Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung
Römer 9,1-5:
Paulus Trauer über Israel
(9,1) Was ich jetzt sage, ist die Wahrheit. Christus ist mein Zeuge, dass ich nicht lüge. Darüber hinaus bezeugt mir dies auch mein vom Heiligen Geist bestätigtes Gewissen.
(2) Wenn ich an mein Volk Israel denke, dann bin ich von tiefer Traurigkeit erfüllt und mein Herz wird von einem unaufhörlichen Schmerz gequält.
(3) Ich habe mir gewünscht, selbst für meine jüdischen Landsleute verflucht und von Christus getrennt zu sein.
(4) Sie sind doch Israel. Ihnen hat Gott die Kindschaft geschenkt. Ihnen offenbarte er sich in seiner Herrlichkeit. Mit ihnen hat er wiederholt Bündnisse geschlossen. Ihnen hat er das Gesetz gegeben. Ihnen hat er die Ordnungen für den Gottesdienst anvertraut. Ihnen hat er Verheißungen geschenkt.
(5) Sie sind die Nachkommen der Stammväter. Christus leitet seine Herkunft aus ihrer Mitte ab. Und dieser Christus ist über allem. Er ist der für immer und ewig zu preisende Gott. Amen.
Auslegung:
(Meine Gründe dafür, warum ich diesen Text schon jetzt auslege, habe ich in früheren Lektionen bereits genannt. Bitte lesen Sie unbedingt die "Strukturanalyse-Kapitel"!)
Israel, das trotz der Gaben Gottes versagt hat, verursacht Paulus Trauer und Schmerz
Was ich jetzt sage, ist die Wahrheit. Christus ist mein Zeuge, dass ich nicht lüge. Darüber hinaus bezeugt mir dies auch mein vom Heiligen Geist bestätigtes Gewissen.
Für das jüdische Volk ist Paulus alles andere als ein Freund seiner Landsleute. Er ist ihr Feind - Apostelgeschichte 21,21.28. Umso unfassbarer ist das, was er nun feierlich beschwört:
- Ich sage die Wahrheit!
- Ich lüge nicht!
- Christus ist mein Zeuge dafür!
- Auch mein Gewissen bezeugt mir dies!
- Und was mein Gewissen bezeugt, bestätigt der Heilige Geist!
Nun könnte man natürlich einwenden, dass Paulus sehr wohl lügt und / oder dass sein Gewissen ein falsches Zeugnis ablegt. Aber er beschwört eben, dass die menschliche Komponente durch die göttliche Seite bezeugt und bestätigt wird. Was er sagt, dafür bezeugt Christus die Richtigkeit. Was sein Gewissen ihm bezeugt, das bestätigt der Heilige Geist.
Oftmals wird behauptet, dass das Gewissen die göttliche Instanz ist. Das ist falsch. Genauso wie man mit seinen Worten lügen kann, ist es auch möglich, dass das Gewissen trügt.
- 1. Korinther 8,7: Christen können ein schwaches Gewissen haben.
- 1. Korinther 10,29: Christliche Gewissen können unterschiedlich beurteilen.
- 1. Korinther 4,4: Paulus hat ein reines Gewissen. Dadurch ist er aber nicht gerechtfertigt.
- 1. Timotheus 4,2: Vom Glauben abgefallene sind in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt.
- 1. Timotheus 1,19: Timotheus soll ein gutes Gewissen bewahren.
- Titus 1,15: Irrlehrer haben ein beflecktes Gewissen.
Diese Stellen machen klar, dass ein Gewissen geprägt wird. Christen können ein sehr weites Gewissen haben. Das ist allerdings kein Gewissen, dass ein Sprachrohr Gottes ist. Es gehört eher zu einem Menschen, dem der Wille Gottes nicht so wichtig scheint. Das kann generell so sein oder ist nur auf bestimmte Themen bezogen.
