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Wichtig: Diese Unterseite ist Teil VII einer siebenteiligen Serie. Die Zusammenstellung dieser Serie finden Sie HIER. Bitte beginnen Sie mit der Lektüre bei Teil I und erarbeiten Sie sich die Texte fortlaufend bis Teil VII.
In unserem großen Abschnitt über den Zorn Gottes habe ich meines Erachtens ein paar Stellen nicht hinreichend erklärt. Während die an alle Menschen gerichtete "Predigt der Schöpfung" für mich kein Problem darstellt, möchte ich folgende Stellen noch etwas vertiefen:
Was sind die Probleme, die sich aus diesen Textstellen ergeben?
In der Bibel ist vom Neuen Bund Gottes mit Israel die Rede. Hebräer 8,10 (lesen Sie ruhig Kapitel 8 bis 10) sagt, dass Gott mit dem Haus Israel einen Neuen Bund schließen wird. Bezüglich unserer Fragen ist das Besondere dieses Bundes das, dass Gott Israel das Gesetz in den Sinn geben und auf sein Herz schreiben wird. Weiter wird im Text gesagt, dass dieser Neue Bund das Problem der Sünde durch Vergebung löst, und ein neues Bundesgesetz beinhaltet. Gottes Neuer Bund wird also mit Israel geschlossen und beinhaltet ein neues Bundesgesetz, das den Israeliten aufs Herz geschrieben wird! In Römer 11,27 war auch von diesem Bund die Rede (siehe Auslegung dort).
In 1. Korinther 11 ab Vers 17 spricht Paulus zu den Christen von Korinth über das Abendmahl. In Vers 25 sagt er, dass der Kelch, der Neue Bund in Jesu Blut ist. Es wurde für sie vergossen (Lukas 22,20). Mit anderen Worten: Jesus hat die Grundlage dieses Neuen Bundes geschaffen und dieser Neue Bund ist jetzt schon Wirklichkeit. Christen aus Juden und Heiden sind innerhalb dieses Neuen Bundes. Sie sind ein Brief Christi, der mit dem Geist des lebendigen Gottes auf fleischerne Herzen geschrieben ist (2. Korinther 3,3).
An dieser Stelle ist mir wichtig zu betonen, dass Christen - ob Juden- oder Heidenchristen - zwar Nutznießer des Neuen Bundes sind, er sich aber auf diese Weise noch nicht erfüllt. Der Neue Bund erfüllt sich mit allen Elementen (zum Beispiel: Landerbschaft für Israel) nur mit den Juden!
Was nun sehr erstaunt, ist die Tatsache, dass Paulus im Römerbrief schreibt, dass es Heiden gibt, welchen die Gesetzesforderung ins Herz geschrieben ist. Diese Formulierung weist dermaßen deutlich auf den Neuen Bund hin, dass hier von Heiden die Rede sein muss, die innerhalb des Neuen Bundes sind. Damit wäre dann von Heidenchristen die Rede. Der Textzusammenhang lässt diesen Schluss aber nicht zu.
Paulus sagt zu den Juden: Über den Heiden steht der Zorn Gottes. Aber er steht auch über euch, weil ihr unter dem mosaischen Gesetz sündigt und dieses Gesetz euch dann auch richtet. Für gerecht erklärt werden nur die, die das mosaische Gesetz tun. Es gibt Heiden, die das mosaische Gesetz nicht haben, denen es aber ins Herz geschrieben ist. Sie tun, was es fordert und sind sich dadurch selbst Gesetz. Und ihr Gewissen leitet sie zu dem, was sie gemäß dieses Gesetzes tun sollen (2,12-16).
Ich glaube auch, dass in Kapitel 2,25+26 von wirklichen Heiden gesprochen wird. Es ist von Heiden die Rede, welche die Forderungen des mosaischen Gesetzes befolgen. Als Ergebnis davon, werden sie von Gott als wahre und am Herzen beschnittene Juden betrachtet.
Vielleicht dient meine konsequente Übersetzung dazu, dass dieses Problem gelöst werden kann. Ich habe die folgende Auslegung noch nirgends gelesen.
Ihnen ist in meinem Bibeltext sicherlich aufgefallen, dass ich durchgehend konsequent "Gesetz" mit "mosaischem Gesetz" wiedergebe. Das ist für mich ein Schlüssel zum Verständnis.
