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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 2,1 - 3,8:
Gottes gerechtes Gericht

Wichtig: Diese Unterseite ist Teil IV einer siebenteiligen Serie. Die Zusammenstellung dieser Serie finden Sie HIER. Bitte beginnen Sie mit der Lektüre bei Teil I und erarbeiten Sie sich die Texte fortlaufend bis Teil VII.

Dies ist die Fortsetzung von Teil III!


Auslegung:

Gottes Zorn über den JudenGottes Zorn über den Juden

7. - Gottes gerechtes Gericht ist den Werken entsprechend?!

In Kapitel 2,2+6 sagt Paulus, dass das Gericht Gottes den Werken entsprechend sein wird. Heißt dies, dass es doch eine "Werkgerechtigkeit" gibt?

Die Antwort findet sich in den Versen 7 bis 10 von Kapitel 2 (insbesondere Vers 7). Dort macht Paulus deutlich, welche Art von Werken mit ewigem Leben "belohnt" werden. Wir und die Juden denken bei "guten Werken" sofort an Leistungen, die wir erbringen. Aber darum geht es hier nicht. Ich finde, dass meine Übersetzung von Vers 7 dies sehr deutlich zum Ausdruck bringt:

"Denen,
die auf die Weise nach Herrlichkeit,
Ehre und Unvergänglichkeit streben,
dass sie unermüdlich Gutes tun,
ewiges Leben."

Hier geht es um die komplette Lebensführung. Paulus beschreibt hier Personen, deren Lebensinhalt der ist, unermüdlich das Gute - den Willen Gottes - zu tun. Dies tun sie in einem Bestreben nach Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit. Vers 10 sagt uns dann, was dies für ein Mensch ist. Es ist keiner, der vor Gott mit Leistungen auftrumpfen wird. Vielmehr ist es einer, der das Gute tut und sich mit Herrlichkeit, Ehre und Frieden beschenken lässt. Es ist also ein Mensch, der, indem was er tut, sein Wesen und seinen Lebensinhalt offenbart. Es geht auch nicht um die Menge an guten Werken. Die Rede ist von "unermüdlich Gutes tun" und "das Gute tun". Es ist ein Gute-Werke-Ganzheitskonzept! Von einer Werkgerechtigkeit kann also keine Rede sein.

Dasselbe gilt auch für die "bösen Werke" (Vers 8 + 9). Auch hier geht es um die ganze Lebensführung, das Wesen des Menschen, der sie lebt. Er ist selbstsüchtig und widersetzt sich der Wahrheit. Indem er dies tut, gehorcht er aber der Ungerechtigkeit. Auf ihn wartet Gottes Zorn und Grimm, der keine Versöhnung ermöglicht. Solche Menschen (alle, jeder Einzelne von ihnen) kommen in Bedrängnis, die Angst hervorruft.

Den Lohn für das Gute oder das Böse tun erhalten die Juden zuerst und dann die Heiden. Sie, die Juden, haben aufgrund ihrer Vorzüge auch die größere Verantwortung und werden deshalb auch zuerst zur Verantwortung gezogen.

8. - Gottes gerechtes Gericht ist ohne Ansehen der Person!

Mit Kapitel 2 Vers 11 schließt Paulus seine Ausführungen der Verse 1 bis 10 ab. Gleichzeitig leitet er aber auch zu den folgenden Versen über.

Indem Paulus begründend sagt, dass Gott ohne Ansehen der Person richtet, zitiert er mit 2. Chronik 19,7 eine Aussage, die jedem Juden vertraut ist. Gleichzeitig gibt er dem Juden dadurch auch zu verstehen, dass es in den vergangenen Versen tatsächlich um ihn ging. Jakobus schreibt in Jakobus 2 Vers 9 Judenchristen: "Wenn ihr aber die Person anseht, so begeht ihr Sünde und werdet vom Gesetz (vgl. 5. Mose 1,17) als Übertreter überführt." Im größeren Textzusammenhang beinhaltet diese Aussage auch, dass die Vorzüge der Juden im Gericht Gottes zu keiner Vorzugsbehandlung führen. Ihre Vorzüge haben mit Verantwortung und nicht mit Sonderbehandlung zu tun.

Dass Gott ohne Ansehen der Person richtet, zeigt sich auch darin,

  • dass Gottes gerechtes Gericht alle Menschen trifft (12)
  • und dass nicht die Hörer, sondern die Täter des Gesetzes gerechtfertigt werden (13).