Wodurch wird nun das Gewissen geprägt? Eines Christen Gewissen wird durch die tägliche Bibellese und dem Gehorsam gegenüber dem Gelesenen geprägt. Wer kaum in der Bibel liest, erfährt diese Prägung nicht. Und wer dem Gelesenen nicht mit Gehorsam antwortet, dessen Gewissen wird krank. Auch das Gewissen, dessen Reden unterdrückt wird, wird nach und nach verstummen. Timotheus sollte ein gutes Gewissen bewahren. An anderer Stelle ist vom reinen Gewissen die Rede.
Wenn Paulus allerdings von seinem Gewissen spricht, das durch den Heiligen Geist bestätigt wird, dann geht dies für mich weit über die Prägung hinaus.
Wenn ich an mein Volk Israel denke, dann bin ich von tiefer Traurigkeit erfüllt und mein Herz wird von einem unaufhörlichen Schmerz gequält.
Das ist das Unfassbare, worin Paulus nicht lügt. Er ist in Bezug auf das jüdische Volk tieftraurig, und wird Tag für Tag von Herzeleid gequält. Warum eigentlich? Nun, das steht hier nicht da. Es ist aber aus dem ganzen Brief zu entnehmen. Auch der nächste Vers deutet sehr klar darauf hin. Paulus leidet, weil sich Israel gegenüber der Heilsbotschaft verhärtet hat.
Ich habe mir gewünscht, selbst für meine jüdischen Landsleute verflucht und von Christus getrennt zu sein.
Deshalb machte er Gott ein Angebot. Er hat sich gewünscht, für sie verflucht zu sein. Dass das jüdische Volk sein Christsein bekäme und er dafür auf ewig von Christus getrennt wäre. Er würde sein Heil für sein Volk opfern. Wäre dies möglich, so würde Paulus sagen: "Lieber bin ich verflucht, als sie alle!"
Als Israel sich das Goldene Kalb goss, es anbetete und ihm Opfer brachte, da trat Mose vor Gott und sagte: "Vergib bitte dem Volk seine Sünde. Wenn nicht, dann lösche mich aus deinem Buch." Und Gott antwortete ihm: "Wer gegen mich gesündigt hat, den lösche ich aus meinem Buch!"
Mose und Paulus hätten sich gerne für ihr Volk geopfert. Aber jeder wird persönlich zur Rechenschaft gezogen.
In den folgenden Versen führt Paulus 9 Gaben auf, die Israel zuteilwurden:
Sie sind doch Israel (1).
Israel ist der Ehrenname, der von Jakob auf den Zwölfstämmebund übergegangen ist - 1. Mose 32,28ff.
Ihnen hat Gott die Kindschaft geschenkt (2).
In 2. Mose 4,22 soll Mose im Auftrag Gottes zum Pharao sagen: "Mein erstgeborener Sohn ist Israel." Israel ist sein auserwähltes Volk!
Ihnen offenbarte er sich in seiner Herrlichkeit (3).
Gott hat Israel immer wieder seine Herrlichkeit gezeigt. Gemeint ist damit die sichtbare Erscheinung der göttlichen Majestät als Wolke, verzehrendes Feuer, strahlender Lichtglanz ... Hierzu ein paar Beispiele:
- 2. Mose 16,10 - das Erscheinen der Herrlichkeit des HERRN in der Wolke
- 2. Mose 24,16 - die Herrlichkeit des HERRN lies sich auf dem Berg Sinai nieder
- 2. Mose 40,34 - die Wolke bedeckte das Zelt der Begegnung, und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung
- 3. Mose 9,23 - die Herrlichkeit des HERRN erschien dem ganzen Volk beim Brandopferaltar
- 1. Könige 8,11 - die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus (den Tempel) des HERRN
Mit ihnen hat er wiederholt Bündnisse geschlossen (4).
Im ersten Moment möchte man den Plural anzweifeln. Aber Gott hat tatsächlich mehrere Bündnisse mit Israel geschlossen:
- 1. Mose 15,18 - Gott schloss mit Abraham einen Bund. Seinen Nachkommen (Israel) sollte das dort genannte Land gehören.
