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Vielleicht ergeht es Ihnen manchmal wie mir. Ich öffne einen Brief und werde fast von einer Blätterflut erschlagen. Auf 12 Seiten reiht sich Aussage an Aussage. Zwischendurch sind ein paar Erzählungen und Beispiele. Ganz am Anfang einige einleitende Worte und zum Schluss Grüße und die Bitte um eine baldige Antwort. Puh - da muss man erst einmal ganz durch, um den roten Faden zu erkennen und um den Brief überhaupt zu verstehen.
Beim Brief des Paulus an die Christen zu Rom ist das nicht anders. Will man ihn erfassen, erkennen, welcher Gedankengang wo beginnt und wo endet, was Lehre und was Praxis angeht, dann ist es gut, wenn man diesen Brief mehrfach liest und sich zudem die Struktur des Briefes herausarbeitet, sich quasi einen Überblick verschafft. Das ist bei der näheren Betrachtung hilfreich und sorgt auch dafür, dass man letztlich nicht woanders landet. Dass man sozusagen bei dem bleibt, was Paulus den Römern vermitteln wollte.
Teil 003 möchte ich also dazu nutzen, diese Struktur des Römerbriefes, so wie ich sie erkenne, vorzulegen.
| 1,1-7 Briefkopf (Absender, Empfänger und Gruß) | ||
| 1,8-15 Einleitung | ||
| 1,16+17 Thema des Briefes (Gottes Gerechtigkeit aus Glauben zu Glauben) | ||
| 1,18-11,36 Lehre | ||
| 1,18-8,39 Gottes Gerechtigkeit durch Glauben | ||
| 1,18-4,25 Warum Gottes Gerechtigkeit geoffenbart werden musste | ||
| 5,1-8,39 Die Linie Adams gegenüber der Linie Christi | ||
| 9,1-11,36 Der Heilsplan Gottes - Teil 1 | ||
| (15,8-13 Der Heilsplan Gottes - Teil 2) | ||
| 12,1-15,13 Praxis | ||
| 12,1-15,7 Anweisungen für das Leben eines Gerechtfertigten | ||
| 15,8-13 Der Heilsplan Gottes - Teil 2 | ||
| 15,14-16,27 Briefschluss | ||
Nun werden Sie vielleicht denken, dass dies ja keine große Aktion war. Das sieht nur so aus. In Wirklichkeit ist diese Struktur nämlich noch viel tiefer durchgliedert. Aber ich wollte Ihnen erst einmal nur ein grobes Raster liefern. Bei den Texten selbst werden wir dann feiner durchstrukturieren.
Es kann aber auch gut sein, dass Sie der Meinung sind, dass diese Struktur überhaupt nicht zutreffend ist. Ja, Briefkopf, Einleitung und Schluss ist schon o. k., aber Ihrer Meinung nach lege ich bei der Lehre eine völlig falsche Gewichtung. Oder Sie vermissen in den Überschriften bestimmte Vokabeln wie zum Beispiel Sünde, Heiliger Geist, Leben aus Glauben usw. Ehrlich gesagt würde ich, wenn ich mehr Zeit hätte, meine Einteilung des Briefes gerne noch besser ausfeilen. Aber im Großen und Ganzen glaube ich schon, dass ich in der Struktur das zum Ausdruck gebracht habe, was Paulus sagen möchte.
Ich glaube, dass meine Überschrift sehr deutlich zum Ausdruck bringt, warum Strukturen / Briefeinteilungen manchmal so unterschiedlich sind. Paulus hat seinen Brief ja nicht mit einer Einteilung versehen. Er schrieb ihn (diktierte ihn), setzte seinen Servus darunter und schickte ihn ab.
3.1 - Hilfreiche Absatzüberschriften
Und in unseren Bibeln ist sein Brief in kleine Abschnitte unterteilt. Wahrscheinlich soll dies den Text lesefreundlicher machen. Das finde ich gut - aber von Paulus sind diese Überschriften nicht und für gewöhnlich sind es auch "nur" Überschriften über kleine Abschnitte des Briefes. Mit anderen Worten: Hier geht es nicht um die Struktur des ganzen Briefes, sondern um treffende und hilfreiche Überschriften zu kleinen Absätzen.
