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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 7,1-6: Frei vom Gesetz!

(1) Ihr, meine Glaubensgeschwister (Brüder), wisst doch ganz genau - denn ich rede ja zu solchen, die das mosaische Gesetz kennen -, dass das mosaische Gesetz nur so lange Geltung für einen Menschen hat, wie er lebt.

(2) Eine verheiratete Frau zum Beispiel ist durch das mosaische Gesetz an ihren Mann gebunden, solange er lebt. Stirbt der Mann, so ist sie von dem Gebot (Gesetz), das sie an den Mann bindet, entbunden. (3) Wenn sie sich aber zu Lebzeiten des Mannes mit einem anderen Mann einlässt, wird sie zu Recht eine Ehebrecherin genannt. Wenn aber der Mann gestorben ist, ist sie von dem Gebot (Gesetz) entbunden, sodass sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie einen anderen Mann heiratet.

(4) So seid auch ihr, meine Glaubensgeschwister (Brüder), dadurch, dass Christus seinen Leib hingegeben hat, dem mosaischen Gesetz gegenüber tot. Ihr gehört jetzt nicht mehr dem mosaischen Gesetz, sondern Christus, der von den Toten auferstanden ist. Dadurch kann unser Leben für Gott fruchtbringend werden. (5) Denn als unser Leben noch von unserer alten Natur (vom Fleisch) bestimmt war, wirkten die Leidenschaften, die zur Sünde führen, in unseren Gliedern. Durch das mosaische Gesetz wurden sie hervorgerufen, um für den Tod fruchtbringend zu sein. (6) Jetzt aber sind wir vom mosaischen Gesetz entbunden. Früher hielt es uns gefangen. Aber wir sind ihm gestorben, sodass wir in der neuen Wirklichkeit des Geistes dienen und nicht in der alten Wirklichkeit des mosaischen Gesetzesbuchstabens.


Auslegung:

Römer 7,1-6Frei vom Gesetz

Beim Lesen dieses Abschnitts gewinnt man den Eindruck, dass die Christen von Rom das in Kapitel 6 Gesagte doch nicht so ganz nachvollziehen konnten. Mit seinem "ihr wisst doch ganz genau" (das ist die Bedeutung von "oder wisst ihr nicht") verbindet Paulus den neuen und auch vertiefenden Gedankengang und spricht dabei die Empfänger sehr eindringlich an (Brüder):

(1) Ihr, meine Glaubensgeschwister (Brüder), wisst doch ganz genau - denn ich rede ja zu solchen, die das mosaische Gesetz kennen -, dass das mosaische Gesetz nur so lange Geltung für einen Menschen hat, wie er lebt.

Die Christen von Rom sind solche, die das mosaische Gesetz kennen, bzw. damit vertraut sind. Als solche Menschen wissen sie, dass das mosaische Gesetz nur zu Lebzeiten eines Menschen Herr über diesen Menschen ist und ihm gebietet (Gültigkeit für ihn hat).

Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob Paulus hier, wie manche Ausleger meinen, vom römischen Gesetz oder dem mosaischen Gesetz spricht. Die Aussage gilt für beide Gesetze und spätestens ab Vers 4 ist auf jeden Fall vom mosaischen Gesetz die Rede!

(2) Eine verheiratete Frau zum Beispiel ist durch das mosaische Gesetz an ihren Mann gebunden, solange er lebt. Stirbt der Mann, so ist sie von dem Gebot (Gesetz), das sie an den Mann bindet, entbunden.

Aus diesem Wissen sollen die Christen von Rom das folgern, was Paulus mit dem Beispiel aus dem Eherecht (es kann sowohl aus dem römischen als aus dem mosaischen Gesetz sein) verdeutlichen möchte. Das Gesetz herrscht - aber in wiefern herrscht das Gesetz in diesem Eherecht?

Indem es bestimmt, dass eine verheiratete Frau so lange an ihren Mann gebunden ist, wie er lebt. Erst wenn der Mann gestorben ist, hat dieses Gesetz, durch das sie an ihn gebunden war, keine Gültigkeit mehr (4. Mose 5,11-31 und 1. Korinther 7,39).

Wenn man dieses Beispiel genauer unter die Lupe nimmt, dann stellt man fest, dass es eigentlich unlogisch ist. Gemäß von Vers 1 müsste nämlich in Vers 2 vom Tod der Frau die Rede sein. Es müsste heißen:

"Eine verheiratete Frau zum Beispiel ist durch das mosaische Gesetz an ihren Mann gebunden, solange SIE lebt. Stirbt SIE, so ist sie von dem Gebot (Gesetz), das sie an den Mann bindet, entbunden."

Dies ergibt natürlich keinen Sinn. Paulus möchte mit seinem Beispiel noch einen weiteren Gedanken verbinden. Dieser findet sich in Vers 3.

(3) Wenn sie sich aber zu Lebzeiten des Mannes mit einem anderen Mann einlässt, wird sie zu Recht eine Ehebrecherin genannt. Wenn aber der Mann gestorben ist, ist sie von dem Gebot (Gesetz) entbunden, sodass sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie einen anderen Mann heiratet.

