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(14) Wir wissen doch, dass das mosaische Gesetz von Gott gegeben (geistlich) ist. Ich aber lebe im Widerspruch zu Gott (fleischlich), unter die Herrschaft der Sünde verkauft. (15) Ich bin mir im Unklaren darüber, warum ich so handle, wie ich handle. Denn ich tue nicht das, was ich eigentlich will, sondern das, was ich verabscheue. (16) Wenn ich nun aber genau das, was ich nicht will, tue, dann beweist dies, dass ich dem mosaischen Gesetz zustimme und seine Forderungen gut heiße. (17) Das bedeutet aber, dass nicht ich es vollbringe, sondern die in mir wohnende Sünde. (18) Ich weiß ja, dass in mir, so wie ich von Natur aus bin, nichts Gutes wohnt. Am Wollen fehlt es mir nicht, aber ich bringe es nicht fertig, das Gute zu tun. (19) Denn nicht das Gute, das ich eigentlich will, tue ich, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. (20) Wenn ich aber gerade das tue, was ich nicht will, dann vollbringe nicht ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.
(21) Neben dem mosaischen Gesetz stelle ich also bei mir noch ein anderes Gesetz fest: So sehr ich auch das Gute tun will - ich bringe nur das Böse zustande. (22) Von meiner innersten Überzeugung her stimme ich dem mosaischen Gesetz freudig zu. (23) Aber ich sehe in meinem Handeln (in meinen Gliedern) noch dieses andere Gesetz. Es liegt mit dem mosaischen Gesetz, dem ich ja mit meinem Verstand zustimme, im Streit und nimmt mich unter das Gesetz der Sünde gefangen. Dieses Gesetz der Sünde bestimmt mein Handeln (ist in meinen Gliedern).
(24) Ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich von diesem Todesleib retten? (25) Gott hat es getan! Ihm danke ich durch Jesus Christus, unserem Herrn!
Es gilt also Folgendes: Mit meiner innersten Überzeugung diene ich dem mosaischen Gesetz Gottes. Und so, wie ich von Natur aus bin (mit meinem Fleisch, mit meinem Handeln), diene ich dem Gesetz der Sünde.
Der Sünde als ihr Sklave recht- und machtlos ausgeliefertIn den vorangegangenen Versen (7,7-13) haben wir gesehen, dass die ganze Menschheit unter der Herrschaft der Sünde steht und dass diese auf zweifache Weise wirkt:
Dies macht deutlich, dass die Macht der Sünde einen Sündenzwang ausübt. Der Mensch "in Adam" kann gar nicht anders - er muss sündigen. Damit er aber dieses dreckige, furchtbare und abscheuliche Wirken erkennt, gab Gott Israel (und der unerlösten Menschheit) das mosaische Gesetz. Dadurch wird die Sünde in ihrem Wesen offenbar.
In den Versen 14-25 schildert Paulus nun auf sehr eindrückliche Weise dieses Offenbarwerden der Herrschaft der Sünde. Er schrieb diese Verse in der historischen Gegenwartsform, die für Christen Vergangenheit ist.
(14) Wir wissen doch, dass das mosaische Gesetz von Gott gegeben (geistlich) ist. Ich aber lebe im Widerspruch zu Gott (fleischlich), unter die Herrschaft der Sünde verkauft.
Mit Vers 14 leitet Paulus zu diesem neuen Gedankengang über. In Vers 13 behauptete er, dass nicht das mosaische Gesetz, sondern die Sünde der Menschheit den Tod gebracht hat. Nun, in Vers 14 sagt er, dass wir Christen ja wissen, dass das mosaische Gesetz geistlich ist. Es hat seinen Ursprung in Gott. Er hat es gegeben und eben deshalb ist es ja heilig, gerecht und gut. Von daher ist es unmöglich, dass dieses Gesetz dem Menschen den Tod gebracht hat.
Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Das mosaische Gesetz trifft ja nicht auf Christen, sondern es trifft auf den Menschen, der im Fleisch lebt, der im Widerspruch zu Gott lebt und von daher unter die Herrschaft der Sünde verkauft ist. Es ist der Mensch, der noch "am Rockzipfel" Adams hängt. Nur solche Menschen sind der Sünde recht- und machtlos ausgeliefert.
(15) Ich bin mir im Unklaren darüber, warum ich so handle, wie ich handle. Denn ich tue nicht das, was ich eigentlich will, sondern das, was ich verabscheue.