- 3. Mose 26,42 - Hier werden die Bündnisse mit Abraham, Isaak und Jakob angesprochen.
- 2. Mose 19,5 - Der Bund mit Israel.
- 2. Samuel 7,12ff - Der Bund mit David in Bezug auf den kommenden König.
- Jeremia 31,31ff - Der NEUE Bund mit Israel und Juda.
Diese Bündnisse enthalten Gottes Zusagen.
Ihnen hat er das Gesetz gegeben (5).
In 2. Mose 20 und 5. Mose 5 finden wir die Berichte der Auslieferung der Gesetzestafeln an Mose. Sie enthalten Gottes Gebote für Israel.
Ihnen hat er die Ordnungen für den Gottesdienst anvertraut (6).
Im alten Testament gibt es ja nicht nur die 10 Gebote. Es sind eigentlich 613 Gebote, und sehr viele davon betreffen diese Ordnungen für den Tempeldienst, Opferkult und Gottesdienst.
Ihnen hat er Verheißungen geschenkt (7).
Hier möchte ich insbesondere die Zusagen bezüglich des Messias (der Gnade und des Heils) nennen - vergleiche Römer 4,14ff und 15,8.
Sie sind die Nachkommen der Stammväter (8).
Die Stammväter sind Abraham, Isaak und Jakob. Diesen Stammvätern wurden die Verheißungen gegeben - Römer 15,8 und um derer willen sind die Israeliten "die Geliebten" - Kapitel 11,28.
Christus leitet seine Herkunft aus ihrer Mitte ab (9).
Jesus Christus leitet seine Herkunft aus dem Stamm Davids ab - Kapitel 1,3. Das Heil kommt aus den Juden - Johannes 4,22!
Dies sind Gaben, die Israel zuteilwurden. Und auf solche Gaben hat sich das jüdische Volk auch berufen - zum Beispiel: "Wir sind Nachkommen Abrahams!" - Johannes 4,22
Und dennoch musste Paulus um dieses Volk trauern. Es hat trotz dieser Gaben / Vorzüge die größte Gabe, nämlich Christus, verworfen.
Paulus schließt diese Ausführungen mit einem Lobpreis ab.
Und dieser Christus ist über allem. Er ist der für immer und ewig zu preisende Gott.
Nachdem Paulus gerade gesagt hat, dass Christus jüdische Wurzeln hat, kann er nicht anders, als sogleich in einem Lobpreis zu bekennen, dass dieser Christus nun als Gott über alles regiert.
Andere Übersetzungen beziehen den Lobpreis auf Gott-Vater, dem der Dank für die genannten Gaben gilt.
Beide Übersetzungen sind möglich. Ich tendiere allerdings zur Erstgenannten. Da zum Beispiel die Zeugen Jehovas die Gottheit Jesu Christi leugnen, kommt für sie natürlich nur die zweite Übersetzungsmöglichkeit infrage. Für eine Beweisführung, dass Jesus Christus Gott ist, sind wir nicht auf diesen Vers angewiesen. Es gibt viele Bibelstellen, welche die Gottheit Jesu Christi klar zum Ausdruck bringen!
Gott-Vater und Jesus Christus sind für immer, und sie sind der ewig zu preisende Gott.
Noch ein Wort zur Dreieinigkeit. Viele Menschen leugnen die Dreieinigkeit mit den Worten, dass es diesen Begriff in der Bibel nicht gibt. Das ist wahr. Dieser Begriff wurde kreiert, um deutlich zu machen, was die Bibel lehrt. Sie lehrt, dass Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger-Geist drei verschiedene Personen sind. Und sie lehrt auch, dass diese drei Personen eins sind. Schon im Schöpfungsbericht können wir dies erkennen. Da sprach Gott in 1. Mose 1,26: "Lasst uns (Plural - Gott untereinander) Menschen machen in unserem (Plural) Bild!" In Johannes 1,1.14.15+17 heißt es: "Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. ... Und das Wort wurde Fleisch. ... Johannes zeugt von ihm. ... Jesus Christus."