Hier ist aber vom mosaischen Gesetz die Rede.
Für mich macht diese Deutung Sinn. Im Neuen Bund ist das Gesetz Christi auf die Herzenstafeln geschrieben. Im Alten Bund geht es um das mosaische Gesetz. Dieses Gesetz ist Israel aber auch zur Sündenerkenntnis für alle Menschen gegeben (3,20). Und diese biblische Zweigleisigkeit des mosaischen Gesetzes zeigt Paulus hier in der Praxis.
Andere Ausleger lösen diese Problematik auf verschiedene Art und Weise. In Bezug auf das Kennen der Rechtsforderung Gottes sprechen sie teilweise von einer Art Naturrecht, das der Mensch auch ohne göttliche Offenbarung kennen könnte. Dieses Naturrecht wäre dann mit dem mosaischen Gesetz identisch. Bei dieser Auslegung muss man sich dann aber tatsächlich fragen, worin dann der Vorzug der Juden wäre. Das Gesetz im Herzen wäre doch vorteilhafter als das geschriebene Gesetz!
Eine weitere Auslegung besagt, dass den Heiden nicht das Gesetz, sondern das Tun des Gesetzes ins Herz geschrieben ist (2,14+15). Deshalb handeln sie von Natur aus dem Gesetz entsprechend. Bei dieser Interpretation bezieht man das "von sich aus / von Natur aus" aus Vers 14 auf "dem Gesetz entsprechend".
Andere beziehen das "von sich aus / von Natur aus" auf "kein Gesetz haben". Dann lautet Vers 14: "Denn wenn Heiden, die von Natur aus das Gesetz nicht haben, so handeln, wie es das Gesetz fordert, ..." Die hier angesprochenen Heiden wären dann Heidenchristen.
In unserem Abschnitt ist das ins Herz geschriebene Gesetz (2,14+15) und / oder das Kennen der Rechtsforderung Gottes (1,32) sehr eng mit dem Gewissen verbunden. Kapitel 2,15 bringt zum Ausdruck, dass das Gewissen, die Gedanken, die sich untereinander anklagen und verteidigen, bezeugt, dass das Gesetz ins Herz geschrieben ist. Von daher verwundert es nicht weiter, dass viele Christen der Ansicht sind, dass das Gewissen generell die Stimme Gottes beim Menschen ist. Unser Text sagt ihnen:
So schlüssig diese Behauptungen auch klingen mögen, bergen sie doch große "Gefahren" in sich. Deshalb möchte ich hier das bereits zu Kapitel 9 Vers 1 Gesagte noch ein wenig vertiefen.
Die wörtliche Bedeutung von "Gewissen" ist "Mit-Wisser". Das Gewissen ist also eine Instanz, die unser Denken und Tun parallel miterlebt und, das bringt Vers 15 klar zum Ausdruck, dieses Miterlebte anhand eines Maßstabes sozusagen zusätzlich noch in unseren Gedanken mit uns "durchkaut".
Nach Vers 15 ist dieser Maßstab das ins Herz geschriebene Gesetz Gottes. Unsere Frage muss hier sein, ob dies immer so ist, ob die Bibel wirklich sagen möchte, dass das Gewissen immer diesen festen Maßstab des Gesetzes hat. Im Grunde genommen würde das ja beinhalten, dass ein Mensch, der Christ geworden ist, einfach von seinem Denken her weiter machen kann, wie bisher. Er muss nur auf sein Gewissen hören und handelt dann gemäß dem Willen Gottes. Hierzu sagt Paulus aber etwas ganz anderes. Er schreibt, dass das Denken von Grund auf erneuert werden muss (12,2)!
