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Pontius Pilatus
Statthalter von Judäa

Pilatus DornenkronePilatus wollte Jesus nicht zum Tode verurteilen. Dies zu beweisen, dazu soll diese Seite dienen.

Der Statthalter
- die politische Macht

Pontius Pilatus war von 26 bis 36 Statthalter in Judäa. Dieses Amt machte ihn dort zum Stellvertreter des römischen Kaisers Tiberius.

Bei den Juden war er verhasst. Immer wieder provozierte er sie. So bediente er sich zum Beispiel am Tempelschatz, verletzte ihre Glaubenshaltung in Bezug auf Bilder und unterdrückte Rebellion mit Gewalt.

Der Sanhedrin
- die religiöse Macht

Im "Israel" jener Zeit gab es aber auch eine religiöse Macht - den Sanhedrin (Hoher Rat). Er bestand aus 71 Mitgliedern und setzte sich aus dem amtierenden Hohepriester, der den Vorsitz führte, den Hohepriestern , den Pharisäern, den Sadduzäern, den Schriftgelehrten, den Ältesten und den Obersten zusammen. Die Römer hatten dem Sanhedrin offiziell das Recht zuerkannt, Prozesse zu führen und Urteile zu verhängen. War das Urteil ein Todesurteil, musste es ab 30 n. Chr. von der römischen Behörde bestätigt werden.

1. Anklage vor Pilatus

Der Sanhedrin verurteilte Jesus aus religiösen Gründen zum Tode. Er hatte behauptet, der Sohn Gottes zu sein. Das war Gotteslästerung. Darauf stand der Tod.

Da sie für ihr Urteil die Bestätigung des Statthalters benötigten, brachten sie Jesus zu Pontius Pilatus. Zuvor aber änderten sie ihre religiösen Anklagepunkte in politische um. Sie wussten, Pilatus würde jene niemals akzeptieren.

Als sie Jesus vorführten, fragte er: "Welche Anklagepunkte erhebt ihr gegen diesen Mann?"
Sie antworteten: "Erstens hetzt er unser Volk auf. Zweitens sagt er, dass wir keine Steuern an den Kaiser zahlen sollen. Und drittens behauptet er, dass er der von Gott verheißene König Israels sei!"
Daraufhin zog sich Pilatus mit Jesus zurück, um ihn zu verhören. Anschließend kam er wieder heraus und sagte: "Ich sehe keinen Grund, diesen Mann zu verurteilen."
Und erneut klagten sie daraufhin Jesus vieler Dinge an. Vor allem bestanden sie darauf, dass Jesus das ganze Volk aufwiegelte und dass er dies von Galiläa bis Judäa tat.

Diese Anklage gab dem Prozess eine neue Wende. Pilatus fragte sie: "Ist dieser Mann aus Galiläa?" Die Ratsmitglieder bestätigten dies und eröffneten damit Pilatus eine Möglichkeit, diesen Fall abzugeben. Galiläa wurde nämlich von Herodes Antipas regiert. Da dieser wegen dem Passahfest in Jerusalem war, ließ er Jesus zu ihm bringen.

(Anmerkungen: Es erstaunt, dass Pilatus trotz der massiven Anklagepunkte keinen Grund zur Verurteilung Jesu sah. Das liegt wohl daran, dass Jesus ihm im Verhör sagte, dass sein Königreich von ganz anderer Art ist und nicht von dieser Welt stammt.
Dass Pilatus Jesus dann der Gerichtsbarkeit des Herodes Antipas übergab, hat noch andere Gründe. Monate zuvor hatte er nämlich galiläische Männer während des Opferns von seinen Legionären niedermetzeln lassen (Lukas 13,1f). Seither wurde er von Herodes Antipas gehasst. Aber nach dieser Geste wurden sie Freunde.)

2. Anklage vor Pilatus

Herodes Antipas verurteilte Jesus auch nicht. Er und seine Soldaten verspotteten ihn nur und zogen ihm ein weißes Prachtgewand an. In dieser Verkleidung schickten sie ihn, ohne es wirklich zu bemerken, gewissermaßen als Hohepriester zu Pilatus zurück.

Pilatus rief den Ältestenrat und das Volk zusammen und setzte den Prozess mit folgender Erklärung fort: "Ihr habt diesen Mann zu mir gebracht und ihn beschuldigt, er hetze die Leute auf. Für mich ist er aber unschuldig. Auch Herodes ist dieser Meinung. Jesus hat nichts getan, worauf die Todesstrafe steht. Ich werde ihn auspeitschen lassen und danach soll er frei sein."

Plötzlich schaltete sich das Volk, das in der Zwischenzeit von den Hohepriestern und Ratsältesten aufgewiegelt worden war, ein und erinnerte Pilatus an die Sitte der Passahamnestie. Sie riefen: "Gewähre uns auch in diesem Jahr die übliche Begnadigung eines Gefangenen."
Pilatus fragte daraufhin: "Wen soll ich begnadigen? Jesus Bar-Abbas oder Jesus, der auch Christus genannt wird? Soll ich euch den König der Juden freigeben?"

In diesem Moment wurde der Prozess unterbrochen. Pilatus erhielt von seiner Frau die Nachricht, dass er seine Hände von diesem unschuldigen Mann lassen solle. Seinetwegen hatte sie in der letzten Nacht einen schrecklichen Traum.

