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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 8,10+11: Lebendiger Leib
Römer 8,12-17: Kind Gottes und Erbe

(10) Wenn aber Christus in euch wohnt, dann ist euer Körper als Folge der Sünde zwar dem Tod verfallen, der Geist jedoch als Folge der Gerechtigkeit, die Gott euch geschenkt hat, Leben. (11) Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, dann wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Körper durch seinen in euch wohnenden Geist lebendig machen.

(12) Wir sind also, liebe Glaubensgeschwister (Brüder), nicht mehr unserer eigenen Natur (dem Fleisch) gegenüber verpflichtet, um ihr (dem Fleisch) gemäß zu leben. (13) Denn wenn ihr nach eurer eigenen Natur (nach dem Fleisch) lebt, werdet ihr sterben. Wenn ihr aber durch die Kraft des Geistes die bösen Machenschaften eures Leibes tötet, werdet ihr leben. (14) Denn alle, die sich durch den Geist Gottes leiten lassen, sind Gottes Söhne und Töchter. (15) Denn ihr habt keinen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, sodass ihr wieder in Angst leben müsstet. Ihr habt einen Geist empfangen, der euch zu Söhnen und Töchtern gemacht hat, in dem wir betend "Abba, Papi (Papa)!" rufen. (16) Dieser Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind. (17) Wenn wir aber Kinder sind, sind wir auch Erben - Erben Gottes und Miterben mit Christus. Miterben mit Christus werden wir allerdings nur, wenn wir jetzt mit ihm leiden. Dann werden wir auch mit ihm mitverherrlicht werden.


Auslegung:

Römer 8,10-17Lebendiger Leib (8,10+11)

(10) Wenn aber Christus in euch wohnt, dann ist euer Körper als Folge der Sünde zwar dem Tod verfallen, der Geist jedoch als Folge der Gerechtigkeit, die Gott euch geschenkt hat, Leben.

In Kapitel 8 Vers 9 war von der "Innewohnung des Geistes Gottes" die Rede. Diese Formulierung ist gleichbedeutend mit "den Geist Christi haben" (8,9) und kann auch mit "Christus in euch" wiedergegeben werden (8,10)!

Was aber gilt, wenn Christus in uns wohnt (wenn wir Christi Geist haben / wenn Gottes Geist in uns wohnt)? "Dann", sagt Paulus in Vers 10, "ist unser Körper als Folge der Sünde dem Tod verfallen." Dies könnte man in der Weise missverstehen, dass unser Körper mit seinen Gliedern immer noch der Sünde verfallen wäre. Aber Kapitel 6,12-19 lässt keinen Zweifel daran, dass Paulus dies nicht meint. Er spricht vom natürlichen Tod und fährt fort, dass der Geist, als Folge der geschenkten Gerechtigkeit Gottes, Leben ist.

Welcher Geist ist nun gemeint. Geht es um den "Geist des Gläubigen" oder um den "Heiligen Geist"?

  • Zu Beginn des Verses ist vom Körper des Gläubigen die Rede. Er ist dem Tod verfallen. Und der erneuerte Geist (des Gläubigen)? Er wäre dann voller Leben.
  • Wenn mit dem Geist der Heilige Geist gemeint ist, dann wäre die Bedeutung die, dass der lebendige und zum Leben erweckende Geist, das Leben gibt, das die Folge der Rechtfertigung ist (5,18).

Obwohl mir die erste Version zunächst logischer erscheint, habe ich den Eindruck, dass die zweite Version besser zu Vers 11 passt:

(11) Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, dann wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Körper durch seinen in euch wohnenden Geist lebendig machen.

Vers 11 sagt also: Wenn das wahr ist, dass nämlich der (Heilige) Geist Leben ist (10), dann wird sich dies auch an uns zeigen, und zwar in der Auferstehung von den Toten (11). Ja, wir werden sterben, aber weil der Heilige Geist in uns wohnt, wird Gott unseren sterblichen Leib lebendig machen!

In 2. Korinther 5,4b+5 sagt Paulus sinngemäß: "Wir sehnen uns danach, dass das, was an uns vergänglich ist, vom Leben verschlungen wird. Und tatsächlich hat Gott uns darauf schon vorbereitet. Wie? Indem er uns seinen Geist als Unterpfand und Anzahlung gegeben hat."