Wenn solche Menschen das Gesetz Gottes kennen, stellen sie diesen Zwiespalt in ihrem Leben fest und verstehen sich selbst nicht mehr. Obwohl sie das Gute tun wollen, tun sie genau das, was sie verabscheuen und hassen. Aber dieser Zwiespalt bringt etwas zutage:
(16) Wenn ich nun aber genau das, was ich nicht will, tue, dann beweist dies, dass ich dem mosaischen Gesetz zustimme und seine Forderungen gut heiße.
Er beweist, dass das mosaische Gesetz gut ist!
(17) Das bedeutet aber, dass nicht ich es vollbringe, sondern die in mir wohnende Sünde.
Wer aber ist dieser "ICH"? Nach Vers 17 ist es der, der von der Sünde bewohnt wird.
(18) Ich weiß ja, dass in mir, so wie ich von Natur aus bin, nichts Gutes wohnt. Am Wollen fehlt es mir nicht, aber ich bringe es nicht fertig, das Gute zu tun.
Und nach Vers 18 ist es einer, "in dessen Fleisch" nichts Gutes wohnt. Ich habe dieses "Fleisch" mit "so, wie ich von Natur aus bin" wiedergegeben. In einem Menschen, so wie er geboren wird, wohnt nichts Gutes. Dies gilt auch dann, wenn er aus eigener Kraft ein guter Mensch sein möchte (Selbstgerechtigkeit). Er ist von der Sünde bewohnt!
In den Versen 7-13 war nur ein Mal von "in mir" die Rede (8). Nur dort sagte Paulus, dass das selbstsüchtige Begehren ein Vorgang von innen heraus ist. Ab Vers 14 bis 25 häufen sich diese Formulierungen:
(19) Denn nicht das Gute, das ich eigentlich will, tue ich, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. (20) Wenn ich aber gerade das tue, was ich nicht will, dann vollbringe nicht ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.
Aber worin zeigt sich, dass im Menschen in der Existenzweise "in Adam" nichts Gutes wohnt? Es zeigt sich dadurch, dass er das Gute will - aber das Böse vollbringt (18+19)!
aber die innewohnende Sünde ist viel mächtiger als die Zustimmung, Überzeugung und der gute Wille!
(21) Neben dem mosaischen Gesetz stelle ich also bei mir noch ein anderes Gesetz fest: So sehr ich auch das Gute tun will - ich bringe nur das Böse zustande.
Vers 21a ist nicht ganz einfach zu interpretieren. Manche übertragen den Text (Ich finde also das Gesetz, ...) und sprechen von einer "Gesetzmäßigkeit / Regel". Meines Erachtens ist diese Formulierung schon ein Hinweis auf das in Vers 23 genannte "andere Gesetz". Es ist das Gesetz der Sünde, welches das Handeln dermaßen bestimmt, dass der unerlöste Mensch, so sehr er auch das Gute tun will, nur das Böse zustande bringt!
(22) Von meiner innersten Überzeugung her stimme ich dem mosaischen Gesetz freudig zu.
Auf der einen Seite ist da die Freude am - die freudige Zustimmung zum - Gesetz Gottes. Man möchte es auch erfüllen, aber: ...
(23) Aber ich sehe in meinem Handeln (in meinen Gliedern) noch dieses andere Gesetz. Es liegt mit dem mosaischen Gesetz, dem ich ja mit meinem Verstand zustimme, im Streit und nimmt mich unter das Gesetz der Sünde gefangen. Dieses Gesetz der Sünde bestimmt mein Handeln (ist in meinen Gliedern).
... man handelt dennoch nicht gemäß seiner Einsicht, sondern gemäß dem Zwang, der das Handeln bestimmt. Dieser liegt mit der Einsicht im Krieg und nimmt den Menschen in die Gefangenschaft der Sünde. Deren Gesetzmäßigkeit - DU MUSST SÜNDIGEN! - bestimmt das Handeln des unerlösten Menschen!
(24) Ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich von diesem Todesleib retten? (25) Gott hat es getan! Ihm danke ich durch Jesus Christus, unserem Herrn!
Nachdem Paulus die Machenschaften der Herrschaft der Sünde so deutlich vor Augen geführt hat, muss er in Vers 24, bevor er das Thema abschließt, diesen " Schrei zu Gott" einfügen:
Im Textzusammenhang könnte man diesen "Todesleib" folgendermaßen interpretieren:
Paulus betrifft dieser Notschrei nicht mehr. Er wurde bereits gerettet. Deshalb fügt er in Vers 25a eine Danksagung an:
Mit diesem Dank sagt Paulus, dass Gott es getan hat. Er hat ihn aus dieser Gefangenschaft befreit. Durch Jesus Christus (das Erlösungswerk Jesu Christi) hat er es getan. Durch diesen Jesus Christus ergeht nun auch sein Dank an Gott und dieser Jesus Christus ist sein Herr!
