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Der Römerbrief:
Text, Auslegung & Anwendung

Römer 2,1 - 3,8:
Die Berufung auf die Beschneidung

Wichtig: Diese Unterseite ist Teil V einer siebenteiligen Serie. Die Zusammenstellung dieser Serie finden Sie HIER. Bitte beginnen Sie mit der Lektüre bei Teil I und erarbeiten Sie sich die Texte fortlaufend bis Teil VII.

Dies ist die Fortsetzung von Teil IV!


Auslegung:

Gottes Zorn über den JudenGottes Zorn über den Juden

9. - Die Berufung auf die Beschneidung!

Bei all dem, was Paulus in Kapitel 2,1-24 sagt, bleibt dem Juden die Spucke weg. Er kann sich nun quasi nur noch auf die Beschneidung berufen. In den Versen 25-29 macht Paulus klar, wie viel diese Berufung auf die Beschneidung "wert" ist.

Zunächst einmal ist aber wichtig, dass die Erwähnung der Beschneidung ein Hinweis darauf ist, dass Gott mit Israel (den Juden) einen Bund geschlossen hat (1. Mose 17,9-14). Die Beschneidung ist das Bundeszeichen (ab Abraham) und der "Vertrags"-Inhalt dieses Bundes ist das Gesetz (mit Mose).

Als Formel betrachtet, lautet diese Rechnung:

Bundeszeichen Beschneidung = Bund mit Gott + Gesetz

Die wirkliche Formel ist aber eine ganz andere:

Bundesangebot
+ Annahme des Bundesangebotes
=
Unterordnung unter das Gesetz
+ Bundeszeichen (äußerliche Beschneidung verweist dann auf innere Beschneidung)

Vers 25 sagt uns, dass nur da, wo man sich um den Bundesinhalt kümmert, die Beschneidung zum echten Bundeszeichen wird. Da, wo des Juden Wesenszug und Lebensinhalt nicht das gute Werk ist, da nützt ihm auch sein Bundeszeichen nichts. Es wird sogar zum Unbeschnittensein. Am Tag des Gerichts wird er dann weder Sohn Abrahams noch ein Glied des Bundesvolkes sein. Der Jude ist dann ein Heide!

Und was kann man umgekehrt über den unbeschnittenen Heiden sagen, der das Gesetz befolgt?

  • 2,26: In Gottes Augen ist er am Tag des Gerichts ein Beschnittener!
  • 2,27: Und: Er wird den beschnittenen Juden, der das Gesetz übertritt, richten!

Wie unterscheiden sich die falschen von den echten Juden (29+27)?

  • Die falschen Juden sind nur äußerlich beschnitten. Die echten Juden vor allem innerlich!
  • Die falschen Juden sind nur am Fleisch beschnitten. Die echten Juden vor allem am Herzen!
  • Die falschen Juden sind nur durch den Buchstaben (des Gesetzes) beschnitten. Die echten Juden vor allem durch den Geist - vgl. Kapitel 7,6!
  • Die falschen Juden sind Gesetzesübertreter. Die echten Juden vor allem Gesetzesbefolger (Gesetzeserfüller) - vgl. Kapitel 8,4!
  • Die falschen Juden erhalten nur menschliche Anerkennung. Die echten Juden vor allem göttliche Anerkennung - vgl. Kapitel 4,2!

Der Inhalt der Verse 25-29 liest sich so, als ob die Begriffe Jude und Heide bzw. Jude und Nichtjude keine Rolle mehr spielen würden. Ein Jude kann zum Nichtjuden werden und ein Heide zum Juden. Die Abstammung ist nicht mehr von Bedeutung. Dieser Schluss darf auf gar keinen Fall gezogen werden - vgl. insbesondere Kapitel 11,22-36. In unserem Abschnitt wird in Vers 5 und 16 auf den Tag des Gerichts verwiesen. Dort wird das verborgene der Herzen offenbar und Vers 26 sagt Paulus: "Wenn der Unbeschnittene die Forderungen des mosaischen Gesetzes befolgt, gilt er als Beschnittener = wird ihm das als Beschneidung angerechnet!


Anwendung:

Die falsche und die tragfähige Bundesformel!

Bundesformeln
Gott schließt mit jedem, der Christ wird, einen Bund. Es ist der sogenannte Neue Bund. Auch dieser Bund beinhaltet ein Bundesangebot, nämlich das Evangelium von Jesus Christus an alle Menschen. Wer dieses Angebot annimmt, mit dem vollzieht Gott den Bundesschluss. Er wird begnadigt und der Gemeinde Jesu Christi hinzugetan. Als Bundeszeichen ließ man sich daraufhin im Urchristentum taufen und unterstellte sich zudem dem Gesetz Christi. Das ist die "Formel" des Christseins:


Bundesangebot Evangelium
+ Annahme des Bundesangebotes
=
Bundeszeichen der Taufe
+ Unterordnung unter das Gesetz Christi

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die "Formel" geändert. Sie lautet mittlerweile:

Taufe = Bund mit Gott + 10 Gebote

Das ist die Formel der Namenschristen. Das ist die Formel, die man heute Gott unter die Nase reiben möchte. Und das ist die Formel, die im Gericht Gottes genauso wenig Bestand haben wird, wie die Formel der Juden (Beschneidung = Bund mit Gott + Gesetz).