Mit Vers 12 kommt Paulus wieder auf die Heiden von Kapitel 1,18-32 zurück. Sie sündigen, allerdings ohne das mosaische Gesetz (die Thora, die 5 Bücher Mose).
Aber auch die Juden sündigen und das, obwohl sie dem mosaischen Gesetz unterstellt sind!
Ob mit oder ohne mosaisches Gesetz - alle Menschen werden das Gericht Gottes erfahren. Die Heiden werden aufgrund ihrer Sünden und ohne Gesetz verloren gehen. Die Juden werden aufgrund ihrer Sünden durch das mosaische Gesetz verurteilt werden. Ob "verloren" oder "verurteilt", beide "Urteile" sind endgültig.

Vers 13: In Gottes Augen sind nämlich nicht die Hörer des mosaischen Gesetzes gerecht, sondern alle, die es tun, werden für gerecht erklärt werden. Hierbei ist wichtig, dass wir uns den Inhalt von Vers 7 bis 10 vergegenwärtigen, wo die Art und Weise des Tuns des mosaischen Gesetzes beschrieben ist!

Der Grundsatz von Vers 13 enthält aber eine Schwierigkeit. In Vers 12 sagte Paulus noch, dass die Heiden das mosaische Gesetz gar nicht kennen. In wiefern kann dann Vers 13 auch für sie gelten? Kann Gott sie dann überhaupt zur Verantwortung ziehen? Wie soll es möglich sein, dass sie Täter des Gesetzes werden? Mit Vers 14 und 15 gibt Paulus darauf eine Antwort. Er sagt:

  • Es gibt Heiden, die entsprechend dem mosaischen Gesetz handeln!
  • Wie kommt das? Weil sie sich selbst ein Gesetz sind!
  • Wie ist das zu verstehen? Sie haben auch ein schriftliches mosaisches Gesetz!
  • Wo? Als Inschrift in ihren Herzen!
  • Kann diese gelesen werden? Ja!
  • Wie kommt man darauf? Das Tun der Heiden bezeugt dies!
  • Spricht sonst noch etwas dafür? Ja, ihr Gewissen und ihre Gedanken bezeugen das auch!
  • In wiefern? Die Herzensinschrift kommt darin zur Sprache!
  • Und weiter? Je nachdem, was der Heide sagt ("Ja" oder "Nein"), erfolgt ein Anklagen, Beschuldigen und / oder Verteidigen!

Und am Tag des Gerichts, sagt Vers 16, wird dies offenbar werden. Dort wird sichtbar, was jetzt noch im Herzen der Menschen verborgen ist. Dies wird durch Jesus Christus geschehen, der entsprechend dem Evangelium des Paulus richten wird! "Durch Jesus Christus" kann man auch so interpretieren: "Gott wird das Verborgene des Menschen so richten, wie ich es in meinem Evangelium durch Jesus Christus verkündige."

Wie ist nun Vers 14 und 15 zu verstehen?

Es gibt Ausleger, die der Ansicht sind, dass Paulus den Juden in diesen Versen Heidenchristen gegenüberstellt. Sie argumentieren, dass die Herzensinschrift auf den Neuen Bund hinweist - vgl. Hebräer 10,16-18 und Jeremia 31,31-24. Und im Textzusammenhang (2,25-29) sei sowieso noch von Heidenchristen die Rede.

Ich persönlich denke, dass von wirklichen Heiden gesprochen wird. Schon in Kapitel 1 Vers 32 wird von Heiden gesagt, dass sie Gottes Rechtsforderung kennen und darum wissen, dass die Entscheidung entgegen dieser Rechtsforderung das Gericht Gottes nach sich zieht. Dennoch verdrängen sie dieses Wissen, hören damit nicht auf dieses innere Anklagen und verbannen die Wahrheit aus ihrem Leben.


Anwendung:

Die Bibel kennt keine Werkgerechtigkeit!

Was sind in Gottes Augen gute Werke?Eventuell hatten Sie beim Lesen meiner Ausführungen zur "Werkgerechtigkeit" unter 7. den Eindruck, dass ich mir etwas zurechtlege. Sie glauben (und Römer 2 belegt ihnen dies), dass die Bibel eine Gerechtigkeit aufgrund der Werke lehrt. Außerdem kennen Sie weder einen Menschen, der unermüdlich das Gute tut und auch keinen, der sich mit seinem ganzen Sein der Wahrheit widersetzt und der Ungerechtigkeit gehorcht (höchstens aus Krimis). Diese Extreme gibt es für Sie einfach nicht oder kommen nur ganz selten vor. Das hieße aber, dass die Mehrheit der Menschen dazwischen einzuordnen wäre und man eigentlich nicht so recht weiß, was dies im Endeffekt heißt. Werden sie mit dem ewigen Leben bei Gott belohnt oder trifft sie der unversöhnliche und auch ewig durchlebte Zorn und Grimm Gottes?