Dass Gott die Macht zur Auferweckung hat, hat er schon bewiesen, indem er Christus von den Toten auferweckt hat. Auch an uns wird er diese Machttat vollziehen. Dafür bürgt der in uns wohnende Heilige Geist.

Als Christen sind wir von der Todesmacht befreit. Wozu? Zu einem gegenwärtigen und zukünftigen Leben durch den Tote erweckenden Geist Gottes!

Römer 8,10-17Kind Gottes und Erbe (8,12-17)

Jeder, der die Verse 12+13 liest, erkennt, dass sie aus dem bisher Gesagten die Konsequenzen für unsere Lebensführung ziehen. Aber es geht noch um mehr. Durch den neuen Abschnitt wird uns darüber hinaus gesagt, dass die Verpflichtung zum Gehorsam aus dem "Kind Gottes, Erbe Gottes und Miterbe mit Christus sein" vollzogen werden soll!

(12) Wir sind also, liebe Glaubensgeschwister (Brüder), nicht mehr unserer eigenen Natur (dem Fleisch) gegenüber verpflichtet, um ihr (dem Fleisch) gemäß zu leben.

Daraus, dass wir nicht mehr "im Fleisch", sondern "im Geist" sind, ergibt sich, dass wir nicht mehr unserer eigenen Natur gegenüber verpflichtet sind, um ihr gemäß zu leben.

Unsere eigene Natur (das Fleisch) möchte uns immer wieder weismachen, dass es einen Rechtsanspruch an uns hat und wir in seiner Schuld stehen. Dass wir sozusagen ihr gegenüber Verpflichtungen haben. Aber das ist nicht wahr.

(13) Denn wenn ihr nach eurer eigenen Natur (nach dem Fleisch) lebt, werdet ihr sterben. Wenn ihr aber durch die Kraft des Geistes die bösen Machenschaften eures Leibes tötet, werdet ihr leben.

Wenn wir als Christen so wie früher leben, dann kann man dies nicht "Leben" nennen. Es ist ein Sterben, weil man auf Trennung von Gott aus ist. Die sündigen Regungen kann ein Christ dadurch unterbinden, indem er Kraft des Geistes die bösen Machenschaften des Leibes tötet. Wie genau geschieht dies?

  • Der Christ muss eine Entscheidung treffen.
  • Diese trifft er auf das Wirken des Heiligen Geistes hin.
  • Nur in der Hingabe an den Heiligen Geist kann er die bösen Machenschaften des Leibes töten und den Willen Gottes in seinem Leben umsetzen.
  • Das ist das wahre Leben!

(14) Denn alle, die sich durch den Geist Gottes leiten lassen, sind Gottes Söhne und Töchter.

Vers 13 und 14 sagen auch: Diejenigen, die durch den Geist Gottes die bösen Machenschaften des Leibes töten, indem sie sich durch den Geist Gottes leiten lassen und ihre Entscheidungen im Geist Gottes treffen, Söhne und Töchter Gottes sind. In Vers 16 und 17 ist dann von Kindern Gottes die Rede. Deshalb habe ich mit "Söhne und Töchter Gottes" übersetzt. Worin zeigt sich aber, dass wir durch die Hingabe an den Heiligen Geist wirkliche Kinder Gottes sind? Vers 15 sagt: "Indem wir im Gebet »Abba, Papi (Papa)!« rufen." Kleinkinder sprechen ihren Vater vertrauensvoll mit Abba, also Papi oder Papa an!

(15) Denn ihr habt keinen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, sodass ihr wieder in Angst leben müsstet. Ihr habt einen Geist empfangen, der euch zu Söhnen und Töchtern gemacht hat, in dem wir betend "Abba, Papi (Papa)!" rufen.

Vers 15 begründet aber auch, warum die, die sich durch den Heiligen Geist leiten lassen, Kinder Gottes sind:

  • Negativ ausgedrückt sind geistgeleitete Christen deshalb Kinder Gottes, weil sie keinen Sklavengeist empfangen haben, sodass sie wieder in Angst leben müssten.
  • Positiv ausgedrückt sind geistgeleitete Christen deshalb Kinder Gottes, weil sie den Geist der Adoption (= die rechtliche Annahme an Sohnes statt) empfangen haben, sodass sie sie sich vertrauensvoll an Gott wenden können.