Amen.
Es ist wahr. So soll es sein.
Anwendungen:
- Jeder Mensch hat ein Gewissen. Dieses Gewissen ist nicht die Stimme Gottes in unserem Alltag. Es kann sie sein, muss sie aber nicht. Das kommt daher, dass das Gewissen von einer Prägung beeinflusst wird. Und diese Prägung kann sehr extreme Formen annehmen. In Irian Yaya gibt es zum Beispiel einen Stamm, dessen Mitglieder bei der Erzählung von Judas Verrat und Jesu Kreuzigung von Judas sehr begeistert waren. Ihre Kultur schätzte es sehr hoch ein, wenn man es schafft, einen Menschen mit Freundschaft zu mästen, ihn dann zu töten, um ihn dann auch noch zu verspeisen. Judas hatte Jesus mit Freundschaft gemästet und dann dafür gesorgt, dass er gekreuzigt wurde. Judas war ein prima Mann.
Dieser Stamm hatte also keine Gewissensbisse, wenn es darum ging, einem Menschen Freund zu sein, um ihn dann zu töten (und zu verspeisen). Das Gewissen war so geprägt. Auch unser Gewissen hat eine Prägung. Es wird durch unsere Erziehung geprägt, durch unseren Umgang, durch das, was wir lesen, im Fernsehen anschauen, ... Selbst wenn ein Mensch Christ wird, kann es sein, dass sein Gewissen ohne irgendeine Regung zu zeigen, völlig unchristliche Dinge zulässt. Es muss eben umgeprägt werden. Die Umprägung geschieht in der Gemeinschaft mit anderen "lebendigen" Christen, im Hören auf den Heiligen Geist, im Ausleben der Beziehung zu Jesus, beim regelmäßigen Lesen in der Bibel und im gehorsamen Ausleben dessen, was man gelesen hat.
Auf welchem Stand ist Ihr Gewissen? Haben Sie sich Christus zugewandt und das war's dann? Viele Christen reden von ihrem Gewissen und nennen das, was andere aus Liebe zu Jesus tun, Gesetzlichkeit und / oder ein enges Gewissen. Das ist es aber nicht. Ihr eigenes Gewissen lebt noch im VOR der Bekehrung! Die alte Prägung brüstet sich nun mit einem Heiligenschein, der ihr nicht zusteht.
Sensibilisieren Sie Ihr Gewissen für den Heiligen Geist. Wenn Timotheus ein gutes Gewissen bewahren sollte, dann musste er zunächst einmal ein gutes Gewissen schulen. Das alte Gewissen ist niemals - auch wenn es noch so fromm geprägt zu sein scheint - ein gutes und reines Gewissen. Beim Gewissen gibt es ein VOR und ein NACH der Hinwendung zu Christus. Und NACH der Hinwendung zu Christus ist es nur dann rein, wenn es umgeprägt wird. Lesen Sie täglich in der Bibel? Pflegen Sie die Gemeinschaft mit anderen Christen? Beten Sie? Lassen Sie sich durch den Heiligen Geist leiten? Und lassen Sie sich von diesen Vieren etwas sagen? Dann sind Sie auf dem besten Weg, dass auch Sie einmal in einer bestimmten Situation sagen können: "Was mein Gewissen bezeugt, bestätigt der Heilige Geist!"
- Als Jesus vom Ölberg auf Jerusalem herabblickte, weinte er ob der Verlorenheit der Menschen dieser Stadt.
Paulus leidet Tag für Tag Qualen ob der Verlorenheit seiner jüdischen Landsleute.
Und wir? Wie stehen wir zu den Menschen um uns herum. Deutschland ist christlich geprägt aber die wenigsten sind Christen. Nach der Bibel "kommen sie nicht in den Himmel". Quält uns das? Treibt uns das, ihnen die Wahrheit zu sagen, ihnen zuzurufen: "Lasst euch mit Gott versöhnen!"