Nun, ein dazwischen gibt es nicht! Entweder Sie sind ein Jude oder ein Heide, der unermüdlich das Gute tut, und werden dafür mit dem ewigen Leben bei Gott beschenkt, oder Sie sind ein Jude oder Heide, der unermüdlich das Böse tut, und werden dafür zum ewig durchlebten Zorn und Grimm Gottes bestraft. Entweder - oder!

Vielleicht helfen Ihnen diese Gedanken: Sicherlich geht es Ihnen bei Ihrer Selbsteinschätzung so, dass Sie sich nicht für einen Menschen halten, der unermüdlich das Böse tut. Aber genauso werden Sie auch in die andere Richtung denken. Oder würden Sie allen Ernstes behaupten, dass Sie unermüdlich das Gute tun? Könnte es eventuell sein, dass Werke durch die Stellung dessen, der sie tut, das Prädikat gut oder böse erhalten? Ich möchte diese Fragen hier noch nicht beantworten, aber schon kleine Gedankenanreize geben, die im Römerbrief noch zur Sprache kommen.

  • Viele Christen behaupten zum Beispiel, dass sie Sünder sind.
  • Das ist absolut unbiblisch. Durch ihre Bekehrung sind Christen in die Stellung von Gerechten gesetzt worden und sollen dieser Stellung entsprechend leben!
  • Der Sünder-Christ wird sagen: "Ich armer Sünder, ich kann gar nicht anders, als immer wieder zu sündigen!"
  • Der Gerechte-Christ wird sagen: "Der dreieinige Gott hat mich durch seine Gerechtigkeit vom Gesetz der Sünde befreit, das heißt: ich muss nicht mehr sündigen und will unermüdlich das Gute tun zu seiner Herrlichkeit (Und wenn ich sündige, dann bekenne ich das und will weiter ein Leben in der Stellung des Gerechtfertigten leben.)!"

Das klingt wie Psychologie, ist aber biblische Theologie, die leider Gottes oft abgelehnt wird. Man sieht darin die Gefahr des Stolzes und andere Dinge.

Zurück zum Thema: Wenn Sie die Auslegung des Römerbriefes bis hierher durchgearbeitet haben, dann wurde Ihnen von Paulus (Gott) schon mehrfach gesagt, dass es keine Werkgerechtigkeit gibt. In den Kapiteln 9 bis 11 kam das immer wieder zur Sprache, ebenso in Kapitel 1,2-6 und 16,25-27, wo vom Glaubensgehorsam die Rede ist. Sollte Ihnen dies entgangen sein, dann werden Sie recht bald wieder in aller Klarheit davon hören. Der Römerbrief ist ein Zeugnis der Gerechtigkeit aus Glauben ohne Verdienst-Werke!

Gott richtet ohne Ansehen der Person!

Gott wird ohne Ansehen der Person richten. Das ist tröstlich. Das ist aber auch gefährlich. Die Juden wussten darum und verwendeten dennoch diese Tatsache als Ruhekissen. Sie hatten ja ihre Vorzüge. Aber gerade dieses "ohne Ansehen der Person" macht ja deutlich, dass Vorzüge keine Sonderbehandlung herbeiführen können. Vorzüge sind Vorzüge, erhöhen aber auch die Verantwortung!

Also - die Sache ist im Grunde genommen ganz einfach:

  • Alle Menschen trifft das Gericht Gottes!
  • Dieses Gericht ist gerecht und ohne Ansehen der Person!
  • Mit ewigem Leben bei Gott wird nur der belohnt, der als Kind Gottes lebt (im Glaubensgehorsam Werke tut)!
  • Mit ewigem Leben getrennt von Gott wird der belohnt, der das Angebot der Kindschaft ablehnt (also bleibt, wie er ist und sich damit der Wahrheit widersetzt und der Ungerechtigkeit gehorcht)!
  • Wer sich auf Verdienst-Werke beruft, wird genauso mit ewigem Leben getrennt von Gott belohnt!

Am Tag des Zorns wird sich dies alles bestätigen.

Vielleicht denken Sie nun, dass sich dann herausstellen wird, dass der Molzahn hier völligen Blödsinn erzählt hat. Dazu möchte ich sagen: "Falls ich recht haben sollte, ist es für Sie zu spät. Dann werden Sie verloren gehen. Wollen Sie das riskieren?" Deshalb: Prüfen Sie bitte, was ich hier sage/schreibe. Nicht anhand dessen, was Ihr Pastor sagt, auch nicht anhand dessen, was Sie für richtig empfinden. Die einzige und zuverlässige Prüfungsgrundlage ist das Wort Gottes!

Weiter mit Teil V!



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