Danach fragte Pilatus wieder: "Wen von beiden soll ich freilassen?"
Das Volk begann zu schreien und zu toben: "Nein, den nicht! Wir wollen Bar-Abbas! Weg mit diesem Jesus! Lass uns lieber Bar-Abbas frei!"
"Was soll ich dann mit dem machen, der Christus genannt wird und den ihr den König der Juden nennt?" fragte Pilatus.
"Kreuzigen!" schrien sie alle wie aus einem Mund.
Pilatus fragte: "Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Ich finde nichts, wofür er die Todesstrafe verdient hätte. Ich werde ihn auspeitschen lassen, danach soll er frei sein."
Das Volk schrie aber so laut es konnte: "Ans Kreuz mit ihm! Kreuzige ihn!"

Pilatus hatte gemerkt, dass er im Moment nichts erreichte. Im Gegenteil, die Erregung der Menge wurde immer größer. Deshalb beendete er scheinbar den Prozess und provozierte sie, indem er für alle sichtbar ihre Sitte des Händewaschens nachahmte. Dabei sagte er: "Ich bin für das Blut dieses Unschuldigen nicht verantwortlich. Das habt ihr zu verantworten!"
Und das Volk schrie zurück: "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!"

Danach gab Pilatus Jesus Bar-Abbas frei und übergab Jesus zur Geißelung.

3. Anklage vor Pilatus

Jesus wurde ausgepeitscht. Das war eine grauenhafte Folter, die fast einer Todesstrafe gleichkam. Viele überlebten die Geißelung auch nicht. Der Verurteilte wurde dazu entkleidet, an einen Pfahl gebunden und so lange mit einer Peitsche, deren Lederriemen mit Stacheln, Knochenstücken oder Bleikugeln versehen waren, geschlagen, bis er blutüberströmt am Boden lag. Zudem wurde diese Bestrafung von Soldaten unterjochter Völker durchgeführt, die für ihren Judenhass bekannt waren.

Erwähnen möchte ich noch, dass sie Jesus nach der Geißelung mit einem purpurfarbenen Mantel bekleideten, ihm eine Dornenkrone auf den Kopf drückten und ihm einen Stock in die Hand gaben.
So, als König verkleidet, brachten sie ihn zu Pilatus.

Und Pilatus führte ihn so zu allen hinaus und sagte: "Ich bringe ihn zu euch heraus, damit ihr erkennt, dass ich keinen Grund zu einer Verurteilung zum Tode finden kann. Seht ihn euch an!"
Die Hohenpriester und ihre Diener schrien: "Ans Kreuz! Ans Kreuz mit ihm!"
Pilatus sagte zu ihnen: "Dann nehmt ihn doch und kreuzigt ihn, denn ich finde keinen Grund, ihn zum Tode zu verurteilen."
"Nach unserem Gesetz muss er sterben", entgegneten die Hohenpriester und ihre Anhänger, "weil er behauptet hat, er sei der Sohn Gottes."

Daraufhin entstand wieder eine kurze Prozessunterbrechung, während dieser Pilatus sich mit Jesus ins Innere des Palastes zurückzog. Er wollte ihn nochmals verhören, wollte wissen, ob er ein gewöhnlicher Mensch oder tatsächlich Gottes Sohn sei. Aber Jesus sprach nicht mit ihm.
Pilatus gab ihm daraufhin zu bedenken, dass er die Macht hat, ihn freizugeben und auch die Macht, ihn ans Kreuz nageln zu lassen.
Jesus antwortete: "Du hättest keinerlei Macht über mich, wenn sie dir nicht von Gott gegeben wäre. Darum haben die, die mich dir ausgeliefert haben, größere Sünde auf sich geladen."
(Anmerken möchte ich noch, dass bei der dritten Anklage die Hohenpriester und Ratsältesten das Volk wieder "ausschalteten" und das Heft der Anklage nicht mehr aus der Hand gaben. Darüber hinaus nannten sie hier den wahren Grund ihrer Verurteilung Jesu: "Er behauptet, er sei Gottes Sohn.")

Das Urteil des Pilatus

Wegen dieser Worte Jesu war Pilatus noch einmal bemüht, ihn freizugeben.
Aber das hätte er besser nicht tun sollen, denn die Hohenpriester hatten noch einen Trumpf im Ärmel. Sie wussten, dass Pilatus den Ehrentitel "Freund des Kaisers" trug. Deshalb sagten sie zu ihm: "Wenn du den freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; denn wer sich selbst zum König macht, lehnt sich gegen den Kaiser auf!"
Pilatus wusste was passierte, wenn jemand dieser Titel abgesprochen wurde. Dies wäre sein eigenes Todesurteil gewesen. Er setzte sich auf den Richterstuhl und sagte: "Seht doch, euer König!"
Die Hohenpriester und ihre Anhänger schrien: "Weg, weg mit ihm! Schlag ihn ans Kreuz!"
Noch einmal fragte Pilatus: "Soll ich euren König kreuzigen lassen?"
Die Hohenpriester antworteten: "Wir haben keinen König, nur den Kaiser in Rom!" (Dies hatten sie weder vor dem Prozess noch jemals danach bekannt!)
Pilatus gab ihnen nach und ließ Jesus zur Kreuzigung abführen.


Bilder

© JMB - Fotolia.com



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