Warum?
Weil diese Rechnung noch größere Fehler beinhaltet, als die Rechnung der Juden. Jede Komponente der Formel der Namenschristen ist durch und durch falsch belegt. Lassen Sie mich das kurz aufzeigen:

  • Die Juden begannen ihre Formel mit der Beschneidung und führten diese Beschneidung so aus, wie Gott dies befohlen hatte.
  • Die Namenschristen beginnen ihre Formel mit der Taufe und missbrauchen hierzu einen biblischen Glaubensgehorsamsschritt. Das Neue Testament lehrt, dass ein Mensch, der sich bekehrt hat, taufen lassen soll und damit nach außen zeigen soll, dass seine Sünden abgewaschen wurden. Die Taufe der Namenschristen ist etwas ganz anderes. Sie wurden als Kind getauft. Ohne Bekehrung getauft. Ein persönliches Zeugnis über das, was geschehen ist, kann nicht stattfinden. Und die Handlung als solches ist keine Taufe, sondern eine Besprengung. Der wichtigste Punkt aber ist, dass die biblische Taufe das vorher geschehene Abwaschen der Sünden durch Jesus Christus symbolisiert, was beim Namenschristen nicht geschehen ist!
  • Die Juden beriefen sich durch ihr Bundeszeichen darauf, dass sie innerhalb des Bundes Gottes mit Abraham waren.
  • Die Namenschristen berufen sich durch ihr Bundeszeichen darauf, dass sie innerhalb des Neuen Bundes sind. Was beinhaltet der biblische Neue Bund? Ich würde sagen, dass man in diesen Bund hineinbegnadigt wird. Man unterscheidet Gottes Bündnisse in Bündnisse mit Bedingungen und Bündnisse ohne Bedingungen. Der Bund mit Mose war ein Bund mit Bedingungen "Wenn ihr diese Dinge tut, werdet ...". Der Neue Bund ist ein Bund ohne Bedingungen. Es ist ein Bund der Begnadigung. Und damit dieser begnadigte Mensch ein wahrhaft freies Leben im Gehorsam Gott gegenüber leben kann, schenkt ihm Gott bei der Bekehrung den Heiligen Geist. Das, was der Bund der Namenschristen beinhaltet, ist etwas ganz anderes. Kein Namenschrist wird zugeben, dass er begnadigt werden musste, dass Jesus für seine Sünden am Kreuz sterben musste und er aufgrund dieses Opfers in diesen Bund hineinbegnadigt wurde. Die Sache mit dem Heiligen Geist hat er auch anders gelöst. Den hat er bei der Firmung oder Konfirmation erhalten. Und so lebt er in einem falschen Gnadenbund, der kein Gnadenbund ist.
  • Den Juden sicherte die Berufung auf das mosaische Gesetz ihre Bundeszugehörigkeit.
  • Die Namenschristen berufen sich auf die 10 Gebote. Da stellt sich uns die Frage, ob diese 10 Gebote überhaupt Inhalt des Gesetzes Christi sind. Zur Verwunderung und leider auch zum Ärgernis vieler Christen antworte ich hier: Die 10 Gebote haben nichts mit dem Gesetz Christi zu tun. Die 10 Gebote (eigentlich 613 Gebote) des mosaischen Gesetzes sind für den Bund mit Mose und für das Volk Israel. Eine weitere Funktion der 10 Gebote ist die, dass sie allen Menschen zur Sündenerkenntnis dienen sollen. Vor der Bekehrung sollen die 10 Gebote dazu beitragen, dass Menschen erkennen, dass sie sündigen und sie zur Buße/Bekehrung führen. Nach der Bekehrung sind Christen dem Gesetz Christi unterstellt! Und die Messlatte dieses Gesetzes liegt deutlich höher und "die Gebote" haben niemals den Anhang "Wer diese Dinge tut, wird durch sie leben!" Das Gesetz Christi ist zudem eine Herzensangelegenheit und wird von daher aus einer anderen Motivation heraus gelebt. In späteren Kapiteln werden wir das Gesetz Christi noch behandeln.

Die Rechnung geht also nie und nimmer auf. Sie ist durch und durch falsch! Die eigentliche Formel hat auch eine ganz besondere Eigenart. Sie darf nämlich niemals umgestellt werden. Sobald man sie umstellt ist nämlich der Wurm drin und die Hauptsache in Gefahr. Mit anderen Worten:

  • Wer das Bundesangebot angenommen hat, lässt sich normalerweise taufen und ordnet sich dem Gesetz Christi unter. Die Hauptsache dieser Formel ist die Annahme des Bundesangebotes. Und selbst wenn aus irgendeinem Grund die Taufe nicht praktiziert wird und es eventuell auch zu einer Zeit des Ungehorsams käme, bleibt der Gnadenbund bestehen!
  • Wer getauft ist, hat nicht notwendigerweise das Bundesangebot angenommen. Der Namenschrist meint dies. Aber es ist nicht der Fall. Er ist außerhalb des Gnadenbundes!

Welche Formel ist zum Inhalt Ihres Lebens geworden?

Die verdrehte Formel, die alle Komponenten falsch belegt und den Bund mit Gott zum Ergebnis einer Handlung ohne persönliche Entscheidung herabsetzt?

Taufe = Bund mit Gott + 10 Gebote

Dann sind Sie ein Namenschrist. Dann wird sich Ihr Bund mit Gott am Tage des Gerichts in Luft auflösen. Es hat ihn nie gegeben!

Die Formel Ihres Lebens muss mit der Annahme des Bundesangebotes beginnen. Dann sind Sie Christ. Und dann werden Sie nicht einmal in jenes Gericht kommen, denn Sie werden vom Tod ins ewige Leben übergehen. Und wenn Sie begriffen haben, welch große Begnadigung Sie da erleben durften, dann werden Sie im Bundeszeichen der Taufe zeigen, dass Gott Ihre Sünden abgewaschen hat und sich von ganzem Herzen dem Gesetz Christi unterordnen!

Weiter mit Teil VI!



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