struktur und Gliederung

Zu Beginn meiner Ausführungen über Kapitel 5,1-11 habe ich schon dargelegt, warum Kapitel 5,12 bis 8,39 für mich einen Abschnitt bildet. Andere Ausleger lassen diesen neuen Abschnitt schon bei Kapitel 5,1 oder erst bei Kapitel 6,1 beginnen. Ich aber bin mehr denn je davon überzeugt, dass Kapitel 5,12 - 8,39 am Besten unter eine gemeinsame Überschrift passt. Warum?

Verschiedene Gliederungsüberschriften

Um diese Frage zu beantworten, möchte ich ein paar Gliederungsüberschriften zu den drei Abschnittversionen wiedergeben (Da ich mit diesen Überschriften keinen Kommentator schlechtreden möchte, nenne ich deren Herkunft nicht. Ich möchte die Überschriften auch nicht bewerten - und schon gar nicht negativ bewerten! Es geht mir nur um die Verdeutlichung, wie sich die Sichtweise eines Abschnitts durch eine andere Gliederung und damit auch Überschrift verändern kann!):

1 - Zum Abschnitt 5,1 - 8,39:

  • Die Gnadengaben der Glaubensgerechtigkeit
  • Das neue Leben aus Gott
  • Die Freiheit des Lebens des Gerechten
  • Das neue Leben in der geschenkten Glaubensgerechtigkeit

2 - Zum Abschnitt 6,1 - 8,39:

  • Die Gottesgerechtigkeit als Grund und Kraft des neuen Lebens
  • Der Weg des Geheiligtseins
  • Gottes Gerechtigkeit offenbart sich in der Heiligung

3 - Zum Abschnitt 5,12 - 8,39:

  • Die königliche Herrschaft der Gnade Gottes in Christus über die Christen
  • Parallelisierung der beiden Lebenskonzeptionen
  • Die Linie Adams gegenüber der Linie Christi

4 - Zum Abschnitt 5,12-21:

  • Adam und Christus
  • Adam und Christus: Sünde und Gnade
  • Die beiden Lebensweisen gemäß Adam und Christus
  • Adams Sünde brachte das Verdammungsurteil über die Menschheit - Christi Erlösungswerk kann zum Freispruch aller führen

Noch einmal: Es geht mir nicht darum, zu sagen, dass diese und jene Überschrift nicht passt oder gar voll daneben liegt!

Wenn Sie nun die Überschriften von 1 und 2 betrachten, dann ist dort ganz und gar nichts von einer Gegenüberstellung zweier "Wirklichkeiten oder Existenzweisen" zu lesen. Diese Thematik geht dort völlig unter.

Sobald man aber in der Struktur des Textes diese zwei Existenzweisen "entdeckt" und dann den Abschnitt mit Kapitel 5,12 (3) beginnt, beeinflussen diese parallelen Lebenskonzeptionen die Überschrift zum ganzen Abschnitt und nicht nur die Verse 12-21 (4)!

Mit anderen Worten: Wenn der Abschnitt zum Beispiel mit "Die Linie Adams gegenüber der Linie Christi" überschrieben ist, dann erwartet man auch, dass dieser Abschnitt mehr über diese zwei Linien aussagt, als nur in den Versen 12-21. Und so ist es auch. Aber das wird leider übersehen, wodurch die weiteren Ausführungen zur Linie Adams manchmal auch der Linie Christi zugeordnet werden. Dass dies dann zu einer ganz anderen Sichtweise führt, liegt auf der Hand.

Einteilung zu Kapitel 5,12 bis 8,39

Die folgende Grafik zeigt meine Gliederung von 5,12 bis 8,39:

Struktur Römer 5,12 - 8,39Sie kennen ja schon meinen Umgang mit Textabschnitten aus dem Römerbrief. Hier nun werde ich ähnlich vorgehen. Meines Erachtens hat Paulus bei der "Existenzweise in Christus" zwischen "Frei vom Gesetz" und "Existenzweise im Geist" "Die Existenzweise in Adam" behandelt.

Im Zusammenhang gesprochen würde das bedeuten, dass die Linie Adams und die Tatsache, dass er das Verdammungsurteil über die Menschheit gebracht hat, in Kapitel 7,7-25 weiter ausgeführt wird, indem Paulus in diesen Versen die Existenzweise "in Adam" aufzeigt.