Christen wenden sich nicht ängstlich an einen Sklaventreibergott, sondern vertrauensvoll an ihren Himmelspapagott!

Eventuell empfinden Sie in dem, was Paulus hier schreibt, einen Widerspruch zu dem, was er bisher über den Christenstand gesagt hat. Schließlich hat Paulus ja schon oft darauf hingewiesen, dass Christen Sklaven sind, zum Beispiel Sklaven des Gehorsams zur Gerechtigkeit (6,16). In Kapitel 6,19 entschuldigt er sich aber auch ein Stück weit, dass er dieses Bild gebraucht (siehe Auslegung dort). Man kann es nämlich nur mit Einschränkungen verwenden, denn es geht ja um einen Sklaven, der Glaubens- und von Herzen gehorsam ist (1,5 + 6,17). Christen sind zwar Sklaven Gottes (6,22) aber sie sind solche Sklaven, die ihren Herrn lieben und begnadigte und freie Diener ihres Herrn sind.

(16) Dieser Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.

Dadurch bezeugt der Heilige Geist unserem Geist (nicht mit unserem Geist!), dass wir Gottes Kinder sind. Der Heilige Geist lässt uns nicht in Ungewissheit, sondern schenkt uns Gewissheit!

(17) Wenn wir aber Kinder sind, sind wir auch Erben - Erben Gottes und Miterben mit Christus. Miterben mit Christus werden wir allerdings nur, wenn wir jetzt mit ihm leiden. Dann werden wir auch mit ihm mitverherrlicht werden.

Wären wir Sklaven, wären wir keine Erben. Als Kinder erben wir. Wir sind Erben Gottes und Miterben mit Christus.

Vers 17b kann man verschieden verstehen: entweder als gegenwärtiges Geschehen, das Garant für die Zukunft ist oder als Bedingung für ein Miterben mit Christus. Ich bin von der zweiten Version überzeugt. Näheres hierzu werde ich in der Auslegung von Kapitel 14,10 schreiben.


Anwendungen:

1 - Christen ohne Ehrfurcht vor Gott?!

Bei der Auslegung von Vers 15 habe ich absichtlich kein Wort über die Ehrfurcht vor Gott verloren. Warum? Weil ich die Ängste vieler Christen nicht teile. Ich glaube nämlich, dass es die natürlichste Sache der Welt ist, dass ein Christ, der sich als Kind Gottes wie ein Kleinkind vertrauensvoll mit der Anrede "Papi / Papa" an seinen himmlischen Vater wendet, genau wie dieses Kleinkind trotz Papi / Papa auch Ehrfurcht (Respekt) vor seinem himmlischen Vater hat. Es gibt auch hier kein entweder oder.

  • Ein Christ, der seinen himmlischen Vater vertrauensvoll mit Papi / Papa anruft, wird sich ihm auf der anderen Seite nicht respektlos nahen.
  • Und der Christ, der in Ehrfurcht Gott naht, kann sich auch mit Papi / Papa vertrauensvoll an ihn wenden.

Doch es gibt Christen, die aus Negativerlebnissen heraus die Ehrfurcht vor Gott dann in Gefahr sehen, wenn sich andere Christen so vertrauensvoll an ihren himmlischen Vater wenden. Es gibt aber auch Christen, die tatsächlich keine Ehrfurcht vor Gott zu haben scheinen. Und es gibt auch Christen, die Ehrfurcht vor Gott haben, ohne sich gleichzeitig auch vertrauensvoll wie ein Kleinkind an ihn wenden zu können.

Was ist Ehrfurcht?