Zunächst möchte ich aber die Anwendung des Beispiels ausführen. Paulus zeigt für die Ehefrau zwei Konsequenzen des Eherechts auf:

  1. Erstens darf sie zu LEBZEITEN des Ehemannes keinen anderen Mann haben. Hätte sie einen, wäre sie eine Ehebrecherin.
  2. Zweitens darf sie nach dem ABLEBEN des Ehemannes einen anderen Mann heiraten. Tut sie dies, ist sie keine Ehebrecherin.

Paulus verbindet also mit seinem Beispiel die Freiheit vom mosaischen Gesetz mit der Freiheit zu einer neuen Bindung! Die drei wichtigsten Aussagen des Beispiels sind also:

  • Das mosaische Gesetz herrscht (bindet)!
  • Diese Herrschaft (Bindung) wird durch den Tod gebrochen (entbunden)!
  • Dieser Bruch (diese Entbindung) ist die Freiheit zu einer neuen Bindung!

(4) So seid auch ihr, meine Glaubensgeschwister (Brüder), dadurch, dass Christus seinen Leib hingegeben hat, dem mosaischen Gesetz gegenüber tot. Ihr gehört jetzt nicht mehr dem mosaischen Gesetz, sondern Christus, der von den Toten auferstanden ist. Dadurch kann unser Leben für Gott fruchtbringend werden.

Mit Vers 4 wendet Paulus das Beispiel an. Das, was er über die Frau gesagt hat, das trifft auf die Situation der Christen von Rom zu:

  • Sie waren an das mosaische Gesetz gebunden. Das mosaische Gesetz war ihr "Ehemann".
  • Sie wurden dem mosaischen Gesetz getötet (das Gesetz starb nicht!). Gewaltsam wurden sie aus dem Gefängnis des mosaischen Gesetzes befreit (6a). Wie? Indem sie ihm weggestorben sind. Bei dieser Art Befreiung (indem der Häftling wirklich und endgültig stirbt), öffnet das Gefängnis seine Tore!
  • Auf diese Weise wurden Sie für eine neue Bindung frei. Christus ist ihr neuer "Ehemann". Und diese "Ehe" kann nie mehr gelöst werden. Warum? Weil Christus der Auferstandene ist, der nie mehr stirbt (6,9)!

Neben diesen angewendeten Aussagen des Beispiels beschreibt Paulus zwei weitere Details:

  • Paulus beantwortet zum einen die Frage "wie wir dem Gesetz gestorben sind" mit: "Durch den Leib des Christus." Was genau meint er damit? Das bringt die Neue Genfer Bibelübersetzung sehr gut zum Ausdruck. Dort "überträgt" man diese Stelle ausführlich mit: "Indem Christus für euch starb, wurde an seinem Leib das Urteil vollzogen, das sich aufgrund des Gesetzes gegen euch richtete. Damit aber seid ihr dem Gesetz gegenüber tot, ..." Auch Epheser 2,15+16 und Kolosser 1,22 spricht von der Versöhnung, die durch die Hingabe des Leibes Christi am Kreuz geschehen ist.
  • Zweitens könnte man fragen für was diese neue Bindung dienen soll. Hierzu schreibt Paulus: "Damit wir Gott Frucht bringen" was ich mit: "Dadurch kann unser Leben für Gott fruchtbringend werden" wiedergegeben habe. Davon war schon in Kapitel 6 ab Vers 21 die Rede:

    - Wir sind nicht vom Gesetz befreit worden,
    - damit wir uns selbst gehören
    - und dann Früchte bringen,
    - deren wir uns schämen müssten,

    sondern

    - wir wurden vom Gesetz befreit,
    - damit wir Christus gehören
    - und dann für Gott Frucht bringen, das heißt: So leben, dass er Freude an uns hat und durch dieses Leben geehrt wird.

(5) Denn als unser Leben noch von unserer alten Natur (vom Fleisch) bestimmt war, wirkten die Leidenschaften, die zur Sünde führen, in unseren Gliedern. Durch das mosaische Gesetz wurden sie hervorgerufen, um für den Tod fruchtbringend zu sein. (6) Jetzt aber sind wir vom mosaischen Gesetz entbunden. Früher hielt es uns gefangen. Aber wir sind ihm gestorben, sodass wir in der neuen Wirklichkeit des Geistes dienen und nicht in der alten Wirklichkeit des mosaischen Gesetzesbuchstabens.

In den Versen 5 und 6 nennt Paulus die Gründe dafür, warum dieses "für Gott Frucht bringen" erst dann möglich ist, wenn man dem mosaischen Gesetz gestorben und mit Christus verbunden ist:

EINST (unter dem mosaischen Gesetz):

  • Als wir noch im Fleisch waren (alte Natur, Sünder, in Adam, ...)
  • da wirkten die Leidenschaften, die zur Sünde führen, in unseren Gliedern.
  • Sie wurden durch das mosaische Gesetz hervorgerufen - die Sünde hat ihre Kraft aus dem mosaischen Gesetz (1. Korinther 15,56) und es weckt mehr und mehr Sünden (Römer 5,20).
  • Die Sünde, die das mosaische Gesetz hervorgerufen hat (die Macht der Sünde missbraucht das mosaische Gesetz diesbezüglich), bringt den Tod. Das mosaische Gesetz schenkt nicht das Leben, sondern bewirkt, dass die Situation vor Gott immer aussichtsloser wird. Immer mehr Sünden häufen sich an und dem Verderben wird dadurch quasi Nahrung geliefert.