Oder lehren wir lieber Allversöhnung? Oder betrachten wir der Einfachheit halber alle Mitglieder der Kirchen als Christen. Die wenigsten sind es! Oder reicht es für Sie aus, wenn Ihr Gegenüber einfach an einen Gott glaubt? Ob der Jesus oder Allah oder sonst wie heißt, ist doch piepegal. Das Christentum schließt aus. Es sagt, dass man nur in Jesus das Heil bekommt! Keine Ausnahme - kein aber!
- Ich will ehrlich sein. Zu solch einer Selbstaufopferung, wie sie Paulus ausdrückt, bin ich nicht bereit. Ich in der Hölle, damit die, die von Jesus nichts wissen wollen, im Himmel sind?! Mose: "JA" Paulus: "JA" Ich: "Nein"
Ich glaube nicht, dass man daraus eine Lehre formulieren kann. Nicht jeder Christ muss dahin kommen, diesen Wunsch aus voller Überzeugung zu äußern. Aber es gibt noch viele Stufen darunter. Hier "Nein" zu sagen heißt noch lange nicht, dass mir die Verlorenen egal sind.
Zu welchen Opfern sind Sie und ich bereit, um Menschen für Christus zu gewinnen? Finanzielle Opfer? Wechsel des Wohnorts? Leben in Armut? Freizeit? Auto (Fahrdienst)? Betreuung älterer Menschen? Seelsorge an Bedürftigen? ...
Einer hat in der Geschichte für einen bestimmten Zeitraum das angesprochene Opfer gebracht. Als Jesus für die Sünden der gesamten Menschheit starb, brach diese Trennung von seinem himmlischen Vater über ihn herein. Uns zuliebe brach sie über ihn herein!
- Im Text ist von Gottes guten Gaben an Israel die Rede. Da kommt man fast nicht umhin, sofort an die Geistesgaben zu denken, mit denen Christen beschenkt werden. Aber so möchte ich diesen Text nicht anwenden. Ich möchte andere Bezüge herstellen.
- Sie sind Israel! Wir sind nicht Israel. Aber wenn wir uns Christus zugewandt haben, dann dürfen wir Nutznießer dieses Segens an Israel sein!
- Ihnen hat Gott die Kindschaft geschenkt. Christen sind Kinder Gottes. Sie dürfen zu ihrem himmlischen Vater Abba »mein Vater« sagen. Mit dieser Bezeichnung wendet sich ein Kind vertrauensvoll an seinen Vater.
- Ihnen offenbarte er sich in seiner Herrlichkeit. Jesus offenbarte immer wieder seine Herrlichkeit, die sein Vater bestätigte, und über die wir von zuverlässigen Zeugen informiert sind - 2. Petrus 1,16f.
- Mit Ihnen hat er wiederholt Bündnisse geschlossen. Von diesen Bündnissen profitieren wir. Das werden wir in den folgenden Kapiteln noch sehen.
- Ihnen hat er das Gesetz gegeben. Uns nicht! Das Gesetz ist für Israel. Es ist auch für die nichtjüdischen Völker, aber nur insofern, dass dieses Gesetz bewirken soll, dass jeder Mensch erkennt, dass er von Gott begnadigt werden muss. Dennoch hat Gott auch uns ein Gesetz gegeben. Es ist das Gesetz des NEUEN Bundes, wo die Liebe (die Liebe, wie Gott sie definiert!) des Gesetzes Erfüllung ist.
- Ihnen hat er die Ordnungen für den Gottesdienst anvertraut. Und auch das sind neue Ordnungen. Da werden Menschen von Gott in die weltweite Gemeinde gerufen. Darüber hinaus aber auch in eine Gemeinde vor Ort. Und dort sollen sie mit ihren geistlichen Gaben dienen. Kirchen werden dafür nicht benötigt. Der Tempel ist der Alte Bund - der Neue Bund setzt sich aus vielen Tempeln des Heiligen Geistes zusammen (eure Körper sollen Tempel des Heiligen Geistes sein). Diese können sich in gewöhnlichen Häusern, in Versammlungssälen und auch in Kirchen treffen.
