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Gottes Gaben haben sich am Überrest nach Wahl der Gnade erfüllt(1) Ich frage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Auf gar keinen Fall! Denn auch ich selbst bin ja ein Israelit, ein Nachkomme Abrahams aus dem Stamm Benjamin. (2) Gott hat sein Volk nicht verstoßen. Er hat es doch auserwählt. Ihr wisst doch, was die Schrift von Elia berichtet, als er sich bei Gott über Israel beklagte (1. Könige 19,10.14.18): (3) "Herr, sie haben deine Propheten umgebracht und deine Altäre niedergerissen. Ich bin der Einzige, der übrig geblieben ist, und auch mich wollen sie ermorden." (4) Und was hat Gott ihm geantwortet? "Ich habe mir siebentausend Mann übrig bleiben lassen. Diese haben sich vor Baal nicht auf die Knie geworfen." (5) Genauso ist es auch jetzt: Gott hat einen kleinen Teil seines Volkes (einen Rest) übrig gelassen, den er in seiner Gnade auserwählt hat. (6) Wenn das aber durch seine Gnade geschah, dann geschah es nicht aufgrund von Werken. Sonst wäre die Gnade keine Gnade mehr.
(7) Was heißt das nun? Was Israel als ganzes Volk erstrebt, hat es nicht erreicht. Aber der auserwählte Teil hat es erreicht. Die Übrigen hat Gott verstockt. (8) Genau das steht in 2. Mose 29,3 und Jesaja 29,10 geschrieben: "Gott hat ihnen einen Geist der Betäubung und Verblendung gegeben, Augen, mit denen sie nicht sehen und Ohren, mit denen sie nicht hören. Und das ist bis heute so." (9) Und David sagt in Psalm 69,23+24 und 35,8: "Ihre Tischgemeinschaft soll ihnen zur Schlinge und zum Fangnetz werden, zur Verführung und zur Vergeltung! (10) Ihre Augen sollen sich verfinstern, sodass sie nichts mehr sehen. Ihr Rücken soll sich ständig unter dem Sklavenjoch beugen!"
(11) Will ich damit sagen, dass sie gestolpert sind, um zu Fall zu kommen? Auf gar keinen Fall! Sie haben zwar einen Fehltritt getan, aber der hat den nichtjüdischen Völkern die Rettung gebracht. Das wiederum sollte dazu führen, dass das jüdische Volk zum Nacheifern gereizt wird. (12) Wenn aber sein Fehltritt ein solch reicher Segen für die Welt ist und sein Verlust ein solch reicher Segen für die nichtjüdischen Völker bedeutet - um wie viel reicher wird der Segen erst dann sein, wenn das gesamte jüdische Volk umkehrt!
(13) Euch, den nichtjüdischen Völkern, möchte ich Folgendes sagen: Gott hat mich zum Apostel der nichtjüdischen Völker berufen und ich danke ihm für diesen Dienst. (14) Denn vielleicht gelingt es mir ja gerade dadurch, die Angehörigen meines eigenen Volkes zur Eifersucht und zum Nacheifern anzureizen. Ich möchte wenigstens einige von ihnen retten. (15) Denn wenn ihre Verwerfung der Welt die Versöhnung brachte, was wird dann erst ihre Wiederannahme sein? Nichts Geringeres, als dass Tote wieder lebendig werden.
(16) Übrigens: Wenn das Erstlingsbrot heilig ist, ist auch der gesamte Teig heilig. Und wenn die Wurzel des Ölbaums heilig ist, sind auch die Zweige heilig. (17) Wenn aber einige der Zweige ausgebrochen wurden und du, der du ein Zweig eines wilden Ölbaums warst, unter die übrig gebliebenen Zweige eingepfropft worden bist und jetzt vom Saft aus der Wurzel des edlen Ölbaumes versorgt wirst, (18) dann sei gegenüber den anderen Zweigen nicht überheblich! Wenn du allerdings meinst, allen Grund zur Überheblichkeit zu haben, dann bedenke Folgendes: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.
(19) Du wirst mir nun entgegnen: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft werden kann. (20) Das stimmt. Aber dass sie ausgebrochen wurden, lag an ihrem Unglauben. Als Eingepfropfter hast du aber deinen Stand durch den Glauben. Sei nicht überheblich, sondern fürchte dich! (21) Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht verschont hat, so ist zu befürchten, dass er auch dich nicht verschonen wird.
(22) Schau dir nun die Güte und Strenge Gottes an: Denen gegenüber, die gefallen sind, ist er streng. Dir gegenüber ist er gütig. Wenn du allerdings seiner Güte nicht mehr vertraust, wirst auch du herausgehauen. (23) Aber die Herausgehauenen werden, wenn sie ihren Unglauben aufgeben, wieder eingepfropft. Gott ist sehr wohl imstande, sie wieder einzupfropfen. (24) Denn wenn du aus dem wilden Ölbaum herausgeschnitten und als fremdes Holz auf den edlen Ölbaum aufgepfropft worden bist, wie viel leichter wird es dann sein, dasselbe Holz wieder auf denselben Ölbaum zurückzupfropfen.
(25) Denn ich will euch, liebe Glaubensgeschwister von Rom, über ein Geheimnis nicht im Unklaren lassen. Ihr steht sonst in der Gefahr, aus der Verstockung Israels falsche Schlüsse zu ziehen. Das Geheimnis ist: Zwar ist Israel zum Teil Verstockung widerfahren, aber die wird nur so lange andauern, bis die volle Zahl an Menschen aus den nichtjüdischen Völkern zum Glauben gekommen ist. (26) Wenn das geschehen ist, wird ganz Israel gerettet werden. Das steht schon in Jesaja 59,20+21; 27,9 und Jeremia 31,33-35: "Aus Jerusalem wird der Retter kommen, der die Nachkommen Jakobs von all ihrer Gottlosigkeit befreien wird. (27) Dies ist der Bund, den ich mit ihnen schließen werde: Ich werde ihnen ihre Sünden vergeben." (28) Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde Gottes um euretwillen, hinsichtlich der Erwählung sind sie aber Geliebte Gottes um der Stammväter willen. (29) Denn die Gnadengaben nimmt Gott nicht zurück und die Berufung Gottes wird nicht widerrufen. (30) Denn wie ihr in der Vergangenheit Gott nicht gehorcht habt, jetzt aber infolge ihres Ungehorsams Erbarmen gefunden habt, (31) so sind in der Gegenwart sie es, die gegenüber dem euch erwiesenen Erbarmen ungehorsam sind, damit auch sie jetzt dahin kommen, Erbarmen zu finden. (32) Denn Gott hat zunächst einmal alle Menschen zu Gefangenen des Ungehorsams gemacht, damit er sich aller erbarmen kann.
(33) Wie unergründlich tief ist doch Gottes Reichtum, sowohl seine Weisheit als auch seine Erkenntnis! Wie unergründlich sind seine Gerichte, wie unbegreiflich seine Wege! (34) Denn welcher Mensch hat jemals die Gedanken des Herrn erkannt, oder wer ist jemals sein Berater gewesen? (35) Oder wer hat ihm jemals etwas gegeben, sodass er es ihm zurückerstatten müsste? (36) Denn von ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge! Ihm allein gebührt für immer und ewig die Ehre dafür. Amen.

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