Die WENDE (Vers 6):

Im gesamten Textzusammenhang ab Kapitel 6,1 kam es folgendermaßen zu dieser Wende:

  • Durch die Geistestaufe sind wir der Macht der Sünde gestorben.
  • Ebenso sind wir durch die Geistestaufe dem mosaischen Gesetz gestorben.

JETZT (die Folgen dieser Wende):

  • In Römer 6, 3und 4 lehrt Paulus, dass wir durch die Geistestaufe fähig werden, ein neues Leben zu führen.
  • Es ist das Leben in der Neuheit des Geistes (7,6). Der Heilige Geist bewirkt und bewahrt dieses Leben.

Früher traf das mosaische Gesetz mit seinen Forderungen von außen auf den Menschen. Da er der Macht der Sünde ausgeliefert ist, kann er die Forderungen (den mosaischen Gesetzesbuchstaben) nicht erfüllen. Er wird sogar zum Gegenteil getrieben, wodurch das mosaische Gesetz ihm zum Verderben wird.

Durch die Geistestaufe ist der Mensch für die Macht der Sünde tot (Beispiel: Ehemann stirbt). Der Heilige Geist wohnt nun in ihm und bewirkt von innen heraus und in der neuen Bindung an Christus (Beispiel: frei für die neue Bindung, den neuen "Ehemann") einen Gehorsam, der aus dem Herzen kommt.


Anwendungen:

1 - Wer dem Gesetz nicht gestorben ist, muss Probleme mit dem Heiligen Geist haben!

Den 10 Geboten gestorbenDie meisten Christen lehren wohl, dass der Heilige Geist eine Person der Dreieinigkeit ist. Die Glaubenslebenspraxis spricht allerdings eine andere Sprache. Da ist der Heilige Geist dann eher eine Sache und eigentlich ist er auch tot!

Zugegeben, das ist jetzt ziemlich ketzerisch dahergesagt. Aber lassen Sie das bitte einfach einmal stehen und überlegen Sie bitte mit, ob ich eventuell nicht ganz unrecht habe.

Es ist vorbei! Wirklich?

In unserem Text ist einmal mehr davon die Rede, dass Christen dem mosaischen Gesetz gestorben sind. Dadurch sind sie diesem Gesetzesbuchstaben, der von außen an sie herangetreten ist tot. Mit so manchem Krimi könnte man sagen: "Es ist vorbei! Die Macht der Sünde ist tot. Und das mosaische Gesetz ist in gewisser Weise auch tot, weil sie dem mosaischen Gesetz gestorben sind. Sie können nun ein befreites Leben führen."

Fast möchte ich sagen: "Wenn das nur so einfach wäre." Menschen, die solch einen Krimi erleben, haben Mühe, zu glauben, dass es tatsächlich vorbei ist. Die Angst sitzt ihnen im Nacken und sie benehmen sich wahrscheinlich für eine lange Zeit immer noch so, als wäre die Gefahr noch real. Vielleicht liegt dies auch daran, dass die Gefahr ja tatsächlich noch real ist. Es laufen noch mehr Mörder in dieser Welt herum!

Im geistlichen Bereich könnte es ähnlich sein. Dadurch, dass ich nun schon sehr oft gesagt habe, dass ein Christ dem mosaischen Gesetz gestorben ist, wurde beim ein oder anderen eventuell die Denkweise korrigiert. Der alte Mensch ist nun in der Theorie tot. Und auch dem mosaischen Gesetz ist es genauso ergangen. Die Leiche des Alten wurde über Bord geworfen und das mosaische Gesetz gleich mit. Dann, um das Bild weiter zu gebrauchen, wurden ein paar Schleppnetze ausgeworfen. Als man sie wieder einzog, lagen der Alte und das mosaische Gesetz wieder drin.

Das Leben als Christ ist von einer gewissen Machtlosigkeit gegenüber der Sünde geprägt und durch Gesetze aller Art, denen wir nachkommen müssen, schleichen sich auch wieder die mosaischen Gebote von außen an uns heran.

Theorie und Praxis!

Man ist ehrlich und lehrt die biblische Version, aber im Leben spielt sie nicht wirklich die Rolle. Man lebt, als wäre man noch unter dem mosaischen Gesetz. Aber immerhin, man handelt nicht unbedingt so, dass man sich seines Tuns schämen müsste. Doch obwohl das Glaubensleben nach außen hin nicht unfromm erscheint, müsste man sich dennoch schämen. Warum? Weil jeglichem Tun als Forderung von außen nachgekommen wird. Und da gilt kein "Hauptsache es wird Gutes getan", nein, dieses "Guten" muss man sich schämen.

Entweder oder!

Ich skizziere mal drei Versionen und denke dabei nur an Christen:

  1. In Version 1 glaubt der Christ weder in der Theorie daran, dass er dem mosaischen Gesetz gestorben ist, noch in der Praxis. Das ist die schlechteste Voraussetzung, die ein Christ für sein Christenleben haben kann.
  2. In Version 2 glaubt der Christ zwar in der Theorie, dass er dem mosaischen Gesetz gestorben ist, in der Praxis lebt er aber wie unter dem Gesetz. Seine Theorie ist zwar eine gute Voraussetzung, aber sein Christenleben ist leider noch nicht an seine Theorie angeglichen.
  3. In Version 3 glaubt der Christ, dass er dem mosaischen Gesetz gestorben ist und lebt auch dementsprechend.