- Ihnen hat er Verheißungen geschenkt (die sie nicht erkannt haben - sie lehnten den verheißenen Messias ab). Christen durften den Messias erkennen. Und sie haben auch die Verheißung, einmal bei ihm zu sein.
- Sie sind Nachkommen der Stammväter. Und weil der Stammvater Abraham aus Glauben gerechtfertigt wurde, ist er auch der Christen Stammvater!
- Christus leitet seine Herkunft aus Israel ab. Ja, das Heil kommt aus den Juden, und glücklicherweise hat Gott den Weg zum Heil auch den Nichtjuden geöffnet.
Sie sehen, wir sind zwar nicht Israel, aber auch viele Nichtjuden versagen trotz der guten Gaben Gottes und das sollte uns mit unendlicher Trauer erfüllen. Und wenn Sie bereits Nutznießer dieser Gaben sind, dann stimmen Sie bitte mit Paulus in seinen Lobpreis mit ein.
- Ich will den Lobpreis des Paulus nicht als Gefühlsausbruch bezeichnen. Für mich ist er viel mehr. Wenn Paulus von Gottes Handeln erzählt, dann ist er immer am Puls dessen, was er lehrt. Er "fühlt" mit Leib und Seele, was Gott getan hat und was er tun wird. Und dann kann er gar nicht anders, als dass dieses Lobpreisen aus ihm herausbricht - willentlich und gefühlsmäßig.
Ich finde, dass uns dies, wenn wir in der Bibel lesen, genauso gehen sollte. Wo bleibt da dieser Ausbruch in Lobpreis? Warum sind wir nicht mit Leib und Seele in dem, was wir da lesen? Zumindest nicht immer - oder eher selten?
- Noch ein Wort zur Dreieinigkeit. Es ist noch gar nicht lange her, da lernte ich einen Christen kennen, der mir sagte, dass er nicht an die Dreieinigkeit glaubt. Den Begriff gibt es schließlich ja auch nicht in der Bibel.
Natürlich entgegnete ich einige Dinge. Und in mich hinein fragte ich mich, ob man eigentlich Christ sein kann, wenn man nicht an die Dreieinigkeit glaubt. Lassen Sie mich dies kurz erklären.
Im Verlauf seines Dienstes wurde Jesus immer wieder angegriffen. In Johannes 5,18ff heißt es, dass die Juden danach trachteten, Jesus zu töten, weil er sich selbst Gott gleichmachte. Im nachfolgenden Text sagt dann Jesus an keiner Stelle, dass sie das falsch verstanden hätten. Im Gegenteil: Sie lagen richtig mit ihrer Anklage. Jesus machte sich Gott gleich!
In Johannes 17, 21ff sagt er, dass der Vater und er eins sind.
Kommen wir noch zur Verurteilung Jesu zum Tod. Da rückten die Juden ganz zum Schluss mit der Wahrheit heraus. Sie sagten zu Pilatus: "Nach unserem Gesetz muss er sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat." Aufgrund dieser Anklage gab Pilatus nach, und ließ Jesus kreuzigen.
Wäre Jesus nicht Gottes Sohn (im Sinne von Gott) gewesen, wäre sein Kreuzestod aufgrund einer Unwahrheit geschehen, die Jesus nicht korrigiert hat. Wäre dann nicht die ganze Erlösungstat ein Schwindel?
Anders ausgedrückt: Was wäre die Erlösungstat wert, wenn das Opfer nur ein Mensch gewesen wäre? Nichts, denn kein Mensch, der nur Mensch ist, wäre ein vollkommenes Opfer für unsere Sünden gewesen. Und was wäre die Erlösungstat wert, wenn das Opfer "nur" Gott gewesen wäre? Auch nichts, denn für Gott wäre es nicht wirklich ein Opfer, als Gott zu sterben. Die Erlösungstat ist nur dann wirksam, wenn das Opfer vollkommen Mensch (das Wort wurde Fleisch) und vollkommen Gott ist (wobei wir hier gleich die nächste Schwierigkeit für unseren Verstand haben).
