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Bevor ich mit dem Römerbrief durchstarte, möchte ich über den "alten" Paulus schreiben. Bitte nicht falsch verstehen. "Alt" meine ich hier im Sinne von "vor seiner Hinwendung zu Gott!"
Geht es um Paulus, findet man oft Überschriften wie "Vom Saulus zum Paulus". Und tatsächlich: Paulus hieß nicht nur Paulus, sondern auch Saulus. Und diesen Saulus-Namen verbindet man gerne mit dem Paulus vor seiner Hinwendung zu Gott. Saulus ist sozusagen der negative und gottesferne Paulus, der aber zum Paulus wurde.
Von der jeweiligen Bedeutung des Namens her ist aber nichts Negatives zu finden. Saulus bedeutet "der Erbetene" und Paulus der "Geringe". Nun könnte man natürlich ein wenig philosophieren und sagen: Der Name "Saulus" legt den Schwerpunkt auf den Wunsch seiner Eltern, während "Paulus" zeigt, zu was dieser Saulus wurde, nämlich zu einem, der sich "gering erachtete".
Saulus wurde in Tarsus (Zilizien) geboren (Apostelgeschichte 22,3) und war sowohl ein Römer (Apostelgeschichte 21,37; 22,25-28) als auch ein Israelit. Er stammte aus dem Stamm Benjamin (Philipper 3,5).
In der Apostelgeschichte (18,3) erfahren wir, dass Saulus ein Zeltmacher war. In diesem Beruf arbeitete er auch als "Paulus" immer wieder.
Aber Saulus gehörte auch zur frommen Elite Israels. Er war nämlich ein Pharisäer (Philipper 3,5). Unter der Leitung der Schriftgelehrten achtete diese "Partei" auf die peinliche Einhaltung des Gesetzes und der väterlichen Überlieferungen.
Saulus wurde von Gamaliel ausgebildet (Apostelgeschichte 22,3). Dieser war ein Mitglied des Synedriums (Hohen Rates). Abgesehen vom römischen Statthalter war dies zur damaligen Zeit die höchste Behörde der Juden. Von Gamaliel wird noch berichtet, dass er beim ganzen Volk angesehen war (Apostelgeschichte 5,34).
Und von Saulus wird gesagt, dass er im Judentum mehr Fortschritte als viele seiner Altersgenossen im Volk machte und er ein Eiferer für die väterlichen Überlieferungen war (Galater 1,14).
Saulus hatte also einen "super Professor" und war ein Streber par excellence!
Saulus war kein Theoretiker. Was er glaubte, das lebte er auch. Was in seiner Macht stand, für seinen Glauben zu tun, das tat er.
Mit der Lehre von Jesus konnte er nichts anfangen. Mit der Gemeinde, die nach dessen Tod entstand, erst recht nicht. Sie war ihm ein Dorn im Auge. In seinem "göttlichen" Fanatismus verfolgte er diese Gemeinde und versuchte, sie auszurotten (Galater 1,13).
In der Praxis hieß dies, dass er zum Beispiel in die Tötung des Stephanus einwilligte. Er schleppte auch Männer und Frauen fort und ließ sie ins Gefängnis werfen. Er drohte, gab sein o. k. zu Mord, zwang Christen durch Folter zur Lästerung und verfolgte Anhänger Jesu bis in ausländische Städte (Apostelgeschichte 8,1; 9,1; 22,19f).
Wie Saulus zum Paulus wurde, davon wird uns in Apostelgeschichte 9, Verse 1 bis 18; Kap. 22, Verse 1 bis 16 und Kap. 26, die Verse 9 bis 20 berichtet.
Das hatten wir eigentlich schon. Saulus war keiner von denen, die alles, was mit einem Glauben an Gott zu tun hat, verachten und verfolgen. Nein, er war ein sehr frommer Mann. Und er wollte für Gott tätig sein. Und das hieß: Das Jesuspack musste hinter Schloss und Riegel und ausgerottet werden.
Deshalb ging er zu den Hohenpriestern und besorgte sich eine Vollmacht und eine Erlaubnis. Die jüdischen Brüder in Damaskus sollten damit in Kenntnis gesetzt werden, welchen Auftrag Saulus (sich auferlegt) hatte und dass sie ihn unterstützen sollten. Schließlich musste die Hetzjagd von Erfolg gekrönt sein. Saulus wollte Gefangene machen. Männer und Frauen, die sich zum christlichen Glauben bekannten, wollte er gefesselt nach Jerusalem bringen. Und dort sollten sie verurteilt und bestraft werden.
Doch Saulus hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Bis Damaskus war es gar nicht mehr weit, als ihn und seine Begleiter um die Mittagszeit ein helles Licht aus dem Himmel umstrahlte. Alle zusammen fielen sie in den Staub und hörten eine Stimme, die zu diesem Saulus sagte: "Saul, Saul, was verfolgst du mich?"
Saulus entgegnete: "Wer bist du, Herr?"
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Ich bin Jesus, den du verfolgst! ... Ich bin dir erschienen, um dich zu einem Diener zu machen. ... Ich sende dich zu den nichtjüdischen Völkern, damit auch diese Vergebung ihrer Vergehen mir gegenüber empfangen können."