In Version 1 und 2 lebt der Christ "wie" unter dem Gesetz. Er ist dem mosaischen Gesetz nicht wirklich gestorben. Vor Gott schon, aber vor und für sich selbst nicht. Nur in Version 3 ist der Christ dem mosaischen Gesetz gestorben. Vor Gott und sich selbst. Version 1 und 2 ist "entweder", Version 3 ist "oder" - ein dazwischen gibt es nicht, auch kein sowohl als auch!

Entweder mosaisches Gesetz oder Heiliger Geist!

Wer als Christ wie unter dem mosaischen Gesetz lebt, der ist für ein Leben mit und unter dem Heiligen Geist tot. Sein Leben sieht nach Gehorsam aus, aber es ist ein fleischlicher Scheingehorsam. Gottes Wille tritt von außen als Buchstabe an ihn heran und er tut ihn, er muss ihn tun!

Wer als Christ unter dem Heiligen Geist lebt, der ist für ein Leben unter dem mosaischen Gesetz tot. Sein Leben ist ein Glaubensgehorsam, der von Herzen kommt. Gottes Wille tritt von innen durch die Person des Heiligen Geistes an ihn heran und er tut ihn, weil er ihn tun will!

Entweder der Heilige Geist ist im Alltag eines Christen eine Sache und als Person tot, oder er ist im Alltag eines Christen eine lebendige Person.

Ich gebe zu, dass ich dies etwas überspitzt vortrage. Dennoch möchte ich auch hier danach fragen, wo in etwa Sie mit Ihrem "geistlichen" Leben stehen. Hat der Tod Sie von Ihrem ersten Ehepartner (dem mosaischen Gesetz) getrennt? Haben Sie die dadurch entstandene Freiheit zu einer neuen Ehe genutzt (mit Jesus Christus)? Und ist aus dieser neuen Ehe die in unserem Text angesprochene "Frucht für Gott" (4) entstanden? Dann wohnt die Person des Heiligen Geistes in Ihnen und bewirkt von innen und in dieser "Ehe-"Gebundenheit mit Christus einen von Herzen gehorsamen Lebensvollzug.

2 - Scheidung und Wiederheirat -
Mosaisches Gesetz und Gesetz Christi!

Ich habe mich auf gefährliches Eis begeben und könnte mir dabei die Beine brechen. Oder besser gesagt: Sie könnten sich die Beine brechen, weil ich Sie aufs spiegelglatte Eis geschickt habe!

Sie verstehen nicht ganz, was ich meine? Nun, ich, beziehungsweise unser Text behauptet ja, dass Christen dem mosaischen Gesetz gestorben sind. Und dabei wird ausgerechnet ein Gesetz aufgegriffen, dass heutzutage auch unter Christen ein großes Problem darstellt. Viele Ehen, wo einer der Partner zum Glauben gekommen ist, gehen in die Brüche. Selbst Ehen, in denen beide Partner Christen sind, werden geschieden. Aber nicht der Tod, sondern das Gericht scheidet. Und es geht sogar noch weiter, indem auch ohne den Tod wieder geheiratet wird. Mit anderen Worten: In christlichen Gemeinden gibt es Scheidungen und Wiederverheiratungen ohne die Todesklausel, also Ehebrecher und Ehebrecherinnen zuhauf.

Wenn der Molzahn nun recht hat und diesen Bibelabschnitt recht auslegt, dann muss er wohl eingestehen, dass Christen dem mosaischen Gesetz gestorben sind und von daher die Begriffe Ehebrecher, Ehebrecherin und weitere wie "Sünde", "in Sünde leben", usw. in Bezug auf Scheidung und Wiederheirat zurücknehmen muss. Denn, was hier als Beispiel genannt wird, ist Inhalt des mosaischen Gesetzes. Nun, da haben Sie recht. Und dazu stehe ich auch.

Scheidung und Wiederheirat nach dem Gesetz Christi!

Aber die Thematik ist noch nicht ausdiskutiert. Christen stehen nicht unter dem mosaischen Gesetz, sie sind ihm sogar weggestorben. Aber Christen leben das Gesetz, das ihnen ins Herz geschrieben ist und das sich Gesetz Christi nennt. Was es sagt, will in der Verbundenheit mit Christus und im Neuen des Geistes voller Vertrauen und von Herzen gehorsam gelebt sein!

Was Jesus zum Thema sagte!

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle das, was uns Lukas in Kapitel 16 Vers 18 berichtet, zitieren. Aber das wäre zu einfach. Stattdessen nehme ich Matthäus 5,31+32. Dort sagt Jesus in der Bergpredigt:

  • Im mosaischen Gesetz wird gesagt: "Wer sich von seiner Frau scheiden will, soll ihr einen Scheidebrief geben."
  • Ich aber sage euch: "Wer sich von seiner Frau scheiden lässt, außer aufgrund von Hurerei, macht, dass sie Ehebruch begeht; und wer eine Geschiedene heiratet, begeht Ehebruch."

Dieser Text ist nicht einfach. Jesus hatte eine große Volksmenge um sich und stieg mit ihr auf einen Berg. Dort begann er seine Jünger mit der Bergpredigt zu belehren (Matthäus 5,1+2). Er predigte also nicht der Volksmenge, sondern den Jüngern! Und diese Jünger belehrte er auszugsweise mit folgenden Worten:

  • (5,17) Ich bin gekommen, um das mosaische Gesetz zu erfüllen (das heißt: es zu verwirklichen, aber auch zum Vollmaß des Willens Gottes zu bringen).
  • (5,20) Eure Gerechtigkeit muss vorzüglicher sein als die der Schriftgelehrten und Pharisäer.

