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Dies ist ein Römerbrief-Kommentar der etwas anderen Art. Deshalb sollten Sie dieses Vorwort unbedingt lesen. Es bereitet Sie nämlich darauf vor, was Sie in diesem Werk erwartet. Falls Sie es nicht lesen, werden Sie sehr bald an den Punkt kommen, wo Sie Ihre Augenbrauen hochziehen und sich fragen, warum, weshalb und wieso ich solch eigene Wege gehe und was der Sinn und Zweck meines geordneten Durcheinanders ist. Diese und andere Fragen können Sie sich ersparen, indem Sie dieses Vorwort, das ich sehr kurz halten werde, vorweg lesen.
Eigentlich würde ich hier am liebsten schreiben, dass ich ihn für jedermann geschrieben habe. Dann aber wird der wissenschaftlich arbeitende Mensch darüber enttäuscht sein, dass dieser Kommentar so kurz und unwissenschaftlich gehalten ist. Deshalb beantworte ich diese Frage folgendermaßen:
Sie verstehen nicht, was ich meine? Das ist gut. Denn das zeigt mir, dass Sie tatsächlich das Vorwort als Vor-Wort lesen. O. K. - in meinem Kommentar nehme ich mir das Recht, den Römerbrief ein wenig durcheinander auszulegen.
Schauen Sie sich bitte einmal die Grafik links etwas genauer an. Hier habe ich den Inhalt des Römerbriefes als Sonne dargestellt. Sie strahlt mit acht Strahlen und hat diesen glühenden Kern. Und sowohl die Strahlen als auch der Sonnenball sind mit Abschnitten aus dem Römerbrief versehen.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich möchte nun nicht behaupten, dass das eine wichtiger als das andere wäre. Der ganze Römerbrief ist Gottes Wort. Dennoch möchte ich gerne zuerst die Strahlen auslegen, um am Schluss dann beim Thema des Römerbriefes zu bleiben und auch damit zu enden. Irgendwie widerstrebt es mir, nach dem "Glaubenspraxisteil" (12,1 bis 15,7) des Paulus Rechtfertigung des Briefes, seine Reisepläne und seine Grüße zu behandeln. Das kommt mir so vor, als würde ich dann die "Evangeliums- und Glaubenslebensluft" wieder rauslassen.
Also, Sie werden sehen, dass uns auch die Strahlentexte sehr viel zu sagen haben. Falls Sie mit meiner Vorgehensweise nicht einverstanden sind und Bedenken haben, dann hilft Ihnen vielleicht folgender Gedanke: Als die Christen von Rom den Brief erhielten, war dieser Brief für sie aktuell sehr wichtig. Hätten Sie das ganze Neue Testament gehabt, wäre dennoch der Römerbrief dran gewesen.
Oder: Die ganze Bibel ist Gottes Wort. Dennoch empfehlen wir Menschen, die sich für den Glauben interessieren, das Lesen in der Bibel mit einem Evangelium zu beginnen und nicht unbedingt mit 1. Chronik!
Also, lassen Sie sich bitte einfach einmal auf meine Vorgehensweise ein. Ich lege den ganzen Brief aus, nur eben nicht in der Vers-für-Vers-Reihenfolge, wie er geschrieben wurde.
Eigentlich ist es ja normal, dass ein Kommentar auch eine eigene Übersetzung des Urtextes enthält. Deshalb, und weil es dann auch keine Probleme mit Textrechten gibt, habe auch ich mich darin "versucht". Aber ich hatte noch weitere Gründe:
Natürlich gehe ich auch bei der Auslegung eigene Wege. Dabei ist mein Sinnen und Trachten aber nicht der "Irr"weg. Vielmehr liegt mir zunächst einmal daran, die Auslegung von der Anwendung deutlich zu trennen. Das hat folgenden Hintergrund. Wenn ich Predigten oder Bibelstunden vorbereite, dann möchte ich den Text zumindest zunächst unbeeinflusst anwenden. Ich möchte mich in meine Zuhörer hineinversetzen und den Text in ihr und in mein Leben hineininterpretieren. Sind aber die Auslegung und Anwendung miteinander verschmolzen, dann ist dies nicht so leicht möglich. Deshalb nehme ich an, dass mir Prediger und andere Gemeindemitarbeiter dankbar sind, dass sie die Auslegung zunächst einmal ohne in Gemeindesituationen passende Anwendungen durcharbeiten können.
Noch einmal ein paar Worte zum ganzen Kommentar und damit auch zur ganzen Auslegung. Natürlich kann man sich Abschnitte herauspicken. Aber Paulus wiederholt im Römerbrief viele Dinge oder sagt sie erneut ein wenig anders und dann habe ich das nicht unbedingt nochmals ausgeführt. Vieles baut auch aufeinander auf. Deshalb empfehle ich Ihnen, diesen Kommentar tatsächlich durchzulesen. Er soll auch ein Lesebuch sein!
Bei der Auslegung war mir wichtig, diese so kurz wie möglich zu halten. Zum Gelingen dieses Vorhabens trägt der zugrunde liegende Bibeltext viel bei. Deshalb enthält meine Übersetzung teilweise viel erklärenden Text, wodurch ich mir, entgegen anderer Kommentatoren, viele Worte sparen kann. Lesen Sie bitte parallel auch andere Übersetzungen!
Größtenteils bleibe ich mit meiner Auslegung auch im Römerbrief. Ich bin kein Freund davon, alles mit 1.000 Stellen aus der ganzen Bibel zu belegen. Wenige und vor allen Dingen zutreffende und vertiefende Parallelen sind mir viel lieber. Die Christen von Rom hatten den Römerbrief. Viele andere Schriften waren ihnen völlig unbekannt.
Meine Anwendungen sind eine Symbiose zwischen einem "exegetischen" und einem "erbaulichen" Kommentar. Während der exegetische Kommentar die Inhalte des Bibeltextes erklären soll, fügt der erbauliche Kommentar Anwendungen für das Heute, Hier und Jetzt hinzu.
Die Anwendungen selbst sind für die verschiedensten Leser erarbeitet. Oft spreche ich dem Christentum ferne Personen direkt an. Dann aber auch Christen. So mancher Mitarbeiter einer Gemeinde wird durch die Anwendungen auch Material an die Hand bekommen, das er für Predigten, persönliche Gespräche usw. ver- und anwenden kann.
Nun wünsche ich Ihnen Gottes reichen Segen
mit meinem "Lesebuch"-Kommentar
zum Römerbrief
Ihr
Wolfgang Molzahn

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