Dass sich der Abschnitt 7,7-25 auf eine ganz besondere Art und Weise hervorhebt, ist allgemein anerkannt. Paulus beginnt hier eine neue Beweisführung im ICH-Stil, stellt zwei Fragen und schließt mit einem Bekenntnis ab.

Das paulinische ICH

Paulus beginnt in 7,7-25 mit seinem ICH einen ganz neuen und im Römerbrief einzigartigen Stil. Deshalb hat man schon immer versucht, diesem ICH die Bedeutung zu geben, die es im ursprünglichen Sinne des Paulus haben sollte. Und genau das möchte ich im Folgenden auch versuchen:


Wer ist dieser ICH?

Das ICH in Römer 7Eventuell sagen Sie nun: "Na Paulus natürlich! Er diktierte diesen Brief und damit spricht er bei diesem ICH von sich selbst!" Ganz so einfach ist die Sache aber nicht.

Nehmen wir einfach einmal an, dass Sie mit Paulus als dem ICH richtig liegen. Von welchem Paulus berichtet Paulus dann?

  • Spricht er von dem Paulus, der gerade diesen Römerbrief diktiert? Beschreibt er sich selbst als "fleischlich, an die Sünde verkauft", der nicht tut, was er will, sondern das ausübt, was er hasst und von der Sünde bewohnt wird (7,14-19)? Ganz bestimmt nicht, denn in Vers 5 sagte er schon, dass diese Existenzweise "im Fleisch" und "das Wirken der Leidenschaften der Sünden" in der Vergangenheit liegen. Das war einmal!
  • Erzählt er dann etwa von dem Paulus, der mit 13 Jahren bei seiner Bar-Mizwa dem Gesetz verpflichtet wurde? In diesem Alter flammte doch das hier beschriebene Begehren auf! Aber das Gesetz bestimmte auch schon vorher seinen Lebensalltag. Paulus war beschnitten und lernte aus der Thora (dem Gesetz) bevor er 13 Jahre alt war. Und Paulus war vorher schon von der Sünde bewohnt. Die Lehre vom unschuldigen Kindsein ist unbiblisch. Wenn Paulus diese Sichtweise gewollt hätte, müsste er dann nicht anstatt dem ICH von "als ich ein Kind war" sprechen?
  • Nun gut, dann eben der Paulus, der er war, bevor er Christus kennenlernte. Er schreibt hier sozusagen eine autobiografische Rückschau! Dann widerspricht er sich aber gewaltig! In Philipper 3 Vers 6 sagt er über sich, dass er gemäß dem, was das Gesetz vorschreibt, ohne Fehler war!
  • Beschreibt dieses ICH dann den Paulus vor seiner Begegnung mit Christus in einem Konflikt, der ihm damals noch nicht bewusst war? Das schon eher. Ich kann mir gut vorstellen, dass Paulus zwar menschlich gesehen "untadelig" war, aber ich bin auch überzeugt, dass er diesen Kampf "im Fleisch" gekannt haben muss!

Verlassen wir die Sichtweisen, die mit Paulus als dem ICH zu tun haben. Man könnte beispielsweise dieses ICH auch heilsgeschichtlich sehen. Es gibt nämlich eine Epoche vor und nach der Gesetzgebung. Dass dem so ist, wird sogar in Vers 9 angedeutet. Da heißt es: "Als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf!" Fest steht aber, dass die Sünde auch schon vor dem Kommen des Gesetzes / der Gebote "lebte" (5,13+14)!

Oder wie wäre es mit der reformatorischen Deutung? Dann würde Paulus mit seinem ICH von Christen sprechen, die trotz der Existenzweise "in Christus" auch noch in der Existenzweise "in Adam" (und damit den Bedingungen der Sünde unterworfen sind) leben. Mit anderen Worten und wie es gerne im herkömmlichen Verständnis von Römer 6,1-14 (Taufe) gesagt wird: "Der Alte (Adam) kann schwimmen!" Diese Ansicht kann ich ganz und gar nicht teilen, denn, um im Bild zu bleiben, der alte Adam ist Nichtschwimmer - der ist ertrunken!