Auch wenn in unseren Bibeln im Alten Testament hin und wieder die Vokabel "Gewissen" erscheint, so gibt es im AT dennoch kein Wort für Gewissen. Trotzdem ist die Funktion des Gewissens nicht unbekannt. Bibelstellen, die vom "Herz" oder von den "Nieren" sprechen, haben manchmal die übertragene Bedeutung von Gewissen:
Im Neuen Testament finden sich viele Aussagen zum Gewissen. Im Folgenden möchte ich versuchen, einige davon thematisch geordnet wiederzugeben:
Durch diese ersten Bibelstellen über das Gewissen wird sehr deutlich, welch wichtige Funktion und Instanz das Gewissen in der Beziehung zu Gott hat und ist. Wer sich als Christ biblisch taufen lässt, bittet dadurch Gott, dass dieser ihm das böse Gewissen löscht und ein gutes Gewissen an seine Stelle tritt. Und dieses gute Gewissen soll alle Lebensbereiche durchdringen. Ob es um den christlichen Dienst, die christliche Lebensführung, den christlichen Glaubenskampf oder die christliche Verkündigung geht. Immer und überall soll das gute Gewissen bewahrt werden. Bei diesen Bibelstellen finde ich interessant, dass es eine Verkündigung der Liebe gibt, die nicht daran interessiert ist, eine Liebe aus gutem Gewissen hervorzubringen. Wie oft wird Evangelisten oder evangelisierenden Christen nachgesagt, dass sie lieblos predigen? Dabei predigen sie die Liebe Gottes mit gutem Gewissen, die Begriffe wie Sünde nicht aus der Predigt verbannen und damit auch Liebe aus gutem Gewissen hervorbringen!
Wo vom guten Gewissen gesprochen wird, muss es wohl auch ein böses Gewissen geben.
Mit anderen Worten: Damit ein Gewissen gut ist, muss es mit Jesu Blut gereinigt werden. Für mich bedeutet dies nicht nur die Reinigung von Handlungen entgegen dem guten Gewissen, sondern auch das Hinwegnehmen falscher/böser Gewissensprogrammierungen.
In unseren Bibelübersetzungen wird manchmal beim "guten Gewissen" mit "reinem Gewissen" übersetzt. Aber der Gegensatz von "gut" ist "böse" und von "rein" "unrein, befleckt", was so auch im Neuen Testament vorkommt.
In Titus 1 ab Vers 10 beschreibt Paulus Irrlehrer. Im Zusammenhang sagt er dann in Vers 15: "Den Reinen ist alles rein; den Befleckten aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern befleckt ist sowohl ihre Gesinnung als auch ihr Gewissen (rev. Elberfelder Bibel)."
Meines Erachtens empfinden wir den Begriff "beflecktes Gewissen" nicht ganz so dramatisch. Ein beflecktes Gewissen hat eben dunkle Stellen. Aber ein beflecktes Gewissen ist hier viel mehr. Es ist ein kaputtes Gewissen, auch wenn sein Besitzer sich noch so sehr darauf beruft!
Das starke Gewissen gibt es im Neuen Testament nur implizit. Vom schwachen Gewissen ist an mehreren Stellen die Rede (1. Korinther 8,1-13 und 10,23-33).
Christen mit einem starken Gewissen können ohne Gewissensbisse Götzenopferfleisch essen. Auf dem korinthischen Markt wurde Fleisch angeboten, das zuvor den Götzen geopfert und danach verkauft wurde. So konnte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Den Göttern wurde gehuldigt und obendrein wurde mit dem Fleisch noch Geld verdient. Ein Teil der Christen von Korinth hatte ein starkes Gewissen. Für sie gab es nur einen Gott und dem sagten sie Dank und aßen das Fleisch. Und das konnten sie auch mit gutem und reinem Gewissen tun!
Das schwache Gewissen anderer Gemeindeglieder verbot ihnen das Essen von Götzenopferfleisch. Sie kamen aus diesem Götzenkult, hatten diesen Hintergrund und fühlten sich befleckt, wenn sie Götzenopferfleisch aßen. Also ließen sie es. Hätten sie es gegessen, hätten sie sich gewissensmäßig versündigt und ihr Glaubensleben wäre durcheinander gekommen.
Weil die Christen mit den starken Gewissen eigentlich recht hatten, standen sie in der Gefahr, die schwachen Gewissen starkzumachen. Paulus zeigt in diesem Zusammenhang auf, dass sie dadurch den Schwachen zum Anstoß werden, ihr Gewissen wird verletzt usw.
Im Zusammenhang mit dem schwachen Gewissen wird sehr deutlich, dass das Gewissen dieser Christen geprägt war. Die Schwachen waren in diesem Götzenopferkult aufgewachsen und erzogen worden. Vor ihrer Bekehrung war es ihre Weltanschauung, die sie offensichtlich trotz Bekehrung nicht einfach so abstreifen konnten. Grundsätzlich war es möglich, Götzenopferfleisch zu essen. Kein Christ hat sich rein theoretisch dadurch versündigt. Der mit schwachem Gewissen aber schon.