Indem Jesus sündlos für die Sünde der Menschheit starb, erfüllte er das Gesetz. Und indem er immer wieder sagte: "Im mosaischen Gesetz wird gesagt, ... ich aber sage euch ..." lehrt er diese vorzüglichere (bessere) Gerechtigkeit und bringt damit das Vollmaß des Willens Gottes zum Ausdruck!

  • Im mosaischen Gesetz heißt es zum Beispiel: "Du sollst nicht ehebrechen."
  • Ich aber sage euch: "Jeder, der eine Frau begehrend anschaut, hat in seinem Herzen schon die Ehe gebrochen."

Das Gesetz Christi besagt also:

  • Schon der begehrliche Blick ist Ehebruch (Matthäus 5,28).
  • Scheidung ist nicht erlaubt (Matthäus 5,32).
  • Scheidung treibt in Ehebruch (Matthäus 5,32).
  • Wer eine Geschiedene / einen Geschiedenen heiratet, begeht Ehebruch (Matthäus 5,32).

Nun möchte man meinen, dass es dabei eine Ausnahme gibt. Wenn ein Ehepartner Hurerei betreibt, scheint Scheidung erlaubt zu sein. Erstaunlicherweise wird diese Klausel in Markus und Lukas nicht wiederholt. Und ich glaube auch, dass wir diese Klausel im jüdischen Kontext lösen müssen. Im Judentum war es so, dass eine Verlobung ein fester Ehevertrag war. Was bei uns auf dem Standesamt geschieht, könnte man in etwa mit der jüdischen Verlobung gleichsetzen.

Maria und Josef waren zum Beispiel verlobt (mit einem Ehevertrag verheiratet, Mann und Frau, aber noch nicht heimgeholt). Dann entdeckte Josef, dass Maria schwanger war. Das Kind war nicht von ihm. Sie hatte also Hurerei betrieben. Und Josef dachte daran, sich von Maria zu scheiden (Matthäus 1,19). Daraufhin bekam Josef Besuch von einem Engel. Dieser sagte zu ihm (20): "Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine FRAU, zu dir zu nehmen." Zu diesem Zeitpunkt war Josef mit Maria verlobt und hatte noch keinen Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt (18). Nach dem Besuch des Engels nahm Josef seine FRAU zu sich und wartete mit dem ehelichen Vollzug (Geschlechtsverkehr) bis nach der Geburt Jesu (24+25).

Mit anderen Worten: Jesus gewährt die Scheidung nur in der Verlobungszeit. Das Paar war da schon verheiratet. Der erste Geschlechtsverkehr fand aber erst nach der Heimholung statt (nach etwa einem Jahr Verlobungszeit). Lies sich in dieser Zeit die Frau mit einem anderen Mann ein, konnte sich der Betrogene von ihr scheiden.

Ein zweites Schriftzeugnis zum Thema!

Lesen Sie einmal 1. Korinther 7,10-16+39. Dort schreibt Paulus den Christen von Korinth:

  • Eine Frau soll sich nicht von ihrem Mann scheiden lassen (10).
  • Wenn sie geschieden ist, soll sie unverheiratet bleiben oder sich mit dem Mann versöhnen (11).
  • Ein Mann soll sich nicht von seiner Frau scheiden lassen (11).
  • Ein gläubiger Mann mit ungläubiger Frau, die bei ihm bleiben will, soll sich nicht von dieser Frau scheiden lassen (12).
  • Eine gläubige Frau mit ungläubigem Mann, der bei ihr bleiben möchte, soll sich nicht von diesem Mann scheiden lassen (13).
  • Wenn der ungläubige Partner sich scheiden lassen möchte, soll der gläubige Partner sein Ja dazu geben. Gott möchte Frieden, deshalb muss/soll der Christ in diesem Falle nicht mit aller Gewalt an der Ehe festhalten (15).
  • Eine Frau (und ein Mann) ist gebunden, solange ihr Mann (seine Frau) lebt (39).
  • Wenn der Mann (oder die Frau) verstorben ist, so ist sie (er) frei, wieder zu heiraten, wen sie (er) will, nur im Herrn soll es geschehen (39).

Christen sind dem mosaischen Gesetz, das Scheidung und Wiederheirat verbietet, gestorben. Aber Christen leben mit Freude ein anderes Gesetz, nämlich das Gesetz Christi. Die Messlatte dieses Gesetzes Christi liegt viel höher (bessere Gerechtigkeit) als die des mosaischen Gesetzes.