Manchmal wird die letztgenannte Sichtweise ein wenig abgemildert wiedergegeben. Das ICH meint dann nicht alle Christen, die alle auch noch dem "in Adam" unterworfen sind, sondern es meint alle Christen, die diesen Kampf "im Fleisch" hin und wieder mal erleben. Was der Text aber beschreibt, ist etwas Absolutes. Vers 14: Ich bin fleischlich, unter die Sünde verkauft! Und dieses fleischlich war damals, als wir im Fleisch waren (7,5). Die Verse 7-13 sind in der Zeitform der Vergangenheit (Imperfekt und Aorist)!

Deutet man das ICH rhetorisch, so wäre das beschriebene Geschehen kein wirkliches Erlebnis. Paulus hätte dann über den Menschen unter dem Gesetz vom Standpunkt des Glaubens aus ein Urteil abgegeben.

Manchmal wird das ICH beziehungsweise Paulus auch als Adam im Geschehen des Sündenfalls aufgefasst. Aber es geht hier nicht nur um den Sündenfall, sondern vor allem um die "in mir wohnende Sünde" (7,17+20). Das Geschehen vor und im Sündenfall kommt meines Erachtens nur in Kapitel 7,8-11 zur Sprache. Ansonsten geht es um den Adam nach dem Sündenfall!

Diese Sichtweise habe ich zwar so noch nirgends gelesen, aber ich glaube, dass dieser Gedanke beim ICH ganz bestimmt mitspielt. Im Zusammenhang schreibt Paulus von der Linie Adams, von der Sünde Adams, dem Verdammungsurteil über die Menschheit und hier nun von der Wirklichkeit oder Existenzweise "in Adam" - also dem Adam nach dem Sündenfall.

Last, but not least möchte ich noch die Sichtweise nennen, bei der das ICH einen Christen beschreibt, der zurückblickt und seine vorchristliche Existenz aus jetziger (christlicher) Sicht betrachtet. Das ICH ist damit der unerlöste Sünder (Nichtchrist) (oder eben alle unerlösten Sünder).

"Was nun (6,15)", würde Paulus eventuell fragen, "wer ist nun dieser ICH?" Ich möchte diese Frage folgendermaßen beantworten:

In Kapitel 7 Vers 5 ist dieses ICH noch ein WIR. Deshalb sehe ich in diesem ICH tatsächlich ein WIR.

  • In diesem WIR ist für mich vor allen Dingen Adam vor und nach dem Sündenfall eingeschlossen. Dort begann die leidige Geschichte der innewohnenden Sünde.
  • In diesem WIR ist für mich aber auch Paulus mit eingeschlossen. Und zwar der Paulus, der sich vor der Begegnung mit Christus seines Konfliktes noch gar nicht so bewusst war und sich für untadelig hielt. Diese unkritische Betrachtung der frommen Juden sich selbst gegenüber kennen wir ja schon aus dem Römerbrief (Kapitel 2). Jeder Jude wird wohl an dem, was in Kapitel 7,7-25 steht, schwer zu kauen haben!
  • In dieses WIR ist für mich aber auch jeder Juden- und Heiden-Christ mit eingeschlossen, der auf seine vorchristliche Vergangenheit schaut. In Kapitel 1 haben wir gesehen, dass auch Heiden die Rechtsforderung Gottes kennen. Von daher kennt auch jeder Heide diesen Kampf "im Fleisch", auch wenn er das mosaische Gesetz nicht kennt.
  • Dieses WIR und was hier darüber gesagt wird, handelt für mich vom unerlösten Sünder. Es betrachtet die vorchristliche Existenz aus christlicher Sicht!


Anwendung:

Welcher ICH bin ICH?
Oder: Wo stehe ich, was glaube ich und was lebe ich?

Ich habe Sie wieder bewusst in Fragen mit hineingenommen, die man wahrscheinlich als Bibelleser so nicht hat. Ich hoffe, dass ich Ihnen dadurch vermitteln konnte, dass es schon einen Unterschied macht, ob nun Paulus als Christ zum Zeitpunkt der Briefschreibung von der Sünde bewohnt war oder ob er seine vorchristliche Existenz beschreibt.