Wenn über Ehrfurcht gesprochen wird, dann wird eigentlich immer Sprüche 1 Vers 7 zitiert. Und genau das möchte ich hier auch tun, mit dem Unterschied, dass ich Ihnen diesen Bibelvers in verschiedenen Bibelübersetzungen, die sich in der Wortwahl unterscheiden, listen möchte:

  • Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Weisheit und Zucht verachten nur die Narren (Elberfelder Bibel).
  • Gottesfurcht ist Anfang der Erkenntnis, nur Toren verachten Weisheit und Zucht (Einheitsübersetzung).
  • Die Ehrfurcht vor dem Herrn ist der Anfang der Erkenntnis. Nur Narren verachten Weisheit und Selbstbeherrschung (Neues Leben. Die Bibel).
  • Den Herrn ernst nehmen ist der Anfang aller Erkenntnis. Wer ihn missachtet, verachtet auch Weisheit und Lebensklugheit (Gute Nachricht Bibel).
  • Alles fängt damit an, dass man Respekt vor Gott hat. Nur absolute Schwachmaten haben keine Lust dazu, schlau zu werden und etwas Disziplin ins Leben zu bekommen (Volxbibel).

Ehrfurcht wird in Sprüche 1 Vers 7 also mir "Furcht des HERRN", "Gottesfurcht", "Ehrfurcht vor dem Herrn", "den Herr ernst nehmen und ihn nicht missachten" und "Respekt vor Gott" wiedergegeben. Wenn ich ehrlich bin, helfen mir an dieser Stelle die Formulierungen "Respekt vor Gott" und "den Herrn ernst nehmen und ihn nicht verachten" zunächst einmal am meisten weiter.

Was Ehrfurcht nicht ist!

Unser Text sagt uns in Vers 15, dass wir (Christen) keinen Geist der Sklaverei empfangen haben, sodass wir wieder in Angst (Furcht) leben müssten. Wenn wir als Gotteskinder leben, dann ist dieses Leben nicht von Furcht bestimmt, sondern von einer vertrauensvollen Liebe zu Gott-Vater. In 1. Johannes 4,18 heißt es: "Die Liebe kennt keine Furcht / Angst. Die wahre und vollkommene Liebe treibt die Furcht / Angst aus. Wer sich fürchtet / Angst hat, der zittert vor der Strafe. Bei dem hat die Liebe ihr Ziel noch nicht erreicht."

Wie wichtig ist für Christen die Ehrfurcht vor Gott?

Lesen Sie bitte einmal die folgenden Bibelstellen und urteilen Sie selbst:

  • Ehrfurcht ist der Anfang der Erkenntnis (der Weisheit und der Disziplin) (Sprüche 1,7).
  • Christen sollen ein Leben in der Ehrfurcht führen (sie ist das Ziel des Christenlebens) (1. Timotheus 2,2).
  • Christen sollen sich nicht mit Spekulationen abgeben, sondern sich in der Ehrfurcht üben (1. Timotheus 4,7).
  • Ehrfurcht ist in jeder Hinsicht nützlich. Sie bewirkt hier das wahre Leben und gehört auch zum zukünftigen Leben (1. Timotheus 4,8).
  • Wahre Lehre ist eine Lehre entsprechend der Ehrfurcht (1. Timotheus 6,3).
  • Christen sollen nach einem Leben in Ehrfurcht streben (1. Timotheus 6,11).
  • Paulus ist ein Apostel nach der Erkenntnis der Wahrheit, die der Ehrfurcht gemäß ist (Titus 1,1).
  • Jesus hat den Christen alles geschenkt, was zu einem Leben gemäß der Ehrfurcht vor ihm nötig ist (2. Petrus 1,3).
  • Christen sollen alles daransetzen, dass zu ihrem Ausharren Ehrfurcht hinzukommt (2. Petrus 1,6).
  • Christen sollen alles daransetzen, dass zu ihrer Geschwisterliebe Ehrfurcht hinzukommt (2. Petrus 1,7).
  • Im Angesicht des Tages des Herrn sollen Christen ein geheiligtes Leben in der Ehrfurcht vor Gott führen (2. Petrus 3,11).

Wenn wir diese Stellen betrachten, dann wird deutlich, dass Ehrfurcht wahre Frömmigkeit ist!

Was lässt sich bezüglich der Ehrfurcht sagen?