  • Christen wissen, dass schon der begehrliche Blick Ehebruch ist. Deshalb kämpfen sie gegen diese Glaubenserprobung / Versuchung an!
  • Christen wissen, dass Gott Scheidung hasst (Maleachi 2,16), dass weder der Mann noch die Frau sich von seinem / ihrem Partner scheiden lassen soll und dass Scheidung in Ehebruch treibt. Deshalb arbeiten christliche Ehepaare an ihren Problemen und lösen sie miteinander!
  • Christen wissen, dass sie, wenn sie geschieden sind, (solange der geschiedene Ehepartner lebt) unverheiratet bleiben oder sich mit ihrem einstigen Partner versöhnen sollen. Deshalb bleiben christliche Ehepaare ledig und / oder setzen alles daran, sich wieder miteinander zu versöhnen!
  • Christen wissen, dass sie dann, wenn sie eine Geschiedene / einen Geschiedenen heiraten, deren / dessen ehemaliger Ehepartner / Ehepartnerin noch lebt, Ehebruch begehen. Deshalb spielen sie nicht mit dem Feuer und verlieben sich nicht in Geschiedene, deren "ehemaliger" Partner / Partnerin noch lebt.
  • Christen wissen, dass sie, wenn sie mit einem ungläubigen Partner / Partnerin, der / die bei ihm / ihr bleiben möchte, verheiratet sind, sich nicht scheiden lassen sollen. Deshalb, und weil sie zudem wissen, dass der ungläubige Ehepartner durch den Gläubigen unter einem besonderen Segen steht (1. Korinther 7,14+16), tun sie alles Mögliche, um ihre Ehe zu erhalten!
  • Christen wissen, dass sie, wenn der ungläubige Ehepartner sich scheiden lassen möchte, nicht mit allen Mitteln an ihrer Ehe festhalten sollen. Gott ist ein Gott des Friedens. Deshalb soll der christliche Ehepartner sein Ja zur Scheidung geben!
  • Christen wissen, dass sowohl der Mann als auch die Frau an seinen / ihren Partner gebunden ist, solange dieser lebt. Deshalb arbeiten sie daran, dass sie diese Ehe gottgemäß führen, ihn damit verherrlichen und anderen als christliche Ehe ein Segen sind!
  • Christen wissen, dass sie, nachdem der Partner / die Partnerin gestorben ist, frei sind, wieder zu heiraten, wen sie wollen. Deshalb achten sie auch darauf, dass eine neue Ehe im Herrn geschieht, was wahrscheinlich bedeutet, dass der neue Ehepartner / die neue Ehepartnerin Christin ist!

Nur zur Information. Es gibt noch viel mehr solcher christlicher Verhaltensregeln zu diesen Fragen. Nicht umsonst füllt diese Thematik ganze Bücher! Die hier genannten Punkte haben aber direkt mit meinen Ausführungen zu Römer 7 zu tun.

Was ist und wo liegt der Unterschied?

Wahrscheinlich brennt Ihnen genau diese Frage auf den Lippen. Zum Beispiel aus Römer 7 sage ich für Christen ein deutliches NEIN und im nächsten Moment mache ich daraus ein noch deutlicheres JA. Zudem erscheint das mosaische Gesetz nahezu identisch mit dem Gesetz Christi.

Lassen Sie mich diese Einwände mit einigen Anmerkungen beantworten (Römer 8 wird noch weitere Antworten liefern!):

  • Eigentlich können sich die Gebote ja nicht widersprechen?!
    Wenn das mosaische Gesetz stehlen verbietet, dann liegt nahe, dass das Gesetz Christi dem Christen nicht "befiehlt", sich an fremdem Hab und Gut zu bedienen. Auch bei Scheidung und Wiederheirat entsprechen sich die Gebote nahezu.

    Aber es gibt auch andere Beispiele. Im mosaischen Gesetz ist von Auge um Auge und Zahn um Zahn die Rede. Das Gesetz Christi widerspricht diesem Gebot und besagt in etwa: "Vergelte nicht, sondern lass Dir Unrecht geschehen, und tue Deinem Peiniger Gutes!" (Matthäus 5,38-41) Das mosaische Gesetz besagt ebenfalls, dass du deinen Feind hassen sollst. Das Gesetz Christi jedoch gebietet die Feindesliebe und Fürbitte für die Feinde (Matthäus 5,43-48).

    Es gibt auch Gebote des mosaischen Gesetzes, die sich überholt haben. Die ganzen Opfergebote geschahen zum Beispiel im Hinblick auf das eine vollkommene Opfer Jesus Christi. Dieses Opfer hat stattgefunden. Weitere Opfer sind nicht mehr nötig und würden das Opfer Jesu Christi schmälern. Lesen Sie hierzu einmal Hebräer 9,11 bis 10,18)!

    Viele Christen machen aus dem Sabbatgebot des mosaischen Gesetzes ein Sonntagsgebot des Gesetzes Christi. Das ist unbiblisch. Allerdings gibt es ein Sabbatgebot des Gesetzes Christi. Es wird uns in Hebräer 4,1-13 erklärt. Die Kurzfassung lautet: Der christliche Sabbat ist ein Leben in der "Sabbatruhe" des Glaubens - Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute (4,3)! Das Halten des Sonntags ist Glaubensschwäche (Römer 14,5+6)!
  • Das Gesetz Christi ist eine bessere Gerechtigkeit!
    Diese bessere Gerechtigkeit zeigt sich in zwei Richtungen. Zunächst einmal liegt die Messlatte der Gebote Christi höher als die des mosaischen Gesetzes. Das wird immer wieder sehr deutlich. Ehebruch geschieht nicht erst dann, wenn er vollzogen wird, sondern der begehrliche Blick ist schon Ehebruch. Das Sabbatgebot wird nicht durch diese oder jene Handlung am Samstag gebrochen, sondern jegliches Tun, das nicht aus Glauben geschieht, ist eine Übertretung des Sabbatgebotes! Das Gesetz Christi offenbart das Vollmaß des Willens Gottes! Es ist viel mehr als alle bisher von Gott gegebenen Gesetze (im Paradies, an Noah, Abraham, Mose, ...).