Das paulinische ICHAber lassen wir Paulus mal beiseite und nehmen dieses ICH persönlich. Wir haben gesehen, dass dieses ICH ein Vorher und ein Nachher hat. Mit "Vorher" ist die vorchristliche Existenz gemeint. Jeder Mensch kommt als unerlöster Sünder auf die Welt. Und erst wenn er Christi Erlösungswerk für sich in Anspruch genommen hat, kann man auch von einem "Nachher" sprechen. In diesem Moment wurde das Vorher-ICH zum Christen und lebt ab dann im Nachher-ICH. Das zeigt die Grafik sehr deutlich an.

Meine erste Frage, die ich an Sie richten möchte, ist diese:

Wo stehen Sie?

  • Sind Sie noch "in Adam" (1)? Dann leben Sie noch unter der Herrschaft der Sünde. Dann sind diese Erfahrungen, die uns Paulus in Römer 7,7-25 berichtet, auch Ihre Erfahrungen. Dann ist diese Zerrissenheit auch Ihre Zerrissenheit. Dann sind auch Sie der Sünde recht- und machtlos ausgeliefert. Dann sind Sie geistlich tot und können nur durch das Erlösungswerk Christi (2) aus diesem "Vorher" und "in Adam" in das "Nachher" und "in Christus" (3) wechseln.
  • Oder sind Sie schon "in Christus" (3)? Dann sind Sie wiedergeboren. Nicht im fernöstlichen Sinn, sondern im biblischen Sinn! Dann wurden Sie vom Gesetz befreit und von Gott begnadigt. Ihr "Vorher", Ihr "alter Mensch in Adam" ist dann tot, weil er mit Christus mitgekreuzigt wurde. Sie sind dann von der Macht der Sünde frei gesprochen. Und die Zerrissenheit aus Römer 7,7-25 ist dann lediglich ein Rückblick auf Ihre vorchristliche Existenz. Sie sind zu einem geistlichen Leben durchgedrungen und dieses geistliche Leben sieht anders aus!
  • Eventuell sehen Sie sich als "in Adam und in Christus" (4). Dann sind Sie einer Irrlehre aufgesessen.

    Manchmal schleicht sich solch eine Lehre aufgrund einer Furcht vor Überheblichkeit ein. Aber es ist nicht überheblich, wenn Sie sich Gottes und seiner Herrlichkeit rühmen (5,2+11).

    Andere versuchen, durch diese Lehre eine billige Gnade abzuwehren. Aber die Gnade war nie billig. Sie hat Jesus das Leben gekostet. Und sie ist auch nicht für den Menschen wirklich "billig". Denn wenn das Evangelium biblisch gepredigt wurde, dann muss der Mensch sich eingestehen, dass Jesus wegen ihm und für ihn sterben musste. Der natürliche Mensch hat daran ganz schön zu knabbern. Er betrachtet sich normalerweise nicht als einen solch schlechten Menschen und möchte zudem seinen Beitrag zur Erlösung leisten.

    Eventuell wird Version 4 auch mutwillig verkündet. Dann hat Paulus quasi alles andere Drumherum umsonst geschrieben. Im Textzusammenhang ist nämlich nichts leichter zu entkräften als diese Irrlehre. Lesen Sie Römer 6 bis 8. Ich glaube nicht, dass sich die Bibel widerspricht!

Das führt mich direkt zur zweiten Frage, die ich an Sie richten möchte:

Was glauben Sie?