3.2 - Theologische Struktur
Meine Struktur würde ich als eine "theologische" Struktur bezeichnen. Im Brief geht es um den Inhalt des Evangeliums (der guten Nachricht Gottes an uns Menschen). Ich möchte es mal so sagen: Es geht um das Gerechtigkeitsverständnis Gottes, seine Art der Rechtsprechung, wie jeder einzelne Mensch vor Gott Gerechtigkeit erlangen kann und wie sich dies im Leben eines gerechtfertigten Menschen zeigt. Folglich ist die "Vokabel" Gerechtigkeit die wichtigste in meiner Struktur.
3.3 - Ausgelegte Struktur / Verständlich übertragene Einteilung
Ein anderer Ausleger setzt eventuell einen anderen Schwerpunkt. Wahrscheinlich sieht er die Thematik des ganzen Briefes genauso, möchte aber von vornherein erbaulich darüber schreiben. Und da nicht jeder Mensch mit dem Begriff "Gerechtigkeit Gottes" etwas anfangen kann, entwirft er eine gewissermaßen verständlichere Struktur, die dem Leser sofort etwas sagt - eventuell so (nur die Kapitel 1,18-8,39):
| 1,18-11,36 Unterweisung für Christen | ||
| 1,18-8,39 Christ wird man nur durch Glauben | ||
| 1,18-4,25 Kein Mensch, auch wenn er noch so anständig oder religiös ist, kommt in den Himmel | ||
| 5,1-8,39 Nur wer sich von Gott begnadigen lässt, kommt in den Himmel | ||
Und dagegen ist nichts einzuwenden. Hier wird gewissermaßen schon der Sprung in die Praxis leicht verständlich dargeboten. Die Struktur ist im Grunde genommen dieselbe. Die Art und Weise der Benennung geht aber schon auf den Leser zu, indem die theologische Struktur ausgelegt wird.
Mein Vorhaben ist, den Inhalt der theologischen Struktur zu erklären, damit Sie nachvollziehen können, wie ich dann letztlich zur ausgelegten Struktur gelange.
Meine Struktur (1) ist für das Verständnis des Römerbriefes schon sehr hilfreich. Aber sie sollte, wie ich weiter oben bereits erwähnt habe, noch viel tiefer gehen. Das meine ich mit der Strukturanalyse par excellence. Und ich traue Ihnen zu, dass auch Sie die tiefere Struktur erkennen können. "Was Ihnen das bringt?", fragen Sie. Nun, ich möchte behaupten, dass man, je tiefer man in den Text eindringt (je tiefer man strukturiert), desto besser man den Text auch versteht. Ein kleines Beispiel (mit der ausgelegten Struktur):
| 1,18-8,39 Christ wird man nur durch Glauben | ||
| 1,18-4,25 Kein Mensch, auch wenn er noch so anständig oder religiös ist, kommt in den Himmel | ||
| 1,18-32 Nichtjüdische Menschen können vor Gott nicht bestehen | ||
| 2,1-16 Auch anständige Menschen sind vor Gott schuldig | ||
| 2,17-3,8 Dies gilt auch für religiöse Menschen | ||
| 3,9-20 Alle Menschen sind schuldig und können somit vor Gott nicht bestehen | ||
| 3,21-31 Nur eine Begnadigung, die durch das Vertrauen in Christi Opfer empfangen wird, ermöglicht den Frieden mit Gott | ||
| 4,1-25 Dies wird schon an Abraham deutlich | ||
| . . . | ||
Neugierig geworden? Dann lesen Sie nach, wie Abraham "Christ" geworden ist. Und forschen Sie, warum alle Menschen vor Gott schuldig sind und nur durch eine Begnadigung in den Himmel kommen!
Wer den Römerbrief verstehen möchte, muss unbedingt den roten Faden erkennen. Anders ausgedrückt: Jeder Leser des Römerbriefes sollte genau das aus diesem Brief herauslesen, was Paulus damit sagen wollte.
Im Römerbrief gibt es viele aussagekräftige Verse, Verheißungen, Motivationen usw. Das ist toll, aber wenn man sie nur für sich, ohne den Textzusammenhang zu beachten, herauspickt, können sie falsch verstanden und damit auch falsch angewandt werden.
Viele Menschen haben Probleme damit, ihre Stellung vor Gott richtig einzuschätzen. Sie verstehen nicht, dass sie trotz all ihrer guten Taten und ihrem - menschlich betrachtet - guten Charakter nach göttlicher Rechtsprechung begnadigt werden müssen. Durch den Römerbrief hat jeder die Möglichkeit, Gottes Sichtweise der Dinge zu erfahren!

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