Daraufhin machte Saulus einen Fehler! Er fragte: "Was soll ich tun, Herr?" In seinem Kopf sah diese Frage eventuell ein wenig anders aus - vielleicht so: Herr, ich bin, wie du selber sagst, in Sachen Verfolgung nach Damaskus unterwegs. Was soll ich denn jetzt machen? Soll ich den Schwanz einziehen und nach Jerusalem zurückgehen? Das kann ich doch nicht bringen. Und Damaskus macht auch keinen Sinn mehr!
Und Jesus sagte zu ihm: "Geh nach Damaskus und dort erfährst Du, wie es weitergehen soll!"
Das war leichter gesagt als getan. Saulus war nämlich von diesem Licht erblindet. Aber seine Helfershelfer brachten ihn hin.
Ich muss mich kurzfassen. In Damaskus gab es diesen jüdischen Christen namens Ananias. Dem erschien Jesus ebenfalls und gab ihm den Auftrag diesen Saulus von seiner Blindheit zu heilen und ein paar Takte über seine Zukunft zu sagen.
Ananias war entsetzt. Es hatte sich rumgesprochen, wer da mit welchen Vorhaben unterwegs war. "Zu Saulus soll ich gehen? Niemals!"
"Geh hin! Den habe ich mir nämlich für etwas ganz Besonderes ausgesucht!"
Und Ananias ging, trat zu Saulus hin und sagte zu ihm: "Bruder Saul, sei wieder sehend!" Und dann wiederholte er den Auftrag Jesu an Paulus.
Haben Sie meinen Wechsel gemerkt. Zum ersten Mal habe ich nun von Paulus gesprochen. Das war nämlich der Moment, wo aus Saulus Paulus wurde. Nicht als dieses Licht ihn erblinden ließ. Nein, hier als Ananias ihn heilte, sah Saulus plötzlich zweifach klar. Die Blindheit war weg und ihm selbst fiel es wie Schuppen von den Augen. Und dann ging es Schlag auf Schlag.
Glückwunsch. Sie haben die zugrundeliegenden Textabschnitte, die ich weiter oben genannt habe, sehr aufmerksam gelesen. Die Texte widersprechen sich tatsächlich. Oder vielleicht doch nicht?
Was nun? Hörten sie Jesus oder hörten sie ihn nicht?
Haben Ihre Eltern - als Sie noch Kind waren - nicht manchmal zu Ihnen gesagt: "Kannst du nicht hören?" Hatten Sie da tatsächlich nichts gehört? Doch, gehört hatten Sie schon, aber Sie haben das Gehörte nicht getan und deshalb wurden Sie "Kannst du nicht hören?" gefragt!
Hier ist es ähnlich. Der Grieche hört auch dann, wenn er das Gehörte nicht in die Tat umsetzt. Der Hebräer hört nur dann wirklich, wenn dem Gehörten gemäße Taten folgen. Wenn Paulus in hebräischer Mundart sagt, dass seine Begleiter nicht hörten, dann bringt er damit zum Ausdruck, dass nur er Frieden mit Gott geschlossen hat. Die anderen blieben "fromme" Juden!
Jeder Mensch kommt als Saulus zur Welt. Selbst das "erbetendste" Kind ist zunächst ein Saulus. Daran ändert auch keine Kirchenzugehörigkeit etwas. Auch der erlernte Beruf wie zum Beispiel Sozialarbeiter, Pfarrer oder das Dasein als religiöser Mensch macht aus einem Saulus keinen Paulus. Damit ein Erdenbürger zum Paulus wird, muss etwas ganz Besonderes stattfinden.
Saulus war fromm. Er war sogar ein Theologe. Nicht nur in der Theorie, nein, er lebte seinen Glauben.
Und dennoch musste er sich von Gott begnadigen lassen. Erst danach war er ein Christ. Und in dieser Begnadigung wurde er mit dem Heiligen Geist erfüllt. Symbolisch zeigte er dann durch seine Taufe, dass Jesus ihm seine Sünden abgewaschen hatte.
Sie können Pfarrer sein, Sie können sozial angagiert sein, Sie können total religiös sein, Sie können ein vorbildlicher Mensch sein - und dennoch brauchen Sie dieses Bekehrungserlebnis, das Saulus zum Paulus werden ließ. Das war nicht das grelle Licht. Es war dieses "wie Schuppen von den Augen fallen", dass Saulus zu Paulus machte. Und da hat er nicht mehr auf seine Religiosität gepocht, sondern bekannt, dass er vor Gott nichts anderes als ein Sünder sein kann, der nur durch den Akt einer Begnadigung Frieden mit Gott bekommen kann. Den Grundstein dafür hat Jesus gelegt, als er für die Sünden der ganzen Menschheit starb. Auch für Ihre Vergehen wurde er gekreuzigt.
Nun können Sie natürlich das lesen und bejahend nicken. Dann bleibt zu hoffen, dass Sie auf die hebräische Art und Weise gelesen haben, indem auch Sie mit Jesus reinen Tisch gemacht haben.

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