  • Theoretisch können Sie alles ablehnen! Nein, unter die Sünde verkauft und geistlich tot sind Sie nicht und waren es auch nie! Und Christi Erlösungswerk halten Sie für eine Theorie. Er war doch nicht einmal tot! Und für was bitteschön sollen Sie einen Freispruch benötigen. Wenn Gott Sie nicht annehmen kann, wen dann? Sie sind ein guter Mensch. Als Sünder würden Sie sich nie bezeichnen. Wenn dem so ist, dann ...
  • Eventuell finden Sie das, was unter (1) steht zu krass! So extrem können Sie das nicht sehen. Das möchte ich gar nicht einmal so sehr infrage stellen. Wenn ich Paulus richtig verstehe, dann hat er sich einerseits als dem Gesetz gegenüber untadelig betrachtet und sich erst nach seiner Bekehrung diesen unbewussten Konflikt eingestanden. Es kann also gut sein, dass Ihnen die Vokabeln zu deftig sind. Aber so ehrlich sollten Sie sein, dass Sie nämlich sündigen. Und darauf hat Paulus die ersten 4 Kapitel seinen Schwerpunkt gelegt. Alle Menschen sind Sünder und brauchen das Erlösungswerk Christi!
  • Das Erlösungswerk Christi haben Sie sich in Ihrer Taufe angeeignet! Das ist richtig und doch auch meilenweit von der Wahrheit entfernt. Wenn Sie mit dem Wort "Taufe" von der Geistestaufe sprechen, dann hat Sie zwar Gott bei Ihrer Bekehrung mit dem Heiligen Geist getauft, aber in diesem Moment wurde tatsächlich das Erlösungswerk Christi in Ihrem Leben real. Wenn Sie allerdings von Ihrer Glaubens- oder gar Kindertaufe reden, dann habe ich meine Zweifel, dass Sie überhaupt wissen, wie ein Sünder vor Gottes Zorn errettet wird!
  • Sie sind "in Christus"! Wenn dem so ist, dann "Preis den Herrn!" Solange dieses "in Christus" nicht ein "Life on a higher Plan" ist, ist alles in Ordnung. Ihr "Vorher" ist gestorben, Sie sind frei vom Gesetz und der Macht der Sünde sind Sie nicht mehr ausgeliefert. Aber sündigen tun Sie trotzdem noch und gesunde Lehre benötigen Sie auch und Vergebung obendrein. Sie stehen immer noch mit beiden Beinen auf der Erde!
  • Sie sind "in Christus" und "unter Gesetz"! Diese Version eines sonst gesunden Glaubens gibt es auch. Da wird das Gesetz Christi zur Seite geschoben und durch die zwei Gesetzestafeln des Mose ersetzt. Darüber habe ich nun schon an einigen Stellen geschrieben.
  • Sie glauben an Ihre Existenzweise "in Adam" und "in Christus"! Nach allem, was in Römer 6 bis 8 steht und was ich dazu schon geschrieben habe, fehlen mir nun bezüglich dieses Glaubens die Worte. Eigentlich wird dadurch das Evangelium irgendwie zerstört. Die gute Nachricht ist, dass Ihr "alter Mensch" mit Christus gestorben ist - die gute schlechte Nachricht ist, auch der "alte Mensch" ist auferstanden und erfreut sich bester Gesundheit!?

Und das führt mich - auch wenn ich mich nun wiederhole - zur dritten Frage:

Was leben Sie?

  • Ein Leben in Adam und Christus zugleich kommt im Armsünderchristentum zum Ausdruck! Da wird immer nur von der eigenen Schwachheit gesprochen. Dem Sünder sein (obwohl man in Gottes Augen ein Gerechter ist) und es wird auch gerne Druck gemacht. Das geht manchmal so weit, dass auch der Heilsgewissheit der Krieg erklärt wird. Ein solches Leben kann man nicht als Christenleben bezeichnen. Es stellt das Evangelium als saft- und kraftlose "gute" Nachricht dar!
  • Ein Leben "in Christus" ist die eigentliche Version des Christenlebens! Ohne auf die spätere Auslegung des Textes zu viel vorzugreifen, ist solch ein Leben ein "haltet euch der Sünde für tot" (6,11), "stellt euch und eure Glieder Gott zur Verfügung" (6,13+19) und "seid von Herzen gehorsam" (7,17). Darüber hinaus gilt das, was ich weiter oben in der Gliederung unter der Existenzweise "in Christus" gelistet habe.
  • Falls Sie das Erlösungswerk Christi noch nicht in Anspruch genommen haben, leben Sie noch "in Adam"! Das heißt, dass Sie dann noch kein Christ sind. Es mag sein, dass Sie ein sittlich vorbildliches Leben führen, dass Sie sozial sehr engagiert sind, dass Sie viele "gute" Werke tun, aber Christ wird man nur, indem man bekennt, dass man Jesus zur Vergebung der Sünden benötigt, dass Sie all diese scheinbar guten Werke keinen Zentimeter näher zu Gott bringen. Auch ein "guter" Mensch ist ein Sünder! Und auch wenn man dies nach außen hin nicht mitbekommt, die innere Zerrissenheit ist da. Vielleicht wurde gerade durch diese Lektion dieser eventuell noch unbewusste Konflikt ein wenig ins Bewusstsein gerückt!



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