    Die bessere Gerechtigkeit ist aber auch deshalb besser, weil diese gelebte Gerechtigkeit keinen Beitrag zum ewigen Leben leistet. Christus allein ist unsere Gerechtigkeit! Während beim mosaischen Gesetz die Möglichkeit eröffnet wurde, durch seine Erfüllung "zu leben" (nur Christis hat es erfüllt), steht beim Gesetz Christi von vornherein fest, dass allein die Begnadigung durch Gott das ewige Leben schenkt! Das führt uns zum nächsten Punkt:
  • Das mosaische Gesetz ist "nur" ein Zuchtmeister (Erzieher) auf Christus hin (Galater 3,25)!
    Das mosaische Gesetz war/ist zum einen das Gesetz Gottes an Israel (die Gemeinde ist nicht Israel!). Darüber hinaus ist es der Erzieher auf Christus hin (für alle Menschen). Seine Aufgabe war und ist es, Menschen davon zu überzeugen, dass sie dann, wenn sie mit Gott ins Reine kommen möchten, Christus brauchen. Durch Gesetzeswerke schafft es kein Mensch, in den Himmel zu kommen. Nur die Begnadigung durch Christi Erlösungswerk schafft dies!
  • Der Gehorsam gegenüber dem Gesetz Christi hat eine ganz andere Qualität!
    Hierzu gibt es sehr viel zu sagen. Ich treffe nur eine Auswahl und möchte zunächst den Gehorsam gegenüber dem mosaischen Gesetz ein wenig skizzieren:

    Wir haben bereits gesehen, dass das mosaische Gesetz auf einen Menschen trifft, der in Römer 6,6 als "alter Mensch" bezeichnet wird. Dieser Mensch steht unter der Herrschaft der Sünde, die das Gesetz dahingehend missbraucht, dass es zur Sünde verführt und darüber hinaus auch noch vorgaukelt, dass das das wahre Leben ist. Dabei zeigt die Sünde / das Sündigen noch zwei Gesichter. Entweder bewirkt die Begierde sehr deutlich Ungerechtigkeit oder sie zeigt sich scheinbar fromm in einer Selbstgerechtigkeit. Dieser alte Mensch MUSS auf diese Art und Weise sündigen. Das mosaische Gesetz wird dabei zum Joch der Sklaverei (Galater 5,1).

    Das Gesetz Christi trifft auf einen neuen Menschen, dessen "alter Mensch" tot ist (6,6). Dies geschah durch die Geistestaufe. Neu ist dieser Mensch durch eine Begnadigung geworden und er lebt nun im Neuen des Geistes (7,6) und aus dieser Gnade heraus. Die Liebe Gottes wurde in sein Herz gegossen (5,5) und diese Liebe lässt auch ihn lieben, sowohl Gott als auch den Nächsten (13,8-10). Sein Gehorsam ist ein Glaubens- (1,5) und Herzensgehorsam (6,17). Er hat die Freiheit, gehorsam zu sein (Galater 5,1+13) und muss nicht sündigen (6,11, Galater 5,16, 1. Johannes 3,6 + 5,18). Sein Glaube ist ein "durch Liebe wirksamer Glaube" (Galater 5,6)!

Zum Schluss möchte ich diese Thematik noch von einer etwas anderen Seite betrachten:

Der Gehorsam gegenüber dem Gesetz Christi ist ein Gehorsam der ersten Liebe!

Ein Bekannter von mir würde meine bisherigen Ausführungen als verwirrend bezeichnen. Er würde auch diese Thematik kurz und bündig erklärt haben wollen. Und eigentlich ist das auch möglich (wobei der Tiefgang aber auch nötig ist!)!

Den Christen von Ephesus wirft Jesus in Offenbarung 2,4 durch Johannes vor, dass sie (ihn) nicht mehr so wie am Anfang lieben! Weiter fordert er sie auf: "Bedenkt, wovon ihr abgefallen seid. Kehrt um und tut wieder die ersten Werke (handelt wieder so wie zu Beginn eures Glaubenslebens)!"

Vier Dinge sind in unserem Zusammenhang wichtig:

  1. Es geht um den Anfang im Glauben. Es geht um Menschen, die gläubig geworden sind und ihre ersten Schritte in diesem Glaubensleben getan haben.
  2. Diese ersten Schritte geschahen in Liebe. Man könnte auch sagen: Sie lebten die Liebe.
  3. Dabei geht es um Werke und damit auch um ihren Glaubens- und Herzensgehorsam.
  4. Als Johannes die Offenbarung schrieb, war die Luft aus der ersten Liebe dieser Menschen heraus.

Was hier beschrieben wird, geschieht in vielen Bereichen unseres Lebens. Da ist man frisch verheiratet und die Liebe zum Partner ist so groß, dass man von Herzen alles Mögliche füreinander tut, selbst Dinge, die man früher weit von sich gewiesen hätte. In der ersten Liebe spielt das keine Rolle. Da fragt man auch nicht nach der "Theologie", die dahinter steckt. Man hat den Partner fürs Leben gefunden, gibt gerne Bereiche seines Lebens auf und liebt hingebungsvoll. Doch plötzlich kommen andere Tage. Und mit ihnen erkaltet diese Liebe. Man ist vielleicht sogar dieser Beziehung überdrüssig und möchte sich scheiden lassen. Von erster Liebe ist nichts mehr zu spüren. Was man für den anderen tut, sind keine Werke der Liebe mehr.