Das schwache Gewissen legt also den Willen Gottes peinlich genauer aus, als es nötig wäre. Aber es tut es nicht, um damit vor Gott zu bestehen, sondern aus seiner Liebe zu Gott heraus. Und deshalb darf man dieses schwache Gewissen nicht mit aller Gewalt starkmachen. In unserer Fragestellung belegt aber gerade das schwache Gewissen, dass das Gewissen nicht automatisch den göttlichen Maßstab enthält!
Paulus spricht hier also eine Gewissensempfehlung aus. Andere sollen mit ihrem Gewissen sein christliches Leben und Wirken prüfen. Allerdings fügt er zwei wichtige Einzelheiten hinzu:
In diesem Zusammenhang ist 1. Korinther 4, die Verse 1 bis 5 eine sehr wichtige Parallelstelle. Dort sagt Paulus Folgendes:
Also nicht das Gewissen ist die letzte Instanz, auch nicht das reine Gewissen, sondern der Herr und Richter!
Aber das Opfer Jesu schon. Damit kann das Gewissen neu "formatiert" und zu einem guten und brauchbaren Gewissen werden. Es "reinigt das Gewissen von toten Werken, damit ihr dem lebendigen Gott dient" (Hebräer 9,14)!
Meine bisherigen Ausführungen haben sicherlich deutlich gemacht, dass das Gewissen zwar eine wichtige Instanz des Menschen in Bezug auf das Leben im Willen Gottes ist, dass diese Instanz aber nicht immer den vollkommenen Maßstab des Wortes Gottes als Grundlage hat. Deshalb formuliert Paulus in Römer 9 Vers 1 folgendermaßen:
"Mein Gewissen im Heiligen Geist bezeugt mir, dass ich die Wahrheit sage!"
Allein dieses Gewissen ist zuverlässig!
Wer sich auf sein reines und gutes Gewissen beruft, kann damit auf sehr wackeligen Beinen stehen. Da wir hier in einer christlichen Kultur aufgewachsen sind, bestehen gute Chancen, dass der Gewissenskampf - die Gedanken, die sich untereinander anklagen oder verteidigen - auf einem guten Fundament stattfindet. Sicher ist dies aber nicht, denn das Gewissen wird geprägt. Unsere Erziehung hat unser Gewissen geprägt. Was wir gelernt haben, hat unser Gewissen geprägt. Die Weltanschauung, die wir angenommen haben, hat unser Gewissen geprägt. Und es wird ständig weiter geprägt.
Das hat zur Folge, dass so mancher Gewissenskampf überhaupt nichts mit dem christlichen Glauben zu tun hat. Möglicherweise ist das Gewissen so weit vom lebendigen Gott entfernt, dass es im göttlichen Sinne ein völlig kaputtes Gewissen ist. Ein Gewissen, bei dem nach Römer 1 ab Vers 18 die Wahrheit gegen die Lüge ausgetauscht wurde und das auf diesem Wege ein böses Gewissen geworden ist.
Oder es ist eben ein Misch-Gewissen. Manche Gewissenskämpfe finden sozusagen auf biblischem Boden statt, andere sind ideologische Weltanschauungskämpfe, dann gibt es noch esoterische Ansichtskämpfe usw.
Auch Christen haben durch Ihre Bekehrung nicht automatisch die Gewissensfestplatte formatiert und das neue Willen-Gottes-Programm aufgespielt. Sie gehen zwar bei der Bekehrung den Bund eines guten Gewissens mit Gott ein, aber fortan dürfen sie in ihrem Glaubensalltag daran arbeiten, ihr Denken zu erneuern (Römer 12,2). Die Festplatte darf tatsächlich mit dem Willen-Gottes-Programm gefüllt werden. Letztlich heißt dies, dass die Sehnsucht nach Gottes Willen mich dazu treibt, diesen Willen Gottes aus dem Wort Gottes heraus zu erforschen. Wie oft lesen und studieren wir in der Bibel?
Die biblische Gewissenslatte liegt sehr hoch:

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