- Zum Verständnis der Dreieinigkeit helfen mir zwei Beispiele, die ich mir ausgedacht habe. Eines davon führe ich hier ein wenig aus:
Nehmen Sie einmal an, dass es da eine Familie aus Vater, Mutter und Sohn gibt, die wirklich eins sind. Ihr Name ist "Einig": Vater Einig, Mutter Einig und Sohn Einig. Vater Einig hat Betriebswirtschaftslehre studiert. Mutter Einig hat ein Diplom in Hauswirtschaft und Sohn Einig ist Maschinenbauingenieur. Wenn ich nun eine Frage zur Organisation eines Unternehmens habe und diese dem Sohn stelle, dann wird er mir eventuell eine Antwort geben oder mich zum Vater schicken. Stelle ich der Mutter eine Frage über die Umsetzung einer Maschine für ..., wird sie mich zum Sohn schicken. Jeder hat eben seine Bestimmung in der Familie Einig. Kommen Leute von außen mit Fragen, dann wird man zum Fachmann der Frage geschickt. Die Familie Einig hat aber auch "innerbetriebliche" Übereinkommen / Funktionen. Vater Einig hat den "höchsten" Rang und ist trotzdem der Vater, an den sich auch Außenstehende wie an einen Vater wenden können. Der Sohn ist jung und kräftig und führt die Pläne der Familie Einig aus. Und Mutter Einig ist eben diese gute Seele, die ihre "Männer" ins rechte Licht rückt. Interessiert sich jemand für ihre Familie, dann schwärmt sie von dem, was ihr Sohnemann so macht. Usw.
Bei der Dreieinigkeit gibt es diese Familie in Vollendung. Sie besteht aus Vater Gott, Heiliger Geist Gott und Sohn Gott. "Gott" ist für mich hier der Familienname, der ihre Einigkeit anzeigt. Diese drei Personen sind eins / einig. Es gibt den Vater, die Mutter (der Heiligen Geist wird oft weiblich gemacht) und den einzigartigen (nicht einzigen, sondern einzig in seiner Art) Sohn. Zum Vater dürfen wir vertrauensvoll kommen und Papi zu ihm sagen. Die Mutter beschenkt uns mit Früchten, Gaben, macht ihren Sohn groß und vertritt ihn, seid er wieder beim Vater ist. Den Sohn preisen wir über dem, was er getan hat.
In den Kirchen wird Gott als Ansprechpartner bevorzugt. In nicht charismatischen Freikirchen betet man zu Jesus. Und die Charismatiker wenden sich an den Heiligen Geist. Fakt ist, dass wir mit allen drei Personen reden können. Es nützt nichts, wenn wir biblisch über den Heiligen Geist lehren, dabei aber völlig ablehnen, eine Beziehung zu ihm zu haben. Alle drei "Gotts" sind Personen. Und sie sind völlig eins. Gemeinsam haben sie die Welt geschaffen. Der Erlösungsplan war ihre gemeinsame "Idee".
Wende ich mich nun wegen Geistesgaben an Jesus, so wird er mich an den Heiligen Geist verweisen. Gehe ich zum Vater und will mehr über seinen Sohn erfahren, wird auch er mich zum Heiligen Geist schicken. Suche ich bei Jesus väterlichen Rat, wird er sagen, dass ich zu Papa gehen soll. Und preise ich den Heiligen Geist über dem, was Jesus getan hat, wird er sagen, dass diese Ehre Jesus gebührt. Natürlich will ich damit nicht sagen, dass dies genau so abläuft. Ich will nur ein wenig auf die Verschiedenheit der Dreieinigkeit hinweisen und dass sie eben trotzdem eins, aber auch voneinander zu trennende Personen sind, mit denen Christen "gleichberechtigt" reden können.
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