Wenn nun dieses Ehepaar mit jemandem darüber spricht, dann erinnert diese Person hoffentlich an damals - an den Lebensalltag der ersten Liebe. Sie erinnert und sagt: "Bedenke, von was du im Begriff stehst, abzufallen, was du im Begriff stehst, aufzugeben. Kehre um, gehe auf deinen Partner zu, vergebt einander und macht doch bitte genau dort weiter, wo ihr zuletzt eure erste Liebe gelebt habt."

Meine Erfahrung ist, dass man da reden muss wie ein Buch. Man tischt "Erinnerung um Erinnerung" auf und trotzdem geht die Beziehung auseinander. Das Gleiche spielt sich bei verschiedenen Mitgliedschaften ab. Da spielt man zum Beispiel Tischtennis, tritt einem Verein bei, ist begeistert dabei (erste Liebe) und plötzlich kündigt man die Mitgliedschaft.

Die Christen von Ephesus lebten ihren Glauben in der ersten Liebe. Und man kann nicht sagen, dass in dieser Zeit der ersten Liebe alles eitel Sonnenschein war. In den Versen 2.3+6 ist davon die Rede, dass sie sich unermüdlich eingesetzt haben. Sie haben niemanden in ihrer Mitte geduldet, der Böses tut. Falsche Apostel haben sie entlarvt. Sie haben um ihres Glaubens willen gelitten und sind trotzdem dabei geblieben. Usw. Aber das war einmal. Diese erste Liebe war dahin. Nun hätte Johannes schreiben können, dass ihr alter Mensch gestorben ist, dass sie sich der Sünde für tot halten sollen, dass sie in der Neuheit des Geistes leben sollen, dass sie ... Aber das schreibt er nicht. Er erinnert einfach an die erste Liebe und sagt, dass sie bedenken sollen, von was sie da abfallen, dass sie umkehren und wieder in der ersten Liebe leben sollen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Beides ist wichtig: Sowohl die Lehre als auch diese seelsorgerliche Ermahnung.

Zwei weitere Verse der Bibel möchte ich hierzu erwähnen. Diese passen sehr gut zu diesem Glaubensleben in der ersten Liebe:

  • Wem viele Sünden vergeben sind, der liebt viel. Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig (sinngemäß Lukas 7,47)! Die Werke der ersten Liebe haben für mich einen Zusammenhang mit der Bekehrung. Wenn jemand gläubig wird und das stellvertretende Erlösungsopfer Jesu angenommen hat und (auch wenn er das so nie sagen würde) meint, dass Jesus für ihn persönlich nicht so grausam hätte sterben müssen (weil er kein so großer Sünder ist), dann wird die erste Liebe wahrscheinlich nicht so "groß" ausfallen. Dies gilt auch dann, wenn das Evangelium schwammig ist.
  • Der zweite Vers steht in 1. Johannes 5,3. Da sagt Johannes, dass unsere Liebe zu Gott nur dann echt ist, wenn sie sich im Befolgen seiner Gebote (des Gesetzes Christi) zeigt. Und wenn wir Gott lieben, ist das Befolgen seiner Gebote nicht schwer!

So einfach ist das, möchte man fast sagen. In der ersten Liebe ist kein Gebot zu schwer. Da ist man davon ergriffen, wie viel einem vergeben wurde (von der Begnadigung ergriffen), liebt Gott dafür zurück und lebt diese Liebe durch dick und dünn des Glaubensalltags.

Ich komme zum Schluss: In dieser Anwendung haben wir zwei Themen besprochen. Es ging um Scheidung und Wiederheirat und es ging um das Leben im Glauben (gemäß des mosaischen Gesetzes und des Gesetzes Christi). Auch wenn es in christlichen Kreisen modern geworden ist, sich scheiden zu lassen, so sagt dennoch das Gesetz Christi, dass Christen sich weder scheiden lassen sollen, noch eine geschiedene Person heiraten sollen. Drumherum hat das Gesetz Christi zum Thema Ehe noch viel zu sagen. Ich möchte Sie aber hier "nur" dazu ermutigen, bei Problemen in Ihrer Ehe, nicht an Scheidung zu denken, sondern sich gemeinsam an Ihre erste Liebe zu erinnern und daran zu arbeiten, dass Sie dort weitermachen, wo sie diese erste Liebe verlassen haben.

Was das Glaubensleben angeht, gilt dasselbe. Erinnern Sie sich an die erste Liebe. Ihnen wurde viel vergeben. Deshalb haben Sie viel geliebt und deshalb war auch die Gehorsamsfrage keine Frage des "MUSS", sondern ein begeistertes Leben gemäß des Gesetzes Christi. Solche Menschen müssen eher "gebremst" werden, als dass man sie ermahnen müsste, Werke des Glaubens zu leben beziehungsweise von Herzen gehorsam zu sein. Und das Wissen darum, dass Ihr alter Mensch wirklich tot ist, und dass Sie ... ist ein gutes Fundament, in dieser ersten Liebe zu bleiben!



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