(25b) Es gilt also Folgendes: Mit meiner innersten Überzeugung diene ich dem mosaischen Gesetz Gottes. Und so, wie ich von Natur aus bin (mit meinem Fleisch, mit meinem Handeln), diene ich dem Gesetz der Sünde.
Mit Vers 25b zieht Paulus den Schluss aus dem in Vers 14 bis 23 Gesagten. Der unerlöste Mensch stimmt mit seiner Einsicht dem mosaischen Gesetz Gottes zu, aber mit seinem Tun dient er dem Gesetz der Sünde.
In Vers 22 ist im Griechischen vom "inneren Menschen" die Rede, was ich gemäß Vers 23 und 25 "meines Sinnes / dem Sinn" mit "innerster Überzeugung" wiedergegeben habe. Ich erwähne dies, weil in 2. Korinther 4,16 und Epheser 3,16 vom "inneren Mensch" des Christen gesprochen wird. Im Zusammenhang unseres Textes von Römer 7 kann aber nicht vom inneren Menschen des Christen die Rede sein. Der innere Mensch des Christen kann nämlich das Gute tun. Er steht nicht unter dem Zwang der Sünde!
Paulus sagte in Philipper 3,6, dass er, als er noch kein Christ war, der Gerechtigkeit nach, die im Gesetz gefordert wird, untadelig war. So stellte sich sein Leben nach außen hin dar.
In unserem Abschnitt sieht er allerdings sein Leben von damals ganz anders. Die unkritische (oder menschliche) Betrachtungsweise ergänzt er hier damit, dass er seine vorchristliche Existenz aus christlicher Sicht beleuchtet und beurteilt.
Nach außen hin stand er damals gut da. Aber sein innerer Mensch lebte im Zwiespalt. Damals war ihm das vielleicht nicht einmal bewusst (so sehr hat ihn eventuell die Macht der Sünde getäuscht!), aber als Christ sieht er nun die Dinge ganz klar. Und obwohl er sich in Vers 15 zunächst dahin gehend äußert, dass er selbst nicht versteht, warum er so handelte, wie er gehandelt hatte, weiß er doch ganz genau, was sich da abspielte. Die Herrschaft der Sünde missbrauchte in seinem Leben das mosaische Gesetz und täuschte ihn (7,7-13) und: Er war dieser Herrschaft der Sünde recht- und machtlos ausgeliefert (7,14-25).
Bedeutet diese Erkenntnis nun eine Entlastung? Ganz und gar nicht. Sie offenbart nur, dass die innewohnende Sünde viel mächtiger ist, als jeglicher gute Wille. Und wenn einem Menschen all die negativen Fakten dieses Abschnitts bewusst werden, dann muss es zu dem Schrei aus Vers 24 kommen, wo man sich an Gott wendet, sein Elend eingesteht und fragt, wie man aus dieser Misere herauskommt.
Lassen Sie mich nochmals einige Fakten aus diesem Abschnitt zusammentragen:
Der Mensch, so wie er geboren wird (wie er von Natur aus ist (18, 24b)),
Das gilt, ob er den hier beschriebenen Streit und Zwiespalt so empfindet oder auch nicht. Es gilt auch dann, wenn man so untadelig zu sein scheint, wie Paulus vor seinem Damaskuserlebnis. Die Begierde, welche die Macht der Sünde bewirkt, formt sich nämlich in zwei Richtungen aus. In Ungerechtigkeit, die sich in deutlichen Gesetzesübertretungen zeigt, und in Selbstgerechtigkeit, die einen eher untadeligen Eindruck hinterlässt (7,7-13)!
Was hilft nicht weiter?
Das sind alles positive Dinge, aber das Eigentliche fehlt.
Was also ist zu tun?
Auf diese Frage habe ich nur zwei Antworten:
Was sind die Folgen?
Was ist zu tun - oder wie sollte es sein?
Davon wird bei der Auslegung von Kapitel 6,1 - 7,6 und Kapitel 8 die Rede sein. Freuen Sie sich auf die vielen "Inhalte" eines Lebens in der Existenzweise "in Christus"!
In Galater 5,16 heißt es: Lasst euer Leben vom Heiligen Geist bestimmen. ...
Lesen Sie bitte weiter bis Vers 24. Für einen Moment werden Sie glauben, dass Paulus in Vers 17 auf den Streit von Römer 7,23 zu sprechen kommt. Aber dies ist nicht der Fall. Warum? Weil der Ausgang ein ganz anderer ist. In Galater 5,17 ist die Formulierung nämlich so, dass der Christ dann, wenn er sich durch den Heiligen Geist führen lässt, eben nicht tut (tun muss), was das Fleisch begehrt!

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