  • Ehrfurcht ist zunächst einmal eine echte und wahre Verehrung Gottes! In 2. Timotheus 3,5 schreibt Paulus von solchen, die nur einen Schein von Ehrfurcht haben. Sie verehren Gott nicht wirklich (unechte Ehrfurcht) und in Titus 1,1 bringt Paulus die Ehrfurcht mit der Wahrheit in Verbindung (wahre Ehrfurcht).
  • Im Glaubensalltag des Christen ist die Ehrfurcht das Kennzeichen wahrer Frömmigkeit (1. Timotheus 2,2). Diese Frömmigkeit ist nicht immer einfach. Sie kann / muss in Verfolgung führen (2. Timotheus 3,12), aber sie bewirkt auch Kraft (Apostelgeschichte 3,12 auch wenn diese Bibelstelle auf den Glauben verweist).
  • Ehrfurcht ist auch die Quelle aller wirklich geistlichen Gelehrsamkeit (Sprüche 1,7; 1. Timotheus 6,3) und alles rechten Denkens (Titus 1,1).
  • Auch wenn Christus den Christen alles geschenkt hat, was zu einem Leben gemäß der Ehrfurcht nötig ist (2. Petrus 1,3), müssen sie sich dennoch in Ehrfurcht üben (1. Timotheus 4,7) und die Ehrfurcht erstreben (1. Timotheus 6,11).
  • Wenn Christen ihr Glaubensleben ganz bewusst im Hinblick auf die Ewigkeit leben, dann bringt dies als Frucht Ehrfurcht hervor (2. Petrus 3,11).
  • Ehrfurcht zeigt sich auch im Umgang mit anderen Menschen. In 1. Timotheus 5,4 ist von der Witwe die Rede, deren Kinder oder Enkel ihre Ehrfurcht Gott gegenüber dadurch zeigen sollen, dass sie ihre familiären Pflichten erfüllen. Bei Glaubensgeschwistern muss zur Geschwisterliebe die Ehrfurcht hinzukommen (2. Petrus 1,7). Usw.

Abschließend möchte ich sagen, dass Ehrfurcht eine Herzenshaltung ist,

  • die Gott echte und wahre Verehrung zukommen lässt,
  • die Gott in der rechten Art und Weise dient
  • und sich auch im rechten Umgang mit und echter Liebe zu den Mitmenschen zeigt!

2 - Durch den Geist Gottes führen und leiten lassen!

Christen sehnen sich nach der Führung und Leitung durch den Heiligen Geist. Und genau das tut er auch. In unserem Text heißt es sogar, dass alle, die sich durch den Geist Gottes leiten lassen, Söhne und Töchter Gottes sind (14). Unsere Bibelübersetzungen unterscheiden sich hier. Einige übersetzen:

  • Alle, die durch den Geist Gottes geleitet (geführt, getrieben) werden, sind Söhne und Töchter Gottes. Andere übersetzen:
  • Alle, die sich durch den Geist Gottes leiten (führen, treiben) lassen, sind Söhne und Töchter Gottes.

Beide Übersetzungen sind möglich. Da aber Vers 13 vom aktiven "Töten" des Christen spricht und die Parallele in Galater 5,16 (wandelt im Geist / lasst euch vom Geist führen, dann werdet ihr die Begierde des Fleisches nicht erfüllen) auch vom "sich führen lassen" spricht, bevorzuge ich die für den Christen aktive Form.

Dreht man den Vers um, so besagt er: Nur Christen werden vom Geist Gottes geführt, beziehungsweise lassen sich durch den Geist Gottes führen!

Wann führt und leitet der Geist Gottes Christen?

Da der Heilige Geist in den Christen wohnt, also immer präsent ist und Gott möchte, dass sie sich vom Heiligen Geist bestimmen lassen (8,4+5), führt und leitet er sie immer dann, wenn sie sich von ihm führen und leiten lassen, wenn sie also bereit sind, ihm zu folgen und ihr Leben von ihm bestimmen zu lassen.

Beginnen möchte ich mit 3 Beispielen aus der Apostelgeschichte:

  • In Apostelgeschichte 8 Vers 29 wird uns berichtet, dass der Heilige Geist zu Philippus sprach: "Geh zu dem (vorbeifahrenden) Wagen und schließe dich ihm an."
  • Auch in Apostelgeschichte 10 Vers 19+20 ist davon die Rede, dass der Geist sprach. Dieses Mal redete er zu Petrus.

  • Bei der Formulierung in Apostelgeschichte 20,22+23 ist interessant, dass Paulus davon berichtet, dass ihn der Heilige Geist dazu gedrängt hat (gebunden im Geist), nach Jerusalem zu gehen. Weiter erzählt er, dass ihm der Heilige Geist in jeder Stadt, durch die er kommt, bezeugt, dass (in Jerusalem) Gefangenschaft und Leiden auf ihn wartet.

Im ersten Beispiel ließ sich Philippus durch den Heiligen Geist führen und leiten. Er war bereit, sich von Gott gebrauchen zu lassen. Der Heilige Geist sprach zu ihm und er tat, was ihm geheißen war.

Das zweite Beispiel fand unter erschwerten Bedingungen statt. Grundsätzlich war Petrus so geprägt, dass das, was er tun sollte, für ihn eigentlich nicht möglich war. Auf der anderen Seite wollte er Gottes Willen tun. Deshalb wischte er Gottes Visionen nicht einfach weg, sondern er machte sich seine Gedanken darüber (19) und da hinein sprach dann der Heilige Geist zu ihm. Und auch er tat genau das, was der Heilige Geist ihm aufgetragen hatte und bekam dadurch dann auch die Erkenntnis, was genau Gott ihm sagen wollte!

Auch Paulus wollte das, was der Heilige Geist wollte. Dabei hatte er es besonders schwer, weil ihm Menschen, die Jesus nachfolgten, durch den Geist sagten, dass in Jerusalem Schlimmes auf ihn wartet und er nicht hingehen soll (21,4.11+12). Paulus ging dennoch. Er wurde durch den Heiligen Geist dazu gedrängt. Er musste sich zwischen dem Reden des Geistes durch Christen von Tyrus und Cäsarea (die wahrscheinlich ihr Wunschdenken hinzufügten) und dem Drängen des Geistes in ihm entscheiden. Und er entschied sich für die unangenehme aber wirkliche Version des Heiligen Geistes.

Wie genau führt nun der Geist Gottes?

Viele Christen lehnen Führungen durch den Heiligen Geist, so wie ich sie gerade beschrieben habe, ab. In jener Zeit gab es noch kein Neues Testament, da musste Gott übernatürlich führen und leiten. So gesehen ist das richtig. Aber deshalb muss man noch lange nicht das Kind mit dem Bad ausschütten. Ich möchte behaupten, dass das Neue Testament zumindest auf das erste und das dritte Beispiel immer noch keine direkte Antwort gibt. Geschähe Ähnliches heute, so habe ich keine Mühe damit, zu akzeptieren, dass der Heilige Geist auch heute noch spricht. Die Problematik solcher Lehren rührt meines Erachtens daher, dass man negative Erfahrungen mit ähnlichen Gegebenheiten innerhalb charismatischer Kreise gemacht hat und obendrein auch nicht an eine persönliche Beziehung mit dem Heiligen Geist glaubt. Dabei ist sie das natürlichste des Christenlebens. Jesus selbst hat den Christen den Heiligen Geist als seinen Stellvertreter auf Erden verheißen (Johannes 14,15-26; 16,5-15). Und der Heilige Geist ist für alle Christen jederzeit erreichbar und ganz bestimmt nicht stumm!

Doch der Heilige Geist führt auch anders. Er führt und leitet durch das Wort Gottes. Ich bin davon überzeugt, dass Führung und Leitung durch den Heiligen Geist in den meisten Fällen unter Berufung auf das Wort Gottes geschieht. Das setzt natürlich voraus, dass man nicht nur täglich die Losung liest, sondern dieses Wort Gottes auch im Gebet studiert. Dadurch wird das Gewissen geprägt und kann dann auch ein Gewissen sein, das im Einklang mit dem Heiligen Geist redet (9,1 und 2,15). Aus heiterem Himmel, beim Lesen im Wort Gottes, im Gespräch mit anderen Christen, während des Gebets, ...

Ich habe schon angedeutet, dass das Wort Gottes nicht auf alle Fragen eine direkte und klare Antwort gibt. Deshalb werden zum Beispiel viele christliche Verhaltensweisen aus verschiedenen Bibelstellen abgeleitet. Wenn dies auf eine ehrliche Art und Weise geschieht (in echter und wahrer Ehrfurcht - siehe Thema 1), wird auch daraus ein Führen und Leiten durch den Heiligen Geist gemäß des Wort Gottes. Ein Unterthema dieses Punktes ist, dass es auch "Anweisungen" gibt, die nur scheinbar eindeutig sind. Tradition und oberflächliches Lesen / Studieren verschleiern den Text, der bezüglich eines Themas in der Bibel einmalig ist. Hier ist wichtig, dass man immer und jederzeit bereit ist, sich vom Wort Gottes in seiner Erkenntnis korrigieren zu lassen. Darüber hinaus muss man sich immer fragend an das Wort Gottes wenden und nicht mit einer fertigen Behauptung nach einem biblischen Beweis suchen!

Durch Römer 8,26-28 erfahren wir auch, dass der Heilige Geist durch Umstände führt. Er, der Heilige Geist, betet gottgemäß für die Gläubigen und hilft ihnen und unterweist sie darüber, dass ihnen alles, was ihnen widerfährt, zum Guten mitwirkt.

Gerade durch Stellen in der Apostelgeschichte hatten wir gesehen, dass der Heilige Geist zu Gläubigen sprach. In manchen Kreisen führt dies dazu, dass man nur auf das Reden des Geistes wartet und jeglicher anderer Art und Weise der Führung durch den Geist skeptisch gegenübersteht. Aber der Heilige Geist führt auch über den gesunden Menschenverstand. Lesen Sie einmal Apostelgeschichte 15,1-29. Im Grunde genommen geht es auf dem Apostelkonzil darum, zu klären, wie genau Heiden errettet werden und was man ihnen als erste Glaubensgehorsamsschritte "auferlegen" sollte. Das wurde mit dem Verstand durchdiskutiert. Und am Ende hieß es dann, dass sie aufgrund der Führung durch den Heiligen Geist beschlossen haben (es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen), dass ... In der Auslegung von Apostelgeschichte 1,15-26 ist man sich nicht einig, ob die Wahl des Apostel-Ersatzes für Judas gottgemäß ausgeführt wurde. Wenn ja, dann leitete der Heilige Geist dort durch Argumente des Verstandes, gemeinsames Gebet, durch personelle Alternativen und die Ziehung von Losen!

Weiter führt und leitet der Heilige Geist in Apostelgeschichte 16,6+7 durch "verschlossene Türen". Dort heißt es, dass Paulus, Silas und Timotheus auf der zweiten Missionsreise vom Heiligen Geist verhindert wurden, das Wort in Kleinasien zu verkündigen. Dann wollten sie nach Bithynien reisen, was ihnen der Geist Jesu nicht erlaubte. Die Missionare schmiedeten in bester Absicht Pläne und der Heilige Geist verhinderte die Ausführung. Daraus kann man lernen, dass man im Christenleben auch Schritte gehen muss, bei denen man nicht absolut sicher ist, ob sie im Willen Gottes sind. Aber im Gehen hat der Heilige Geist die Möglichkeit, Türen zu schließen (und andere zu öffnen). Ich bin davon überzeugt, dass uns solche Führung im Glaubensleben viel weiter bringt, als wenn man von vornherein klare Anweisungen bekommt!

Wenn wir an die Versuchung Jesu (Lukas 4,1-13) denken, dann führte dort der Heilige Geist Jesus 40 Tage in der Wüste umher (Vers 1). Das war nicht die Art Führung, die man sich menschlich gesehen wünscht. In der Wüste wurde der Glaube Jesu und seine Beziehung zu Gott auf die Probe gestellt. Und Jesus ließ sich durch ihn führen und verließ sich dabei auf das Wort Gottes (4.8+12)!

Der Heilige Geist will jeden Christen führen. Er tut dies auf ganz verschiedene Art und Weise. Christen zeigen sich dann als Kinder Gottes, wenn sie sich durch den Heiligen Geist führen lassen. Wer sich dem widersetzt, betrübt ihn und bringt ihn möglicherweise mit der Zeit auch zum Schweigen. Wer einer Führung durch den Heiligen Geist keinen Glauben schenkt, wird diese Führung auch nicht erfahren. Wer sich Gott nicht ganz und gar zur Verfügung stellt (Römer 12,1+2), wird sich wohl auch nicht durch den Heiligen Geist führen und leiten lassen. Auch Geduld (Ausharren, Standhaftigkeit, Durchhaltevermögen) wird bei der Führung durch den Heiligen Geist eine entscheidende Rolle spielen (Hebräer 10,36).



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